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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. So haben wir ihn denn auch verloren, den
echten großen Meister und treuen Freund! Ihn, der noch
vor Kurzem sich rühmen durfte, in seinem ganzen Leben
nie krank gewesen zu sein, nicht einen einzigen Tag! Das
hielt auch glücklich an bis gegen Ausgang des Sommers;
da war er unversehens erkrankt, ohne es selbst zu wissen.
Einige Freunde machten ihn in
krankhafte gelbe Gesichtsfarbe. Mit der Erklärung, er schaue
ohnehin nie in den Spiegel, brach er das ihm ärgerliche
Gespräch ab.
niemals von Krankheit hören, nie von Schonung oder
Vorsicht; durch seine beneidenswerthe Rüstigkeit dünkte er
sich gefeit. Als er mir vor etwa fünf Jahren mit naiver
Befriedigung erwähnte, er habe sich ein hübsches Vermögen
zusammencomponirt, welches ihm
walte, bemerkte ich: „Du hast doch ein Testament gemacht?“
— „Ein Testament?“ rief er ganz erstaunt, „ich bin ja
ganz frisch und gesund!“ — „Eben darum,“ erklärte ich.
„Verschiebt man dieses Geschäft, bis man recht alt und krank
geworden, dann kommt man entweder gar nicht mehr dazu
oder macht etwas Dummes.“
mit dem Gedanken wie mit etwas Weltfremdem zu ringen.
Nach ein paar Tagen brachte er mir trotzdem ein versiegeltes
Testament zur Aufbewahrung. Ich behielt es vorläufig, bis
bald darauf
die Urkunde zu sich nahm. Als der Jüngste von uns Dreien
hatte er die meiste Wahrscheinlichkeit des Ueberlebens für sich.
In
Freunden zulieb, ärztlichen Rath anzunehmen. Die Aerzte
erklärten seine Gelbsucht aus einem vorläufig noch unbe
denklichen Leberleiden und schickten
Sehr widerwillig gehorchte er dieser Weisung, war doch
seine Vorliebe für
gegen jeden ernsten „Curplatz“, Ende August langte er in
(Professor Emil Seling und Musikdirector
Nicht so tröstlich lautete ein Brief, den
gezeichneter Grünberger die
Rückkehr hier consultirte, über seine unheilbare Krankheit
ebenso im Reinen waren, wenn sie auch den trostlosen
Namen derselben gegen Niemanden aussprechen mochten.
Am wenigsten durfte natürlich
bekommen. Wie lebhaft er auf psychologische Eindrücke
reagirte, sah ich mit Staunen, als ich ihn eines Vor
mittags besuchte und seine Stimme auffallend kräftiger,
seine Bewegung viel freier fand, als Tags vor
her. „Ja,“ rief er, mit einem zufriedenen Ton,
wie ich ihn lange nicht mehr von ihm gehört, „ich
bin jetzt wirklich beruhigt; es war ein Consilium
von Aerzten bei mir, und sie haben nach genauester Unter
suchung durchaus nichts Gefährliches bei mir gefunden!“
Thatsächlich war in den ersten zwei bis drei Monaten nach
seiner sechswöchentlichen
seines Zustandes kaum zu bemerken, freilich auch keine
Besserung.
fallend erschien dabei nur sein schwankender Gang und die
gebückte Haltung. Auch war er sehr reizbar geworden, be
sonders heftig und unwirsch, wenn man nach seinem
Befinden fragte oder vorgab, ihn besser aussehend zu finden.
Wenn man überhaupt den Muth hatte, ihn zu fragen,
antwortete er meistens: „Alle Tage ein bischen schlechter.“
Das war auch objectiv richtig. Eine langsame, aber stetig
zunehmende Verschlimmerung machte sich deutlich bemerkbar.
Der gelbe, fast orangefarbene Teint wurde immer dunkler
und gab seinen einst so schönen blauen Augen einen un
heimlichen Ausdruck. Sein kräftiger, zu starker Fülle
neigender Körper schrumpfte zu entsetzlicher Mager
keit ein; die langen weißen Haare hingen wirr herab
über das faltige, abgemagerte, bekümmerte Gesicht.
Trotzdem kam er noch vier Wochen vor seinem Ende fast
regelmäßig als Mittagsgast zu befreundeten Familien, auch
manchmal in deren Loge ins Burgtheater, das er ebenso
gern besuchte, als er der Oper auswich. „Ich bitte dich
dringend,“ schrieb er mir in jener Zeit, „entbehre
dorfer
vortreffliches Stück und wird dich herzlich erfreuen, ja wahr
haft erquicken. Du kennst es aber wahrscheinlich und weißt,
daß es kein trauriges Stück ist.“ Die letzte Opernvor
stellung, welche
von Goldmark, den er persönlich liebte und schätzte. Im
Das letzte von
„Philharmonische“ vom 7. März. Die Erinnerung
daran wird sich jedem Anwesenden tief eingeprägt haben.
Man begann mit
Gleich nach dem ersten Satz erhob sich ein Beifallssturm,
so anhaltend, daß
der Directions-Loge vortreten und sich dankend verneigen
mußte. Diese Ovation wiederholte sich nach jedem der vier
Sätze und wollte nach dem Finale gar kein Ende nehmen.
Es ging ein Schauer von Ehrfurcht und schmerzlichem Mit
leid durch die ganze Versammlung; eine deutliche Ahnung,
daß man die Leidensgestalt des geliebten kranken Meisters
in diesem Saale zum letztenmal begrüße. Diese ganz außer
gewöhnliche Huldigung wirkte um so stärker, als ge
rade seine
und bei ihrem geringen sinnlichen Reiz es auch schwerlich
werden wird. Wir Freunde, die wir an der ersten kalten
Aufnahme dieses Werkes im Jahre
glänzenden Erfolg messen konnten, freuten uns für
unsäglich über diesen Triumph. Aber die rechte innere Fröh
lichkeit wollte sich doch nicht einstellen; das Weh der Sorge,
des Mitleidens ließ sich nicht wegmusiciren.
Es ging nun zusehends abwärts mit
Füße wollten nicht mehr gehorchen; so holten ihn denn seine
Freunde zu Spazierfahrten in den
karge Herrlichkeit währte nur ganz kurze Zeit.
mußte, wogegen er sich am längsten gesträubt, vor acht
Tagen zu Bett gebracht werden. Er hat es nicht wieder
verlassen. So kraftlos war er in diesen letzten Tagen, daß
er auch wachend in einer Art Betäubung hinzudämmern
schien. Die unbeschreiblich rührende Sorgfalt seiner Freunde
Victor v.
ihrer Frauen hat ihn, den Alleinstehenden, unausgesetzt um
geben. Wie es scheint, hat
der Hoffnungslosigkeit seines Zustandes und von der Nähe
der Gefahr gehabt; die Freunde und Aerzte erhielten ihn
liebevoll in dieser Illusion; die Zeitungen, die er noch zeit
weise durchblätterte, enthielten sich rücksichtsvoll jeder Notiz
über seine schwere Erkrankung.
die auf Vier ernsten Gesänge“,
Als wir am 7. Mai v. J.
im Freundeskreis so heiter begingen, da mochte Niemand,
Niemand ahnen, daß es sein letzter war. Wir werden keinen
7. Mai mehr feiern.