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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Ein halbes Jahrhundert ist verflossen, seit
wir uns wiederholt an drei Bruchstücken dieser Composition
erfreut — „Romeo allein“, „Liebesscene“ und „Fee Mab“
— das vollständige Werk jedoch war der heutigen Generation
unbekannt geblieben. Ihr nachträglich zu dieser Bekanntschaft
verholfen zu haben, ist ein Verdienst des Hof-Capellmeisters
vollen Anspruch darauf, daß man sein Hauptwerk ganz, wie
er es gedacht und geschaffen, kennen lerne. Das verpflichtet
freilich nicht zu ewiger Lieb’ und Treue. Wahrscheinlich wird
man das Gesammtwerk bald wieder achtungsvoll beiseite
stellen und sich wie bisher mit den genannten drei Orchester
stücken begnügen. Die Befriedigung, welche ein einheitliches,
organisch zusammenhängendes Kunstwerk gewährt, vermag
Sie interessirt uns als ein geistreiches Curiosum, um nicht
zu sagen: als ein ästhetisches Monstrum. Die Bezeichnung
„Symphonie dramatique“ ist offenbar nur ein Verlegenheitstitel
für die neue Gattung, die
Gesang und Instrumentalsätze, Erzählung, Empfindung und
Ereigniß, sie lösen einander in buntem Wechsel ab, um den
Gang der
schildern. Der Gedanke ist so unglücklich als möglich; fort
während wird der Hörer aus einer bestimmten ästhetischen
Voraussetzung in eine andere geschleudert und wieder zurück.
In seiner „
Musik ist, stand der Componist selbst in der Mitte der
Situationen. Es lag nahe, daß er in ähnlicher Freiheit, rein
instrumental, die Hauptmomente des
dessen Bekanntschaft er bei allen Gebildeten voraussetzen
durfte, vor uns hinstelle.
den Verlauf der Handlung ein, die er doch nicht vollständig
wiedergeben kann, und überläßt es dem Nothbehelf eines
Prologs, diese Lücken auszufüllen. Wenn nun dieser gesungene
„Prolog“ uns die Handlung des Trauerspiels zu erzählen
beginnt, plötzlich von den Capulets und Montagues in
dramatisch bewegten Chören unterbrochen wird, dann wieder
das Orchester allein lyrische Scenen in langen Symphonie
sätzen ausmalt, bis schließlich das Finale ganz in der Oper
aufgeht — dann weiß man am Ende nicht mehr, in welchem
Vorstellungskreis man sich befindet. Anstatt zu wirkungsvoller
Einheit zu verschmelzen, sondern sich die lyrischen, epischen
und dramatischen Sätze in
einander und bleiben Bruchstücke.
Symphonie“ ist weder Symphonie noch Oper; ein haltloses
und zukunftsloses Mittelding zwischen beiden. Dieser unförm
liche Rahmen umschließt aber einzelne Bilder von großer
Schönheit, von denen zu sprechen mir oft die erwünschte
Gelegenheit wurde.
sichtlicher ist die gebräuchliche Eintheilung in „Prolog“ und
zwei Theile, jeder zu drei Nummern. Die logische Confu
sion des ganzen Aufbaues beginnt schon mit dem Anfang,
denn vor dem Prolog, der uns die
kommende Handlung erzählen soll, ein Orchesterstück, das
schon mitten in der Handlung steht: „Kampf, Tumult und
Intervention des Fürsten.“ Der Kampf der beiden feind
lichen Gruppen wird durch ein fugirtes Allegro wiedergegeben;
die beruhigende Dazwischenkunft des Fürsten durch ein langes,
furchtbares Recitativ aus dem Schlunde der Posaunen und
Hörner. Nur eine mimische Darstellung vermöchte dem Hörer
diese Musik zu erklären. Hierauf beginnt der eigentliche
Prolog, von einem kleinen Chor im klagenden Unisono ge
sungen. Er unterbricht zweimal seine Erzählung, zuerst um
eine Altistin zwei reizlose sentimentale Strophen singen zu
lassen, in welchen das Glück der Liebe gepriesen und
speare
um einem Tenor-Solo Platz zu machen, welches
Erzählung von der Fee
weise mit Chor. Und diese Fee
bei
großen Orchester-Scherzo, behandelt! Das Alles ist noch
„Prolog“. Bekanntlich läßt Gounod vor seiner
enthält die drei bekannten Orchesterstücke, die Perlen der
ganzen Partitur. Die Scene
Garten
eine anhaltende Klage der Oboe — ist in ihrer ersten Hälfte
sehr ausdrucksvoll, da
überlassen konnte und keine Geschichte zu erzählen hat. Die
sich anschließende Ballmusik athmet eine recht triviale
Lustigkeit, insbesondere wo die Melodie dem gemeinen
Klang hochgeführter Clarinetten anvertraut ist. Schließlich
wird, einem contrapunktischen Kunststücklein zuliebe, die Liebes
klage
— eine echte
vereinigt. Es folgt wieder ein Gesangstück. Die vom Balle
heimkehrenden jungen Herren (zwei getrennte Chöre) preisen
in vergnügt schleudernden Gesangsfragmenten die Genüsse der
Ballnacht. Unmittelbar daran schließt sich die Balconscene
(Scène d’amour), auf welche das Orchester-Scherzo „Fee
Mab“ folgt. Jene ist gewiß die rührendste, seelenvollste
Musik, dieses die glänzendste, genialste, die
haupt geschrieben. Beide dürften seine übrigen Werke am
längsten überleben.
