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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Siehe Nr. 11797, Nr. 11799 und Nr. 11801 der „
Freien Presse
fassender und tiefer, als man nach flüchtiger Bekanntschaft
vermuthen mochte. Was in seiner harten, entbehrungsvollen
Jugend ihm verwehrt geblieben, hat er später mit an
dauernder Energie nachgeholt. Eine bewunderungswürdig
rasche Auffassung und ein ebenso außerordentliches, nie ver
sagendes Gedächtniß unterstützten ihn in seinen Studien.
Oft erfuhr man erst nach Jahren, wenn ein Stichwort
zwingenden Anstoß gab, wie fest beschlagen er war in
literarischen Dingen. Mit seiner Belesenheit zu prunken,
fiel ihm nicht ein; er versteckte sie lieber. Der reine Gegen
satz zu Liszt, der in seinen musikalischen Aufsätzen fort
die Novellen Gottfried Keller’s und die Dichtungen seines
Auch die Politik — sonst das gemiedene und ver
schmähte
aufmerksam. In einem seiner Briefe finde ich sogar leiden
schaftliche Theilnahme an einem speciell
Zwischenfall. Er schreibt mir aus
„Liebster Freund! Ich muß mein Hurrah Jemandem
zurufen, mein fröhliches, kräftiges Hurrah den Professoren
für ihren Brief an Rector Maaßen.
Und Freund
nerianer werden? Wozu wartet er so lang, einmal muß er
doch daran.“
Ein guter Oesterreicher war
zugleich ein treuer Reichsdeutscher geblieben. Mit wärmster
Theilnahme und Aufmerksamkeit las er die historischen
Werke von Sybel und
dankbarsten Lesern. Ueber das Juni-Heft
einen Theil meiner Memoiren brachte, schrieb mir
aus
letztes schönstes Heft. Ich sagte dir schon und es war auch
diesmal so: jedem neuen Hefte sehe ich mit Bedenken ent
gegen, und jedes überrascht mich auf das unerwartetste und
beste. Ich könnte und möchte von manchem Einzelnen an
fangen, nicht zuletzt von der Schilderung früherer klein
bürgerlicher und städtischer Verhältnisse — aber ich hoffe,
wir plaudern hier oder dort nächstens.“
Von modernen Malern waren es insbesondere zwei,
welche Menzel und der in unseren Tagen zur Berühmtheit ge
„Lieber Freund! Die neueste
anzuschauen, ist mehr Genuß, als die zehn letzten zu hören.
Brahms, op. 118.
So sehr mir an
Kühnheit imponirte, das Entzücken
doch nicht überall zu theilen; am wenigsten über die Titel
blätter der bei
männischen Urtheil durchaus unberufen, konnte ich doch
meine Empfindung nicht verhehlen, daß hier das einseitig
Realistische und gewaltsam Charakteristische allzusehr die
Schönheit zurückdrängt, ja ohne innere Nöthigung verletzt
habe. Ich konnte nicht begreifen, warum z. B.
abstoßend häßlicher Alter mit weißen Haarbüscheln auf dem
splitternackten elenden Leib dargestellt sein mußte — oder
weßhalb die reizende Melodie eines
sich bei
dern in einer recht derb alltäglichen widerspiegle? „Du hast
nicht Unrecht,“ entgegnete
mich nicht — es ist doch genial!“ Ich mußte an Eitel
denken, der einmal in wilder Oppositionslaune
Seiner Dankbarkeit und Verehrung für Max
gab
seiner „ Vier ernsten Gesänge für eine Baßstimme“,
er
in aller Stille einmal zeigen. Wir gingen klopfenden Herzens
mit ihm auf ein abgelegenes Zimmer, wo ein Pianino
stand, und dort führte er uns die „
dem Manuscript vor. Er war dabei selbst so ergriffen, wie
ich’s nicht für möglich gehalten hätte. „Die habe ich mir
zu meinem Geburtstage geschrieben,“ sagte er.
Sie sehen hieraus, daß diese Composition in keinem ursäch
lichen Zusammenhang mit Clara
Außer den „
trübes Ahnen füllte mein Herz — leider hat es Recht
behalten.“
Am Ausgang seines Lebens hatte
einander zwei schmerzliche Verluste zu verwinden: im
Februar Billroth, im Mai
„Laß mich dir recht herzlich danken für die innige
Freude, die mir deine Billroth-Aufsätze
Das ist ein selten schönes Todtenopfer und ein Zeichen von
Freundschaft, wie es nur ein guter Mensch geben kann.
Auch Fernerstehende werden deine Worte mit Wonne lesen,
mit doppelter aber Jeder, dem
Mich aber laß bekennen, weßhalb sie mir besonders
wohl thaten: sie haben mich befreit von dem Andenken an
den kranken
Empfindung und Erinnerung der letzten Jahre frei ge
worden und denke und liebe den Mann, wie ich ihn früher
kannte und wie du ihn so liebevoll schilderst. ...“
Freundschaft;
Verehrung für
wurde, dieselben mit mir vierhändig durchzuspielen, so pflegte
er auch nach jeder Aufführung eines neuen
brieflich den davon empfangenen Eindruck zu schildern. Ich
hatte einmal
so genau eingehenden schönen Musikbriefen
sprochen, und da äußerte der sonst gar nicht Neugierige oder gar
Lobgierige den Wunsch, etwas von diesen ungedruckten freund
schaftlichen Kritiken zu sehen. Ich raffte schnell drei bis vier
von
Einen Augenblick zu spät erschreckte mich die unbestimmte
Erinnerung, es stecke in einem dieser Briefe ein für
verletzendes Wort.
neben den großen Vorzügen auch manche persönliche Schwäche
seines Vorbildes theile: er sei wie
los und verletzend schroff gegen seine Freunde und könne
ebensowenig wie
wahrlosten Erziehung völlig losmachen. Ganz trostlos darüber,
so unvorsichtig gegen meine zwei besten Freunde gehandelt
zu haben, mußte ich obendrein befürchten, daß
einer seiner sarkastischen Anwandlungen
Ausspruches vielleicht necken und in Verlegenheit bringen werde.
Seine Antwort auf meinen entschuldigenden Brief ist ebenso
würdig und aufrichtig, wie höchst bezeichnend für seinen
Charakter:
„Lieber Freund! Du brauchst dich nicht im geringsten
zu beunruhigen. Ich habe den Brief von
lesen, gleich wieder in den Umschlag gethan und nur leise
den Kopf geschüttelt. Ich soll nichts gegen ihn erwähnen —
ach, lieber Freund, das geschieht leider ganz von selbst nicht
bei mir! Daß man auch von alten Bekannten und Freunden
für etwas ganz Anderes gehalten wird, als man ist (oder
also in ihren Augen: sich gibt), das ist mir eine alte Er
fahrung. Ich weiß, wie ich früher in solchem Fall erschreckt
und betroffen schwieg, jetzt schon längst ganz ruhig und selbst
verständlich. Das wird dir gutem und gütigem Menschen
hart oder herbe scheinen — doch hoffe ich, noch nicht zu weit
vom
sich vor der Welt ohne Haß verschließt. — Recht herzlich
dein J.
Die beiden letzten Briefe, die ich von
haben eine lange Vorgeschichte. Sie betreffen einige Briefe
Robert Schumann’s (aus der Heilanstalt
Wirklich ließ der „längliche Brief“ (er traf mich Ende
Juli in
selbe lautet:
„Liebster Freund! Alles, was du schreibst, ist richtig
und wahr und dich wie mich angehend. So sage ich nur
kurz, daß eine Darstellung Robert
aus deiner Feder stets mein sehnlicher Wunsch war. Ich
hatte wie du die Zustimmung
dazwischen und ihre Sinnesänderung. Mich traf sie empfind
licher wie dich — aber deinetwegen, was ich, wie Manches
der Art, still zu verwinden suchte.
