Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wir hätten es nimmermehr geglaubt, daß
sind die Opern, welche im siebzehnten und achtzehnten Jahr
hundert von den Helden des
Der letzte „
der in
seine Kampf-Arie bei der ersten
so zündend gewirkt, daß die Officiere im Parterre unwill
kürlich ihre Säbel zogen. Als wir die Oper zuletzt in
hörten, dürften blos einige Kritiker den Bleistift gezogen
haben, um im Textbuch so etwas wie „langweilig“ zu
notiren. Seit mehr als hundert Jahren lassen unsere Opern
componisten den
in Ruhe. Zunächst weil man es endlich überdrüssig gewor
den, immer nur diesen antiken Helden auf der Opernbühne
zu begegnen. Daneben wirkt aber als tiefer liegender Grund
die moderne Anschauung von dramatischer Wahrheit. In
der alten
nur glänzende Aushängeschilder für eine Reihe von 10 bis
20 Bravour-Arien, die ein Tenor oder auch Sopran aus
seiner goldenen Rüstung heraus über das Publicum ergoß.
Hätte das ästhetische Empfinden jener Zeit eine strenge
Charakterisirung der Personen und ihrer Umgebung ge
fordert, kein
Hand gelegt haben. Dieses ungeschriebene Gesetz dramatischer
Wahrheit herrscht aber heute, principiell anerkannt und mehr
oder weniger streng befolgt, in der Opern-Composition.
Unsere Tondichter wissen, daß ihr Publicum nicht mehr den
nächstbesten Triller-Virtuosen als
aber mit derselben Glaubwürdigkeit musikalisch zu charakteri
siren, wie einen
oder eine andere sagenhafte Gestalt, bleibt eine schwer er
füllbare Forderung. Dennoch erscheinen seit den letzten De
cennien, die überhaupt ein wunderliches Experimentiren in der
Oper aufweisen, vereinzelte Versuche mit altclassischen Stoffen.
Zuerst „ Berlioz, dann „
„
übrigens vermuthen, daß hier keineswegs die Gefangene des
kreis in der Oper wieder erwachen und sich ausbreiten
werde, steht dahin; jedenfalls erfordert seine Neubelebung
eine ungewöhnlich starke und originelle musikalische Persön
lichkeit.
Pseudonym Emil
des
ein. Titelheldin ist die von
In der „
ein schwacher Lichtstrahl durch die Kriegsgräuel. Mit diesem
einen Lichtstrahl ein ganzes Drama zu erhellen und zu
erfüllen, mochte
eine seltsame Aufgabe reizen. Die Oper beginnt mit der
Leichenfeier für
nehmen, und verwünscht die Götter, welche den Tod seines
Freundes zugelassen. Jetzt erhebt sich aus den Meereswogen
Rache zu entsagen. Vergebens. Er befiehlt, die Rosse zu
schirren und
lang um die Mauern
Wagen zu knüpfen. Da meldet man dem Wüthenden, daß
seine Sklavin
ein Linnen zu hüllen. Seinem Schwur getreu, will
Frevlerin mit dem Tode bestrafen, bezwingt sich aber angesichts
ihrer ruhigen Würde und befiehlt, sein Schiff zur Abfahrt
bereit zu machen. Es soll
bringen. Der zweite Act spielt, gleich dem ersten, im
Zelte des
stöhnt dieser auf seinem Lager.
mischt dem trotzig Abwehrenden einen Heiltrank und singt
ihm, auf sein Begehr, ein Lied. Kaum hat sie es beendet,
als, von einem in Wolken voranschwebenden Jüngling
(
das Zelt tritt. Er fleht um die Leiche seines Sohnes
bittet er vergeblich. Erst als
umklammert, weicht
dem unglücklichen Vater ausfolgen. Dieser zieht dankbar ab.
Was noch folgt, ist ein langes Liebesduett zwischen
und
Das Textbuch ist nicht eben glücklich gerathen. Die
Vorgänge und Personen aus dem letzten Buche der „
hätten lebendiger, dramatisch wirksamer heraustreten müssen,
vor Allem aber dem Charakter des
treu. Wir sind nicht so pedantisch, dem Verfasser Ab
weichungen von dem Original zu verübeln; der Dramatiker
hat das gute Recht, die Historie nach seinem Bedürfnisse zu
modeln, falls er nur crasse Widersprüche mit ihren und
seinen eigenen Voraussetzungen unterläßt. Wir wollen es
nicht anfechten, daß der Librettist Hektor, also des Feindes, thun läßt, was sie im Epos für
Und ihrerseits fleht wieder die rosige
Herz, sein wildes, wundes, hochherrliches Herz!“ Auf
Frage, was Glück sei, antwortet
Glück ist Glanz, Lenz und Licht im Gemüth!“ welchen
modernen Schwulst
„Klingende Gluth, tönender Glanz!“ und was des Unsinns
mehr ist.
Man kann sich nur mit einiger Anstrengung vorstellen,
daß dieses Libretto
stand ihm kein besseres zu Gebote. Weder die Leidenschaftlich
keit und
noch die mystische Romantik des „
trauliche Idylle des „
neue Libretto. Sein Talent konnte da nur mit halb
gespannten Segeln auslaufen und blieb hinter der Wirkung
der drei früheren Opern zurück. Diese haben ihren
Ruhm nach allen Weltgegenden verbreitet und darum
Erwartungen erregt, welche die „
wenigstens für meine Empfindung — nicht ganz erfüllt hat.
Daß die Novität keine unbedeutende, flache Musik enthält, viel
mehr eine sehr ernste, gewissenhafte, dramatisch eindringliche, be
darf bei einem Werke
Aber aus Respect vor dem
lich und vermeidet nach Möglichkeit den Reiz musikalisch
abgeschlossener, einpräglicher Melodien und lebendiger, origi
neller Rhythmen. Lange Scenen behelfen sich mit gesungener
Declamation über einer unablässig wühlenden Polyphonie
im Orchester. Dadurch entsteht — was nur scheinbar ein
Widerspruch — eine aufgeregte Einförmigkeit in der ganzen
Oper, eine monotone Unruhe. Sie mahnt uns an die weite
graue Meeresfläche, die nur durch die unaufhörliche Be
wegung tieferer Wellen an der Oberfläche gekräuselt wird.
berührten, ohne seine Individualität zu unterjochen, scheinen
mir in der „
diehen. Der Chor ist nur an der ersten Scene stärker
betheiligt. Die Leichenfeier, groß und würdig gehalten,
nur übermäßig ausgedehnt, wirft ihren Trauerschleier
über alles Folgende. Das Begräbniß ist vorüber,
aber die Begräbnißstimmung will nicht weichen. Die
gleichmäßig langsamen Tempi herrschen vor; selbst
der Dialog bewegt sich stockend, Frage und Antwort werden,
theils durch Pausen, theils durch Orchester-Zwischenspiele,
auseinandergehalten, so daß man unwillkürlich souffliren
möchte: Vorwärts, weiter! Der Monolog
Leichenfeier ist ein besonders charakteristisches Beispiel für
diese in Interjectionen und abgerissenen Sätzen stammelnde
Gesangsweise, deren Einheit ein sturmbewegtes Orchester
herzustellen bemüht ist. Aeußerst selten kommt es zu der
kleinsten plastisch hervortretenden Melodie, die uns Herz
und Ohr erfreut; daß aber Melodie in der Oper ein Wahn
sei, das ist der allergrößte Wahn. Das Auftreten der
des verzweifelt sich herumwerfenden
gelangt zu keinem rechten musikalischen Leben, bleibt stets
gelassen, temperamentlos, selbst wo sie ihre Liebe und
Herzenssehnsucht äußert. Das Orchester spricht in be
redten Klängen aus, was wir lieber von ihr selbst gehört
hätten. So in dem zarten, zauberhaft klingenden As-dur-
Zwischenspiele gegen den Schluß des ersten Actes.
Zwischen dem ersten und zweiten Act hören wir ein
selbstständiges, breit ausgeführtes Orchesterstück, wie dies seit
der „
so glänzend im „
spiel in der „
rischen Allegro, das aber trotz der dreinschmetternden Trom
peten keine Heldenkraft und Siegesfreude ausdrückt. Das
läßt sich schwer erreichen mit der aufdringlichen Triolenfigur,
bei beständigem Schwanken zwischen Ges-dur und Es-moll,
chromatischem Jammer und rastlosem Moduliren. Zum
Glück leitet diese „militärische“ Hälfte das Intermezzo in eine
bessere, sentimentale, welche mit überaus zarten Klang
mischungen auf die Herzensgeheimnisse der
Der zweite Act bringt gegen den ersten eine Steigerung
sowol in dem dramatischen Vorgange wie in der musikali
schen Erfindung. Aus dem langen Zwiegespräche („Duett“
kann man es nicht nennen) zwischen
chen warme innige Accente; auch in der Orchester-
Begleitung zu dem A-dur-Satz („Im Trank ist
Wermuth“) löst sich die bisherige Strenge und Unruhe.
Auf
der ersten Hälfte aus abgebrochenen, recitativisch erzählenden
Sätzchen mit Harfenbegleitung und schließt mit einem melo
disch zusammenhängenden Allegro moderato. Sein gleich
mäßig pendelnder Rhythmus von vier Viertelnoten hält wie
ein schweres Gewicht die Empfindung nieder und vereitelt
den hier erwarteten Aufschwung. Es folgt die Scene mit
solcher, rein stofflich, seiner Wirkung sicher ist. Vom Dichter
geschickt angelegt, vom Componisten mit der ganzen ihm
eigenen Wärme und Beredsamkeit gesteigert, erhebt sich diese
Scene zum dramatischen Höhepunkt des Ganzen. Das
Schlußduett zwischen
die Erwartungen, welche das etwas melodiehungrig gewor
dene Publicum dieser erhofften Krönung des Gebäudes ent
gegenbrachte. Allerdings entschließt sich
Liebenden, welche bisher nur zueinander, nicht miteinander
gesungen haben, in einem kurzen Duettsatz zu vereinen: „Die
Liebe zieht ein.“ Auch einige Terzen- und Sextengänge
ziehen ein, vermögen sich aber nicht mehr recht zu accli
matisiren.
Die Aufführung der Novität unter
Unermüdlichen, persönlicher Leitung ist die denkbar voll
kommenste. In der weiblichen Renard eben so sehr durch zarte Empfindung in Spiel
Die neue Oper erfreute sich einer überaus günstigen
Aufnahme. Nach jedem der beiden Acte wurden die Dar
steller der Hauptrollen, mit ihnen
glänzenden Erfolge der „
muthen, daß ich mit meinem weniger begeisterten Eindrucke,
meiner kühleren Anerkennung in der Minorität stehe. Ich
fürchte das nicht, ich wünsche es. Denn kaum einen Künstler
wüßte ich, dessen Talent und Charakter größere Achtung
verdiente, und keinen, dem ich die schönsten bleibendsten
Erfolge aufrichtiger wünsche, als unserem