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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es zählt zu den Seltenheiten in der Musik
geschichte, daß nacheinander drei gänzlich unbekannte junge
Componisten gleich mit ihrem allerersten Werke die glän
zendste Aufnahme finden. Mascagni,
Unter ungleich günstigeren Verhältnissen traten die
beiden anderen Glückskinder vor die Oeffentlichkeit. Den
Einen schmückt und hebt der Name seines Vaters, den
Andern sein geistliches Kleid. Umstände sind die Minister
der Götter. Ohne dem Talente
dieses Talent allein sie so plötzlich emporheben konnte.
Mindestens ein paar Jahre leidigen Umherwanderns und
Anklopfens mit ihrem Opus 1 hätte es gekostet, hieße der
Eine statt Wagner Schmied und ernährte der Andere eine
zahlreiche Familie irgendwo als bescheidener Organist oder
Schullehrer. Wen das Publicum und die Gesellschaft mit
so jubelndem Zurufe und weitgeöffneten Armen empfängt,
ohne noch eine Note von ihm zu kennen, der ist ein Sonn
tagskind, wie es oft in Märchen, aber sehr selten in der
Kunstgeschichte vorkommt. ...
Treten wir etwas näher an Perosi. Es begreift
nicht zu erkennen. Glatt und gewandt geschrieben, nicht ohne
einzelne anmuthige Wendungen, sind doch seine beiden hier
aufgeführten Oratorien arm an ursprünglichen neuen Ge
danken. „
man diese beiden Partituren aufschlagen mag, es ist fast
immer dasselbe. Eine dürftige, in engem Kreis melodischer
Formeln und Begleitungsfiguren nistende Erfindung. Statt
ausgeprägter Persönlichkeit der allgemeine Stempel katho
lischer Kirchenmusik; ein durch häufige Trompeten- und
Posaunenstöße erhellter monotoner Litaneienton. Den
handelnden Personen fehlt fast jegliche Charakteristik, und der
Chor, dieser Grundpfeiler echter Oratorienmusik, ist kümmer
lich beiseite geschoben.
Zwischen die kirchlichen und die musikalischen Ansprüche
gestellt, die ja im Oratorium häufig auseinandergehen, be
vorzugt
gewöhnliche Wahl der lateinischen Sprache für seinen Text
darthut. Die berühmtesten Componisten
alten Meister, haben sich im Oratorium ihrer Muttersprache
bedient;
sch
sogar Abbé
nicht an sein Volk? Latein ist die Sprache keiner lebenden
Nation, sondern die des katholischen Clerus. Sie drängt
und erschwert jede unmittelbare Hingabe an seine
Musik. Dazu das Festhalten an den knappen Worten
des Evangelisten. Das verursacht ein maßloses Ueber
wiegen des erzählenden Theiles über den lyrischen,
einen zerhackten Dialog an Stelle einer musikalisch geformten,
sich ausbreitenden Melodie. Aufrecht erhalten konnte
den streng kirchlichen Styl trotzdem nicht; moderne Wen
dungen, sogar
strumentirung. Ihm daraus einen Vorwurf zu schmieden
und unbedingte Rückkehr zu
jüngst in einem großen Blatte geschehen) wäre Thorheit.
Kein Künstler kann sich heute um drei bis vier Jahrhunderte
zurückschrauben, wenn er nicht auf jedes Verstehen und
Mitfühlen seiner Zeitgenossen verzichten will. Nur muß seine
Kunst, sein Talent und sein ästhetisches Empfinden stark
genug sein, um eine Harmonie zwischen kirchlichen und
musikalischen Anforderungen festzuhalten. Ein kräftiges,
originelles Talent kann uns sogar mit Einzelheiten ver
söhnen, wo der Bruch, der im Begriffe der „Kirchenmusik“
steckt, etwa zu Gunsten der Musik und zum Nachtheile der
Kirche hervortritt. Wer gedachte nicht beim Anhören von
torium Schubert! Wie fesselt und erhebt uns
Wie dem jungen Abbate die hohe Geistlichkeit mit
Palmzweigen und Rauchfässern vorangeschritten war, so
nahte uns Siegfried Wagner unter den Fanfaren der
Das kurze, schüchterne Künstlerleben von
war ein Martyrum, auch ein materielles. Ein geistiges
wenigstens die Laufbahn von
dem Dichter, und
Fällen ahnen die Väter, mitunter auch die Söhne selbst,
das Aussichtslose solcher Nachfolge. Die Söhne C. M.
