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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Engländer, in Bezug auf musikalisches
Talent nicht übermäßig gut angeschrieben, verdienen gleich
wol den Ruhm eifriger Schützer und Förderer der Ton
kunst. Durch enthusiastische Aufmunterung und directen
Auftrag haben sie zahlreiche große Tondichtungen, insbeson
dere geistlichen Inhalts, hervorgerufen und die Componisten
zur Leitung derselben eingeladen. Von Haydn angefangen
Gattung erhalten werde, muß die Zeit lehren. Unbeirrt
von der Zeitströmung, erhält sich die Popularität des Ora
toriums noch bei den Engländern. Ihnen ist offenbar die
Vermischung ästhetischer mit kirchlicher Andacht, die Ver
bindung von Musik und
niß. Zur Befriedigung derselben sparen sie weder Mühe
noch Kosten, zumal für den Import aus dem Ausland,
nachdem ihre einheimische Production, qualitativ wenigstens,
doch nicht genügen mag. An Quantität läßt diese Ernte
allerdings nichts zu wünschen übrig, ja sie erregt geradezu
unser Erstaunen. Welche Menge neuer Oratorien und
Cantaten von Mackenzie,
Die specielle Bestimmung für
Einfluß auf die Physiognomie der „
blieben. Mir scheint, es spreche aus dieser Musik stärker die
Passion der Engländer, als die unseres
geistliche Oratorium. Unstreitig ist „
ragendes, ernstes Werk, kunstvoll und reich an fesselnden
Schönheiten. Aber durch alle diese Schönheiten hindurch be
schleicht uns doch die Empfindung, daß
seine volle Individualität, sein eigenstes Selbst ausgeströmt,
sondern halb-
schlägt da eine gewisse traditionelle, theils an
theils an
Weise an, die uns an seiner starken Begeisterung für diesen
Stoff, für diese Kunstform ein wenig zweifeln läßt. Die
musikalische Eigenart, die uns an
zeugend in seinen Instrumental-Compositionen,
insbesondere in seiner Kammermusik. Mit
tetten, Quintetten, Trios, auch mit seinem Sextett, seinen
Symphonien und Ouvertüren ist an Originalität und Frische
der Erfindung weder „
zu vergleichen, so viel mehr an Arbeit und Anstrengung an
diesen größeren Werken auch hafte. Von einem Niedergang
der Schaffenskraft kann bei
gesichts der vielen nach der „
den Instrumentalwerke. Ich glaube, daß sowol geistliche
wie dramatische Musik seiner speciellen Neigung
und Begabung etwas abseits liegen. Wie viel leichter und
glücklicher verkehrt
den Singstimmen. Und wie viel mehr lyrische als dramatische
Seele haben diese bei
für die Mehrzahl der Componisten eine Stütze und Kraft
quelle, werden für
möchte nur einige reizende Lieder ausnehmen, auf denen der
Thau slavischer Volksweisen glänzt. Bei dem wohlbegründeten
großen Ruf dieses Tondichters hätte es sonst auch schwerlich
zehn volle Jahre gebraucht, bis seine „
sch
„
Bühnen bemächtigt haben. An musikalischen Schönheiten
ersten Ranges fehlt es beiden nicht.
Volksthümliche slavische Anklänge durchziehen erfrischend die
meisten, die besten seiner Werke. In dem Oratorium
„
wie ausgeschlossen. Allerdings spielt
in
hunderts; der Sieg des Christenthums über die heidnische
Bevölkerung ist in anderen Ländern ganz ähnlich vor sich
gegangen. An national
konnte hier
wollte er nicht durch einen anachronistischen nationalen
Realismus dem Stoffe Gewalt anthun und den Styl des
Oratoriums verletzen. So sehen wir ihn denn in der „
milla
innersten Neigung und den äußeren Bedingungen: zwischen
Die ziemlich dürftige Handlung ist bald erzählt.
