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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Das entzückende Landschaftsbild
gißt nicht so leicht Jemand, der, sei es auch nur auf der
Durchreise, hingeschaut hat. J. V.
Städte und Städtchen bester Kenner und Schätzer, ruft
beim Anblick von
seines Lebens zubringen! Dabei erzählt er uns (in „
seits des Gotthard
einen Act der Barbarei zugleich ein Zeugniß für die reiz
volle Lage der Stadt abgelegt hat. Auf einem wunderschönen
Gemälde von Lorenzo
der Bildergalerie
den Heiligen dargestellt; im Hintergrunde war die Stadt
Seinigen gern zeigen mochte, wie märchenhaft schön die
Stadt daliegt — Photographien gab es noch nicht zur Zeit
der
landschaftlichen Hintergrund aus dem Gemälde heraus und
nahm ihn mit. Man hat dann ein neues Stück Leinwand
eingesetzt und es einfach mit dunklen Farben überstrichen. Jetzt
werden die zahlreichen Fremden sich leichter und anständiger
ein Bildniß der Stadt verschaffen können, in welcher vor
hundert Jahren, am 29. November
zetti
bestimmen, der Sohn hatte Lust zum Architekten — und so
wurde er denn keines von beiden, sondern Componist.
Musiker und Musikfreunde gedenken in
blos Simon
Mayr. Dieser einst gefeierte Componist zahlloser
Opern zu schreiben war noch zu Anfang dieses Jahrhunderts
ein besonders geschätzter und einträglicher Beruf
Musiker. Man braucht nicht an
zudenken — nur an unsere älteren Zeitgenossen
vergessen sind, ja mit dem Auftreten
abgethan waren, galt den Italienern als ein hochbegabter,
gediegener Meister. Auch unsere Nachschlagebücher, die gern
aus jedem Verstorbenen einen Unsterblichen machen, sprechen
von S. Stendhal, der
Eine mäßige Transfusion verdünnten
hat denn auch auf den jungen
bei Simon
Mit zwanzig Jahren brachte er seine erste Oper zur Auf
führung. Sie siegte ebensowenig wie die zwanzig nachfol
genden. Unter diesen war auch „
der pietätvollen Widmung „al celebre Sign. Maëstro
Simone Mayr“. Diese Tragedia lirica zeichnet sich
doch hatte der allzu leicht schaffende Componist bis dahin
nichts geliefert, was sich mit Bellini’s Opern zweiten
Ich beabsichtige nicht, den Lebenslauf
Schritt für Schritt, Oper für Oper zu beschreiben; von
den Hauptwerken soll ohnehin später noch die Rede sein.
Mit „
seines Talentes und Ruhmes. Noch immer steigerte sich
seine fabelhafte Productivität. Ein Vertrag mit
verpflichtete vier Opern für die
königlichen Theater in
des „
Pasquale
er nach
wurde, bereicherte
mit fünfzehn neuen Opern, worunter „
Vergy
Kammer-Componisten ernannt, ließ er noch für die
Hofoper „
selben Jahre (
die er bereits „
Sebastian
dieser aufreibenden Geistesthätigkeit nur Alles gethan gewesen!
In
Stelle kommen, die Stimmen seiner Sänger studiren und
die Oper dirigiren. Als Simon Mayr in
rung that, er wolle nicht mehr reisen, so hieß das: er werde
keine Oper mehr componiren. Einige Jahre früher bot die
Administration der Scala dem berühmten
Francs für eine neue Oper; er antwortete: mit 80 Jahren
könne man nicht mehr herumreisen, er wolle jedoch seine
Musik einsenden. Man lehnte dankend ab. Auch
mußte, um eine neue Oper heute in
andere in
zustudiren und zu dirigiren, die
einem Ende zum andern durchfahren — im Postwagen,
denn Eisenbahnen gab es dort noch keine. Und kein Aus
ruhen zwischen all diesen Reisen, Arbeiten, Gesellschaften
und Vergnügungen.
überall dabei sein. So rastlose Thätigkeit und Genußfreude
mußten allmälig seine Gesundheit untergraben.
wurde im Jahre
Nach
von Geistesstörung an
seines „ Dom Sebastian“ in
Eines Morgens, als
seinem Diener noch immer nicht geläutet hatte, drang dieser,
geängstigt, ungerufen ein und fand seinen Herrn bewußtlos
auf der Erde hingestreckt. Man rief eiligst mehrere Aerzte.