Die zweite große Abtheilung enthält gleichfalls drei
Stücke (
nung der Parteien durch Pater
„Prolog“, vollständig neu für alle jene Glücklichen, die vor
fünfzig Jahren noch nicht in Concerte gingen. Durchaus
dramatisch gestaltet, hat diese Abtheilung gar nichts mehr
zu schaffen mit symphonischer Musik. Der erste Satz, Trauer
gesang um
essirte er nicht durch den Rollentausch zwischen Chor und
Orchester. In der ersten Hälfte psalmodirt der Chor bei
leicht fugirter Begleitung auf Einem Ton, in der zweiten
nimmt er das Motiv des Orchesters auf, und die Vio
linen bemächtigen sich jenes Tones (e). Das folgende
Orchesterstück, „
einen Exceß beschreibender Musik nennen, denn abge
sehen von der schönen „Invocation“ (Englischhorn und
Fagott) trachtet
Wirkungen des Giftes zu malen, die Schmerzen und
Krämpfe des sterbenden
Musikstücken, die, ohne Bühne und Schauspieler undenkbar,
uns nur den Eindruck von etwas Häßlichem und Unver
ständlichem zurücklassen. Das Finale ist eine breit ausge
führte Scene Pater
Montagues und Capulets. Von kurzen, energischen Zwischen
rufen des Chors unterbrochen, erzählt
tragische Geschick der Liebenden und ermahnt die feindlichen
Stämme in einem immer gewaltiger gesteigerten Arioso zur
Versöhnung. Der alte Zwist droht von neuem auszubrechen,
aber Gluck’s und die melodische Dürftigkeit
Das Werk erlebte unter Hanns
bewunderungswürdige Aufführung. Was das sagen will,
möge man aus den eigenen Worten
welcher in seinen
bietet immense Schwierigkeiten der Aufführung, Schwierig
keiten, die sowol mit der Form als mit dem Styl zusammen
hängen und die nur durch langes Studium unter einem
vollkommenen Dirigenten besiegt werden können. Zu ihrer
guten Ausführung braucht es Künstler ersten Ranges, Capell
meister, Spieler und Sänger, welche entschlossen sind, das
Werk zu studiren, wie man in guten Theatern eine neue
Oper studirt, das heißt: beinahe, als wenn man sie aus
wendig aufführen sollte.“ Die Virtuosität, mit der unser
Philharmonisches Orchester die „Liebesscene“ und „Fee Mab“
vorträgt, ist bekannt; auch diesmal haben diese beiden
Orchesternummern den entschiedensten Sieg über alles Andere
davongetragen und einen Sturm von Beifall entfesselt. Auch
den Chören sind überaus häkelige, dabei undankbare Auf
gaben gestellt.
Natur; für die Singstimmen schreibt er unbequem, gesang
widrig; seiner Melodie fehlt es an schönem Fluß, selbst an
Seele. Um so größer ist das Verdienst der Sänger
und Sängerinnen, die theils im Chor, theils als
Solisten mitwirkten. Unter diesen hatte Herr van Dyck
Aufführung, daß das Scherzetto viel zu schnell genommen
wurde. Sei es noch allenfalls mit
sich so leicht von den Lippen löst. Aber die
„Botin der Träume und flüchtigen Bilder“ u. s. w. in so
athemlos schnellen Achtelnoten deutlich herauszubringen, ist
ein Ding der Unmöglichkeit. Und auf die Worte kommt es
doch vor Allem an in diesem musikarmen Stück, welches,
an das Instrumental-Scherzo „Fee Mab“ gehalten, uns
recht deutlich den Unterschied zeigt zwischen der Domäne des
Gesanges und jener des Orchesters; ferner zwischen dem
Talente van Dyck ist für das persönliche Opfer, das er dem
Auch in dem letzten Philharmonischen Concert war eine
Composition von Berlioz zur Aufführung gekommen, für
nehmen. Aber die Philharmoniker haben jetzt von dem
Tode
vor zwei Jahren von seinem fünfzigjährigen Künstlerjubi
läum. In dieser fast demonstrativen Unterlassung stehen
sie ganz allein da unter den Concert-Instituten
Herz gewachsen, aber daß seinen Manen ein musikalisches
Todtenopfer gebracht werde, erschien mir als eine Pflicht
künstlerischer Courtoisie, wenn schon nicht herzlicher Pietät.
Die bedauerliche Zurückhaltung der Philharmoniker wurde
vielfach dahin gedeutet, Hofcapellmeister
strafen wollen. Dem Hasse der
allerlei zuzutrauen (kürzlich hat in einer
der
der von mir veröffentlichten
aber nicht nur sieht Herrn
Grab hinaus nicht ähnlich, er hätte bei dieser Gesinnung
auch die Berlioz nicht aufführen dürfen.