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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nachdem wir längst sein zweihundertjähriges
Jubiläum gefeiert, thut der alte Herr noch immer Wunder.
Und nicht blos mit seinen bekannten Meisterwerken — nein,
auch noch mit ganz neuen. Auf die Zeit des regsten
Cultus in
kanntlich eine lange Periode seiner Vernachlässigung gefolgt. Da
sehen wir in den letzten Jahren ihn unversehens wieder auf
tauchen, mit lauter Novitäten!
erste Aufführung des „
die „
unter
Sie hatte am längsten geschlummert im Schatten ihrer be
rühmteren Schwestern. Ihre Erweckung ist vornehmlich das
Verdienst des unermüdlichen
Agitators
„
Geschichte und Inhalt der „
Seiner
hatte
torium zugewendet und ihr als zweiten Vorschritt auf diesem
neuen Gebiet
gung lautete verlockend genug: „Auf Befehl Sr. Majestät.
Im königlichen Theater in Haymarket wird am 17. März
gegeben werden: „ Debora“, ein neues Oratorium in
Die Heldin des Oratoriums ist
und zugleich Richterin in Renan in seiner
der nationale und religiöse Fanatismus des
ments
daß „
selten aufgeführt wurde.
tung diesen abstoßenden Meuchelmord, an dem weder die
Seherin noch der kriegführende Held den geringsten Antheil
hat, gänzlich gestrichen. Damit entfällt die ganze Figur der
und mit drei großen Arien bedacht ist. Freilich verlieren wir
mit dieser wilden Katze zugleich den einzigen dramatisch auf
regenden Zwischenfall, welcher die sanfte Monotonie der
Handlung unterbrach. Denn in dem ganzen Oratorium ge
schieht eigentlich nichts Anderes, als daß die frommen Juden
beten: einmal flehend um den gewünschten Sieg, dann dankend
für den errungenen.
Mit seiner Dichtung hat
kein Meisterwerk geliefert. Die handelnden Personen lassen
uns gleichgiltig, auch die Hauptfigur
lebendigeren Interesses, der bedeutenden Individualität. In
dem die geschickte Verbindung der Chormassen mit den Solo
gesängen zu organischer Einheit fehlt, erreichen selbst manche
der Chöre nicht jene Wirkung, die ihrem musikalischen Ge
halte nach von ihnen erwartet werden durfte. Auch die
übrigen Oratorien
christlichen „
„
gleichmäßig bei den Klagen der unterjochten und den Dankes
hymnen der geretteten Juden. Allein innerhalb dieses be
grenzten Stoffgebietes ragen doch „
„
Handlung, interessantere Persönlichkeiten, schärfere dramatische
Gegensätze. Da treffen wir dann neben der Volksmenge auch
geprägte Individualitäten, neben bloßen Vorgängen auch
Thaten. In „
bewegt uns ein dramatisches Interesse. Auch rein musikalisch
kann „
späteren Oratorien nicht messen. Im Gegensatze zu manchen
Künstlern, die mit einem ersten Wurf ihr Bestes geben und
dann allmälig abnehmen, ist
von seiner
Jahren noch erstaunlich gewachsen in seinen Oratorien. Man
denke nur an die zehn und zwanzig Jahre nach „
geschaffenen „
Jedermann weiß, wie sehr sich
reichen Oratorien wiederholt. Darf man es dem Kritiker
verdenken, wenn er sich gleichfalls wiederholt in allerlei
erspart, zunächst die Kraft der großen Chöre zu rühmen,
daneben zu beklagen den starren Ausdruck, die stereotype
Form und Ausschmückung der Arien, endlich das äußerst
dürftige, fast nur auf Streichinstrumente beschränkte Orchester.
An prachtvollen Chören bringt gleich im Anfang die erste
Abtheilung den achtstimmigen Hymnus „Du Gott der Macht“
und den Aufruf zum Kampf: „Wirf ab die Scheu!“ Noch
gewaltiger erhebt sich im zweiten Theil der Doppelchor der
eifernden Baalspriester gegen die in frommem Gottvertrauen
betenden Israeliten. Auch die dritte Abtheilung des Orato
riums wiederholt diesen Gegensatz: einem jammernden Chor
der besiegten Kananiter antwortet das dankerfüllte Israel
mit dem großen, kunstvoll aufgebauten Schlußchor: „Zum
Himmel auf!“ Was die Solopartien betrifft, so gesteht
sogar
same, dem Chor gegenüber, „nicht völlig entwickelt“. „Kaum
angedeutet,“ möchten wir lieber sagen. Von verhältnißmäßig
starker, der Situation entsprechender Wirkung ist im ersten
Theil der Gesang, mit welchem
gefühlvoll klingt die Baß-Arie
über deren ermüdende Ausdehnung uns der lang entbehrte
Klang zweier Flöten freundlich hinweghilft. Das Schlußduett
ringer Originalität der Melodie, zuletzt durch den Wohlklang
der beiden in Terzen- und Sextengängen vereinigten Stimmen.
Ein Hinderniß für unser lebendiges Mitfühlen ist übrigens
die musikalische Verkörperung des Helden
Altstimme. Hingegen ist nicht einzusehen, warum wir uns,
nach nur als Altistin
denken können.
haben Heldinnen und Prophetinnen genug geschaffen, welche,
wie
und kräftiger Wirkung es nicht fehlen lassen.
bestätigt unsere Ansicht durch ihre Arie „Vor
gesicht“, welche übrigens wie noch andere Arien aus älteren
Werken
Anthems
ist diese bequeme Praxis insbesondere von
und sehr gern geübt worden. Heutzutage würde ein solches
Ballspiel mit Musikstücken, die einem bestimmten Kunst
werk entwachsen und verwachsen sind, uns schmerzlich be
rühren.
Eine merkwürdige Novität haben wir in dieser an
170 Jahre alten „
in der aber nicht Alles oder auch nur Vieles uns neu ge
klungen hat. Unser Nachbar, ein alter Musikfreund, der
seit Decennien keine
nach der Aufführung, er habe „
mal in
Der Mann war im Irrthum, aber der Irrthum ist ent
schuldbar und bezeichnend. Wer so außerordentlich viel und
schnell producirte wie
gewöhnlich in drei bis vier Wochen fertig machte, der konnte
unmöglich immer Neues und Originelles bringen, noch bei
jedem Musikstück den Genius an seiner Seite haben. Auch
durch seine
starke Gleichförmigkeit des Ausdruckes gebunden. Wer dürfte
sich verhehlen, daß dieses Stoffgebiet in der Kunst einem
stetig abnehmenden Interesse begegnet? Und damit auch ein
namhafter Theil der
war
ungeahnte Welt, in der wir uns noch heute jung fühlen,
hat Er uns erschlossen!
Die Aufführung des schwierigen und anstrengenden
Werkes verdient gerechte Anerkennung. Director R. v. Perger,