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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
„
v. Wasielewski.“
W. J. v.
gestorben
„
entgeht dabei nicht ganz der gewöhnlichen Versuchung, aus
führlich eine Menge Dinge zu erzählen, welche ihn und
seine Familie, keineswegs aber einen größeren Leserkreis
interessiren. Wenn wir da nach einer historischen Einleitung
über die Stadt
kleine
hat, wie er beim Baden einmal fast ertrunken wäre, wie ein
andermal ihm ein loser Fensterflügel auf den Kopf fiel und
dergleichen, so blättern wir ungeduldig weiter. Dergleichen
erzählt man gelegentlich seinen Angehörigen, aber drucken
läßt man’s nicht. Aehnlich verfährt der Verfasser mit den
Schilderungen seiner Erholungsreisen nach
keiten dieser Städte nichts Neues, Eigenes zu berichten hat,
mag uns beruhigt der Führung
dem Fachmann in Musik, Architektur, Malerei, Volkswirth
schaft, oder dem Poeten hören wir heute noch zu, wenn er
von
Lebhaftes Interesse gewährt uns hingegen der breite
mittlere Theil des Buches, worin musi
kalischen Lehr- und Wanderjahre schildert, und den Ver
würdigen Persönlichkeit. Alle Mitwirkenden fühlten den hin
gebenden Ernst und die Pflichttreue dieses Mannes, Alle
unterordneten sich ihm gern und unbedingt. Man that
nicht blos seine Schuldigkeit, sondern war mit Lust und
Liebe bei der Sache. Im Gegensatze zu
R. Schumann in merklicher Zurückhaltung von der
Andere. Diese Künstlerporträts, deren Reihe mit der
Schröder-Devrient und Jenny
Eine bedeutungsvolle Wendung in der Laufbahn
lewski
Jahres hatte Schumann die Stelle eines städtischen
ihres Gatten Bedauern über seine Abreise aussprach. Sie
fügte hinzu, daß sie um
Aufenthalt dort verleidet. Er sah sich bereits um eine andere
Stellung um und erkundigte sich brieflich bei dem Capell
meister
hältnissen. Gleichzeitig schrieb er an
möchte ich gern, wenn sich dort irgendwie ein Dirigenten-
Wirkungskreis vorfände.“
lung eröffnete. War es doch nur zu bald bekannt geworden,
daß
Dirigenten taugt. Obendrein steigerte sein Nervenleiden sich
in so beängstigendem Grade, daß
anstalt zu
uns die erschütternde Trauerkunde von seinem Dahinscheiden
am 26. Juli
gegangen, eine Biographie
von
phischen Aufzeichnungen hat er von diesem selbst empfangen.
Von
erhielt er nun auch eine große Anzahl von Briefen
mann
diesen reichlich angesammelten Stoff zu seiner Schumann-
verarbeiten, welche rasch drei Auflagen erlebte.
Bald nach dem Erscheinen von
ich darüber zwei Feuilletons und erhielt von Frau
mann
des vom 15. Januar
Doctor! Wollen Sie freundlich entschuldigen, wenn ich Sie
hiedurch bitte, mir einige Ihrer schönen Artikel über meinen
Mann, von denen man mir so viel erzählt, zukommen zu
lassen. Es würde mir eine Freude sein, sie zu lesen, und
weiß ich auf andere Weise nicht, sie zu bekommen, als durch
Sie selbst. Herr v. Holtei in
Sie meine Bitte nicht unbescheiden finden würden. Ich
wohne in der „Kaiserin Elisabeth“, Weihburggasse und bleibe
noch bis 18. oder 20. hier. Mit freundlichem Gruß ver
bleibe ich Ihre ergebene Clara
Ich beeilte mich, ihr die beiden Feuilletons zu über
reichen, nicht ahnend, daß sie in mein Verhältniß zu der ver
ehrten großen Künstlerin einen Mißton bringen würden,
welcher lange nachzitterte. Niemals hatte ich an die Möglich
keit gedacht, sie zu verletzen. Ist mir doch häufig zu viel
Enthusiasmus für
zu wenig. Auch jene Artikel waren mit unverhohlener Liebe
geschrieben. In den thatsächlichen Angaben freilich mußte
ich mich gewissenhaft an
mit
Verhältnissen vertraut war. So citirte ich denn wörtlich den
Satz, daß mit Rücksicht auf
Thätigkeit lähmendes Nervenleiden seine Enthebung von der
Concert-Direction im Herbste
Frau
„Geehrter Herr Doctor! Sie wundern sich ge
wiß, von hier aus diese Zeilen von mir zu erhalten; da ich
jedoch in
Sie zu sprechen, so will ich so schnell wie möglich mein
Herz erleichtern.
