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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Am 30. November d. J., genau hundert Jahre
nach Karl
geist- und gemüthvollen Balladen-Componisten enthüllt
worden. Es fügte sich schön, daß Eugen Gura, der vor
blos musikalisch zu
in klingender Münze sehr reichlich zu seinem Denkmal.
Die jetzt von der Jubiläumsfeier sich fortpflanzende Be
wegung führt uns auch eine wenig verbreitete interessante
Schrift in Erinnerung: die von C. H.
gegebene
Sie ist allerdings nicht „Selbstbiographie“ in vollem
Umfang und strengem Sinne. Nur die erste Abtheilung
des Buches enthält eine von
seines Lebens; sie bezieht sich wesentlich auf seine Jugend
geschichte bis zur Uebersiedlung nach
späteres Leben erfahren wir das Wichtigste aus einer Reihe
chronologisch zusammengestellter Briefe, welche die zweite
Abtheilung des Buches bilden. Eine dritte Abtheilung
endlich bringt uns die Aufzeichnungen der
über seine letzte Lebenszeit.
Johann Karl Gottfried
zwölf Geschwistern, am 30. November
Cantor und Lehrer war, erhielt er eine streng religiöse
Erziehung und die Grundlage seiner musikalischen Bildung.
Das schöne, tiefe Gemüth
Weise, wie er von seiner arbeitsamen und doch so glück
lichen Kindheit erzählt. Er mußte überall wacker mithelfen
im Hause, einkaufen, Wasser tragen, Kartoffeln ausgraben,
sogar den Pferdemist aufsammeln, der im Obstgarten als
Dünger verwendet wurde. „Mit welchem Vergnügen,“
ruft er aus, „ruhte ich während der warmen Sommernächte
in den kleinen Strohhüttchen, in denen ich das reifende
Obst bewachen mußte!“ Die schönsten Stunden brachten
ihm aber die Winterabende. „Wenn die
Tag unermüdlich für uns geschafft hatte und der Abend
zu dunkeln begann, dann setzte sie sich an den großen
Ofen, mein Platz war zu ihren Füßen und meinen Kopf
legte ich in ihren Schoß. So saßen wir eine zeitlang halb
träumend da. „Jetzt laßt mich gehen,“ sagte sie dann zum
vor Allen liebte, an zu erzählen — wunderschöne Erinne
rungen aus ihren Jugendjahren, alte, längstverklungene Ge
schichten, die noch immer wie seltsame Märchen vor meiner
Seele stehen. Meine Augen streiften dann oft aus den
Fenstern unserer Wohnstube, die auf einen alten, verfallenen
Kirchhof hinausgingen, über dessen zerfallende Hügel und
morsche Kreuze hinaus und gruben sich in das dunkle Laub
der alten Linden ein. Wenn so die
geworden war und ich mich fester an ihre Knie drückte,
dann pflegte ich auch zu bitten: „Mama, nun spiele noch
etwas“; dann nahm sie lächelnd die Violine, mit der mein
die schönsten Melodien. Nie hatte sie Unterricht im Violin
spiel gehabt, doch sang ihr Ton mir so tief ins Herz hin
ein!“ Diese Jugend-Eindrücke fühlen wir wie ein fernes
Echo aus manchen der schönsten Balladen
klingen.
Sehr hübsch schildert er auch sein Leben als Chor
schüler in der kleinen, stillen Residenz Köthen. „Dieser
vorzutragen und der Aufführung seiner Oratorien bei
zuwohnen.
