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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der Wunsch, liebe Verwandte wiederzusehen,
führte mich jüngst für drei Tage nach
lische Absichten dort angelangt, bin ich doch nicht ganz ohne
musikalische Ernte zurückgekehrt. Die
unter dem vorigen Director Mahler einen so schönen
Director meistens die gebundenen Hände seiner Pensioni
rung vorzieht. Seit einigen Tagen besitzt die
pest
Verdachte stand, ein näheres Verhältniß zur Musik
zu haben. Vielleicht schlägt dies besser aus. Sein
volles Vertrauen und Wohlwollen hat er in feierlicher
Antrittsrede dem Operndirector ausgedrückt, und wenn diese
zwei Dinge stricte eingehalten werden, so kann ein fähiger
Director sich nichts Besseres wünschen. Herr
seinem — wie gesagt, nicht unbehinderten — ersten Jahre
bereits eine fruchtbare Thätigkeit in
Zahl der Novitäten an der königlichen Oper ist verhältniß
mäßig sehr groß.
Director
folgende neun Novitäten zur ersten Aufführung gebracht: „
kaufte Braut Smetana, „
„
ihre erste Aufführung in
Stadt auf dem Continent, welche diese (selbst den Parisern
noch fremde) interessante Novität auf die Bühne bringt.
Eine vortreffliche
der „
ausführlich die Handlung erzählt, die ich hier blos anzu
deuten brauche. Ein muthiges armes Mädchen,
Nachts in das feindliche Lager und ersticht dort den An
führer der Carlisten — nicht um, wie
befreien, sondern um eine hohe Geldsumme zu verdienen,
die sie als Mitgift zu ihrer Heirat braucht. Schwerverwundet
wird ihr Geliebter, der Sergeant
er stößt die Mörderin mit einem Fluche von sich und stirbt
zu ihren Füßen, während sie in Wahnsinn ausbricht. Da
zwischen Kriegslärm, Bivouak, Transport von Verwundeten,
Sterbeglocken, Trommelwirbel, Hornsignale. Wer von einer
einactigen Oper noch mehr fordern wollte, ich glaube,
worin Trommeln und Trompeten das große Wort führen,
verräth, daß wir es hier mehr mit einem Gemälde, als
mit einer Oper zu thun haben. Das Vorbild
das „fortzeugend Böses muß gebären“, ist unverkennbar.
Ich glaube
nach Anhören der „
auch und wahrscheinlich besser. Dieses „besser“ zeigt sich un
streitig in der feineren, pikanten Ausführung des Details
und dem Vermeiden jener derben Trivialitäten, durch welche
die „
In „
centrirter; athemlos, unter beständigem Herzklopfen stürmt
die Handlung vorwärts und treibt jeden der wechselnden
Gemüthsaffecte gleich auf die äußerste Spitze. In einer
solchen Oper ißt die Musik nur das Gnadenbrot und ein
meist tüchtig versalzenes. Sie darf nicht aus eigenen Mitteln
leben und sich bequem machen: ihr Geschäft ist das augenblick
liche virtuose Farbenmischen. In dieser Kunst entfaltet
eine ungemeine Geschicklichkeit. Die wenigen Momente, wo die
Musik doch ein Weilchen stillhalten muß, hebt
wol durch melodische Erfindung — sie ist sehr dürftig — als
durch den exotischen Reiz
Es sind dies drei Nummern: die Erzählung
Bekanntwerden mit
Fandango-Melodie leicht untermalt; dann das schwerfällige
Trinklied der Soldaten, endlich ein reizend instrumentirtes
Orchester-Intermezzo, welches die auf dem Boden lagernden
Soldaten leise in den Schlaf lullt. Sonst bewegt sich der
Gesang fast überall dialogisch, in Andeutungen oder Auf
schreien. Die einzelnen Charaktere haben scharf umrissene
Profile, aber keine Tiefe. Die Stimmung ist von Anfang
bis zu Ende im höchsten Grad elektrisch gespannt; brütende
Gewitterschwüle, von vernichtenden Blitzen durchzuckt. „
Navarraise
die uns mit pathologischem Grauen anziehen und zugleich
ästhetisch abstoßen. Ein Nachbar meinte, solche Stücke sollten
eigentlich verboten werden. Ich denke, das wird nicht
nothwendig sein, sie werden bald von selbst aufhören.
