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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Siehe Nr. 11405 und 11427 der „
unter Tags mein Blick, bewußt oder unwillkürlich, immer
wieder auf sein Bildniß fällt, so zieht es mich auch von
neuem zu seinen Briefen. Ja, noch viel wahrer, wärmer,
lebendiger als das beste Porträt zeigen diese uns den echten
seiner wohlklingenden Stimme, hören sein herzliches Lachen,
fühlen seine anmuthig ausgreifende Bewegung. Selten hat
Jemand sein Ich unmittelbarer, volltönender, rücksichtsloser
ausgesprochen als
ihrer gedruckt vor uns liegen, es ist kaum die Hälfte von
den kennenswerthen. Die allerintimsten, psychologisch er
giebigsten blieben dem Herausgeber unnahbar. Unser erstes
Feuilleton hatte sich auf die Briefe an Fachgenossen be
schränkt, das zweite auf Mittheilungen musikalischen Inhalts;
damit sollten vorerst, ohne chronologische Ordnung, die
beiden vorstechendsten Thätigkeiten
und die musikalische, hervorgehoben sein. Aber wie zahlreich
sind jene von
oder Musikalisches sich nicht sonderlich interessiren! Und
die Freunde, nah und fern, welche vor Allem den Menschen
geliebt haben! Ihnen ist noch wichtiger, was
als was er geleistet hat, und darum mögen sie vor Allem
dem biographischen Faden nachgehen, welcher die chronologische
Anordnung der Briefe bloßlegt. Von diesem Standpunkte
werfen wir noch einen letzten zusammenfassenden Blick auf
die
Die
Brief vorliegt) zusammen mit der sich anschließenden Thätig
keit in
Nach zwei Monaten hat er noch keinen einzigen Patienten!
Zum Glück erhält er eine eben erledigte Assistenstelle an
der
selbstständigen Schaffens und seines jungen Ruhmes. Anfangs
bedrückt ihn die Sorge, die alles verschlingende Praxis
werde ihn der „reinen, idealen Wissenschaft“ für immer
entziehen. „Ich betrachte mich jetzt schon als völlig verloren,“
schrieb er an Professor
wenn Sie das für arrogant halten, so bin ich es in hohem
Grade.“ Vergebens bewirbt er sich um die Stelle am Kranken
hause in
lin
Professor der Chirurgie in Zürich. Voll fröhlicher Zuversicht
betroffen vor abfälligen, recht mißmuthigen Aeußerungen
über
daselbst; aber das änderte sich bald. Seinem universellen
Geist und kunstbedürftigen Naturell war
verwandter als
lange, bis er sich bei uns moralisch acclimatisirt hatte.
roth
augenblicklicher Stimmungen unterlag und in raschem
Wechsel die Dinge schwarz oder rosenfarb sah. Als er
einen Ruf nach
schreibt er an Professor
ich war so angegriffen, daß ich kaum Stimme hatte zur
Erwiderungsrede. An dem Fackelzug haben alle Studenten
theilgenommen, und ihr Redner sprach warm und zum
Herzen.“ Es gefällt ihm nun viel besser in
Lehramt befriedigt, die Gegend entzückt ihn, und in den
ersten Hotels kennen ihn „die Wirthe gut, als einen lustigen
Herrn, der gerne Abends zumal mit Künstlern ein Glas
Sect liebt“. An seinen Basler Freund
gehe ihm über alles Verdienst gut. „Wenn ich jetzt sterben
sollte, so wäre ich einer der glücklichsten Menschen gewesen!
Alles schlägt mir gut ein! Es wird mir manchmal
bange dabei. Ich habe die fixe Idee, daß ich noch
einmal an einen der größten Plätze meiner Wissen
schaft in
Die „lächerliche fixe Idee“ war vielmehr eine richtige
Ahnung. Ein Jahr später hatte sie sich erfüllt. Bis dahin
lebte
lichen Beziehungen erhellten Beruf. Er kauft sich einen
lich nur wenig Genuß davon, denn (so schreibt er an
„ich spiele für mich nur Sachen, die ich nicht kann und
nie lerne, wie meine
Nöthigung, dem Krieg von
empfindet er schmerzlich; das vermehrt seine mißlaunigen
Stimmungen. „Ich fühle mich schon seit längerer Zeit hier
unbehaglich, denn ich sehe ein, daß ich hier meinen Wirkungs
kreis nicht vergrößern kann. Ich habe hier Alles erreicht, was
ein Chirurg hier erreichen kann, und das ist für einen Menschen
von 37 Jahren doch ein entschiedenes Unglück! Wenn ich nicht
bald von hier fortkomme, werde ich bald ganz fettig degene
riren, weil es mir zu gut geht.“ Die Erlösung war näher,
als
obigem Brief meldeten ihm Depeschen zugleich von Arlt,
Krankenhaus abgenommen werden; da haben Sie gleich den
Scandal fertig. Ich habe meine Bombe platzen lassen, und
Alles wüthet gegen den Ruhestörer der gemüthlichen Phili
sterei. Drei Monate hat es gedauert, bis ich mein Operations-
Amphitheater so hergerichtet hatte, wie ich wollte. Zähigkeit
und Ausdauer ist hier nothwendig und ist wirksam, weil
sie beim Wiener selten vorkommt.“ Wenn Esmarch schreibt: „Vorläufig bin ich
Ein Virtuose in der unschätzbaren Kunst, strenge Be
rufserfüllung mit heiterem Lebensgenuß zu verbinden, ge
dieh
den
dient habe,“ schreibt er
weniger in Theater, Concerte, Bälle ginge, so könnte ich
auch noch mehr arbeiten. Doch genießen muß ich das Leben
aus vollen Zügen, sonst arbeite ich auch nichts Rechtes.“
Kraftbewußtsein und volles Glücksgefühl konnten aber bei
mung herabsinken. In seiner ersten
solch flüchtige Dissonanzen gern humoristisch auf. „Wie es
möglich gewesen ist,“ schreibt er an
allen meinen Brüdern der wenigst gescheite, der schlechteste,
miserabelste Gymnasialschüler, in eine solche Stellung ge
kommen bin, ist mir sehr unklar; nur meinem Idealismus
und meiner Phantasie habe ich es zu danken! Sonderbare
Welt! Wenn ich nun ein Oesterreicher wäre, so duselte ich
mich jetzt so nach und nach ins Dolce far niente, doch der
alte Schwede steckt mir im Leibe. Ich sehe immer Nebel,
trübe Zukunft, phantastische Gestalten vor mir: es quälen
mich ewige Scrupel, ob ich meiner Stellung genüge, ob ich
ihr noch für zehn Jahre oder wie lange noch gewachsen bin
— was aus mir werden soll, wenn die ganze Facultät
regenerirt ist u. s. w. Ich bin ein rechter Esel in diesen,
vielleicht auch in vielen anderen Dingen! Uebrigens arbeite
ich recht flott, und es geht mir leichter als je von statten.
Mit jedem Jahr lerne ich noch mehr und weiß immer
weniger!“ (Schluß folgt.)