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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
(F.
III. Anderes Tanzlied.)
Ed. H. So kennen wir denn endlich Richard Strauß’
Bilde, einem Drama den Kopf zerbricht, was dasselbe bedeute
— warum sollte der moderne Musiker hinter dem Dichter
und dem Maler zurückbleiben? Die Tausende von
Aphorismen, die
aneinanderreiht, enthalten geniale, glänzende Gedanken, aber
ebensoviele abstruse, erkünstelte Einfälle und abstoßende
Sophismen. Wer nach der Lectüre dieses Buches, ja auch
nur des Gedichtes: „Die Wüste wächst, weh’ dem, der
Wüsten birgt“ (im vierten Theile) ernstlich behaupten kann,
dem ist nicht zu helfen. Und die Kenntniß dieses Buches
will R.
Ja noch mehr; ihm ist
heimnißvoll genug. Er erklärt in einem Manifest, er habe
als Componist noch Verschiedenes in
„hineingeheimnißt“. Fast möchte man hinter dem Compo
nisten der
der sich mit seinem Publicum einen Spaß macht.
Was der Stifter des alt
vor
Lebens), gesammelt. Was das Buch für „Keinen und für
Alle“ in charakteristisch maskirter, salbungsvoller Rede vor
trägt, ist natürlich echtester Nietzsche. In hundert
mit den Lehren
sein eingesogen zu haben. Mein Ehrgeiz, sagt
in zehn Sätzen zu sagen, was jeder Andere in einem Buche
sagt oder auch nicht sagt. Ich habe der Menschheit das tiefste
Buch gegeben, das sie besitzt, meinen „
möchte auch in zehn Tacten sagen, was Andere in einer
ganzen Symphonie; und wünscht ohne Zweifel der Mensch
heit in seinem „
dicht zu geben, das sie besitzt. Eines der längsten gewiß; es
dauert in Einem Zuge volle 33 Minuten; 33 bösartig
lange Minuten.
mit Capitel-Ueberschriften aus
sehen, z. B.: „Von den Hinterweltlern“, „Von der großen
Sehnsucht“, „Von den Freuden und Leidenschaften“, „Von
der Wissenschaft“ u. s. w. Nach einer kurzen feierlichen
Einleitung tritt
sind diejenigen, welche jenseits dieser Welt einen neuen
Willen suchen und den alten Wahn von sich werfen —
vier Trompeten blasen das Leitmotiv des Ganzen: c g c;
Aus einem Orgelsatz mit durchaus getheilten Geigen —
die Violoncellos an sechs Pulten vertheilt — ringt sich
das 2. Thema in H-moll heraus; es schildert
den „Sehnsuchtsdrang“. Die Religion als Hoff
nungsanker der gequälten Menschheit wird durch
das Gregorianische Credo eingeführt, das bekanntlich
in die
gewidmete Andante in As-dur ist weitaus der reinste,
stimmungsvollste und klangschönste Satz des ganzen Werkes.
