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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Uebertrieben amüsant war es nicht, dieses
dritte Gesellschaftsconcert. Von seinen beiden großen Novi
täten für Soli, Chor und Orchester vermochte keine nach
haltig zu erwärmen; weder César Franck’s „
Bei Lebzeiten besaß C.
mäßigen Anhang von Schülern und Verehrern, die ihm
leidenschaftlich anhingen. Das große Publicum nahm wenig
Notiz von seinen Werken; es ehrte dieselben, wie
Sacramente, „ohne Verlangen“. Gerühmt und umworben
sah er sich nur als Compositionslehrer und Organist. Und
dennoch componirte er unausgesetzt, ein fleißiger stiller Mann,
ohne weltlichen Ehrgeiz. Nach seinem Tode beeilte man sich
in
Landsleute noch geringschätziger behandelt hatten.
kennt erst seit allerjüngster Zeit Einiges von
lich dessen „
einzigen Stückes von ihm: ein
Befremden als Vergnügen erregte. So war denn
bis zum vorigen Sonntag hier eine unbekannte Größe; ein
Name, bei dem man sich nichts denken konnte. Auch von
seinem Leben und seiner Persönlichkeit wußte man wenig.
César
zehnjähriger angehender Musiker nach
es nie wieder zu verlassen. Vier Jahre lang besuchte er das
spiel, wie im Contrapunkt die höchsten Auszeichnungen. Als
er im April
keine andere Einnahmsquelle als — die Arbeit. Das ent
muthigte ihn keineswegs. Er wurde Musiklehrer, welchem
mühevollen Beruf er 40 Jahre lang mit unbeugsamer
Energie treugeblieben ist. Feind jeder Reclame, anspruchslos
und bis zur Schüchternheit bescheiden, hat
ponist nie nach wohlfeilen Erfolgen gestrebt, immer nur
nach seinem Ideal, der „großen Kunst“. In seinem Beruf
blieb er zeitlebens ein schlicht bürgerlicher Arbeiter. Nachdem
er bereits durch Sparsamkeit und Opfer seine Söhne in
sichere Stellungen gebracht hatte, gab er, der Sechzigjährige,
noch immer acht bis zehn Unterrichtsstunden täglich. Und
seine Erholung an Sonn- und Feiertagen? Da versah er
gewissenhaft den anstrengenden Dienst als Organist in der
neuen Clotildenkirche, wo
aufgerichtet hatte. In dieser Kirche, an der sein Herz hing,
hat
wirkt. Wenn er, ein unvergleichlicher und unermüdlicher
Improvisator, die Tonfluthen der Orgel entfesselte, schien
sein ausdrucksvoller, schwärmerisch zurückgelehnter Kopf in
Verklärung zu leuchten. Die Gleichgiltigkeit des Publicums
entlockte ihm nie die leiseste Klage; werthvoll war
ihm hingegen der Beifall seiner Schüler. Ihnen zeigte er,
von den Ferien nach
Compositions-Arbeit, die er auf dem Lande fertiggebracht.
Eine Woche vor seinem Tode übergab er dem Ver
leger 63 Compositionen (!) des Magnificat, zum Preise
der heiligen Jungfrau. „Ich werde, sobald ich gesund bin,
daran noch weiterarbeiten,“ bemerkte er, „damit ich die
Sammlung auf Hundert bringe.“ Das war ihm nicht mehr
bescheiden. Am 8. November
nimmermüde Feder.
C.
religiöse Empfindung beherrscht nach dem Zeugniß seiner
besten Schüler alle seine Werke. Sie nennen
Musik „die heiligste, trostvollste dieses Jahrhunderts“. Die
universale Bedeutung dieses Meisters abzuschätzen, bin ich
außer Stande, da ich von seinen größeren Werken eben nur
„
für seine vollkommenste Schöpfung erklärt. Ein frommes
Gemüth, ein reiner, hochstrebender Kunstsinn spricht sich darin
aus. Dabei ein sicheres Beherrschen der musikalischen For
men und Mittel, insbesondere der harmonischen. Weit schwächer
scheint mir die Originalität und der Reichthum seiner Er
findung. In den „
liche, im weiteren Verlaufe unerträgliche Monotonie, welche
von dem doppelten Mangel blühender Melodie und rhythmi
scher Lebendigkeit ausgeht. Diesen ermattenden Gesammt
eindruck verschuldet natürlich schon der von
Text, eine von Madame Colomb gedichtete Paraphrase der
die Friedfertigen, Selig sind die Gerechten u. s. w. Da aber
nur lauter tugendhafte Märtyrer, nicht aber Bösewichte und
Gottesleugner selig gesprochen werden, so muß sich noth
wendig über diese acht „
Himmelblau von Dulderschmerz und Trostsüßigkeit aus
breiten, welches die musikalische Wirkung unterbindet. In der
richtigen Erkenntniß, daß er doch, wenigstens stellenweise,
einige Contraste benöthige, zieht
auf einem bedenklichen Umweg. Um die Friedfertigen selig zu
nennen, schildert er rohe Krieger; vor dem Segensspruch über
die Barmherzigen wüthen die Unbarmherzigen, die Unterdrücker.
Daß es ein falscher Contrast ist, den „Armen im Geiste“
die nach „Gold lechzenden Habsüchtigen“ gegenüberzustellen,
hätte ein Mann wie C.
auch Madame
und achten Abtheilung langt der Componist nicht mehr aus
mit derlei menschlichen Gegenfüßlern; er greift zu einer
Figur, die heute nicht mehr den gewünschten Eindruck macht:
zum
musik von Paukendonner, Beckengerassel und Piccolopfiffen
und schnaubt prahlerische Gotteslästerungen, um sich schließ
lich wie ein geprügelter Hund zurückzuziehen. In der
folgenden Abtheilung beginnt er trotzdem von neuem seine
bissige Attaque, wiederum mit demselben winselnden Rückzug.