Die Natur vererbt nicht gerne ein großes Talent, viel lieber
enterbt sie. Richard
kanntlich zum Architekten bestimmt. Nun kommt Jung-
Triebe zur Musik und überrascht die Welt — nicht etwa
mit ein paar Lieder- oder Clavierheften, sondern gleich mit
einer großen Oper. Es glückt ihm dieser Anfang besser, als
vordem seinem Vater. „
und Musik jedenfalls wirksamer als Richard
Erstlingsoper „
ungläubigem Befremden gehört haben. Groß und eigenartig
wie die Vortheile sind aber auch die Gefahren eines ererbten
Namens. Und nicht erst vor dem Publicum. Schon während
der Arbeit umlauern sie den Sohn. Stark, selbstständig
soll er in seinem Werke erscheinen, nicht als bloßer
Wagnerianer. Ebensowenig ziemt ihm andererseits ein
völliges Verleugnen des väterlichen Stylprincips und Co
lorits. Fürwahr, kein leichter Conflict! Man denkt unwill
kürlich an die Zweifel
wort an den
geht schon nicht. Und ganz und gar nicht Jude geht noch
minder!“
friedigen, redlich, doch nicht mit gleichem Gelingen. Wo er
unbefangen dem eigenen Schaffensdrang sich hingibt und
möglichst natürlich bleibt, wie vielfach im zweiten Act, da
folgt man ihm willig. Wo er hingegen gewaltsam sich
seiner Kronprinzenwürde erinnert und den Vater copirt,
„so weit die vorhandenen Kräfte reichen“, da wird
er ungenügend, affectirt, langweilig. Das empfindet
man schon häufig im ersten Act; am stärksten im
dritten, namentlich während des unaushaltbar langen und
langweiligen Duetts des
„erlösenden“
daß er diesem gesungenen Drachen, welchen
ihn zu erschlagen, gezeugt hat, wenigstens die Pfoten und
den Schweif abhieb! Auch in der maßlosen Ausdehnung
des ganzen Werkes, in Unterjochung der selbstständigen
Melodie und zerbröckelnden Declamation folgt
allzu getreu
überbieten in dem wie ein nervöser Ameisenhaufen durcheinander
kribbelnden Orchester, das die paar hübschen melodiösen
Anfänge unbarmherzig verschüttet. Uebertrumpft hat
fried
Wort „Oper“, sondern auch das von
„Musikdrama“ verabscheut und statt dessen — gar nichts
hinschreibt. Das ist doch ein bischen kindisch. Die alte Be
zeichnung „Oper“ hat noch niemals einer guten Musik ge
schadet und das stolze Aushängeschild „Musikdrama“ noch
keine schlechte gerettet. Ohne Zweifel wird auch diese neueste
Obstruction Schule machen bei den Jung-Wagnerianern;
möge es dann nur wirklich heißen: Mittel ohne Titel!
Dem „
Hofoperntheater sehr zu statten, während die miserable Auf
führung der „
sition ohne Frage geschadet hat. Andererseits stand
Er hat nicht viel zu sagen, sagt es also kurz.
weiß auch nicht viel Neues, erzählt es aber so lang und
umständlich, daß man verzweifeln könnte.
Die fachmännische Beurtheilung, welche
„
befreit mich von der Versuchung, nochmals verspätet auf
Einzelheiten einzugehen. Es ziemte mir nur, den sub
jectiven Eindruck flüchtig zu schildern, den ich von den ge
feierten Novitäten empfangen habe. Unser Publicum hat
bekanntlich beide in der allergünstigsten Weise aufgenommen.
Dabei dürfte es eine kurze Zeit lang auch bleiben. Wen
Kritik nicht plagt, der wird im „
weise unterhalten, und wer hochgradig fromm ist, sich bei