milla
das ganze
sie zu Anfang der Nationalgöttin
licher Einsiedler, durchschreitet furchtlos die versammelte Menge
und stürzt mit seiner Axt das Götzenbild. Das erschreckte Volk
läßt ohne den geringsten Widerstand den Gottesmann ruhig
abziehen. Von der Hoheit seiner Erscheinung und seiner
Lehre tief bewegt, folgt ihm
dickicht versteckten Hütte. Ihre Begleiterin
die Mission, als Altistin das Vocalquartett zu vervoll
ständigen; in die Handlung greift sie nirgends ein. Da
erscheint plötzlich, auf einer Jagdpartie begriffen, Fürst
sich augenblicklich in
ihm diese ihre Hand unter der Bedingung,
gost
abzuschwören und die Taufe zu empfangen.
zögert keine Minute. Es ist, wie man sieht, mehr ein
Triumph der Liebe als des Glaubens. Dem ernsten Ton
dichter erwächst aus diesen halbschürigen, zwischen irdischer
und himmlischer Liebe zappelnden Scenen der beiden Ver
lobten eine eigenthümliche Schwierigkeit. Soll er aufrichtig
reden nach ihrem Herzen oder frömmeln nach ihrem
Munde? Noch in der dritten Abtheilung schwärmen die
Neuvermälten von der Taufe, dem „über ihre Stirne
träufelnden heiligen Naß“, während sie in diesem Moment
offenbar nur an ihre glückliche Vereinigung denken. Der
Componist muß sich da herzhaft entscheiden: entweder Rosen
oder Weihrauch.
mitten des jubelnden Volkes, das auch sofort summarisch
die Religion des Fürsten annimmt. So schließt das Ora
torium in vollem Glück und Sonnenglanz. In Wirklichkeit
hat die fromme
eine eifrige Christin geworden und erzog auch ihren Enkel,
den heiligen
von
heidnisch-nationale Partei über die christliche.
Seele dieser Partei, wurde am 15. September
ihrem Witwensitz, der Burg Tetin, durch ihre Schwieger
mutter ermordet. Ihre Leiche ist in der St. Georgskirche
nächst der
kanntlich als eine der vornehmsten Heiligen des Landes
verehrt.
Der Dichter und noch mehr der Componist war be
müht, diese dürftige Handlung nach allen Seiten zu strecken
und zu dehnen, um dem Oratorium die für
forderliche Länge zu geben. Die Engländer erfreuen sich
einer musikalischen Verdauungskraft, zu welcher der Deutsche
nur staunend aufblickt. Die vollständige „
3½ bis 4 Stunden. Zu viel für
Director v.
vorgenommen, rühmen wir die liebenswürdige Bescheidenheit
freilich nicht so sehr die absolute Zeitdauer eines Tonwerkes,
als der gleichförmige Charakter seiner Bestandtheile, was
uns ungeduldig macht. Die „
den Mangel an contastirenden Stimmungen, an wechselnden
Ereignissen. Die starken Contraste in
und „
einander befehden, sie standen dem Componisten der „
milla
misch
als Heiden ebenso liebenswürdig und gemüthlich, wie
später als Christen. Eine feindliche Menge stellt sich ihnen
weder hier noch dort entgegen. Den einzig Andersgläubigen,
den frommen Einsiedler
nachdem er ihre Götzenbilder zerschlagen. Sie rühmen noch
an ihm, daß er „nur mit einer Axt“ bewaffnet sei. Was
soll er denn sonst noch haben, etwa ein
im zehnten Jahrhundert? Noch homogener in ihrem edlen
Charakter sind die Solopartien,
und
Vortrefflich für ihre ewige Seligkeit, aber nicht für den
Erfolg Chören geleistet, welche ja vornherein schon durch die
Kraft imposanten Zusammenklangs im Vortheil stehen.