Es ist ihm aber beidemale nichts widerfahren, als daß er
von ferne
fertigen, Selig sind die Gerechten!“
Es war keine glückliche, keine musikalisch haltbare Idee,
die acht kurzen Sprüche aus der Bergpredigt zu einem ganzen
langen Oratorium auszudehnen, worin die frommen Be
trachtungen kein Gegengewicht finden in epischer Erzählung
oder dramatischem Fortgange. In Liszt’s Oratorium
Rhythmik keine Empfindung zu haben scheint. Er verlangt
gar nicht nach polyphoner Gestaltung; die Chorstimmen mar
schiren größtentheils in gleichem Schritt mit einander; selten
daß eine Achtelfigur die regelmäßigen vier Viertel unterbricht
und das anhaltend langsame Tempo rechtzeitig einem
schnelleren Pulsschlage weicht. Hie und da scheint der Com
ponist selbst etwas besorgt ob der unheilvollen Monotonie
seines Styls; er spart dann nicht mit greller Anwen
dung der Blechinstrumente sammt Becken und großer
Trommel. Damit aber trifft er das Uebel nicht an der
Wurzel. Man kann den mangelnden Blutumlauf in einem
Körper nicht durch ein bischen rother Schminke ersetzen.
Aufrichtig bedauert der Hörer, daß einzelne schöne und er
haben gedachte, weihevoll klingende Stellen dieser Tondich
tung nicht in einer wirksam contrastirenden Umgebung stehen,
vielmehr durch maßlose Ausdehnung und Wiederholungen
ihre Wirkung einbüßen. Director R. v. Perger hat uns
Nach den niederdrückenden „
jedem darauffolgenden Stück ein halbgewonnenes Spiel pro
phezeien. Mehr rhythmisches Leben, mehr melodiöser Reiz und
originellerer Ideengehalt waren von einer Novität Edward
Grieg’s doch zu erwarten. Allein die Enttäuschung, welche
versteht auch das Textbuch nicht. Die ganze erste Scene
füllt eine Art liturgischer Sprechgesang eines offenbar an
die
eine Beschwörung der „
einen Stab, wirft diesen dann ins Feuer, singt Geisterbeschwö
rungen und was des heiligen Schabernacks mehr ist, zu welchem
ein riesiges Orchester das bekannte Hexeneinmaleins mit
Piccolopfiffen, chromatischem Geheul u. s. w. aufführt. Diese
Frau
rührt uns eine bekannte Melodie in dem E-dur-Chor
(„Drei Nächte riefen wir“); es ist der zweite Theil unserer
Volkshymne „
anspielung auf das Kaiser-Jubiläum. Nochmals thut der
unermüdliche Opferpriester seinen geweihten Mund auf, dann
endlich halten wir bei der dritten Scene: tanzende Männer
springen über das heilige Feuer und heben die Frauen
hinüber. In der ganzen langen Cantate das einzige ver
gnügliche Stück; ein rascher Tanz in G-moll, Zwei-Viertel-
Tact, der, schelmisch anklingend an den Göttercancan in
Dieses Schlußstück für sich allein wäre uns nicht unwill
kommen erschienen als energische Aufrüttelung aus dem
doppelten
kommt die Erfrischung zu spät. Viele Zuhörer, die schon
früher geflüchtet, haben sie nicht mehr erlebt, werden sie auch
schwerlich wieder erleben, denn dieser „
zu den Kunstgenüssen, denen das Warnungstäfelchen anhängt:
Einmal und nicht wieder!
Beide Novitäten waren von Director R. v.
mit großem Eifer und nicht geringer Mühe studirt. Orchester
und Chor zeigten sich ihren schwierigen Aufgaben gewachsen;
insbesondere der Damenchor erfreute in den langsamen
Sätzen der „
sängern haben sowol
wenig dankbare Partien gespendet. Umsomehr sind wir den
Damen Neuda-Bernstein,
von
vorgezeichneten Zwangsprogramm, und doch voll neuer poetischer
Stimmungen, welche unserer aufhorchenden und nachträumenden
Phantasie hinreichende Freiheit gönnen.
„
Form und Umfang einer richtigen viersätzigen Symphonie.
Der erste Satz, etwas an
eine idyllisch sanfte „Elegie“. Darauf folgt „Valse mélanco
lique“, ein wiegendes Allegro moderato von eigenartig
exotischer Grazie; etwas herabsinkend im Trio. Dem effect
vollen, aber räthselhaften Scherzo liegt wol ein verschwiegenes
Programm zu Grunde. Das Finale besteht aus zwölf geist
reichen Variationen über ein echt
einer brillanten Polonaise als Schluß. Daß es in keinem
dieser vier Sätze ohne irgend eine Probe ausgesuchten
Raffinements abgeht, versteht sich von selbst;
liebt es namentlich, den Hörer durch langathmige Wieder
holungen erst zu ermüden, dann mit einem plötzlich drein
schlagenden Effect zu überrumpeln. Ein wunderlicher Quäl
geist ist zum Beispiel das der Schlußpolonaise voraus
gehende Maëstoso: ein 36 Tacte langer Orgelpunkt
auf Fis, über welchem unermüdlich alles Mögliche
sich herumtreibt, was nur überhaupt schlecht klingt.
Aber wie prächtig, in hellstem Sonnenglanz, erhebt sich
daraus die majestätische Polacca! Wir hoffen, das durchwegs
interessante, originelle Werk in der nächsten Saison wieder
zu hören. Zwischen
„
wurde es unübertrefflich von dem berühmten
Emil Sauret, einem Schüler