Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der vorige Sonntag bescheerte uns das all
jährliche Concert des Pensionsvereines „Nicolai“ der
Philharmoniker. Was es zuerst brachte, war eine Ent
täuschung. Frau Saville hatte absagen lassen. Und man
Courage. Von seinen Orchesterwerken kennen wir in
nur die Legende „
Director unserer Gesellschaftsconcerte aufgeführt hat. Das
vorgedruckte Programm — es ist charakteristisch für die
ganze Richtung dieses Componisten — lautete: „ Sadko,
Aehnliches gilt von der Programm-Symphonie „
herezade
entsetzlich langen Sätze „erzählt“ ein
Nacht
Programm fehlt diesmal. Der Componist hätte die
vier Märchen vollständig abdrucken müssen, was doch
zu umständlich gerathen wäre auf einem Concertzettel. Er
begnügt sich also mit den Ueberschriften: 1. Das Meer und
3. Der junge Prinz und die junge Prinzessin. 4. Fest in
Felsen, auf welchem der eiserne Ritter steht. Der Inhalt
dieser
Gedächtnisse entschwunden, und weder könnte ich mit Be
stimmtheit sagen, was der Prinz
noch was für Schmerzen die Prinzessin hat, noch endlich
warum das Fest in
Ritter auf dem Felsen steht. Nachdem die meisten Zuhörer
sich offenbar in dem gleichen hilflosen Zustande befanden, so
sprach aus allen Mienen die nervöse Unsicherheit, was uns
denn eigentlich da vormusicirt werde? Das ist ja das Elend
der streng ausgeführten Programm-Musik; erzählt uns das
Programm nicht ganz detaillirt, was ein jeder Symphonie
satz vorstellt, so wird die Composition unverständlich; ge
schieht es aber, so wird sie lächerlich. Etwas Anderes ist eine
einfache Ueberschrift, die unsere Phantasie in bestimmter Rich
tung anregt, ohne sie zu knebeln, und etwas Anderes ein de
taillirtes Programm. Wenn ein Componist wie
es unternimmt, mit musikalischen Elementen nicht zu com
poniren, sondern zu malen, zu dichten, zu erzählen, zu
philosophiren, so kann sein erklärender Vorreiter nicht red
selig genug sein. Je genauer er aber diesen prosaischen
Dienst thut, desto mehr fälscht er das Wesen der reinen In
strumental-Musik und erniedrigt ihre Würde. Wir wollen
hören, was der Componist uns zu sagen hat, und
nicht, was der Prinz
die musikalische Ausführung beobachtet der Componist der
„
ermüdet uns durch unaufhörliche Wiederholungen desselben
Motivs, derselben Figur, oder er zerreißt unversehens den
Zusammenhang durch plötzliche Contraste und schleudert uns
in jähem Wechsel der Tact- und Tonarten hin und her.
Dabei fehlt diesem Feuerwerkskünstler innere Wärme und
tiefe Empfindung; inmitten seiner Raketen bleibt er selber
kalt und — wir auch. Die unerhörtesten Mittel und In
strumental-Combinationen bietet er auf, um uns fremdartige
Vorgänge unverständlich zu erzählen. Jene Deutlichkeit, welche
nur das (gesprochene oder gesungene) Wort und die scenische
Darstellung erreichen können, bleibt ihm versagt und die rein
musikalische Befriedigung gleichfalls. Was bleibt also übrig?
Eine Reihe von Instrumental-Effecten, die stellenweise ori
ginell, pikant und reizvoll, stellenweise erkünstelt und brutal
klingen. Was bringt
wegung! Triangel, Tamburin, kleine Trommel, große
Trommel, Tamtam, Becken, Harfen! Selbst gegen diesen
Luxus wäre nichts einzuwenden, wenn damit künstlerische
Zwecke erreicht, neue Ideen verkörpert würden. So aber, da
wir in dem Klangtumult die schöpferischen Gedanken, ja die
Seele vermissen, fühlen wir uns herabgezogen in die Sphäre
der Kunstreitermusik oder, noch schlimmer, zu den Tanzunter
haltungen halbnackter Wilder.
Die Programm-Musik in ihrer ernsten künstlerischen Be
deutung ist von neuem und neuestem Datum. Was eine
frühere Zeit an vereinzelten Tonmalereien besaß (Clavier
stücke à la „Schlacht bei
zum Ergötzen kleiner und großer Kinder. Erst Berlioz hat
und liebenswürdig. Hier will ich, im Zusammenhang
mit der „
Aussprüchen über Programm-Musik mittheilen. Das thue
ich um so lieber, als sie völlig mit den Ansichten überein
stimmen, welche ich vor 40 Jahren in meiner von den
Wagnerianern stark angefeindeten Abhandlung „
lisch-Schönen
selbst
Mißbrauch der Programm-Musik betrifft.
