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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nun hat endlich auch unser Hofoperntheater
die Braut verkauft. Etwas spät allerdings. Nach dem großen
Erfolg der
für eine Aufführung der „
Sprache. Die Direction der Hofoper wollte aber davon
nichts hören; sie hatte es sehr dringend, Opern wie „
Formica
zu deren sicherer Abschlachtung. Da griff das Theater an
der Wien muthig zu und wahrte sich (
der ersten
ihres günstigen, durch viele Wiederholungen bekräftig
ten Erfolges. In das allgemeine Lob jener sorg
fältigen, für ein Operetten-Theater hochanständigen Auf
führung mischte sich trotzdem der stille Seufzer:
Wie schade, daß die Hofoper sich diesen Treffer entgehen
ließ! Jetzt, drei Jahre nach dem Theater an der Wien, entschließt
sich plötzlich Herr Director
seine Pforten zu öffnen. Seltsamer Rückfall in eine frühere,
längst verschollene Uebung! Aeltere Theaterfreunde ent
sinnen sich wol der Zeit, da
Hoftheater zuvorzukommen pflegten mit neuen Opern.
Sensations-Opern von
Teufel
stern
städter und des Theaters an der Wien früher erschienen, als
im Hoftheater. Desgleichen zahlreiche reizende Repertoire-
Opern von
besaßen die genannten Bühnen freilich ein tüchtiges Opern
personal; man sang und spielte sehr gut in der Vorstadt.
Das ist lange vorbei; neben den Possen und Ausstattungs
stücken herrscht da nur mehr die Operette. Die
Hofoper ward bald aller Rivalen ledig und glück
liche, alleinige Herrin über sämmtliche Novitäten. Und trotz
dem sehen wir heute abermals, wie eine Reminiscenz aus
überwundenen Zeiten, die Hofoper hinter dem Vorstadt
theater langsam nachhinkend. Es heißt, daß ein Lüftchen vom
schlummernden Ehrgeiz unserer Hofopern-Direction neu an
gefacht habe. Las man doch schon vor Monaten in
sch
die Oper
werde. Das Wort der
— sie sind ja beide unwiderstehlich. Die künstlerische
Autorität der Fürstin
dauert alle Regierungsformen. Indem sie jetzt die komische
Oper
die
seitigkeit.
der Sängerkrieg auf der Wartburg und die Jahr
marktspossen der Dorfbewohner — welche Gegensätze! Endlich
sönlich als Verehrer
„
kauften Braut
entdecken, ebensowenig im „
opern
Musik heute zu statten und erklärt theilweise ihre nach
geborenen Erfolge. Man empfindet die einfache Sangbarkeit,
die heitere Naivetät, das Volksthümliche dieser Gesänge als
ein wohlthuendes Aufathmen nach dem aufreibenden Genuß
und schmerzlichen Nervenreiz der „Musikdramen“. In
scheint jetzt überdies ein günstiger Augenblick für fremd
ländische Musik eingetreten. So patriotisch conservativ der
Franzose auch empfindet in theatralischen Dingen, er kann
gegenwärtig mit einheimischen Opern-Novitäten unmöglich
auslangen. Der Eine Massenet vermag doch, bei all
Marie
Vor Kurzem ist die interessante Thatsache bekannt
worden, daß eine
Braut
Stande gekommen. Aber die Vorbereitungen dazu blieben
nicht ohne Einfluß auf die gegenwärtige Fassung der
Partitur, welche
reichern und aufzufrischen für nöthig erachtete. Er fügte den
bierbegeisterten Bauernchor, das Lied
und todt“), endlich den Tanz in der Comödiantenscene neu
hinzu und theilte die ursprünglich zweiactige Oper in drei
Aufzüge. In dieser Gestalt und mit hinzucomponirten
Recitativen an Stelle der gesprochenen Prosa hat die „
kaufte Braut
auch im Hofoperntheater gestern sehr lebhaft angesprochen.
Mit dem vollen Reiz der Neuheit vermochte die Oper
freilich hier nicht mehr zu fesseln; dafür besitzt sie andere,
nachhaltigere Reize, die sich nicht so schnell abstumpfen.
