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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Was ein „Evangelimann“ ist, dürfte vielleicht
nur wissen, wer in
Zeit mitgelebt hat. Aus meinem Fenster sah ich regelmäßig
an Sonntag-Vormittagen einen Mann, noch häufiger einen
Knaben, im Hofe sich einfinden und barhaupt ein Stück
aus der
dienst-Surrogat für jene Hausbewohner, die am Kirchen
besuche verhindert waren. Da pflegten dann die Dienstmäd
chen vom Fenster aus zuzuhören und dem weltlichen Pre
diger einige Kupfermünzen zuzuwerfen. Die tragische Ge
schichte eines solchen Evangelimannes hat der
Commissär Florian
bewahrt, von wo sie Dr.
seine Oper herausholte.
Auf der geistlichen Stiftsherrschaft St. Othmar leben
zwei Brüder,
lehrer, der andere als Amtsactuar angestellt. Beide lieben
dasselbe Mädchen, die
und stößt den
Von diesem aufgehetzt, jagt der
vom Amte. Bevor er den Ort verläßt, nimmt
Abschied von der Geliebten.
schwüre der Beiden und rächt sich an ihnen, indem er
Feuer an die Scheune legt. Der Verdacht muß auf
fallen. Trotz seiner Betheuerungen wird der Unschuldige zu
zwanzig Jahren Kerkers verurtheilt. Der zweite Act spielt
dreißig Jahre später.
zweiflung getödtet.
haft als Evangelimann mit der
In einem dieser Häuser liegt sein Bruder
krank und von Gewissensqual gefoltert. Er hört die trö
stende Stimme des
heraufkommen und beichtet ihm sein Verbrechen.
erkennt den
verzeiht dem reuevoll Sterbenden und segnet ihn.
Der Componist, welcher nach neuester Sitte vor der
Bezeichnung Oper ausweicht wie vor glühendem Eisen,
obwohl sie weit genug ist, das Höchste wie das Alltäglichste,
Ernst wie Scherz und jedes Mischungsverhältniß zwischen
Ton und Wort in sich zu fassen, nennt seinen „
mann
ein bürgerliches Rührstück von jener Gattung, welche, zeit
weilig zurückgedrängt, doch immer wieder auftaucht, ja
unsterblich bleibt, weil ihre Wirkung, namentlich auf
sch
als überwunden; modernisirt, von geschickter Hand gestaltet,
übt er noch immer die alte Wirkung. Selbst ein strenger
Dramaturg und feiner Geist wie Karl Immermann be
Proben. Von
der „
erzählt aber auch, wie es ihm übel bekommen, als er
nicht, daß man andere Götter habe neben ihm. In heftigsten
Worten entlud er gegen den „abtrünnigen“
Zorn, der einer Verbannung gleichkam.
Donnergotte nie wieder genähert. Sollte etwa diese be
trübende Erfahrung auch nur ein klein wenig dazu beige
tragen haben,
abzulenken, so kann er sie ruhig verschmerzen. Mit weiteren
den Erfolg errungen, dessen sich jetzt sein „
erfreut. Die werthvollen Errungenschaften
kein moderner Operncomponist ignoriren, noch gewissen
können, die seit fünfzig Jahren in der Luft liegen. Aber mit
der Absicht sich hinsetzen, eine Oper im
schreiben, ist das allerbedenklichste Unternehmen, und gerade
in den „erst den eigentlichen
Wagner“. Auf diesen weiterzubauen ist lebensgefährlich,
Dem realistischen Zug unserer Zeit folgt er als Text
dichter und macht auch als Musiker dem Publicum freund
liche Concessionen. Chöre, Strophenlieder, Marsch- und
Tanzstücke suchen sich uns durch leutselige Melodien einzu
schmeicheln. So gut ihnen das gelingt, es läßt sich nicht
leugnen, daß gerade die melodiösen Musikstücke im „
gelimann
rathen.
