Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Bei jeder Aufführung von „
Lager
Diese beiden Zeilen, ein kleiner beredter Denkstein des
Zusammenwirkens zweier großer Dichter, sind von Goethe.
schen vierzehn Tacte als Einlage in die Partitur eingeheftet.
Indem ich diese (mir in Abschrift vorliegende) Ergänzung
mit dem
sie fehlt, kann ich nicht umhin, die richtige Empfindung
Lied keinen befriedigenden Abschluß habe, vielmehr an dessen
Stelle recht unpassend ein fragender Halbschluß auf der
Dominante steht; daß ferner auf diesen Halbschluß („Mich
trennt keine Macht mehr von dir!“) viel zu rasch und un
vermittelt gleich
so eilig ins Thor herein?“ Es geschah also ebensosehr im
dramatischen Interesse als im rein musikalischen, daß
den Einschub seiner vierzehn Nothhelfertacte auseinander
hielt. Von praktischer Wichtigkeit ist das heute kaum; die
„
aber dramatisch zaudernd und bleichsüchtig, findet mit und
ohne die
Thüren. Aber für die Operngeschichte wie für die Verehrer
von
ziehendes Factum. Wir verdanken es, wie gesagt, der
neuesten vierten Auflage der „
rotherste im November
zwei Jahren, erschienen ist. Dieser beispiellose Erfolg zeigt
neuerdings, wie stark und lebendig die Erinnerung an
allerdings zu den früheren wenig Neues hinzu: im Ganzen
neun Briefe. Sie sind immerhin eine werthvolle Bereiche
rung, und ich möchte nicht unterlassen, davon den zahl
reichen Freunden
ren Auflagen ausgerüstet, doch nicht alljährlich eine neue
dazu kaufen können.
Zuerst ein noch ungedruckter Brief an Brahms vom
meines Lebens, mit dessen Reichthum sich wohl wenige Sterb
liche messen können, mir am wohlsten war, so nimmst du
doch immer den breitesten Platz ein. Ich habe einen großen
Theil deines Werdens miterlebt, und du mit mir. Das ist
ein Band, wie es Geschwister in einem guten Hause um
schlingt. Ein Jeder der Familie geht seinen Weg, doch man
findet sich immer wieder zusammen. Es hat dich früher wol
gefreut, wenn ich dir dies und das über eine deiner neuen
Schöpfungen sagte. In neuerer Zeit bin ich stumm,
denn ich weiß nichts mehr zu sagen, als musikalisch
schön, wunderschön; und nun auch für mich schon
beim ersten Hören klar, himmlisch-blau klar! Wol
hörte ich heute begeisterte Rufe: das Schönste, was er je
geschrieben! — Ich habe in meinem lieben Garten in
100 Rosen im Jahr. Und wenn ich am Morgen wieder
eine neue Rose erblüht sehe, meine ich, das ist nun die
schönste! Und dabei thut man den früheren Unrecht. Es
gibt eine Kraft der Blüthe und Schönheit, wo es kein
schön, schöner, am schönsten gibt. ... Soll ich eins sagen,
so ist es das: du concentrirst dich in der Form jetzt so,
als wenn man ein schönstes Werk von
grübelt, was menschliches Glück sei — nun heute war ich
im Anhören deiner Musik glücklich. Darüber bin ich mir
ganz klar.“ Welch starkes Glücksgefühl in dieser Empfäng
lichkeit, in dieser Hingebung an die Musik, an die Schön
heit, an die Freundschaft! —
Außer diesem einzigen Brief an
hinzugekommen noch sieben Briefe an Wilhelm Engel
, Professor der Physiologie in
v. Eiselsberg. Er begnügt sich aber nicht mit dem
Er spinnt den liebgewordenen Gedanken noch weiter
aus in einem späteren Briefe an
es früher wol bedauert, daß ich keine leiblichen Söhne habe,
doch wenn ich ernsthaft jetzt darüber nachdenke, so habe ich
allen Grund, mit der Wahl meiner geistigen Adoptivsöhne
mehr als zufrieden zu sein. Sie bringen mir nicht nur
Achtung und Vertrauen entgegen, sondern wirklich eine
Liebe, Treue und Anhänglichkeit, wie man sie einem leib
lichen Vater gegenüber fühlt.“ Und daß ein leiblicher Vater
nicht liebevoller für seine Söhne sorgen konnte, beweist uns
ein bald nachfolgender, wieder von
werde ihn schon am 30. Juni entlassen, damit er Muße
hat, sich für seine neue Stellung vorzubereiten. Ich habe
meinen Assistenten immer nur von Ueberarbeitung zurück
halten müssen; er wollte noch hier einige größere Arbeiten
abschließen, die er im Kopfe und theilweise vorbereitet hat.