Eine Episode „von der großen Sehnsucht“ führt direct zu
den „Freuden und Leidenschaften“; ein aufjubelndes Allegro,
über welches die Glissandos zweier Harfen einen wilden
Glanz breiten. Der Prophet wendet sich hierauf zur
„Wissenschaft“; sie wird durch eine rhythmisch lahme, miß
klingende fünfstimmige Fuge recht abschreckend repräsen
tirt. Auf die Wissenschaft folgt die „Genesung“ und als ihr
Wahrzeichen das „heilige Lachen“, ein zweimal von der
Trompete intonirtes komisches Kikeriki! In die Gefilde
ewiger Lust versetzt uns ein recht ärmlicher Walzer, welchen
das Leitmotiv C G C in allen Formen und Farben um
flattert. Was diesem „Tanzlied“ vorhergeht, ist ein vom
„Motiv der Verachtung“ beherrschtes langes, wahrhaft
scheußliches Geheul. Nachdem im Tanzlied Triangel und
kleine Glöckchen ihr Wesen getrieben, führt sich das „Nacht
wandlerlied“ mit einer tiefen, in E gestimmten Glocke ein,
die Mitternacht schlägt. Hierauf der merkwürdige Schluß:
die Violinen und die Bläser halten hoch oben den H-dur-
Accord fest, während dazu in der Tiefe die Contrabässe ihr
leises C G C pizzikiren! Dieses Zugleichklingen von H-dur
und C-dur soll, den officiellen Auslegern zufolge, „das un
gelöste Welträthsel“ bedeuten. „Welch triviale Idee, so
geistreich zu sein!“ sagen wir mit dem Kritiker in
„
Wer die
ohne sich um das detaillirte Programm zu kümmern, der
wird gewiß keinen Zusammenhang mit
thustra
Orchesterstück ganz sinnlose Aufschrift ist in der That nur
ein Mittel, sich interessant zu machen, der Musik eine
Bedeutung anzutäuschen, die nicht in ihr selbst liegt. Die
Composition, ungemein schwach und gequält als musikalische
Erfindung, ist eigentlich nur ein raffinirtes Orchester
kunststück, ein klingender Farbenrausch. Als geistreiche Com
bination neuer, origineller, aber auch abenteuerlicher und
beleidigender Klangeffecte ist das Stück gewiß interessant
und unterhaltend. Aber diese fabelhafte Orchestertechnik war
nach meiner Empfindung dem Componisten weniger ein
Mittel, als vielmehr Zweck und Hauptsache. Die instru
mentale Armee, welche R.
Feldzug aufgeboten hat, steht auf einem bisher ungeahnten
Kriegsfuß.
16 erste Violinen, 16 zweite, 12 Bratschen, 12 Violoncelle,
8 Contrabässe, 2 große Flöten, 2 kleine Flöten, 1 Englischhorn,
3 Oboën, 3 Clarinetten, Baßclarinette, 3 Fagotte, 1 Contrafagott,
6 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, 2 Tuben, 2 Harfen, Pauken,
große Trommel, Becken, Orgel, Triangel, Glockenspiel, 1 große Glocke
(am Schluß).
R.
strategische Combinationen vornehmen, und da seine Compo
sitionen nicht Musik von der Quelle sind, sondern compri
mirte Literatur, so liegt noch ein reiches Feld zur Auswahl
vor ihm. Ich meine die übrigen Werke
ein Virtuose in pikanten, gewaltsam geistreichen Büchertiteln
war. Bei dem Aufsehen, das die
überall erregt, und bei der modernen Tendenz, sich an
Musik nicht zu erfreuen, sondern den Kopf zu zerbrechen,
dürften R.
heißen: „
liches
Warum auch sollte er, der Allermodernste, der Neugierde
des modernen Publicums nicht entgegenkommen? „Mit
Bucklichen darf man schon bucklich reden,“ lehrt
In einer geistvollen, gediegenen Schrift behandelt
L. Stein (Professor der Philosophie in
Die Aufführung der
Heldenstück unserer von Hanns
Philharmoniker. Tumultuarisch raste der endlose Applaus,
schließlich von beherzten Zischlauten gemildert. Uebrigens
schien mir der Beifall mehr noch dem Orchester zu gelten
als dem Componisten; denn ich kann mir kaum denken,
daß unser Publicum wirklich Genuß und Begeisterung aus
diesem wüsten Hexenkessel geschöpft habe. Jedenfalls hat
Wirkungen nicht einmal Posaunen braucht, durch die
prätentiöse Nachbarschaft nicht gelitten. Es wurde ihr noch
stärker zugejubelt. Kraft und Schönheit des Gedankens sind
doch mächtiger als das kostbarste Gewand, und der echte
Dichter siegt schließlich über die verwegensten Künste des
Regisseurs und Decorations-Malers.