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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Peter
barste Vertreter des musikalischen Jung-
in
kannt worden. Davon haben nur die allerkleinste (das von
allergrößte (die
theilten Beifall errungen. Die Opern
an der Zahl, sind der
geblieben; um so größeren Dank schulden wir der Hofopern-
Direction für die Aufführung von „
diese Oper auch dort, wo die Voraussetzungen solcher Popu
larität fehlen, lebhaftes Interesse hervorrufen. Die Carrière
derselben ist wunderlich genug. Wie E.
neuesten Buch über
seinen
am
Freund, der Director Nikolaus
wünschte. Zufällig lernte der verstorbene
land
ihre Aufführung im Hoftheater für den Winter
Damit wurde
Oper zunächst ihrem Sujet; hat doch Puschkin’s Roman
Die meisten
folgten dem schönen Ehrgeiz, sich Stoffe aus den be
rühmtesten Dichtungen ihres Vaterlandes zu holen. Das
war immerhin mehr patriotisch empfunden, als musikalisch
überlegt. Allen voranleuchtend griff zuerst Glinka nach
erst mit
geworden, läßt sich vollständig auf
Musik anwenden.
chen „
Romantik allerdings nicht den Erfolg seines erz
sch
und „
von Dargomijski, dessen jüngerer College
Eugen
Art Don
fährlich und ihrer doch übersatt. Ein Mann von Geist,
der jedoch nie etwas geleistet hat; ein Typus
Saloncultur mit dem einzigen Beruf, interessant zu sein.
seinem eigenen in diese Figur verwebt.
seinem Freunde Boris
Jungen, bei Frau
Da sind zwei reizende Töchter, von denen die jüngere,
Liebespaar. Die ältere Schwester
durch die Einsamkeit des Landlebens und romantische
Lectüre von unbestimmter Sehnsucht beunruhigt, schwärmt
sofort für
keinerlei intime Wendung genommen, schreibt sie ihm
Nachts einen langen Liebesbrief voll naiver Hingebung. Am
nächsten Morgen lehnt
Neigung ab; sein Herz sei für Liebe abgestorben; sie möge ver
nünftig sein, sich überwinden. Abends gibt es einen Hausball bei
Frau
Einladung zu diesem „faden Ball“ an
fällig bemüht er sich um
zurückgesetzte Bräutigam geräth immer heftiger in Eifersucht,
schmäht
und fordert ihn, als beiderseits die Beleidigungen überlaufen,
zum Zweikampf. In dem Duell, das sich vor uns in einem
Wäldchen abspielt, fällt
Von reuevoller Unruhe getrieben, begibt sich
Reisen. Wir begegnen dem nach mehreren Jahren Heim
gekehrten erst wieder in
Fürsten
jungen Frau vor —
einst von ihm verschmähte bescheidene Mädchen jetzt als
Fürstin wieder, als glänzende gefeierte Schönheit. Er
geräth unverweilt in Feuer und Flammen. Am
nächsten Tage dringt er in ihr Empfangszimmer, wirft sich
ihr zu Füßen und fleht leidenschaftlich um Gegenliebe. Zwar
entringt er ihr das Geständniß, daß sie nie aufgehört habe,
ihn zu lieben, aber ihr Pflichtgefühl siegt rasch über diese
Aufwallung.
Armen und entflieht.
werthem Zustande allein auf der Bühne. Der Vorhang fällt.
Wirklich zum letzten-, zum allerletzten Mal? So spät es schon
geworden, die Zuschauer sehen einander doch zweifelnd an,
ob man fortgehen oder noch bleiben soll? Der Abschluß ist
unbefriedigend, über’s Knie gebrochen möchte ich sagen, läge
nicht in dem Ausdruck etwas Energisches, Entschiedenes,
was gerade der Schlußscene des „
fehlt. Der pikante Ausgang einer psychologisch zerfasernden
Novelle, aber ein unmöglicher Opernschluß. Ich kenne kein
zweites Beispiel in der Opern-Literatur. Dieses ungeschickte
Ende, eigentlich ein nervöses Ohnmächtigwerden der Handlung,
schadet dem Totaleindruck der Oper um so empfindlicher, als
bereits mit dem zweiten Aufzuge die so sympathischen Charaktere
Also „Ende gut, Alles gut“ können wir von
kowsky
trotzdem alles Frühere voll Reiz und Interesse. Wer im
„
Bühnenstück erwartet, sondern, wie der Componist selbst ge
wollt, eine Reihe lyischer Scenen, der wird seine Rechnung
gewiß finden und, vielleicht etwas unbefriedigt vom ersten
Hören, ein zweites nicht lange aufschieben.
Gleich das Vorspiel mit seiner weichen Schwermuth
und der die Scene eröffnende zarte Zwiegesang der beiden
Mädchen führt uns unmittelbar in die landschaftliche Stim
mung, welche den ersten Act beherrscht. Wie frisch klingt
der echt nationale Chor und Tanz der Schnitter, wie innig
Conversations-Scenen zerbröckeln allerdings den Gesang,
zum Nachtheil der Melodie und der Deutlichkeit des Wortes;
dafür fesselt die einheitlich geführte, reizvolle Orchester-
Begleitung fortdauernd unser Interesse. Die Scene ver
wandelt sich in
Schwüle liegt in der Musik; sie wird von der ermüdenden
Erzählung der alten
sich Letztere entfernt hat, bricht das Gewitter los:
leidenschaftlicher Ausbruch ihrer Liebe zu
ginnt, ihm zu schreiben. Die Briefscene dünkt uns die
Perle der ganzen Oper. So weit dieser Monolog sich auch
ausbreitet, er beschäftigt und fesselt ununterbrochen unser Hören
und Mitfühlen. Wie entzückend die Orchester-Melodie in
D-moll, welche in Gruppen von je zwei herabgleitenden
Noten zwischen Flöte, Clarinette und Horn vertheilt, jeden
Tact mit einem leisen Harfenaccord abschließt! Und dann,
als
seelenvolle Des-dur-Melodie, die, zuerst von der Oboë und
dem Horn angekündigt,
„Bist du mein Glück aus Himmelshöhen, bist du zum
Leide mir ersehen?“ Wir gelangen nun wieder in den
Garten der Frau
Mädchenchor von heiter nationalem Charakter.
theilt der ihm entgegen zitternden
Bescheid und schließt den Act mit einer Arie in schleppendem
Zwölf-Achtel-Tact, welche nicht dazu beiträgt, ihn besonders
interessant oder gefährlich erscheinen zu lassen. Aus der
Naturstimmung und der zarten psychologischen Detail
malerei des ersten Actes führt uns der Componist
in das bunte Gesellschaftsleben
Ein feiner Zug ist es, daß er das Vorspiel wieder mit dem
sehnsüchtigen Motiv
das Walzertempo mündet. Die theilweise vom Chor
secundirte Tanzmusik bringt frisches Leben auf die Bühne;
ein Anklang an den Walzer aus
ihr nicht allzusehr. Der Tanz und ein von Monsieur
Porträt-Aehnlichkeit dieses
Jahre
Schlußtacte mischt sich der Streit zwischen
eifersüchtigen
Wortwechsel und die Herausforderung bedurften einer
packenderen Musik; an dem Verpassen dieser in der ganzen
Oper nicht wiederkehrenden Gelegenheit verräth und rächt
sich der Mangel an dramatischer Energie bei
Auch das darauffolgende Duell hätte eine weit stärkere
Wirkung vertragen; sie geht uns nur so weit an die
Nerven, wie der Anblick eines jeden Pistolenduells
mit seinem langsamen Avanciren, dem Signal zum
Loschießen und dem jähen Tod eines der beiden Kämpfer.
Eine empfindungsvolle, wenn auch nicht sehr originelle
Cantilene
kowsky
(Man erinnere sich an
ich auch untergeh’n“, an
Act, an
dritte Act bringt als Gegenstück zu der ländlichen Tanz
unterhaltung bei Frau
Fürsten
farbenprächtig, Aug’ und Ohr erfrischend, an uns vorüber.
Eine Arie des Fürsten, der in dem salbungsvoll biederen
Ton älterer
mag uns ebenso wenig zu begeistern, wie
Feuerwerk: „Es ist kein Zweifel mehr, ich liebe!“ Die
Scene in
wie die Schlußscene des vierten Actes der „
zuerst ein schmerzlich bewegter Monolog der Fürstin, hierauf
ihr Duett mit dem sie leidenschaftlich bestürmenden
Hier stockt leider
einem Duett einen langen Act schließt, geschweige denn eine
ganze Oper, so muß dasselbe den musikalischen Reichthum
und die gewaltige dramatische Triebkraft besitzen, wie das Duett
zwischen
entscheidenden Punkt zurückgeblieben ist, er muß es an dem
Totaleindruck seiner Oper büßen.
Und dennoch, dennoch — die Oper berührt uns un
gemein sympathisch und entläßt uns, trotz zahlreicher
Schwächen, mit dem Verlangen, sie wieder zu hören. Das
vermag, im Zusammenklang mit Geist und Anmuth, nur
künstlerische Ehrlichkeit. Nichts ist dem bloßen Effect zuliebe
hingeschrieben. Der Componist läßt überall seine natürliche
zarte Empfindung sprechen. Wo sie nicht ausreicht, ver
schmäht er wenigstens, sie mit gemeinen Surrogaten zu
fälschen.
Cantilenen, an
selbstständig singende Orchesterbegleitung
nirgends kann man ihn directer Nachahmung zeihen;
er bleibt immer er selbst, gibt nur, was und wie er
empfindet. Er ist voll schwermüthiger Sehnsucht wie
heiter und naiv wie
für die ironische Ueberlegenheit des unwiderstehlichen
allerdings die Persönlichkeit und das schauspielerische Talent
des Darstellers stark nachhelfen. Ueberwältigende Wirkung
liegt dieser Musik fern; sie ist keineswegs „dramatisch“ in
dem superlativen Sinn, den man heute mit dem Worte
verbindet. Aber den feinen aromatischen Duft ihrer
lyrischen Blüthen schätzen wir höher und athmen ihn lieber,
als die scharfe giftige Dramatik unserer modernsten Opern.
borenen aristokratischen Zug. Er bewährt ihn in den
Gesangspartien, noch mehr in der Instrumentirung, deren
unvergleichlicher Beredsamkeit und Klangschönheit wir uns
willig hingeben, wo stellenweise das auf der Bühne
Gesungene nicht unser volles Interesse erringt.
Das Publicum hat bei der ersten Aufführung dem
fremdartig anmuthenden Werke so lebhaftes Interesse und
Verständniß entgegengebracht, daß wir ein vorzeitiges Ver
schwinden des „
Er wird sich die Theilnahme der Zuhörer bewahren, wenn
auch der krampfhafte Jubel, der gestern gleich nach dem
ersten Bilde und sogar nach der Duellscene von den Galerien
tobte, später ruhigere Formen annehmen dürfte. Die Auf
führung der Novität gehört zu den glänzendsten des Hofopern
theaters. Der erste Dank dafür gebührt Herrn Director
Mahler, dessen ruhiger, scharfer Blick gleicherweise das