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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wer dürfte behaupten, daß der Enthusiasmus
für Virtuosen völlig erloschen sei? So abenteuerlich die
Concertlegenden aus den Dreißiger- und Vierziger-Jahren
uns auch klingen, schwören möchte ich nicht darauf, daß
Aehnliches sich nimmer wiederholen könne. Wenn nach einem
wasser kämpften, welchen der Göttliche in seinem Glase stehen
gelassen, oder wenn sie seinen liegengebliebenen Handschuh in
Fetzen unter sich vertheilten, so können wir uns heute
ähnlicher Leistungen freilich nur äußerst selten berühmen.
Voran stehen noch immer die „kalten“ Engländer, welche,
musikalisch gereizt, die südlichsten Hitzköpfe übertreffen. Was
geschah kürzlich in einem
rewski
des Begehren des Publicums unzähligemal vorgetreten,
sich verbeugt und halbtodt gespielt hatte, schritt eine Lady er
hobenen Hauptes auf ihn zu und fiel, vor ihm niederkniend,
buchstäblich auf das Antlitz. Ein vernünftiger
Kritiker nannte es den „Gipfel der Absurdität, welchen diese
jetzt wieder aufkommenden alten Albernheiten erreichten“.
Ganz so hoch verstiegen oder so tief gelagert haben sich
unsere
als Nachspiel zu Sauer’s Concert aufführten, verdient
sehr hübsch anzusehen ist. Auch der Musikvereinssaal erlebte
jüngst ein ähnliches musikalisch-militärisches Schauspiel,
indem eine geschlossene Colonne jugendlicher Freiwilliger
gegen die hinausdrängende reguläre Armee anstürmte, um
auf dem Podium irgend ein goldenes Kalb zu umtanzen.
In solchem Virtuosencultus wird die Blüthe des Con
servatoriums nur übertroffen von den Eltern eines Wunder
kindes. Ihr Enthusiasmus ist gewiß begreiflicher — aber
meistens noch nachtheiliger für den wunderthätigen und ange
wunderten Sprößling. Der junge Pianist Raoul Koczalski
in der Wiege sehr aufmerksam der Musik gelauscht haben.
Gewiß war er der jüngste Opernbesucher, den die Welt ge
sehen, denn schon als zweijähriges Kind hörte er im
Theater die Opern „
sieben Jahren habe er Vieles componirt, aber das Meiste
selbst verbrannt; was Herrn Goethe erinnert,
Wir flüchten aus der schlechten Luft dieser Kinder
stube in den Bösendorfer-Saal.
enthält ausschließlich
hindurch nur
diese feine, sensitive, stets interessante, oft aber kränkliche
und überreizte Musik macht in allzu großen Quantitäten
abgespannt und nervös. Karl
der Erste, der in
geben hat. Die Eigenart eines so genialen, geistvollen
Künstlers mochte über das Bedenkliche des Programms
hinwegtäuschen. Nun wird freilich in unserem oben ver
herrlichten
gestellt; ja der „berühmte Musikkritiker“ scheut nicht vor
der Behauptung zurück,
„unbestritten den Platz ein, den Rubinstein leer gelassen“.
zurücklegen kann, falls überhaupt seine Entwicklungs
fähigkeit noch groß genug ist. Wer
„
damit
sie tadellos, ja glänzend; man kann die vielgestaltigen, zier
lichen Passagen nicht gleichmäßiger und glatter hören. Dem
ganzen Vortrag fehlte es aber an feinerem Geschmack, noch
mehr an Poesie. Nicht eine einzige Note in dem ganzen Stück
darf so derb accentuirt werden, wie
viele anpackte. Sie schreckten uns auf aus diesem duftigen,
wie auf Elfenflügeln hinschwebenden Gesang. In Einer
Eigenschaft, leider keiner nachahmenswerthen, erinnert der
junge Virtuose wirklich an
treiben des Zeitmaßes. Das Scherzo der
in so rasendem Tempo vorüber, daß man trotz genauester
Kenntniß des Stückes dem Zusammenhang nicht folgen konnte.
Im ersten Satz der
Klarheit, welche den Spieler auch im stürmischen Allegro
nicht verlassen darf.
auch unrichtig. Wie von gewissen Sängern, so kann man
von ihm sagen: er versteht nicht zu athmen. Nun wir
unserem kritischen Gewissen genug gethan, können wir mit
gleicher Aufrichtigkeit den Vorzügen
den. Sie sind auffallend, ja glänzend. Seine Technik stellt
ihn jetzt schon in die Reihe der ersten Virtuosen. Vor
Allem welch beneidenswerth schöner, saftiger Anschlag!
Welche Virtuosität der linken Hand in der großen
Etude
technik! Dazu die riesige Ausdauer und das unfehlbare
Gedächtniß! Allein inmitten des Staunens und Bewunderns
bleiben wir doch im Ganzen unerwärmt, unbezwungen. Wir
vermissen den geläuterten Kunstgeschmack, die feinere musi
kalische Empfindung. Hoffentlich werden die Jahre das
Fehlende hinzubringen, was in
blühten großen Talent noch unentwickelt geblieben.
Im letzten Philharmonischen Concert gab
es nichts Neues; aber das Alte wurde unvergleichlich ge
spielt. Zuerst die schönere und populärere von den beiden
Bach’s. Sie ist vor Allem beliebt durch
Nr. 9 von Spohr. An seiner edlen Cantilene, seiner