Von diesen musikalischen Reise
ein getreues, lebhaftes Bild durch die Briefe
Sie sind größtentheils an seine zweite
erste war ein Jahr nach ihrer Vermälung gestorben), außer
dem an den Dichter L. Giesebrecht, den Pastor
sich seither Vieles verändert, daß man mitunter seinen Augen
nicht traut. So reist fünf Tage lang
von
schreibt er, „ist die Reise nicht möglich, wenn man sich
nicht über die Gebühr anstrengen will.“ In
er das Leben „billig, auch wenn man sich nichts ab
gehen läßt“! Sein Mittagmal mit Wein kostet einen
Drittelgulden und ist so ausreichend, daß er „mit dieser
Malzeit, zwischen zwei und drei Uhr genossen, vollständig
befriedigt zu Bette gehen kann“. Er beneidet die Wiener,
welche nur zehn Stunden (!) zu fahren brauchen, um ihre
Villen zu erreichen. Zuerst besucht Goethe,
deren Sohn
mit einander zu Dr.
anderen Musik-Notabilitäten. Am meisten gefällt sich
in dem gastfreien, anregenden Hause des Hofrathes
Vesque v.
Soirée gegeben wird. „Alles brannte auf meinen Vortrag,“
schreibt
verstehen mich und verstehen auch zu hören; sie sind so
gespannt aufmerksam! Die Domestiken werden gewarnt, von
Außen nicht die Thür berühren zu lassen, und es rührt
sich kein Auge im Kopfe. Ich sang „
lein
das „
nach aus. Wenn ich einen Winter hier zubringen könnte,
würde mir vor den schönsten Erfolgen nicht bange sein.
Wäre ich zehn Jahre jünger, dann bliebe ich hier, aber so
ist es nichts mehr für mich. Ich sehe in
was mir sonst immer klar ahnte, daß ich von vornherein in
größere Verhältnisse hätte eintreten müssen.
auch sechs seiner Lieder von
Stimme, geistreichem Vortrag und vortrefflichem Spiel.
Unter den Herren, die ich hier kennen lernte,“ erzählt
weiter, „befindet sich auch ein junger, talentvoller Referen
darius, der die Zither sehr artig spielt. Es ist dies ein In
strument, das ich noch nicht kannte; er heißt Alexander
Baumann und will mir einen Operntext schreiben: „Don
liches Concert nicht zu Stande zu bringen war. „Die
Wiener sind herrliche Leute, aber sie sagen in ihrer gemüth
lichen Art: Zur Sommerszeit könnte auch
Concert geben, es „kam Kaner“. Ruhm, Ehre und Freude
genießt
zehn Jahre früher hingekommen zu sein: „Ihr herrlichen
Wiener habt von mir nur noch einen Nachklang ver
gangener Tage.“ Mit schwerem Herzen nimmt er Abschied
von
zurückzukehren.
Mit der Reise nach
nungen seiner Tochter
beschließen das Buch und vollenden uns das Bild dieser
liebenswürdigen, eigenthümlich abgeschlossenen Künstlernatur.
nissen; unter seinen intimeren Freunden tritt besonders
Ludwig Giesebrecht hervor, der den Text der meisten
Karl
außerdem hinterließ er eine Anzahl größerer ungedruckter
Compositionen, welche wol schwerlich das Licht der Oeffentlichkeit
erblicken werden. Ein stiller Seufzer über die Vergänglichkeit
musikalischer Kunst, über so viel verlorene Mühe und Liebe
entwindet sich wol Jedem, der das lange Verzeichniß von
phonien, Sonaten, Streichquartette, Clavierstücke, welche,
seit Decennien gedruckt, doch eigentlich nie recht bekannt ge
worden sind.
für verschollen gelten. Einige dieser Oratorien haben aller
dings bei Lebzeiten des Componisten in wiederholten Auf
führungen einen respectablen Erfolg errungen, so z. B. „
Siebenschläfer
salems
von den Opern ist eine von
Wünsche
So viel schöne Einzelheiten sich auch in diesen größeren
Werken finden, so wenig können sie verhehlen, daß weder
die Oper noch das Oratorium
war. Ihr Styl kommt uns heute seltsam veraltet vor. Hin
gegen läßt sich mit Zuversicht hoffen, daß Balla
den ein theures, lebendiges Eigenthum der Nation bleiben