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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Siehe Nr. 11405, 11427 und 11442 der „
Presse
des „
trag, ohne Entschädigung sich auf den
platz begeben zu wollen, und reiste als Delegirter des Ver
eins mit seinem Assistenten Dr.
ab. Unermüdlich thätig auf dem Kriegsschauplatze, schrieb er
doch, so oft es nur möglich, von
zärtliche Sorgfalt für Frau und Kinder, zugleich voll
wichtiger Bemerkungen über die Geschichte des
zösisch
schätze,“ schreibt er im Mai
unerschöpflich, und wer Freude an Musik hat, kann hier
schwelgen. Hier singen und musiciren wir und gehen ins
Theater und zu Strauß und stecken mit ihm den Kopf
schwendung gewöhnt. Und das kann ich doch nur durch die
Praxis; keine Regierung kann das ersetzen. So bin ich mit
goldenen Ketten gefesselt. Das Leben in einer großen Stadt
und mitten im Trubel socialen Daseins consumirt stark,
doch so lange man gesund und mitteljung ist oder sich
wenigstens so fühlt, so bietet es auch vielerlei für den, der
zu genießen versteht und sich die richtige Eintheilung zwischen
Arbeit und Genuß zu machen versteht.“ Aber aus dieser
Zeit seiner blühendsten Kraft und größten Erfolge finden
wir in
und Wissenschaft; Momente des Unbefriedigtseins, wie sie
gerade die Unbestechlichsten und Größten heimsuchen. „Daß
mich die praktische Verwendung meiner Kunst glücklich
mache,“ äußert er gelegentlich der
„kann ich nicht sagen. Ich bin nicht von den bescheidenen
Naturen; doch daß mich die besten Erfolge meiner Kunst
befriedigen, kann ich nicht sagen. Was ich nicht kann, was
mir mißglückt, das quält und wurmt mich, und nicht selten
verwünsche ich die ganze Chirurgie. Aber kann man sich der
reinen Wissenschaft noch hingeben, wenn man die Praxis
kennen gelernt hat? Ich bezweifle es fast.“ Und noch er
greifender klingt sein Bekenntniß an den alten Professor
(
wohin ich tiefer vordringe, finde ich, daß hergebrachte An
sichten zu zerstören sind. Ich bin oft in der Klinik innerlich
in Verzweiflung, wenn ich etwas Positives über Therapie
sagen soll; ich höre immer Jemand hinter mir, der mir
ins Ohr ruft: Das ist ja auch nicht richtig!“ Und dreizehn
Jahre später: „Ihr glücklichen Naturforscher! Ihr habt
gar keine Ahnung von dem furchtbaren Jammer, der die
ganze kranke Menschheit durchzieht, und von dem Katzen
jammer, den man empfindet, wenn man oft täglich mehrere
Stunden aus Mitleid und Menschlichkeit immer lügen soll
und oft eine Comödie spielen muß, die auf anderem Ge
biete geradezu verächtlich wäre. Wol magst du es Uebermuth
nennen, wenn man der glücklich Geheilten kaum noch achtet
und sie bald vergißt! Auch haben viele von meinen Col
legen ein glücklicheres Temperament; ich sehe immer nur
die Grenzen meines Könnens und sehe verzweiflungsvoll
darüber hinaus. Beim Forschen gibt es ja auch Grenzen;
doch wenn sie endlich nicht zu überschreiten sind, so gibt
man es ärgerlich auf. Bei uns steht aber hinter jeder
Grenze das höhnisch grinsende Gesicht von Freund
Nimmt man trotzdem den Kampf mit ihm auf und ringt
ihm ein armseliges Menschenleben ab — wie bald und wie
grausam rächt er sich dafür in anderen Fällen!“
Mitten in anstrengendster Berufsarbeit, in regstem An
theil am musikalischen, theatralischen und geselligen Leben
Ueber
“. Er kann nicht ruhen, der alte Wahlspruch:
Es konnte nicht ausbleiben, daß nach Perioden solch