Fragen der Aerzte mit ungewöhnlicher, befremdender Red
seligkeit. Er erklärte ihnen unter Anderm, daß er zwei
Quellen der Begeisterung in sich habe, deren Sitz er ganz
genau fühle: links wäre die Quelle für seine heitere Musik,
rechts die andere für die tragische. Sobald er zu componiren
anfange, fühle er eine Art Klappe sich öffnen, rechts oder
links, je nach der Gattung Musik, welche er eben producire,
und nach einem arbeitsvollen Tag fühle er sich stundenlang
entweder an der rechten oder an der linken Seite seines
Körpers schmerzlich ermüdet.
Nach einiger Zeit schien
körperlich sich zu erholen, die Lust zur Arbeit erwachte
wieder, und er beschäftigte sich lebhafter als je mit seinem
Lieblingsproject, den „ Sganarelle“ von
Der arme Kranke ging vollständig in die Falle. Er
vergaß auf sein Leiden und gab seinem Diener
Befehl, die Koffer zu hacken.
Postpferden bespannt, rollte fort. Ein anderer Wagen folgte
in einiger Entfernung. Der
zwei Freunde und der treue
angelangt, macht der Postillon die Pferde plötzlich bäumen,
springt, lästerlich fluchend, vom Kutschbock und weckt den ein
geschlummerten
gebrochen und es bleibe jetzt, mitten in der Nacht, nichts
Anderes übrig, als sich in das glücklicherweise ganz nahe
Hotel zu verfügen. Halbverschlafen steigt unser Maëstro
aus, der Director des Irrenhauses, M.
spielend, empfängt ihn mit den gasthausüblichen Begrüßungen.
Man richtet
Am folgenden Tage erscheinen der
und
berichtenden Depesche, um
stimmt ihn, noch einen Tag zu verweilen, dann noch einen,
und einen dritten und vierten, bis endlich der Doctor voll
ständig Herr des Patienten und von einem Fortgehen keine
Rede mehr ist. Die sorgfältigste ärztliche Behandlung ver
mochte aber leider nicht mehr, das zur Gehirn-Erweichung
vorgeschrittene Uebel zu heilen. Aus dem Irrenhause zu
ein freundliches Landhaus bei den
endlich nach
hatte die größten Schwierigkeiten, diese Heimkehr zu ermög
lichen. Obgleich die Mehrzahl der zum Consilium berufenen
Aerzte die Reise für ungefährlich erklärte, wurde sie von
der
schreckte die Behörde nicht vor der Brutalität zurück, bei
sogar eine vom Arzt angeordnete Spazierfahrt des Kranken
verhinderte.
mächtigkeit an drei der berühmtesten Marié,
Wenige Minuten vor seinem Tode —
Langem theilnahmslos und ohne Jemanden wieder zu erkennen,
hingeträumt — spielte eine Straßenorgel vor seinem Fenster
das Final-Sextett aus der „
leuchtete aus dem erloschenen Auge des Kranken, ein leises
Lächeln glitt über seine Züge, sein Kopf sank auf das Kissen
zurück, und
In
Kein Todtenamt, keine Gedächtnißfeier, kaum ein Zeitungs
artikel. Der Mann, der an vielhundert Abenden vieltausend
Menschen entzückt hatte, wie ein Triumphator von einer
Huldigung zur andern ziehend, er ist still und unbemerkt
gestorben. Man erfuhr in
durch ein Journal, das man zufällig zur Hand nahm, oder
durch eine flüchtige Erwähnung, unter dem Lärm der Waffen,
in dem Gedränge einer Volksversammlung. Ein Jahr vorher
freilich, als noch die Tagespresse wöchentliche Bulletins
brachte, welche das Publicum von
finden des armen Wahnsinnigen in Kenntniß erhielten, da
hätte es Niemand für möglich gehalten, daß der Gefeierte
bald darauf ohne die mindeste Sensation sterben könne!
Das Räthsel ist leicht gelöst:
war gut zum Leben, doch nicht zum Sterben. Es waren
die Flitterwochen nach dem großen
und wenn man mit Millionen Brüdern in begeistertem
Hochzeitsjubel schwelgt, so übersieht man wol leicht den ein
zelnen Sarg, der indeß still vorübergetragen wird.
Jetzt trachtet eine politisch beruhigtere Generation gut
zumachen, was wir im Frühjahre
säumen mußten. Seine schönsten Melodien — das wissen
wir jetzt — haben manches Ideal überlebt, wofür wir jungen
Achtundvierziger geschwärmt haben. In
sich von Nah und Fern, auch aus
finden, das Andenken des einst so hellstrahlenden und viel
geliebten Künstlers zu feiern. Wer nur Eine Melodie
vor sich hingesungen, der steht in seiner Schuld und wird
diese Schuld gern abtragen durch ein dankbares Erinnern.