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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Genau ein halbes Jahrhundert schließt sich
heute nach
nicht gefahrdrohender Krankheit war
des 4. November
seiner Schaffenskraft und seines Ruhmes, erst 38 Jahre
alt. Unvergeßlich bleibt mir der Tag, welcher die Trauer
kunde nach
alle Freunde ernster Musik. Diese Gemeinde war damals
beiweitem kleiner als heute, aber sie hing, wie fast alle
Minoritäten, um so fester zusammen in ihren idealen Be
strebungen. Musiker und Musikfreunde, die einander kaum
kannten, theilten auf der Straße sich die Unglücksbotschaft
mit, um den eigenen Schmerz an dem Mitgefühle Gleich
gestimmter zu mildern. Es gab keinen Streit darüber: die
musikalische Kirche hatte ihr sichtbares Oberhaupt verloren.
Privatbriefe aus
Sterben gingen von Hand zu Hand. Ich entsinne mich
namentlich eines Briefes von
des Freundes gestanden und in ergreifenden Worten dessen
letzte Augenblicke schilderte. Er hat, so hieß es darin, einen
ganz sanften Tod gehabt. Man war schon Tags vorher auf
die Katastrophe gefaßt. Straße, Hausflur, Treppe und Vor
saal standen voll Menschen, die laut weinten; in seinem
Zimmer viele Aerzte und Freunde, sein
ihm die Stirne küssend. Nachdem er den letzten Athemzug
gethan, hat die
zu ihren fünf Kindern. Man kannte keine glücklichere Ehe,
als die
4. November sollte das Abonnements-Concert im Gewand
haus stattfinden. Die Musiker erklärten schon Tags vorher,
daß sie nicht spielen könnten, um keinen Preis der Welt.
Sie standen alle unten im Hof. Am 7. November beging
Dem pomphaften Begräbniß folgten alle Behörden und
Honoratioren sowie Tausende von Leidtragenden. Das Leichen
tuch trugen Robert
Meister bereits nachgefolgt.
In Wien war die Bestürzung um so größer, als
gen so spät den Wienern bekannt geworden.
Die Gesellschaftsconcerte brachten die „
Drei
v. Püttlingen, Dr. Leopold v.
Franz Hauser, der nachmalige Director des
Widerwillen. „In
„haben sie für die beste Symphonie einen Preis von
50 Ducaten ausgesetzt, und
und Consorten sollen’s entscheiden, lauter Kerls, die
keine Symphonie zusammenbringen können, und wenn sie
sich drei Jahre kasteiten. Wäre es ein Comité von
den besten Componisten der Welt, so möcht’ ich doch auch
um keinen Preis concurriren; der bloße Gedanke, daß ich
eine Preismusik componirte, machte mich so unmusikalisch,
wie
letzten Briefen tritt
wieder zu sehen, immer bestimmter auf. „Wahrhaftig, ich
muß einmal nach
erzählen, und ihr Alle sagt mir so viel Freundliches über
meine Musik und so viel Außerordentliches über ihre Aus
führung dort, daß mir der Mund sehr wässerig wird.
Vielleicht bring’ ich den „
gegen den Winter, oder ich warte, bis ich einen Opern
stoff gefunden und componirt habe und bis die Jenny
Liebste — aber auf irgend eine Art hoffe ich mir doch
eure
zuerst nicht nach dem Stephansthurm, auch nicht zum
Sperl, sondern in die Bärenmühle.“ Es war ihm, war
uns nicht beschieden. —
Beamten Alois Fuchs beruhte nicht sowol auf innigem
durch vierzehn Jahre fortlaufenden Correspondenz. Aber
nicht das einzige. Mit lebhaftestem Eifer erkundigt sich
sohn Beethoven’schen Sachen, von denen
In seinen zahlreichen Briefen an
anklage, er sei ein nachlässiger, fauler Briefschreiber. Wir
staunen im Gegentheil über die große Menge von ausführ
lichen inhaltreichen Briefen, die von ihm gedruckt vorliegen.
Unbegreiflich wie die Fülle von Tondichtungen, welche
seiner angestrengten Thätigkeit als Componist, Dirigent,
Lehrer, Virtuose, Organisator die Reichhaltigkeit seiner
Correspondenz. Und in all den zahlreichen Briefen von ihm
an die verschiedensten Menschen, aus den wechselndsten Lebens
lagen — immer dieselbe unzerstörbare Liebenswürdigkeit,
dieselbe goldene Natürlichkeit und Anmuth, derselbe von dem
blühendsten Humor umrankte Ernst!
Heute, da zum fünfzigstenmale sein Todestag sich jährt,
kehrt unser Denken und Empfinden mit erhöhter Kraft zu
Erinnerung gilt dieses Blatt; für eine kritische Würdigung
seiner Werke bietet es weder Raum noch Anlaß. Manche
Blumen und Sträucher aus seinem üppigen Garten mögen
an den Spitzen zu welken beginnen — welcher Componist
entginge nach so langen Jahren diesem Schicksal? Das ehe
dem heißhungrige Genießen
im Laufe von 70 Jahren Zeit gehabt, sich zu beruhigen,
seit der 16jährige
„
ponisten von glänzendem Talent ihm nachgefolgt und haben ihn
theilweise aus dem öffentlichen Musikleben zurückgedrängt.
Seine „
seine Concert-Ouvertüren, endlich sein „
wirken trotzdem noch mit unversehrter Frische und Macht.