fieberhafter Thätigkeit Momente der Abspannung, des Ruhe
bedürfnisses eintraten, welche
immer häufiger vom Himmelhoch jauchzend bis Zum Tode
betrübt umschlugen, pessimistisch als Eintritt des Alters und
der Schwäche empfand. Ende der Siebziger-Jahre begegnen
wir in den Briefen schon solchen Meditationen. „Lebe ich
noch ein paar Jahre,“ schreibt er an
auch noch das Wenige fertig, was ich mir vorgenommen
habe. Dann werde ich noch einmal die Arie aus dem
„
ist es doch keineswegs; es ist ein still sich vorbereitender
Sonnenuntergang, wenn man einen kleinen, teleskopisch nur
sichtbaren Planeten mit der Sonne vergleichen darf.“ In einem
merkwürdigen Briefe an Brahms (Juni
fein empfand er bis an sein Ende das Schöne in jeder
Kunst! Wie entzückt schreibt er über den Schauspieler
Rossi, über die Bilder des
Im Frühling
vielen Kranken geholfen, selbst, von schwerer Krankheit ge
troffen, hilflos danieder; nahe, ganz nahe stand der Tod
an seinem Bette. In einem ergreifend rührenden Brief
an
„Als wir uns zum letztenmale sahen und uns für den
Sommer Adieu sagten, hatte ich die Empfindung, daß ich
dich kaum wiedersehen würde, so krank fühlte ich mich schon
damals innerlich. Beinahe wäre vor Kurzem meine Ahnung
in Erfüllung gegangen. Ich nahm an einem Tage Abschied
von den Meinen, von meinen nächsten Schülern und den
Freunden, die mich umgaben; ich sendete durch
letzten Gruß an
directer Vermittler zwischen uns Beiden um mich war. ...
Ich lag längere Zeit in einem nicht unangenehmen Halb
schlummer, manchmal wol dabei ärztlich mich beobachtend,
wie die Athemzüge immer rasselnder, immer flacher wurden
und mein Geist zu wandern schien. Ich weiß ganz deutlich,
wie ich aus einem deiner
ich schon gestorben bin etc.“ Und das Alles war
so milde und schön, ich schwebte und sah die
Erde und meine Freunde so ruhig und freundlich unter
mir! — Mit einemmale rüttelte man mich empor; ich
mußte wie ein Soldat auf Commando athmen, allerlei
Zeug schlucken. Ich bat: laßt mich! mir ist so gut! Doch
umsonst, immer rüttelte man mich auf, und aus vielen
Stimmen, dies und das zu thun, hörte ich dann die
Stimme meiner
willen!“ So ließ man mich über eine Woche lang nie zum
festen Schlaf kommen — mein Schlaf hatte wol eine zu
große Aehnlichkeit mit seinem Zwillingsbruder. — — Die
halb träumerische, durch die Krankheit bedingte Stimmung
brachte mich über diese Dinge leichter hinweg, als man
meinen sollte. Der Mensch vergißt zum Glück auch das
Unangenehme bald. Der Schlaf, der mich in den letzten
Jahren schon oft floh, ist mir auch jetzt noch nicht hold;
ich muß mich mit drei bis vier Stunden begnügen und
habe mich gewöhnt, damit zufrieden zu sein. Das wird
hoffentlich Alles besser werden draußen in der freien Natur,
in der frischen Bergesluft.“
Es ist wirklich besser geworden, zeitweise sogar recht
gut, aber völlig erholt hat sich
jenem verhängnißvollen Jahre
nungsfreudigen Aufleuchtens wechselten mit Momenten
trübster Resignation. Letztere gewannen allmälig die Ober
hand. Mit der ihm eigenen Milde und Zartheit verhehlte
der unrettbare Kranke es standhaft seiner Umgebung, daß
er sich selbst längst aufgegeben. Sollten wir neuerdings den
Schleier von dieser letzten Leidenszeit
ziehen, die in unserer Erinnerung noch schmerzlich wie eine
offene Wunde nachblutet? Wir wollen lieber mit den schönen
Worten schließen, die Baum nachrief und die so vollständig auf ihn selber passen: