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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wollte Hofcapellmeister
harmonischen Concert die
Ostentativ stolzirte da eine Ouvertüre des Franzosen Ber
neben einer von dem Russen
das zu faßlicher Melodie nur erwacht, um sofort trivial zu
werden. Die Ouvertüre zu der
von Alexander Borodin hatte für
Außer der Ouvertüre von
noch eine zweite
kowsky
zum erstenmal gespielt worden; aus den Mienen der Zu
hörer sprach der Wunsch, es möchte auch das letztemal
gewesen sein. Und doch trägt ein schöner Ernst dieses Werk
und zieren es viele geistreiche Züge und glückliche Wen
dungen. Aber es gehört zu der Classe der Selbstmörder
unter den Componisten, welche durch unbarmherzige
Länge sich selbst umbringen. Unter dem „großen Künstler“,
dessen Andenken das Trio feiert, ist Nikolaus
gemeint, der nebst seinem berühmteren Bruder
musikalische Erziehung
zerfällt in zwei große Hälften, die mir nicht organisch
zusammen zu gehören scheinen, eher nachträglich aneinander ge
löthet. Der erste Satz, „Pezzo elegiaco“ überschrieben, beginnt
mit einer melancholischen Violoncellklage über schwerem
Glockengeläut, das nach einigen Ermunterungsversuchen sich
in ein heroisches E-dur-Allegro stürzt; eine anstrengende
Kraftprobe für den Clavier-Virtuosen, der sich erst in den
letzten sechzehn Tacten wieder in der Mollklage ausruhen
kann. Dieser erste Satz dauert sehr lang, der zweite ewig.
Es sind Variationen über ein einfaches, volksliedmäßiges
Andante-Thema: zum Theil schön erfundene und geistreich
gesetzte Stücke, zum Theil pikante Clavier-Etüden (wie
das Scherzo Nr. 3), zum Theil kindische, wie das cymbal
artige Gehämmer der Cis-dur-Variationen auf den höchsten
Tasten des Claviers. Endlich erklingt ein eleganter hübscher
Walzer. Man hält den Componisten bereits für gründlich
getröstet und von dem Begräbniß erholt: da intoniren
Geige und Violoncell wieder in der neunten Variation
eine Cis-moll-Elegie, über welche blitzschnelle Arpeggien
des Claviers springbrunnartig auf und nieder spritzen.
Das plätschert einförmig lange fort, bis eine flotte Mazurka
uns aus der Monotonie erlöst. Nach dieser wären wir
vollständig gesättigt: man muß nicht unbescheiden sein.
Aber der Componist scheint jetzt erst recht warm zu
werden und sich bequem zu strecken; das Finale, das in
schwierigen Clavier-Etüden für die Arbeit und den Ruhm
des Pianisten sorgt, ist so lang, wie irgend ein ganzes und
nicht kurzweiliges Trio. Spät, sehr spät erinnert sich der
Componist, daß er völlig auf die Todtenklage vergessen habe.
Das Clavier schlägt wieder schwere A-moll-Dreiklänge in
Trauermarsch-Rhythmus an, über welchen Violine und Cello
sich bescheidene Brocken vom Leichenschmaus zuwerfen. Der
Satz war bei der Aufführung stark gekürzt, sogar die ganze
Fuge gestrichen, dennoch konnte man der Langlebigkeit dieses
Todtenopfers kaum Stand halten. Nur das Interesse an
den virtuosen Leistungen der drei Spieler blieb wach. Herr
F. Busoni, ein großartiger, entzückender Pianist, der
Ganz verschieden von dem
durchwegs erfreuend und harmonisch, wirkte
neuestes
glücklichen, geistreichen Werken, deren musikalischer Sinn
nicht überall auf der Oberfläche liegt, aber den unvorbereiteten
Hörer doch die versteckten Schönheiten gleichsam tastend
durchfühlen läßt. Beim zweiten Hören treten sie uns klar
vor Augen, und dann genießen wir doppelt und vollständig.
