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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nachdem das erste Philharmonische Concert
ausschließlich Mozart und
Auf Berlioz. Seine „
stört von dem wüsten Finale, in welchem
liche Thema der Symphonie („la double idée fixe“) ver
zerrt und verhöhnt, ähnlich wie
dieses Finales bleibt jederzeit ein gefährliches Experiment;
man unterzieht sich ihm von Zeit zu Zeit, mehr aus
historischem Interesse als zu musikalischem Vergnügen.
Director
purgisnacht“ wieder aufleben. Er hat sie, die er schön nicht
machen konnte, wenigstens so interessant und effectvoll als
möglich gemacht und die stachelige Aufgabe als eminent fein
fühliger und impulsiver Dirigent gelöst. Einen einzigen
Vortheil habe ich — leider! — vor ihm voraus; ich habe
als Student im Jahre
unter
beigewohnt. Und so lebt mir in deutlicher Erinnerung,
daß
Ballscene etwas lebhafter genommen hat. Daran liegt nichts.
Die Tradition, an sich unsicher, kann nicht einen langen
Zeitverlauf überdauern. Der Dirigent ebenso wie der Sänger
und der Schauspieler darf und muß auf den Urtext zurück
gehen. Und diesen hat
von Genialität und Gewissenhaftigkeit aufgefaßt und aus
gelegt. Die bewunderungswerthe Aufführung der Symphonie
konnte übrigens nicht verhindern, daß schon nach dem dritten
und vierten Satz sich viele Zuhörer leise davonmachten. Das
fünfte Rad an diesem Phantasiewagen bringt ihn unrettbar
zu Fall. Wer nicht aus dem erklärenden Programm weiß,
daß dieser barocke Teufelsspectakel sehr ernsthaft und tragisch
gemeint ist, dem klingt er einfach lächerlich. Ja, man sah
trotz des Programms viele überaus heitere Gesichter. Un
leugbar ist der entscheidende Einfluß dieser Symphonie auf
unsere neuesten Programm-Musiker; aber gerechterweise muß
man zugestehen, daß weder
Richard
so weit gegangen sind, wie ihr Ahnherr
Finale.
Hatte Director
Concerten ausschließlich Bekanntes wiederholt, so brachte
R. v. Gesellschaftsconcert nur
Novitäten zur Aufführung. Neu war zuerst der „
ein großes Stück für Chor und Orchester von Goldmark.
Die Nebelschleier des
wie goldener Sonnenschein
in D-dur (Nr. 203 bei
Jahre
drei Andantesätzen, zierlich ausgeschmückt mit einem Violin-
und einem Oboe-Solo, schieben sich zwei anmuthige Menuette,
worauf ein fröhliches Prestissimo den Reigen beschließt. Viel
Neues, Bedeutendes kommt da freilich nicht zum Vorschein,
wol aber jene echt
fängt, uns neu und bedeutend zu erscheinen. Die Serenade
wurde entzückend gespielt.
Das Concert schloß mit
die in jüngster Zeit so viel von sicher reden gemacht. Gewiß
zählt es zu den größten, den schönsten Seltenheiten, daß ein
85jähriger Meister noch die Kraft und die Stimmung findet,
Neues zu schaffen. Das hohe Alter
allein, wodurch uns seine „
sind; es dürfen viel Jüngere mit Neid darauf blicken. Wie
klangschön und innig empfunden fließt die neueste Musik
dieses Alten aus seiner Seele! Die vier Stücke verbindet
kein nothwendiger Zusammenhang; sie stehen unabhängig
neben einander. Man wollte aber bei einer Erstaufführung
dieser Novität keines der vier Stücke der allgemeinen Neu
gierde entziehen. In Hinkunft dürfte sich dennoch eine
Theilung dieser Tetralogie für zwei Concertprogramme
empfehlen; daß sie nicht mit der ersten Aufführung ver
schwinden werden, ist zweifellos. Auf die Neugierde wird
dann die Zuneigung folgen.
Von den „
mater“ und „Te Deum“ die stärkste äußere Wirkung, wie
schon ihr imposantes orchestrales Rüstzeug verräth. Einen
noch reineren, vollkommeneren Eindruck verdanken wir jedoch
den beiden kleineren, unbegleiteten Chören. Da ist zuerst das
„Ave Maria“; ein weihevolles Gebet, zugleich ein musikali
sches Curiosum.
matica“ bezeichneten unregelmäßigen Tonleiter auf (c des
e fis gis ais h c; und absteigend: c h ais gis f e
des c). Zuerst erscheint sie als cantus firmus in ganzen
Noten im Baß; die zweite Strophe bringt sie unverändert
im Tenor, die dritte im Alt, die vierte endlich im Sopran.