„Ewig“ ist ein leeres Wort für musikalische Schöpfungen
— aber auf sehr, sehr lange hinaus werden sie alle Freunde
edler, ernster Kunst erquicken und erheben. In neuerer Zeit
haben auch Elemente von Außen her sich gegen
gekehrt: die in Haß und Ueberhebung vereinigten Wagnerianer
und Antisemiten. Gönnen wir ihnen das traurige Geschäft.
Was uns
liebenswerth macht, ist, neben seiner Kunst, sein persönlicher
Charakter. Ich darf hier ein meines Wissens noch
nirgends veröffentlichtes Schriftstück mittheilen, aus welchem
eine der schönsten Seiten von
hell hervorleuchtet. Es ist ein Brief
Hermann Wittgenstein, in dessen
schreibt aus
stein
jungen Virtuosen:
„Verehrter Herr! Ich kann’s nicht unterlassen, wenig
stens mit einigen Worten Ihnen zu sagen, welch einen
unerhörten, beispiellosen Erfolg unser lieber
Abends im Philharmonischen Concert durch seinen Vortrag
des
des ganzen Publicums, eine einstimmige Liebe und Hoch
achtung aller Musiker, eine herzliche Zuneigung von Allen,
die an der Musik aufrichtig theilnehmen und die schönsten
Hoffnungen auf solch ein Talent bauen — das Alles sprach
sich am gestrigen Abend aus. Haben Sie Dank, daß Sie
und Ihre
Knaben in unsere Gegend zu bringen; haben Sie Dank
für alle Freude, die er mir namentlich schon gemacht hat,
und erhalte ihn der Himmel nur in fester, guter Gesund
heit, alles Andere, was wir für ihn wünschen, wird dann
nicht ausbleiben — oder vielmehr, es kann nicht ausbleiben,
denn er braucht nicht mehr ein trefflicher Künstler und ein
braver Mensch zu werden, er ist es schon so sicher, wie
es je ein Knabe seines Alters sein kann oder gewesen ist.
Die Aufregung, in die er schon in der Probe alle
Leute versetzt hatte, war so groß, daß ein rasender Applaus
anfing, sobald er gestern ins Orchester trat, und es dauerte
sehr lange, bis das Stück beginnen konnte. Dann spielte er
aber den Anfang so herrlich sicher und rein, und trotzdem
daß er ohne Noten spielte, mit solcher untadligen Festigkeit,
daß das Publicum ihn noch vor dem ersten großen Tutti
dreimal durch Applaudiren unterbrach und dann das
halbe Tutti durch applaudirte; ebenso unterbrachen sie ihn
einmal mitten in seiner Cadenz, und nach dem ersten Stücke
hörte der Lärm eben nur auf, weil er einmal aufhören
mußte und weil den Leuten die Hände vom Klatschen und
die Kehlen vom Schreien weh thun mußten. Es war eine
große Freude, das mit anzusehen, und dabei des Knaben
ruhige und feste, durch nichts angefochtene Bescheidenheit.
Er sagte mir nach dem ersten Stück leise: „Ich habe doch
eigentlich sehr große Augst.“ Der Jubel des Publicums
begleitete jede einzelne Stelle das ganze Concert hindurch; als
es aus war und ich ihn schon die Treppe hinuntergebracht
hatte, mußte ich ihn noch einmal wieder holen, daß er noch
einmal sich bedankte, und auch dann dauerte der donnernde
Lärm noch, bis er lange wieder die Treppe herunter und
aus dem Saal war. Ein Erfolg, wie der anerkannteste,
berühmteste Künstler ihn nie besser wünschen und besser
haben kann!
Der Hauptzweck, der bei einem ersten
enthalt nach meiner Meinung zu erreichen war, ist hiedurch
aufs vollständigste erreicht: Alles, was sich hier für Musik
interessirt, ist ihm Freund und wird seiner eingedenk
bleiben. Nun wünsche ich, was Sie wissen: daß er bald zu
vollkommener Ruhe und gänzlicher Abgeschiedenheit vom
äußerlichen Treiben zurückkehre, daß er die nächsten zwei
bis drei Jahre nur dazu anwende, sein Inneres in jeder
Beziehung zu bilden, sich dabei in allen Fächern seiner Kunst
zu üben, in denen es ihm noch fehlt, ohne das zu vernach
lässigen, was er schon erreicht hat, fleißig zu componiren,
noch fleißiger spazieren zu gehen und für seine körperliche
Entwicklung zu sorgen, um dann in drei Jahren ein so
gesunder Jüngling an Körper und Geist zu sein, wie er
jetzt ein Knabe ist. Ohne vollkommene Ruhe halte ich das
für unmöglich; möge sie ihm vergönnt sein zu allem Guten,
was der Himmel ihm schon gab.
An Ihre Frau
also nur noch ein kurzes Lebewohl von Ihrem ergebensten
Felix Mendelssohn-Bartholdy.“
Ist es nicht rührend, daß
von Früh bis in die Nacht vollauf Beschäftigte, sich gleich
am nächsten Morgen hinsetzt, um die Angehörigen
mit diesem Berichte zu erfreuen? Ferdinand
Recht, wenn er
hinzufügt: „Wäre es denkbar, daß alle seine Werke der
Vernichtung anheimfielen, so würde die Erinnerung an seine
poetische Gestalt allein hinreichen, um dem
eine hohe Befriedigung zu gewähren in der Anschauung, daß
eine solche Persönlichkeit aus seiner Mitte geboren wurde,
blühte und reiste.“