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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Unter dem Titel „
soeben eines der prächtigsten und inhaltsreichsten Jubiläums
werke erschienen. Es besteht aus drei Theilen: der Geschichte
des Burgtheaters (von R. Hofoperntheaters (von Julius Künstleralbum mit biographisch-kritischen Aufsätzen
verschiedener Autoren über die hervorragendsten
Hofschauspieler und Opernmitglieder. Uns beschäftigt heute
nur die Hofoper. Ihr ist der größte Raum des monu
mentalen Werkes gewidmet. Welche Fülle neuen historischen
Stoffes! Welcher Reichthum an Künstlerbildnissen! Freunde
quellenmäßiger Theatergeschichte zehren so vergnügt an
ersterem, daß sie allenfalls der Porträts entbehren könnten;
Anderen wieder dürften gerade die Bilder die reizvollste
Unterhaltung bieten, auch ohne den geschichtlichen Text. Am
besten also, daß wir Beides besitzen. Für den Verfasser,
Herrn Julius
Jahre anhaltender Arbeit in den Bibliotheken und Hof
archiven, um das colossale, schwer zugängliche Material zu
sammeln und zu sichten! In dem großen Folioband können
wir für unseren Zweck heute nur blättern und den Leser
neugierig machen auf einige der interessantesten Geschichten.
Wir überspringen das einleitende Capitel, welches die
bis zum alten Kärntnerthor-Theater (
das Revolutionsjahr behandelt. Doch können wir nicht ganz
vorübergehen an dem Gagen-Etat, wie ihn Director
v. Holbein für das Jahr
ein Nebeneinkommen der bedeutenderen Sänger und Sänge
rinnen. Fast Alle hatten sie contractmäßig ihre Benefice-
Vorstellung gesichert. Sollten Repertoire-Störungen diese ver
eiteln, so war die Direction verpflichtet, dem betreffenden
Künstler 500 fl. oder 600 fl. „als Ablösung“ zu bezahlen.
Dadurch kamen aber die Künstler meistens zu Schaden;
denn sie pflegten die Billette zur Benefice-Vorstellung selbst
an die Abonnenten zu verkaufen und sich für „gütige Ueber
zahlung“ gern zu bedanken. Dem vornehmen Sinn des
Grafen
klärte es „einer kaiserlichen Anstalt nicht würdig, daß die
ersten Mitglieder von Abonnenten zu Abonnenten betteln
gehen“, und der früher allgemein herrschende Unfug hatte
ein Ende. Ein Verdienst Holbein’s ist die Einführung
„Diplomaten im Dienste des Hofopern
theaters“, lautet die Ueberschrift eines an merkwürdigen
sie contractbrüchig waren, amtliche Verhandlungen zu pflegen.
Die Regierung eines alten soliden Staates, sagt der Ver
fasser, ist oft leichter „umzukriegen“, als eine junge Tän
zerin, die nicht tanzen will, obgleich sie contractmäßig dazu
verpflichtet ist. Besonders mit
cennien den größten Theil unseres künstlerischen Bedarfes
gedeckt hat, gab es recht schwierige diplomatische Verhand
lungen. Wir lesen die amtlichen Zuschriften des Grafen
v. Martini in
Eine ziffermäßig genaue Darstellung zeigt uns, wie
stark in dem Opern-Repertoire des Decenniums Frankreich war mit 35 damals
Uebergehen wir von der Verwaltung zur Kunst, von
den Bureaukraten zu den Sängern und Sängerinnen. Ein
wunderliches Beispiel vom Ineinanderspielen künstlerischer und
politischer Motive bietet die Affaire der Kammer- und Hof
opernsängerin Anna Zerr. Sie beging die Unvorsichtigkeit,
Mit tiefem Antheil lesen wir die Biographien zweier
lose Beliebtheit und ihr tragisches Ende uns unvergeßlich
bleiben: Joseph Staudigl und Alois
in der Oper glänzte, hat freiwillig geendet. Sie ist an einer
verspäteten, unerwiderten Leidenschaft zu Grunde gegangen;
Scaria, der mächtige Bassist, an dem Studium der
Nicht blos das Sängerpersonal, auch das Orchester
des Hofoperntheaters findet in Herrn
Geschichtsschreiber. Vieles ist uns neu und Manches davon
unbegreiflich. Es klingt wie ein Märchen, daß der erste
Capellmeister Esser, „der gute Geist des Kärntnerthor-
Bezüge. Ihre Argumente wurden von der Hofbehörde voll
kommen gewürdigt, die Gagen aber nicht erhöht, weil die
normale Dotation bereits überschritten sei. Auch hatten sich die
Kosten des Orchesters seit
faßte, bis zum Jahre
glieder zählte (jetzt ist ihre Zahl auf 107 gestiegen), be
deutend erhöht. Aber wie schlecht waren sie bezahlt! Die
ersten Solospieler bezogen 50 fl. monatlich, die übrigen
Mitglieder begannen mit 36 fl. monatlich und stiegen bis
42 fl. — Erst einer späteren Zeit blieb es vorbehalten, dem
Opernorchester zu geben, was ihm gebührte. Joh.
und G. Mahler haben sich in dieser Hinsicht große Verdienste
Wer sich nicht blos für die schönen Sängerinnen und
schmucken Tenoristen interessirt, sondern auch für die musik
wissenschaftlichen und kunstpädagogischen Aufgaben des Opern
theaters, der wird die beiden Capitel vor der Einführung
der neuen Orchesterstimmung (Diapason normal) und der
Errichtung einer Opernschule mit Antheil und Nutzen lesen.
Desgleichen — und mit erhöhter Heiterkeit — den Artikel
über den Einfluß der obersten Polizei-Behörde unter Graf
Sedlnitzky und Baron
theater. Es ist, als blickten wir in frühere Jahrhunderte.
Die Polizei hatte in Alles dreinzureden. Sie war einerseits
Expertin, wenn es sich um die künstlerischen Fähigkeiten zu
engagirender Sänger oder Capellmeister handelte, anderer
seits Wahrerin der öffentlichen Sittlichkeit, indem sie über
das politische Vorleben jedes zu engagirenden Sängers und
jeder Sängerin Bericht erstattete. Ohne dieses Referat durfte
keine Entscheidung getroffen werden. Die Ueberwachung der
Polizei-Behörde erstreckte sich auch auf das persönliche Ver
halten der Künstler unter einander und gegenüber dem
Director. Erst als die Verpachtung des Operntheaters ein
Ende nahm, ward die Herrschaft der Polizei als Theater
macht gebrochen.
Franz Jauner, unter dessen Direction wir im Hof
Was diese Geschichte des Hofoperntheaters zugleich zu
einem werthvollen, praktischen Nachschlagebuch macht, sind die
Beilagen am Ende des Werkes: ein vollständiges Verzeichniß
aller Mitglieder von
schen Notizen und aller während dieses Halbjahrhunderts
aufgeführten Opern und Ballette. Wir konnten das um
fangreiche Werk hier nur flüchtig besprechen; empfehlen
können wir es aber nachdrücklich.