Und im plastischen Aufbau dieser Chöre, in ihrer klaren
Stimmführung und wirksamen Contrapunktik zeigt sich
In der ersten Abtheilung herrschen die Chöre vor,
zum entschiedenen Gewinn des Ganzen.
scheint hier durch das Studium
starkt. Gleich der Eingangschor, dessen düstere Färbung sich
gegen das Ende erhellt, ist von großer Wirkung. Des
gleichen der folgende fröhliche Chor in raschem Sechs-
Achtel-Tact, „Büthe, die der Lenz geboren“. Dramatische
Bewegung regt sich mit den Herannahen
was soll dies Geräusch?“) und wächst bis zu dem
schön verhallenden Pianissimoschluß. Mit überwältigen
der Kraft setzt der Schlußchor ein („Nun bricht Alles zu
sammen!“), zuerst unisono, dann fugirt, später in dem
Anrufen des „ewigen Lichtes“ sich zu mäßigerem Tempo
besänftigend. Die Soprane schweben mit dem hohen A und G
majestätisch über den Chormassen, während im Orchester
kurze Triller wie Leuchtkäfer hin und wieder fliegen. Die
Instrumentirung bleibt das ganze Werk hindurch glänzend,
ohne bizarr zu werden. An ihren Reizen erfreut sich das
feine Ohr auch in jenen Nummern, bei deren melodiöser
Erfindung es mehr oder weniger darbt. Die Sologesänge
stehen an charakteristischer Schärfe wie an musikalischer
Schönheit merklich hinter den Chören zurück. Mit einziger
Ausnahme von
gesänge nur geringe Kraft und Originalität.
B-dur-Arie, die sich aus dem gleichmäßigen Rhythmus des
Neun-Achtel-Tactes gar nicht herauswinden kann, klingt, so wie
ihre darauffolgende („Vergönne mir“) farblos und weichlich,
ungefähr an
anderen Gesängen des Oratoriums geräth
Rhythmik sonst obenan steht in seiner Kunst, in rhythmischen
Bankerott. Fast Alles, was
einer gleichmäßig empfindsamen Monotonie, wohlklingend
aber farblos. Die zweite Abtheilung leidet im Gegensatze
zur ersten unter dem Vorherrschen der Sologesänge. Weder
die salbungsvolle Ansprache
vom „Wunderlieblichen Mädchen“, noch seine zweite in „O, zeige
mir den Weg“ tragen ein rhythmisch oder melodisch origi
nelles Gepräge. Sehr tugendhafte Musikstücke, aber kein
uns der stolze Flügelschlag des Finales: ein Quartett mit
Chor, der in einen von tremolirenden Geigen getragenen
Engelchor ausklingt. Daß der Effect etwas opernmäßig auf
tritt —
zu halten, während alle Elemente des Orchesters aufgewühlt
sind — wollen wir hier nicht allzu sehr betonen. Wenigstens
ist wieder eine starke Wirkung da. Die dritte Abtheilung
macht (da die Solonummern hier wegbleiben) den Eindruck
eines zusammenhängenden großen Finales. Das Vorspiel
alla marcia mit dem anschließenden Chor ist harmonisch
wol das originellste Stück der Partitur; es hält nämlich
consequent fest an der uns fremdartig berührenden phrygi
schen Tonart (d-moll mit der Sext h anstatt b und dem
Leitton c anstatt cis.) Dieses prächtige Musikstück wirkt an
fangs durch seine von
Cantilene („Du, der Welten Allbeherrscher“), interessirt dann
lebhaft durch geistreiche Contrapunktik und Harmonie und
erreicht schließlich mit Aufgebot aller Chor- und Orchesterkräfte
einen überwältigenden Effect.
haftem Beifall hingerissen. Nach den meisten Nummern und
am Schluß jeder Abtheilung erscholl anhaltender Applaus, für
den der Componist aus der Directionsloge wiederholt
dankte. An das Einstudiren des sehr schwierigen und an
strengenden Werkes hat Director v. Perger den größten