Indessen, ich habe hier keine Kritik abzugeben über
„scène lyrique“, wie er das wilde kleine Drama nennt,
sondern nur den ersten Eindruck zu schildern. Diesem kam
die wirklich vortreffliche Aufführung sehr günstig zu Hilfe.
In der Darstellerin der Szilagyi, lernte
Unmittelbar nach dem nervösen Taumel, in den uns
Hubay’s einactiger Oper „
verschiedene Oper wird in
besondere ist mir der Bariton Herr Takats sehr ange
Leider ward ich durch eine plötzliche Repertoire-Störung
des Vergnügens beraubt, noch eine dritte nagelneue
Oper zu hören: „ Enoch Arden“ von
Herr Arthur
Dirigententalent auch in der Leitung der Philharmonischen
Concerte vollauf bewährt haben. Umsomehr beklagen es die
dieser Saison von diesen Concerten fernhält. Man hat zu
dem Aushilfsmittel wechselnder Gastdirigenten gegriffen:
Hermann
Philharmonisches Concert dirigiren. Diese auch in
Hauptstädten Mode gewordene Methode scheint mir weniger
dem künstlerischen Zweck, als der Neugierde des Publicums
zu dienen, welches gerne wissen möchte, wie dieser und jener
berühmte Capellmeister aussieht. Wenn ein Orchester glück
licherweise selbst einen ausgezeichneten Dirigenten besitzt, so
kann nichts wünschenswerther sein, als daß es mit diesem
so fest wie möglich verwachse zu Einem beseelten Organis
mus. Ein fremder, zugereister Dirigent, der, unvertraut mit
dem Orchester, nach zwei hastigen Proben ein Concert
leitet und dann auf Nimmerwiedersehen abreist, um einem
zweiten, dritten und vierten den Platz zu räumen, kann
nur zufällig und ausnahmsweise so Vollkommenes leisten,
wie ein ständiger Capellmeister, der sein Orchester und jeden
Einzelnen darin aus täglichem Zusammenwirken kennt und
beherrscht. Ohne Zweifel wird man in
heurigen Experiment wieder zurückkehren zu der alten,
monarchischen Verfassung.
Von den Concerten habe ich während meiner drei
Tage nichts gesehen, als die Anschlagzettel, welche mich be
lehrten, daß auch
suchung durch Virtuosen. Selbst namhafte unter ihnen sollen
die Stadt mit einem bitteren Nachgeschmack verlassen haben;
ihren Concertsaal fanden einige halb leer, andere zwar
gefüllt, aber nicht mit zahlenden Personen. Nur im engsten
Privatkreise ward mir ein musikalischer Genuß geboten: ich
hörte zum erstenmale die neuen Brahms’schen „
Die sieben Hefte „ Deutsche Volkslieder mit
Clavierbegleitung von Johannes Brahms“
Von den 42 Volksliedern der Sammlung dürften
wenige bekannt sein;
Naturlaute der Musik wie der Poesie — aus verschollenen
Almanachen und Volksbüchlein gehoben, die Melodie ganz
unverändert gelassen und mit einer Clavierbegleitung ver
sehen, wie nur eben
einfach zu den ersten Strophen, reicher figurirt zu den wei
teren, schmiegt sich die Begleitung so innig und unmittelbar
an die Singstimme an, wie diese an das Gedicht. Heitere
und wehmüthige Lieder, neckische und leidenschaftliche, reine
Lyrik und balladenmäßige Erzählung wechseln mit einander.
Ich muß darauf verzichten, einzelne Lieder besonders her
vorzuheben, denn jedes ist „besonders“ schön. Und wie sich das
Einfachste, Natürlichste in der Kunst am schwersten schildert,
so wehren sich auch diese
Feder des Kritikers. Genug, daß
Volksliedersammlung ein unvergängliches Verdienst geschaffen
und einen verschütteten Jungbrunnen erschlossen hat, der
in keiner musikalischen Familie fehlen sollte. So ist denn
auch mit diesen
rung an
da man dort blos Zigeunermusik zu hören bekam.