Möchten doch die Herren vom „Böhmischen Quartett“ in
einer nächsten Production das
und auch das (jüngst bei
uns nicht vorenthalten! Beide Compositionen zeigen unver
kennbar, wie sehr
enthalt sich abgeklärt und gefestigt hat. Mir will das
Quartett
scheinen; Andere ziehen das in
wir Perlen der neueren Kammermusik. Wie graziös scherzt
und neckt das so geistreich durchgeführte erste Allegro! Wie
breit fließt der edle Gesang des Adagio dahin! Die erste
Geige bringt es zuerst auf der G-Saite, dann eine Octave
höher, verstärkt von der Viola, auf einer gleichmäßig wogen
den Cellofigur, während die zweite Violine winzige Pizzicatos
wie Blüthenflocken hineinstreut. Nach einer mächtig an
schwellenden Steigerung packen gleichsam im Triumph alle
vier Instrumente Fortissimo in vollgriffigen Accorden
das Thema in C-dur. Von da geht es ruhig in die Haupt
tonart Es-dur zurück; das Thema verhaucht, nach einer
kurzen leidenschaftlichen Aufwallung, auf den tieferen Saiten
der vier Instrumente. Das Scherzo, ein rascher prickelnder
Dreivierteltact in H-moll, mit zwei melodiösen Trios, gehört
kaum zu den originellsten Stücken
gesunden Natürlichkeit und Lebensfreue sicher zu den ge
fälligsten. Das complicirteste und ausgedehnteste (vielleicht
etwas zu lange) Stück ist das keck und lustig beginnende
Finale in Rondoform. Während wir gegen den Schluß hin
ein rasches Vorwärtsdrängen erwarten, überrascht uns ein
kurzes, leise athmendes Andante und darauf, zu noch
größerer Ueberraschung, das Gesangsthema und die herab
huschende Triolenfigur aus dem Ersten Satze. Diese Motive
des Ersten Allegro verknüpfen sich, bald fliehend, bald
suchend, mit den Themen des Finales in kunstreicher Com
bination. Das sind schwache, unzulängliche Andeutungen;
überflüssig für den, welcher das Werk kennt, wie für den,
welchem es fremd ist. Im Grunde schreibt der Kritiker der
gleichen nur zum eigenen Nachgenuß. Geht hin und hört
selbst! Die Aufnahme des neuen
das Zusammenspiel der Herren Hoffmann,
Noch eine von
uns bescheert: seine symphonische Dichtung „
mann
die Philharmoniker unter Hanns
reißender Virtuosität spielten. Das Stück gehört zu drei
von
phonischen Dichtungen; die zweite heißt die „
die dritte „
handelt es sich um ein Mädchen, das dieser grausame Ele
mentargeist zu sich in die Tiefe gezogen und zu seinem
Weibe gemacht hat. Nachdem sie ihm ein Kind geschenkt,
verlangt sie auf einen Tag zu ihrer Mutter zurückzukehren.
Als dieser Tag zur Neige geht, erscheint der Wassermann
und fordert ungestüm sein Weib zurück. Von der
Mutter höhnisch abgewiesen, entfesselt er einen furchtbaren
Sturm auf dem See und schleudert mit großer Gewalt
auf die Schwelle der Hütte die Leiche des Kindes,
dem er den Kopf vom Rumpfe getrennt hat. Wie
man einen so gräßlichen, jedes feinere Gefühl em
pörenden Stoff zu musikalischer Darstellung sich wählen
könne, ist mir nicht recht begreiflich. Die einfache Ueberschrift
„
schen und malerischen Einbildungskraft des Zuhörers eine
bestimmte Anregung zu geben. Die grausige ausführliche
Erzählung schenken wir gerne; wir wollen unser Ohr und
unsere Phantasie nicht in eine gebundene Marschroute
zwängen lassen. Die Composition selbst ist bewunderungs
würdig durch ihre blendenden, ganz neuen Orchester-Effecte,
ihre originelle, im Anfang auch sehr poetische Tonmalerei.
Aber das Unglück ist, daß der Componist sowie der Hörer
einer vorgedruckten Erzählung Schritt für Schritt folgen
muß. Wir bleiben trotzdem im Unklaren. In dem Pro
gramm lassen die verschiedenen Scenen der Sage sich noch
genau trennen; in der Composition, welche fast durchwegs
das erste „Wassermann-Motiv“ festhält, fließen sie unter
schiedslos ineinander. Das ist Alles interessant musicirt, aber
schlecht erzählt. Immer hinkt man, das Programm vor
Augen, der Musik voraus oder nach. Ich fürchte,
hat mit dieser detaillirten Programm-Musik eine abschüssige
Bahn betreten, welche am Ende direct zu — Richard
führt. Dieser Tonmaler läßt uns bekanntlich in seinem
„
hinaufgezogen wird, in „
im Todeskampf Zuckenden das Nachtlicht verlöscht u. s. w.
Vollends merkwürdig ist der Fortschritt, den R.
in seiner neuesten Symphonie gemacht hat. Er betitelt sie:
„ Also sprach Zarathustra:“ Ich kenne die Com
lärste Buch von ihm und benennt danach („frei nach
seine neueste Symphonische Dichtung. Das Beispiel ist an
steckend. Ibsen ist gleichfalls in Mode; darum hat
Es kann mir nicht beikommen,
diesem Excurs verlockt hat, mit Richard
Linie zu stellen; er ist ein echter Musiker, der hundertmal
bewiesen hat, daß er keines Programmes und keiner Auf
schrift bedarf, um uns durch reine, gegenstandslose Musik
zu entzücken.
Symphonie erst zu fragen: Was sprach
sprach
beiden großen Thiere waren. Aber das hat er auch nicht
nöthig. Er weckt Gedanken und Empfindungen, Schauer des
Glückes und der Wehmuth in uns, ohne dazu des Schwin
dels mit falscher Gelehrsamkeit zu bedürfen. Aber eine leise
freundschaftliche Warnung kann ihm nach dem „
mann