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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. In ihrem letzten Concertprogramm hatte die
Gesellschaft der Musikfreunde je einen Chor von Pale
und von
im strengsten Sinne, die, selbstlos, unterwürfig, den indi
viduellen Charakter des Künstlers zurückdrängt, ohne welchen
wir eine moderne Tondichtung uns nicht denken können.
Ein älterer Aesthetiker hat als höchste Tugend einer Kirchen
musik bezeichnet, daß man sie (als Composition) „gar nicht
merke“. In diesem Sinne ist für eine
Kirche der richtige Ort, nicht der Concertsaal, wo die
ästhetische Andacht herrscht über die religiöse. Die
Gemeinde unserer Musikfreunde ist nicht die Kirchen
gemeinde; sie darf ihr eigenes Recht wol geltend machen.
Und diesem Rechte entspricht die Pflicht unseres ersten Musik
institutes, den dreihundertjährigen Gedenktag
und
hat sich die Gesellschaft der Musikfreunde in ihrem ur
sprünglichen Programm ohnehin recht knickerisch und kleinlich
abgefunden. Nun mußten wir noch die Enttäuschung erleben,
daß auch diese Minimalfeier für
Concert wegblieb. Ein im Saal vertheilter hoch- und scham
rother Zettel begründete den Wegfall damit, daß eine
Anzahl Chorsänger an der Influenza daniederliegen. Diese
Entschuldigung wollte Niemandem recht einleuchten. Stand
doch unser „Singverein“ in imposanter Stärke auf dem
Podium und entfaltete in
und dem „
Vollklang. Mit der Hälfte dieses Chors haben
andere Städte eine würdige
bracht. Die „ungenügende Anzahl“ konnte somit kein ernstes
Hinderniß bedeuten, falls überhaupt die a capella-Chöre gut
studirt waren. Allein wir bekommen ja in vier Wochen noch
ein außerordentliches Gesellschaftsconcert! Da die Influenza
doch nicht als Orgelpunkt so lange fortbrummen wird,
dürfen wir hoffen, die Direction werde ihr Versprechen
nachträglich einlösen. Sie könnte dann schicklicherweise ein
Uebriges thun durch Hinzufügung auch einer weltlichen
Composition sowol von
der Madrigale
„
Probe geben von seiner „profanen“ Musik.
welcher diese „
widmete, bekennt sich zwar (ob aus voller Ueberzeugung?)
zu der katholischen Auslegung, welche die Liebeslieder
der Seele, umdeutet: weltliche Gedichte, Liebeslieder bleiben
sie nichtsdestoweniger, und die schönsten aus dem Schatzkästlein
Orlando Lassus auch der weltliche Tondichter.
Das zusammengeschmolzene, immer noch recht bunt
scheckige Programm wurde durch Sebastian
klar und sicher mit Vermeidung aller unpassenden Register-
Effecte ausführte. Daß übrigens Orgel-Soli im Concert
saale meist einen anfremdenden, starren Eindruck hervor
bringen, ist nichts Neues. Auf
bar — Humperdinck! Seine Idee,
figuren, welche diese wunderbare Verwandlung mit der An
schaulichkeit von etwas Gegenwärtigem zu schildern versucht,
völlig aus dem epischen Ton des Gedichtes. Ebenso das
H-dur-Fortissimo des Chores und der Blechinstrumente zu
den Worten: „Da lag dahingestreckt ihr Sohn, und der war
todt.“ Die ganze Composition läßt uns völlig gleichgiltig;
sie hat kein musikalisches Leben, weder melodische noch
rhythmische Kraft. Die Singstimmen folgen mit ihrem
gleichmäßigen Wechsel von Viertel- und Achtelnoten
pendelartig dem Versmetrum; diesen blutleeren Gesang
glaubt der Componist prächtig aufzufrischen durch eine
gekünstelte Orchester-Begleitung, welche geschäftig mit
kleinen Imitationen, Figurationen und wechselnden In
strumenten experimentirt.
peinlichen Filigranarbeit im Orchester rettet man
keine Melodie, in der nichts steckt. Nicht Ein Tact
offenbart schöpferische Kraft; die „
wenig einen persönlichen Stempel, ebensowenig eine charak
teristische Physiognomie, wie
geführte „
großer technischer Geschicklichkeit durchwegs an eigener Er
findung. Und das ist entscheidend. Als der gefeierte Jo
in einem Streit über das Talent
unterschätzen. Ich gehöre nicht zu den „Thoren“, denen, nach
verketten“. Die neue Idee, ein Kindermärchen mit bekannten
Kinderliedern zur Oper zu machen, das war das „Glück“;
im raschen Ergreifen und Ausführen lag das „Verdienst“.
Die beiden Elemente sind hier nicht mehr zu trennen; sie
verschmelzen sich zu dem „Stein der Weisen“: dem Erfolg.
Was hat nicht noch Alles beigetragen zu diesem ungeheuren
Erfolg! Welcher Glücksfund für alle großen und kleinen
Bühnen: eine Oper ohne Tenor, ohne dramatische Prima
donna, ohne Costümprunk und mit zwei Kinderrollen, um
welche sich die jungen Sängerinnen raufen! Trotzdem bleibt
es dabei, daß die nicht von
lieder die ganze melodische Essenz seiner Oper ausmachen
und alles Uebrige geschickte Nachbildung
mation und Instrumentirung ist. Nein,
„Inventore“. ... Die von Director Gericke sorgfältig
Herr Hugo Becker — ein so eminenter Künstler,