Ich habe ihn dringend gebeten, dies nicht zu thun, damit
er frisch in seine neue Stellung eintritt. Das stillere Leben
in einer kleinen Stadt zeitigt die Arbeit besser als
hier im Wirbel der großen Centrale.“ Dr.
Professor der Chirurgie in
schwächliche Gesundheit nicht lange vor; er erkrankte bald
und starb mit 36 Jahren. Sein Nachfolger wurde
roth Eiselsberg. Auch ihm folgt
Es übt einen besonderen Reiz auf uns, daß selbst in
dieser Correspondenz zweier berühmter Aerzte über die Be
setzung einer chirurgischen Lehrkanzel es nicht ohne musika
lische Anhängsel und Randverzierung abgeht. Professor
Streichquartette zwischen die beiden Aerzte:
wurde das Engelmann das
Brahmane), um mich zu versichern, daß sie eigentlich jetzt
erst das Quartett verstanden hätten. Und auch das große
Leimsieder-Publicum gerieth in Ekstase. Ich fürchte, daß
diese Dedicationen unsere Namen länger in Erinnerung
halten werden, als unsere besten Arbeiten. Für uns nicht
sehr schmeichelhaft, doch schön für die Menschheit, die mit
richtigem Instinct die Kunst für ewiger nimmt, als die
Wissenschaft. Es ist der ewige menschliche Satz, daß uns
Liebe schwerer wiegt, als Hochachtung.“ Wie intensiv be
leuchtet dieser Ausspruch
Noch einmal kommt er auf Brahms zu sprechen,
Niemand braucht ihn auf die erste leichte Lähmung seiner
Schwingen erst aufmerksam zu machen. Und so sehen wir
oft, fast absichtlich von ihrer geschwächten Productionskraft
sprechen. Ohne Zweifel waren Beide immer noch kräftiger
und reicher, als alle ihre jüngeren Concurrenten, aber sie
wollten lieber das Prävenire spielen und selbst auf den
Einfluß des Alters hindeuten, bevor Andere es thun.
Neu ist außerdem nur noch ein kurzes Billet
vom 2. Januar
Dr.
etwas Menschliches passiren sollte, an Dr.
schlechter. ... Bitte sich deßhalb nicht zu mir zu bemühen;
es sind nur bekannte Zustände.“ Jedesmal, wenn
in der knappen letzten Frist seines Lebens nothgedrungen
von seiner Krankheit berichtet, schließt er den Brief mit
einer tröstlich beruhigenden Wendung. Und doch war er
sich seines nahen Endes vollständig bewußt. Er blieb zart
fühlend, schonend bis zum letzten Atemzug. Das Merk
würdigste ist, daß er noch in den letzten Briefen (vierzehn
Tage vor seinem Tode) eifrig Erkundigungen einzieht über
Tact und Tongeschlecht der
der ihm eigenen unerbittlichen Energie spannte er seinen
Geist in wissenschaftliche Arbeit, um darüber die körperlichen
Qualen zu vergessen. Diesen traurigen Eindruck mochte ich
nicht als letzten behalten und blätterte zurück, bald hier,
bald dort in den mir wohlbekannten Briefen. Ich war ver
wundert, daß Alles mich wieder so neu und fesselnd an
sprach. Nicht mehr loslassen wollten mich diese Blätter, in
denen ein großer und guter Mensch sein bestes Denken und
Empfinden so wahr und unmittelbar ausströmte. Ob er
nun von einer neuen Symphonie oder einer Reform des
Krankenhauses sprach, von interessanten Büchern oder
Reisen, von politischen Fragen oder Familien-Angelegen
heiten — immer derselbe klare Geist, dasselbe warme zarte
Empfinden, dasselbe himmlische Mitgefühl! Da hat uns
er selbst nichts ahnte. Es ward mir bei diesem Jahres
abschiednehmen ein wahres Erbauungsbuch — eine Weih
nachtsandacht, in welcher die Glockenstimmen heiterer Er
hebung und innigen Dankgefühls zusammenklingen.