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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nicht immer schützt Chauvinismus vor Ver
geßlichkeit. Vor längerer Zeit erinnerte der Senior der
27. Mai d. J. der 100. Geburtstag des Tondichters
fällt. Mit anklagendem Bedauern fügte er hinzu, daß weder
die Große Oper noch die Komische irgend welche Vor
bereitungen für diese Gedenkfeier treffe. Und doch haben
beiden Theater sehr wesentlich beigetragen! Außer der
„
empfing die Große Oper von
Cypern
erfolgreiche Werke. Die Opéra Comique besitzt nicht weniger
als 18 Opern von
genommene und oft wiederholte, wie „
ketiere der Königin
Operninstitute auch nur ein einziges Werk
eine Vergeßlichkeit, die hart an Undank streift. Selbst „
Jüdin
ein dankbares Publicum erfreut, fehlt auf dem Repertoire
der
hauses. „Diese nur zu berühmte Feuersbrunst,“ sagt
„ist ein bequemer Vorwand geworden, um gewisse Opern
beiseite zu schieben, welche den
könnten.“ Die Centenar-Feier
schönsten Anlaß, die verbrannten Decorationen zur „
wiederherstellen zu lassen. Desgleichen wäre es Pflicht der
Opéra Comique gewesen, eine sorgfältige Aufführung des
„
Nichts von alledem. An einer einzigen Stelle hat sich der
Gedanke geregt, in bescheidener Weise den 100. Geburts
tag eines Künstlers zu feiern, der zu dem musikalischen
Ruhm
Werke allein sich neben den
Oper erhalten haben. Es ist die „Gesellschaft der Ton
dichter“ in
Abendsitzung feiern wird mit der Aufführung einiger Ge
sangsstücke von ihm und einem Vortrage über sein Leben
und Wirken.
hebräischer Dichter und Gelehrter in hohem Ansehen und
genoß insbesondere die wärmste Freundschaft und Werth
schätzung des berühmten Orientalisten Sylvestre de
Sein wahrer Name war
Jahre
die den Artikel ersetzende Sylbe hal (das arabische al) vor
seinen bisher geführten Namen. Das musikalische Talent des
Sohnes verrieth sich frühzeitig. Er kam
servatorium, wurde Schüler
Composition und erhielt 1819 den grand prix de
Dem Gesetz, richtiger dem alten Zopf gemäß, begab er sich
für 3 Jahre nach der
für musikalische Ausbildung so unergiebigen Aufenthalt nicht
weniger, als seine Nachfolger
arbeitete dort ebensowenig wie diese. Auf der Rückreise ver
weilte
wo er ernstere Studien betrieb, auch eine vierhändige
ein
Mittheilungen seines Bruders
kennen gelernt, den er öfter besuchte und dem er lebens
lang eine liebevolle, bewundernde Erinnerung bewahrt hat.
(In keiner
Mann war.) In
servatorium, gab Unterrichtsstunden und bemühte sich, wie
alle die unglücklichen Laureaten von
Endlich glückten ihm einige kleinere komische Opern, die mit
mehr oder weniger Erfolg aufgeführt wurden, ohne über die
Grenzen
mit der „ Jüdin“ gelungen, welche bald alle
„
auch
die Oper „
angeblich durch den Ausbruch des Krieges vereitelt. Da griff
der so lebhaft für Mottl beherzt zu und brachte den von
Von
bis heute zwei erhalten: „ Die Jüdin“ und „
jedoch den Componisten zu dem Wagstück, die Rolle des
Juden für ihn zu schreiben. Dieser geistvolle dramatische
Sänger war es überdrüssig geworden, lauter sentimentale,
zärtlich girrende Liebhaber zu singen. Dies ist auch
manchem der besten Tichatschek,
Von den hervorragenden Werken, welche
die
„Guido
und Ginevra, oder: Die Pest in Florenz
zwanzig Jahre nach ihrer
fangs heftig polemisirt und processirt worden; der Dichter
Georges
geschrieben, trotzdem aber an
die allgemeine Aufmerksamkeit erregt, aber das Textbuch
nicht besser geworden. Niemals habe ich eine Oper mit
solchem Luxus und so malerischer Pracht aufführen gesehen,
wie diese „
haus; aber alle Sammtgewänder und vergoldeten Rüstungen
vermochten die traurige Blöße dieser Musik nicht zu ver
decken.