Ich habe Ihren Aufsatz über meinen
dem man die freundliche Gesinnung für den Verewigten
wohl anfühlen kann, umsomehr aber erfüllte es mich mit
Schmerz, eine Unwahrheit darin zu finden, die Sie aller
dings nicht wissen konnten, jedoch als Freund des Theuern
nicht hätten wiedergeben sollen, bevor Sie nicht genauere
Erkundigungen darüber eingezogen. Ich meine die Stelle,
wo Sie von der Wirksamkeit desselben als Dirigent sprechen
und damit schließen, daß man ihn seiner Stelle enthoben.
Es ist dies durchaus unwahr. Mein
um, die Stelle freiwillig niederzulegen, als ihn die traurige
Krankheit ereilte, aber selbst nach dem stand man in
dorf
man immer hoffte, er werde wieder genesen und dann fähig
sein, wieder seine Functionen zu versehen. Mir zahlte man
sogar den Gehalt fort, gewissermaßen um mir zu zeigen,
daß man sich seiner durchaus nicht zu entäußern denkt. War
es auch wahr, daß sein ganzes Wesen ein zu tief innerliches
war, um ein ausgezeichneter Dirigent sein zu können,
so würden Sie doch genauere Nachforschungen über
seine Wirksamkeit als solcher überzeugen müssen, daß
man noch jetzt mit Enthusiasmus vieler Genüsse
gedenkt, die seine Begeisterung dem Publicum in den ersten
Jahren, wo er noch kräftig und nicht durch gemeinste Intri
guen tief gekränkt, geschaffen. Solche Intriguen aber wurden
schon früher gegen
Fähigkeiten des Dirigenten keineswegs maßgebend sein. Ich
weiß nicht, ob Ihnen diese Irrungen durch
gekommen, denn ich las das Buch nie, weil ich der
Ueberzeugung bin, daß ein Charakter wie
mein geliebter
Güte nur gar zu viel traute, nie auch nur eine Ahnung
haben könne von solch herrlichem Gemüthe, noch von seiner
schöpferischen Kraft, die zu begreifen er viel zu geringe
musikalische Begabung und zu wenig Kenntnisse hat, nicht
zu gedenken des mangelnden Gefühles. Ich glaube, so wie
ich Sie kenne, keine Fehlbitte zu thun, wenn ich Sie bitte,
die Sache in einer Notiz zu berichtigen; ist Ihnen mein
Wort nicht genügend, so bin ich bereit, Ihnen schriftliche
Beweise von
Herz länger den schmerzlichen Druck, den theueren Mann
mit einer Unehre behaftet zu wissen, die ihm, dem Himmel
sei Dank, nie widerfahren. Sie begreifen, daß jede Säum
niß, dies zu lichten, mir schwer auf der Seele lastet und
entschuldigen daher mein Drängen.
Ueber manches Andere in Ihrem Aufsatze gelegentlich
mit Ihnen zu sprechen, wäre mir erwünscht, ich meine, es
müßte mir gelingen Sie einiger anderer kleiner Ungerechtig
keiten zu überweisen. Glauben Sie mir, ich war nie blind
für meinen Mann als Künstler, was ich wohl am deutlichsten
dadurch beweise, daß ich, dem Umfange nach, bedeutende
Werke aus dem Nachlasse, trotz allen Drängens der Ver
leger, zurückhalte, dennoch bin ich der Ueberzeugung, daß
ihm oft Unrecht geschieht, wenn man seine dritte Schaffens
periode eine herabsinkende nennt — mir scheint sie
nur eine hie und da abweichende — doch ich verliere mich
zu weit; lieber lassen Sie uns einmal in Ruhe darüber
sprechen — richten freilich kann nur die Zeit! Bitte
geben Sie mir nur ein paar Worte Antwort betreffs meines
Ansuchens und seien Sie freundlich gegrüßt von Ihrer
ergebenen Clara
Unverzüglich veröffentlichte ich die von Frau
gewünschte Berichtigung, und zwar mit dem Beifügen, daß
ich ihre Autorität in allen
sachen als entscheidend ansehe. Ich konnte die Bemerkung
nicht unterdrücken, wie gut es wäre, wenn sie das nur vom
Hörensagen ihr bekannte Buch
nehmen und, was unrichtig darin, mir anzeichnen wollte.