Die Handlung — wir brauchen sie nicht von neuem
zu erzählen — kennt man als gemüthlich, heiter und einfach
in ihrer Intrigue. Daß letztere auf einer crassen Unwahr
scheinlichkeit fußt, läßt man den lebensfrischen Charakteren
und der guten Musik zuliebe nachsichtig hingehen. Ein
schlauer Geschäftsmann, der, wie
Winkeladvocaten übt, wird es nicht unterlassen, im Heirats
contract den Taufnamen des Bräutigams aufzunehmen.
Nur dadurch aber, daß in diesem Contracte und zwei Acte
lang in allen darauf bezüglichen Gesprächen blos vom
„Sohn des Wenzel
verhängnißvolle Irrthum aller Betheiligten möglich. Die
Musik ist bereits gelegentlich der früheren Aufführungen ein
gehend und in erfreulichster Uebereinstimmung der Kritik
gewürdigt worden. Mit Unrecht pflegte
etwas geringschätzig auf seine „
zusehen, weil er sie mühelos und weniger zu eigenem Er
götzen, als zu dem des
Die „
doch der feste Grundstein von
liebtheit. „
sitzen neben einer sorgfältigeren, mitunter lippigeren musika
lischen Technik auch einzelne entzückende Musikstücke, denen
kaum eines aus der „
Als Ganzes aber steht letztere obenan unter seinen
Opern; keine andere ist so einheitlich, so frisch und unge
künstelt, so national im besten Sinne. Von
Einflüssen zeigt sie, wie bereits erwähnt, keine Spur.
Weniger Liszt. Allerdings konnte
Die Aufführung der „
theater hat verdienterweise die lauteste Anerkennung gefunden.
Es ging ein Jubel durch das Haus, wie wir ihn da seit
Langem nicht erlebt haben. Aufrichtig erfreut waren wir,
Fräulein Mark wieder einmal in einer neuen Partie zu
stalten. In schöner Verwendung der Kopfstimme ist sie
jedenfalls vorgeschritten. Herr Schrödter gefiel als
Marian als
Die „
gut ausgestattet — zu gut, möchte ich sagen. Im ersten Act
herrscht auf der Bühne eine ununterbrochen fluthende un
ruhige Bewegung, welche, in der Absicht, „die Scene zu
beleben“, gerade die Scene stört. Was geht da nicht Alles
vor, dicht hinter dem Rücken der beiden Verliebten, die uns
ihre Gefühle mittheilen! Ein geistlicher Herr schreitet über
die ganze Bühne, von händeküssenden Bauernkindern um
ringt; Zigeuner werden vom Flurschützen arretirt und unter
großer Theilnahme abgeführt; an allen Krambuden drän
gen sich Käufer und Schaulustige, beißen in Aepfel
oder Marzipan; Bauernjungen schäkern aufdringlich mit
den Mädchen u. s. w. Damit stiehlt man nur der
Hauptsache die nothwendige Aufmerksamkeit und macht
die Zuschauer verwirrt. Auch im zweiten Act, der zum
Glück die Statisten und Choristen an die Wirthshaustische
fesselt, war trotzdem ähnlicher Unfug angebracht. In seiner
merkwürdigen Vorliebe für Arretirungen läßt der Regisseur
während der schönsten Stelle des Duetts zwischen
und
heftig mit dem Regenschirme gesticulirend, die Leute um sich
versammelt und unter allgemeiner Aufregung fortgeführt
wird. Da schaut natürlich das ganze Publicum auf diese
stürmische, unerklärliche Nebenhandlung, muß unwillkürlich
hinschauen und verliert so den Zusammenhang und den
Eindruck des Duetts, welches uns ganz allein wichtig
sein soll.
Die Tänze, die auch musikalisch zu dem Erquickendsten
dieser Oper gehören, sind sehr hübsch arrangirt; ein Er
götzen für Auge und Ohr. Der Erfolg der ganzen Vor
stellung war ein glänzender und dürfte zahlreichen Wieder
holungen getreu bleiben. Die Hauptdarsteller wurden nach
jedem Act stürmisch gerufen; Herr Hofcapellmeister
Fuchs hatte als Dirigent der Oper vollen Anspruch, sich