es ihm fast unmöglich wird, einen breiten einfachen
Chor zu schreiben. In dem großen Ensemble erscheint
Alles verzwickt, zu einer Originalität gequält, die
durch keine Mühewaltung erreicht wird. Dazwischen
begegnen wir wieder einzelnen ruhiger hinfließenden
Gesangsstücken (wie das erste Duett
welche durch ihre Weichheit und Herzlichkeit überraschen. Sie
weisen darauf hin, daß
eigentlich mehr für das Lyrische als für gewaltsame Dramatik,
mehr für den Einzelgesang als für Massenwirkungen eignete.
Wir finden dies fast überall bestätigt, wo sein Text einen
ebenen Schritt geht, was freilich bei diesen großen, aufge
regten Stoffen selten der Fall ist. Am meisten spricht für
unsere Ansicht
„ Der Blitz“. Im Hofoperntheater ist sie
Kunstmittel gestellte Oper geräth in Gefahr, langweilig zu
werden, sobald sie zu lang wird.
durch Eleganz, Anmuth und Geist, ganz besonders aber
durch eine glänzende technische Gewandtheit. Daß Manches
darin veraltet, einer früheren Mode verfallen ist, darf uns
heute, nach fast 44 Jahren, nicht Wunder nehmen. Und
Zu den verblichenen Moden gehören zum Beispiel be
schreibende große Arien, wie die des
mannsleben, die Abfahrt, das Abschiednehmen, die Seeschlacht,
die glückliche Heimkehr, Alles im Detail schildert. Ein Seiten
stück dazu bildet die minutiöse Schilderung einer großen
Jagd, welche in den „
in einer endlosen Arie zum Besten gibt. Immerhin bleibt
gemerkt, für ein kleines Theater. Dem „ Beulé in seiner akademischen Gedächtnißrede auf
Von
„ Die Musketiere der Königin“
lung noch manche Wiederholung. Im
theater sind die „
marschirt, um bald wieder abzuziehen ohne klingendes Spiel
und fliegende Fahnen. Die Musik ist von zu geringem
und zweifelhaftem Werth, um durch eigene Kraft
die Wirkung dieser Oper zu sichern; oberflächlich
tändelnde Melodien, welche weniger den Kern als die letzte
Zierde einer lebensvollen, geistreichen Darstellung zu bilden
haben. Diese Anschauung ist den Franzosen ganz eigen
thümlich und bestimmt sehr wesentlich den Charakter ihrer
Opéra comique. Wer die „
begreift, auch ohne besonderer Verehrer
den ziemlich anhaltenden und lebhaften Erfolg derselben.
Für ein
und ein hübsches Duett noch keine Oper.
Das Bild
seine Verdienste als Schriftsteller übergehen.
über sein specielles Fach hinaus ein Mann von umfassender
gründlicher Bildung und ein ausgezeichneter Stylist. Um
dieser Vorzüge willen wählte ihn die Akademie der Schönen
Künste zu ihrem Secrétaire perpetuel, ein Amt, das nie
zuvor ein Musiker innegehabt. Unter dem Titel „
et portraits
reden (Eloges) und musikalischen Aufsätze in zwei Bänden
bei Michel
reich versah
servatorium als Nachfolger von
welchen
ihm stets ein dankbares herzliches Andenken. Seinem flecken
losen Charakter konnte Verleumdung nicht beikommen; trotz
dem hatte
Geringschätzung zu tragen. In
den Mann, den man nicht auf die
konnte, wenigstens zu allen Teufeln wünschte. Es hat seinem
Andenken nicht geschadet.
Zeugnisse
das in ihm nicht blos einen großen Musiker und geistvollen
Schriftsteller, sondern auch einen vortrefflichen Menschen von
idealem Streben, rastlosem Fleiße und edlem Charakter ver
loren hat.