Gewiß werde man dann in strittigen Fällen ihrem Aus
spruch glauben. Alle Verehrer
Dank dafür wissen, daß sie dem Andenken ihres Gatten
zuliebe ihre Wehleidigkeit überwinde und endlich das Buch
selbst durchlese. Diese Zumuthung und der vielleicht unglück
lich gewählte Ausdruck „Wehleidigkeit“ — ich wüßte auch
heute keinen anderen — hat leider Frau
heftige Aufregung versetzt. Das wurde mir von ihren
Freunden sehr nachdrücklich mitgetheilt. Der so schmerzlich
geprüften edlen Frau eine Ungerechtigkeit aus Liebe verübeln
zu wollen — von dieser noch schlimmeren Ungerechtigkeit
wußte ich mich frei. Trotzdem durfte ich fürchten, mein
Besuch werde ihr jetzt nicht willkommen sein. Nur meine
Berichte über ihre gleichzeitig in
sollten sie überzeugen, daß ich in der Verehrung für
mann
sie milder gestimmt und zu nachstehendem Briefe an mich
(vom 7. Februar
„Geehrter Herr Doctor! Von Herrn v.
erfahre ich heute, daß Mißverständnisse verschiedener Art sich
zwischen uns gestellt. Solche auf sich beruhen zu lassen, ist
nicht meine Art; ich spreche mich lieber offen aus, wie ich’s
meine. Sie haben sich über mein Schreiben von
gekränkt — ich glaubte Ihnen durch dasselbe einen Beweis
meines Vertrauens zu geben. Ich schrieb Ihnen über
über die dem Theuren widerfahrene Ungerechtigkeit, und
Sie antworten mir — und nannten meine Empfindungen
„Wehleidigkeit“. Bei ruhiger Ueberlegung müssen Sie doch
zugeben, daß dies verletzend für mich sein mußte und mir
höchst unerwartet käme, weil ich mich der Hochschätzung
Ihrerseits versichert hielt, wenngleich Sie sich immer ferne
hielten, was mir aufrichtig leid that, und umsomehr, als
auch mein theurer
von meiner Seite mehr Aufforderung, mich zu besuchen, er
wartet, so war es sicher nur Zurückhaltung, die man einer
Frau wol verzeihen kann. Habe ich mich nicht dankend
gegen Sie ausgesprochen, daß Sie sich immer so wohlwollend
über mich geäußert, so war auch dies Zurückhaltung, ich
hätte Ihnen meine Freude darüber geradezu am dritten
Orte aussprechen müssen. Daß ich aber Ihre Gesinnung
für mich kannte und werth hielt, bewies ich durch meinen
vorigen Brief, und dieser mag Ihnen ein Beweis sein, wie
sehr ich überzeugt bin, daß Sie mir nicht haben weh thun
wollen. Hätte ich Sie zuweilen bei mir gesehen, was mir
eine wahre Freude gewesen wäre, ich glaube, es wäre das
Alles nicht so gekommen. Offenbar haben auch Leute sich
bemüht, Ihnen eine solche Idee von mir beizubringen, wie
es solche ja genug hier gibt. Vielleicht spreche ich Sie
einmal in Ruhe, und ich denke, was noch zwischen uns Irr
thümliches waltet, wird dann bald geschlichtet sein. Sie freund
lichst grüßend verbleibe ich Ihre ergebene Clara
Dankbar ergriff ich die versöhnend mir gereichte Hand,
und habe seither Frau
vergönnt war, stets gleich freundschaftlich gefunden bis an
ihr Ende. Ihre Briefe habe ich hier mitgetheilt, weil sie
mir zur Geschichte von
scheinen. Sie können heute, nach fast vierzig Jahren, Nie
manden mehr verletzen. Ebensowenig vermögen sie die an
erkannten Vorzüge der
lewski
„
neue schöne Beweise seiner Pietät und Verehrung für
mann
fassers umstimmen könnten, wenn sie das Buch noch er
lebt hätte.