den meisten Applaus einheimst, ist ein sentimentaler Bänkel
sang, dem man zu viel Ehre anthut, wenn man ihn der
berühmten
die Seite stellt. Die Lieder der Kegelschieber und der
spielenden Kinder sind uns willkommen als erfrischende Epi
soden, aber originell können wir sie nicht nennen. Auch bei
anderen Themen, die melodiöser an die Oberfläche dringen,
fragt man sich unwillkürlich: woher klingt mir das doch be
kannt? Zum Beispiel die Motive in dem Liebesduett: „Wie
danke ich dir“ (Des-dur), „Du theurer Mann“ (A-dur),
„Wir halten uns umwunden“ (Ges-dur); die Melodie des
Vieles erinnert nachdrücklich an
Neben und zwischen diesen liedmäßigen Stücken herrscht
überall die
zwischen Cantilene und Recitativ schwebend, über einem
selbstständig fortlaufenden, meist kunstvoll polyphonen
Orchestersatz, worin irgend ein kurzes Motiv durch alle
Tonarten, Octavengattungen, Umkehrungen seinen „unend
lichen“ Leidensweg zurücklegt. In diesem Musikstyl bewährt
der dabei empfindlich auffällt, ist der Mangel an rhythmi
scher Abwechslung. Ungebührlich vorherrschend ist der
langsame oder doch bedächtige Viervierteltact, und darin der
pendelnde Rhythmus von gleichen Viertelnoten. Das ver
doppelt die Monotonie mancher allzu breit ausgedehnten
Scene. (Erzählung des
zeugen das lang ausgesponnene Melodram zu
stummer Scene und das Orchestervorspiel des Liebesduetts
(ein förmliches „Intermezzo“) von
für Stimmungsmalerei. Ein ebenso gelungenes Gegenstück zu
diesen lyrischen Scenen ist die grelle Instrumental-Schilderung
der Feuersbrunst; man sieht da förmlich die Funken
fliegen und Balken zusammenstürzen. An dem Liebesduett selbst
fesselt uns mehr die Empfindung als die Erfindung. Den
erfrischenden Eindruck der Volksscenen habe ich bereits er
wähnt; nur sind die Spässe mit dem
verbraucht und übermäßig ausgesponnen. Im zweiten Acte
üben wieder die Kinderspiele und die sich anschließende Scene
mit dem
Publicum. Daß hier die bewegende Kraft weit mehr von
der Situation ausgeht, als von der ziemlich nebensächlichen
Musik, ist keine Frage. Da aber der Componist zugleich sein
Textdichter ist, so gehört die ganze Wirkung ihm allein, und
er braucht Lob und Erfolg mit keinem Zweiten zu theilen.
der mir in dem bekannten Briefe über meine „
sie diesen Eindruck (vom Sängerkrieg) verdanken, dem
Musiker oder dem Dichter, und mir kann es nur daran
liegen, diese Bestimmung unentschieden zu lassen. Ich kann
nicht den besonderen Ehrgeiz haben, durch meine Musik
meine Dichtung in den Schatten zu stellen.“ Für die Er
zählung des
die Schilderung
geschwebt zu haben. Aber die schauerlichen Klänge der ge
stopften Hörner und Trompeten, die kurz abgerissenen
Contrabaß-Figuren thun es allein nicht; was hat
für prächtige Motive! Für die Seelenqualen des
findet der Componist neben ergreifenden Accenten auch viel
herkömmliche Theaterphrasen. Trotz der ermüdenden Breite
dieser Scenen blieb aber die starke Wirkung auf die Zuhörer
nicht aus.
Der „
lichen Erfolg zu verzeichnen. Wir gratuliren Herrn
dazu und freuen uns aufrichtig, wenn ein junger
reichisch
gefeiert und belohnt sieht. Ob nicht auch ein klein bischen
über sein Verdienst? Das mag der Leser zwischen den
Zeilen lesen. Den glücklichen Sieger dürfte es wenig an
fechten nach dem geringschätzigen Urtheil, das er über
das ganze Geschlecht der Musik-Kritiker in seinen
„
Mißtrauen gegen diese armen Menschen, daß er allen
Ernstes verlangt, der Staat solle sie einem strengen Be
fähigungs-Nachweis unterziehen und „gerichtlich be
eidigen“. Vermuthlich müßten sie den Eid nicht auf das
charakteristisch als alter Bettler im zweiten! Sein
mann
Irrthum gedachte ich Herrn van
machen, nämlich daß er in der Schlußscene seinen
vers vor dem Fenster des
aufwand und theatralischer Leidenschaft vorträgt. Ein Blick
in die Partitur belehrt mich jedoch, daß der Componist selbst
es vorschreibt.
zur Ekstase steigendem Ausdruck“ zu singen. Immerhin
scheint es mir ein Mißgriff, den van
wol die Berechtigung hätte. Ein alter Bettler singt sein
Evangelium nicht mit dem Affect eines
häuser
Frömmigkeit zu dem verzweifelnden
Herr Reichmann, der mit der Heroenwelt noch fester ver