Ueber das vorletzte Orchesterstück in
Symphonie
des Giftes, Todesangst und Verscheiden der Liebenden“) —
äußert
heiten der dramatischen Handlung durch melodische Bruch
stücke, Accente, Accordverbindungen und ausdrucksvolle Figu
rationen mit einer Deutlichkeit wiederzugeben, daß man sich
die Fähigkeit zutrauen möchte, in jedem Tact den Vorgang ver
folgen zu können. Dennoch ist der Eindruck dieses Ton
stückes selbst bei der besten Wiedergabe ein durchaus ver
wirrender, ja stellenweise sogar ein lächerlicher. Der Grund
liegt darin, daß der Musik hier eine Aufgabe gestellt ist, die
sie nicht zu lösen vermag. Wäre nicht durch den Titel ein
Hinweis auf den Vorgang des Dramas gegeben, so wüßten
wir überhaupt nicht, was wir hörten, und hätten die Wirkung
eines sinnlosen Toncomplexes. Die Empfindung der Sinnlosig
keit wird aber auch nicht aufgehoben, wenn wir wissen, was wir
uns vorzustellen haben.“
die Musik eine Kunst ist, die niemals durch Begriffe
zu uns sprechen kann; daß sie ihrer Hoheit entkleidet wird,
wenn ein Künstler ihr Begriffe unterschiebt, die sie uns nach
Art des Wortes erklären soll; daß sie erniedrigt wird, wenn
er sie sklavisch von Tact zu Tact an ein Programm bindet.
Die Musik vermag die Stimmung, die seelische Dis
position wiederzugeben, die ein Vorgang in uns erzeugt,
des
interpretiren und dann diese Interpretationen zu einem Satze
zusammenzuschweißen versucht, ja so weit geht, in seiner
Partitur über die einzelnen Musikstücke die Theile
des Gedichtes zu schreiben, die er an den be
treffenden Stellen vorgestellt wissen will, so daß
eigentlich nur der mit der Partitur Bewaffnete wissen kann,
was er sich gerade im Augenblick denken soll, und nicht ein
mal derjenige folgen kann, der die Theile des Gedichtes selbst
vor sich hat, so wird die Musik, wie es in diesem Stücke
thatsächlich der Fall ist, flügellahm ausfallen, weil sie sich
nicht ihrem Wesen gemäß frei entwickeln kann, sondern von
vornherein an die aufeinanderfolgenden Bruchstücke des Ge
dichtes, also an eine Reihe von Begriffen gebunden ist.“
Das sind, wie meine Leser wissen, keineswegs neue Wahr
heiten. Aber daß gerade
Feldherren im zukünftlerischen Heere, sie ausdrücklich bekennt
und energisch verficht, das scheint mir ein bedeutsames und
werthvolles Factum.
Streifzug auch Halt bei seinem Collegen Richard
Strauß, dessen symphonischer Dichtung „
Im engen Zusammenhange mit diesen Ansichten stehen
Leit
motive. Nicht gegen diese Leitmotive selbst wendet sich
gegen deren Ausnützung von Seiten der Erklärer. In der
That haben die Leitmotive in „
und „
einen förmlichen Industriezweig geschaffen. Es ist wirklich
zum Todtlachen, wenn man die armen Leute im Parquet
betrachtet, wie sie nervös in
nachblättern, welches von den neunzig Leitmotiven des
„
das Drachen-, das Rachewahnmotiv, das Riesen- und Zwergen
motiv, das „Leitmotiv des matten
noch? „Die Leitmotive mit ihren abenteuerlichen Benennun
gen,“ schreibt
Leitfaden, haben über
wie Aufklärung gebracht, denn sehr oft glaubte man die
Werke genügend studirt zu haben, wenn man möglichst viel
Leitmotive herausgefunden hatte; man verlor sich in Spitz
findigkeit und gedankenloser Gedächtnißarbeit, anstatt tiefere
Erkenntnisse zu gewinnen.“ Diesem Gedankengang entspricht
auch vollständig
Orchester-Concerten jetzt üblichen Programmbücher.
„Der intellectuelle Schaden, den sie dem Hörer zufügen, ist
noch größer als der materielle Vortheil, den die Heraus
geber einheimsen. Welchen Werth kann im Concert so ein
zerstreutes Zuhören mit ungenügendem Nachlesen haben?
Wer glaubt, die Programmbücher nicht entbehren zu können,
der lese sie vor den Concerten, zu Hause, in Verbindung
mit dem Studium der Partitur oder eines guten Clavier
auszuges!“
Symphonie-Componisten sind durchwegs ernst und aufrichtig,
gewiß auch so weit gerecht, als es einer bestimmten Indivi
dualität gegenüber höchst verschiedenartigen Künstlernaturen
möglich ist. Von Brahms spricht