Ueber und unter dieser zwischen Dur und Moll schwankenden
Scala bewegen die übrigen drei Stimmen sich in kunstvollem,
dabei durchsichtigem Geflecht und ungequält interessanter
Modulation. Noch anspruchsloser, einfacher gibt sich der blos
für Sopran und Alt gesetzte vierstimmige Chor „Laudi
alla vergine Maria“. Der
das verklärende weiße Licht, das über diesen Tonfolgen
leuchtet. Der Text ist
der heilige
Gnade der
Abwechselnder Rhythmus und charakteristische Combination
sorgen dafür, daß in dem obendrein kurzen Stück die
Monotonie der unbegleiteten Frauenstimmen nicht fühlbar
werde. Die beiden größeren, mit vollem Orchester aus
gerüsteten Stücke („Stabat mater“ und „Te Deum) treten
weniger enthaltsam auf, suchen hin und wieder den sinnlichen
Effect, oder gehen ihm doch nicht aus dem Wege. Sie ver
rathen, bei aller Wärme und Ehrlichkeit der Empfindung,
doch den Operncomponisten, der starke Contraste, wechselnde
Farbenmischung und süße Melodien nicht entbehren kann. So
wenn im „Stabat mater“ (G-moll) gleich auf die
erste Sylbe von „Stabat“ alle Stimmen mit der scharf
accentuirten Dissonanz cis losstürzen. Oder wenn auf
das Wort „flammis“ über heulenden chromatischen
Scalen der ganze Heerbann der Bläser aufgeboten
wird, um schleunigst in ein tonloses Pianissimo zu
versinken. Aber wie süß klingt das zarte Soloquartett
„Eja mater, fons amoris“, und gegen den Schluß das
seelenvolle „Fac ut animae donetur“! Noch ungleich
breiter und reicher entfaltet sich das „Te Deum“ für
vierstimmigen Doppelchor und Orchester, dem sogar (wie
dem Stabat) die große Trommel nicht fehlt. Zu Anfang
murmeln ohne Begleitung die beiden Chöre responsorienartig
auf Einem Accord die Worte „El Seraphim proclamant“
— darauf fällt „Sanctus!“ mit mauernerschütterndem
Fortissimo ein. Der Schluß des Ganzen überrascht wieder
durch den entgegengesetzten Effect: anstatt eines mächtigen Ab
schlusses, den man erwartet, verhaucht das Stück in dem dürfti
gen Pianissimo eines Solo-Soprans. Auch das „Te Deum“
entbehrt nicht geistreicher Einzelheiten, ja genialer Blitze —
als Ganzes steht es in musikalischer Abrundung und Natür
lichkeit hinter den anderen Stücken entschieden zurück.
neuestes Werk wird ohne Zweifel wegen „unkirchlichen“
Styls angegriffen werden. Keineswegs muthwillig, doch
immerhin bedenklich sind dergleichen Anklagen; sie werden
immer bedenklicher, je weiter die Zeit und mit ihr die
Musik vorschreitet. Der Bruch, der im Begriff der
Kirchenmusik liegt, indem die selbstständige Schönheit
der Musik nicht überall mit der weltverneinenden Strenge
der Kirche vereinbar ist und entweder das eine oder das
andere Moment die Oberhand gewinnt, konnte nur in dem
Kindesalter einer noch wenig entwickelten Musik verdeckt
bleiben. Dieser Conflict regt sich naturgemäß immer häufiger
und stärker mit dem wachsenden Reichthum der Musik und
einer freieren religiösen Anschauung. Immer muß die Kirche
oder muß die Musik etwas von ihren selbstherrlichen An
sprüchen aufgeben.
borene Operncomponist, folgt in diesem Zwiespalt lieber der
musikalischen Schönheit; wenigstens will er sie nicht unter
jocht wissen. Er ist darum nicht weniger ehrlichen Glaubens
als seine strengeren Collegen im protestantischen Nord
Frömmigkeit
doxe Kirchenmusik, welche dem sinnlichen Reiz, stolz ab
weisend, aus dem Wege geht. Der Geist, der aus
neuesten geistlichen Gesängen spricht, stimmt völlig zu dem
Charakter seines
gleichfalls die religiösen Forderungen mit den modern musikali
schen glücklich zu vereinigen trachtet. Ganz ohne Rest geht
die Rechnung freilich niemals auf.
Der Verdienste des Directors R. v. Perger um die
sowie das
überhaupt keine langen) meldet unmittelbar nach der
ersten Aufführung des Wien, 12. Novem