Vertraulicher Umgang mit Frauen ist schwer, desto
ernster und vertraulicher, desto schwerer. Als mildernd muß
man in diesem Falle durchaus gelten lassen, daß Frau
mann
daß sie nicht gern über den Kranken hörte. Jetzt ist
die Besitzerin alles schriftlichen Nachlasses und darf darüber
verfügen. Wieder bitte ich, zu bedenken, wie schwierig ihre
oder der drei Schwestern Lage ist — solchem Eigenthum
gegenüber!
Ich glaube nicht, daß sie etwas thun werden, ohne
mich um Rath zu fragen; ob sie aber auf meinen Rath
etwas thun, weiß ich nicht. Jedenfalls möchte ich
unsere Sache vorstellen und sie bitten, uns das übrige
Material (
freundlich zuzustimmen, daß du alles in Händen Habende
benützen darfst.
Nun ist mein dringender Wunsch, du möchtest mit der
Veröffentlichung deiner Arbeit nicht eilen. Es ist
doch möglich, daß wir alles dahin Gehörige bekommen,
dann aber: Ich bin der Einzige, der mit
jener Zeit oft verkehrte, und du bist der Einzige, dem ich,
statt der eigenen Feder, meine Erinnerungen anvertrauen
möchte. Es kommt ja nichts Merkwürdiges dabei heraus,
aber — wollen wir nicht ein paar ruhige Stunden daran
wenden?
In ernster Freundschaft dein J.
Man sieht, ihm selbst lag die Angelegenheit auf dem
Herzen. Er berichtet mir über dieselbe aus
fangs September vorigen Jahres mit folgenden Zeilen:
„Beiliegendes Schreiben von Marie
ich dir längst geschickt, wenn ich deiner Adresse sicher ge
wesen wäre. Ich hatte seinerzeit deinen Brief an
schickt und dazu gebeten, uns übriges Material,
angehend, anzuvertrauen. Dem Passus von „uns Kindern“
hatte ich eigentlich vorgebeugt und gesagt: sie dürfen dir
und mir einige Empfindlichkeit in der Sache wol nachsehen.
Frauenzimmer u. s. w.
Vielleicht finden wir bei uns in
— sonst haben wir unser Möglichstes gethan.“
In dem von
wortet ihm Fräulein Marie
17. August) zustimmend: „Thun Sie, was Sie im An
denken an unsere
soll mir gelten.“ Dem Wunsche jedoch, noch andere Briefe
„Ich muß erst in Ruhe das Material selbst durchgelesen
und einen Ueberblick gewonnen haben, ehe ich etwas aus
den Händen gebe. Dazu braucht es aber einiger
Jahre.“
So verblieb es denn bei der Veröffentlichung jener
wenigen Briefe, welche
mitgetheilt hatte und denen Joachim noch ein sehr werth
Man mußte
grund seines verschlossenen Wesens zu gelangen. Er war in
Wohlthaten ebenso unermüdlich, wie unerschöpflich in der
Kunst, sie geheim zu halten. Wie manchem jungen Musiker
hat er unaufgefordert geholfen mit einem „in beliebiger
unbestimmter Zeit zurückzuzahlenden Darlehen“, dessen er
selbst sich niemals erinnern wollte! Er ließ es auch an
moralischer Hilfe, an Förderung und Empfehlung aufstre
bender Talente nicht fehlen. Sehr verschieden von gewissen
weltberühmten Künstlern, die eher noch mit Geld als mit
ihrer Protection aushelfen, am liebsten aber mit keinem
von beiden.
eines Andern. Man weiß, wie energisch er die allgemeine
Würdigung Dvořak’s beschleunigt hat. Als Ehrenpräsident
des „
er gern und regelmäßig theilnahm, betrieb er eifrig Preis
ausschreibungen, insbesondere für Kammermusik, um junge
Talente an die Oberfläche zu bringen. Da bewies er bei
Durchsicht der eingelaufenen anonymen Manuscripte einen
erstaunlichen Scharfblick, aus dem Gesammt-Eindruck und
technischen Einzelheiten den Autor zu errathen, oder, falls
dieser noch nie hervorgetreten, wenigstens die Schule, den
Lehrer desselben. Im vorigen Jahre interessirte sich
sehr lebhaft für ein anonymes Quartett, dessen Componisten
er durchaus nicht zu errathen vermochte. Mit Ungeduld er
wartete er die Eröffnung des versiegelten Zettels. Darauf
stand der bisher gänzlich unbekannte Name: Wilhelm
Rabl. Ihm ward auf
Nicht immer von höflichen Manieren, besaß auch
götzte es ihn, wenn er Anderen eine Freude machen konnte,
vollends eine geheimnißvoll überraschende! So fand ich ihn
an einem Sonntag Vormittags eifrig beschäftigt, mehrere
Flaschen Champagner in einen Korb zu packen. „Die sind
für ..., dessen neues Orchesterstück heute aufgeführt wird.
Wenn er nach dem Concert sich mit seiner Familie zu Tische
setzt, soll er eine Freude haben!“
Kurz vor seiner letzten Krankheit besuchte ihn die Frau
eines in
bahn ihres Mannes fördern würde, nach
siedeln. „Ja“, seufzte die Frau, „wenn das Leben in
nicht so kostspielig wäre für eine zahlreiche Familie!“ — „Wenn
es an nichts Anderm hängt,“ entgegnete
Sie ohneweiters von meinem Vermögen, so viel Sie brauchen;
ich selbst bedarf sehr wenig.“ Die gute Frau brach vor
Rührung in so heftiges Weinen aus, daß sie nicht antworten
konnte.
In
gefühl, das vielleicht strengen Juristen mitunter allzu
empfindlich erscheinen mochte. Eine charakteristische Geschichte,
deren Anfänge ich miterlebte, deren Ausgang ich aber erst
in
Ich traf einmal bei
von etwa 40 Jahren, die geschiedene Gattin eines (wenn ich
nicht irre, in
Dame, deren nervöse Einsamkeit nur durch leidenschaftliches
Musiciren ein flackerndes Leben empfing, schwärmte für
nisten selbst. Dieser besuchte sie auch manchmal in ihrer
nah gelegenen Wohnung auf der
menschlicher Theilnahme geleitet, als aus persönlicher Sym
pathie. Eines Tages, es mag 25 Jahre her sein, erzählte
mir
einige Musikalien vermacht, hübsch gebundene Hefte
Jedes Titelblatt zeigte in zierlicher Handschrift den Namen
der Erblasserin.
dankbar entgegennahm und noch heute besitze. Dann hat er
nie wieder von dieser Verehrerin gesprochen. Erst drei Tage
vor seinem Tode erzählte der Schwerkranke seinem Freunde
zum Universal-Erben ihres ziemlich beträchtlichen Vermögens
eingesetzt worden. Diese Verfügung habe er als ein schweres
Unrecht gegen den geschiedenen Gatten der Verstorbenen
empfunden, sei unverzüglich zum Notar geeilt und habe in
einer rechtskräftigen Urkunde auf die Erbschaft zu Gunsten
des Gatten verzichtet. Dieser wurde sofort verständigt, kam
nach
freiwillig cedirte Erbschaft entgegen.
Wer sich in
zu Muthe, als habe unsere Musik ihr Rückgrat verloren.
Doch nicht seiner hohen Bedeutung als Tondichter gelten
diese flüchtigen Erinnerungsblätter. Sie sollen nur zur
Charakteristik des edlen, seltenen Menschen beitragen, an dem
sein engerer Freundeskreis nicht weniger verloren hat, als
die musikalische Welt an dem Künstler.