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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die letzten philharmonischen Concerte bescheerten
uns zwei interessante symphonische Novitäten: „
von Richard Strauß und „
Strauß’ „
wie zum Beispiel die in raschem Flug auf- und nieder
schießenden chromatischen Sext-Accorde der Holzbläser im
Andantino (
ähnlichen, wenngleich nicht immer so hübsch klingenden Ueber
raschungen. Sie wirken ungefähr wie die pikanten oder
drastischen „Zwischenrufe“, welche im Abgeordnetenhause
langwierige Reden unterbrechen — für die Hörer oft das
Ergötzlichste an der ganzen Geschichte. Der Unterschied
ist nur, daß hier der Redner, R.
störenden Zwischenrufe selbst macht. Er mag mitunter
ein wenig besorgen, daß der ungestörte glatte Ver
lauf seiner Rede doch ermüden würde. Thatsächlich weiß
uns
Neues, wenig Bedeutendes zu sagen. Die ersten drei Sätze
„
Effecten und vereinzelten melodischen Ansätzen ohne tieferen
Eindruck an uns vorüber. Ja, wir vermissen darin sogar
Eines, was wir von allem Anfang zu erwarten ein Recht
hatten und das auch leicht zu beschaffen war:
Farbe,
Melodien rinnt kein
Aeußerlichkeiten ist
Harfen unermüdlich arpeggiren, als handelte es sich um eine
Illustration
tanisch
gelangt, scheint der Componist doch die Nothwendigkeit
empfunden zu haben, sein „Volksleben in
culi Funicula
dahinströmend, fortan die südliche heitere Laune beibehalten.
Nichts weniger als das. Mag
nicht gekannt haben — mit der volksthümlichen Herrlichkeit
ist es schnell zu Ende. Er läßt die eingefangene lustige Lerche
Funiculi nur ein Weilchen flattern, dann steckt er sie
gnadenlos in seine düsteren Casematten, wo sie von aller
hand polyphonen wilden Thieren erbärmlich gezaust und zer
rissen wird. Ein paar Federchen fliegen ganz zuletzt noch
auf und melden das schnöde Ende des armen Thierchens.
Die ganze symphonische Phantasie interessirt stellenweise als
das Product eines geistreichen, effectkundigen, mehr poetisch
angeregten als musikalisch-schöpferischen Künstlers. Sichtlich
von
arbeitend, verschmäht es
von
Die Aufführung unter G. Mahler gehörte zu den
Neben R. Dvořak unstreitig die musi
Die „
völlig an die beiden symphonischen Dichtungen („
Wassermann
bereits früher gehört haben. Welch seltsam neueste
Passion
und Gespenstige, das seinem echt musikalischen Sinn
seiner liebenswürdig menschlichen Natur doch so wenig
entspricht! Im „
eigenen Kinde den Kopf abhaut und ihn der unglück
lichen Mutter zuschleudert; in der „
liches Ungeheuer, in dessen mörderischen Fäusten das un
schuldige Kind einer Bäuerin verathmet. Und nun die
„
Wehklagend folgt die junge Frau dem Sarge ihres ver
storbenen Gatten. Da intoniren hinter der Scene Trom
peten, von Oboen, Harfen und Englischhorn begleitet, ein
lustiges Lied im Zweivierteltact: ein schmucker Bursche
macht der Witwe einen Heiratsantrag. Schnell folgt das
Hochzeitsfest. Ein derbes Tanzmotiv in C-dur, worin die
übermäßige Quarte (Fis) humoristisch aufjauchzt, führt
uns in die
klingen vorübergehend in einem Allegretto grazioso
an. Bis hieher wäre Alles ziemlich einfach und verständ
lich. Aber was erzählt uns gleich darauf das unmittelbar
aus dem Hochzeitsjubel sich losringende schaurige Andante?
„Aus den Zweigen der Eiche, über dem Grabe ihres durch sie
vergifteten ersten Gatten ertönt das Gurren der Waldtaube,“
so belehrt uns das der Partitur vorgedruckte Programm.
Also die schöne Witwe hat ihren Mann vergiftet? Davon
hatte ja kein Mensch eine Ahnung! Und das Girren einer
Taube treibt die eben noch so Fröhliche zu Verzweiflung
und Selbstmord? Wenn nur irgend ein bedeutsamer fata
listischer Zug, ein psychologischer Zusammenhang zwischen
diesem Taubengirren und dem Verbrechen des Weibes vor
her angedeutet wäre! So aber überrascht uns der grausige
Ausgang dieser Dorfgeschichte noch gewaltsamer als im
„
von einer liebenswürdigen Anmuth und Naivetät, wie sie
heute unter den Instrumental-Componisten nur
besitzt. Wir lauschen entzückt diesen kindlichen Melodien,
denen originelle Harmonienfolgen und Klangfarben einen
wechselnden scharfen Reiz verleihen.
Was ihre Wirkung schmälert, ist nur die fortwährende
Nöthigung des Zuhörers, die Musik schrittweise mit der ihr
aufgezwungenen Erzählung zu vergleichen. Man wende
nicht ein, das Programm könne ja nicht schaden, wenn
die Musik nur gut ist. Die Musik leidet immer darunter,
wenn ein detaillirtes Programm die Freiheit des Compo
nisten wie des Hörers vernichtet.
gleicht einer schönen Gefangenen, welche gefesselt zwischen
zwei Gendarmen ihren vorgeschriebenen Weg zurücklegen
muß. Ein erzählendes Programm, wie das zur „
taube
verständlich und weil es leider — unentbehrlich ist. Denn
aus dem musikalischen Gedankengang der „
taube
Rückwanderungen und verblüffenden Orchesterklänge nimmer
erklären. Anders ein Titel, der uns wie eine angeschlagene
Stimmgabel nur den durchklingenden poetischen Grundton
des Stückes angibt. Aufschriften, wie „
(
(
Nicht so die jüngsten symphonischen Dichtungen von
řak
auch sehr praktische Bedenken. Wer kann sich für diese halb
kindischen, halb widerwärtigen Schauergeschichten begeistern?
Wie lange wird man trotz der geistvollen Musik sich
dafür interessiren? Der erste Eindruck dieser neuen
Orchesterstücke ist bestrickend; aber wir fürchten für die
Dauer und Sicherheit ihrer Herrschaft. Ein prächtig blü
hendes Zweiglein, die Musik
einen kranken Baum gepfropft, der es vorzeitig verdorren
macht.
Wir bemerkten Sonntags recht verlegen fragende
Mienen — Concertbesucher, die es unterlassen hatten, ein
Programm zu verlangen oder darin mitzulesen! Sie
konnten sich den Fall nicht zurechtlegen. Die Ausdrucks
fähigkeit der Instrumental-Musik hat sich seit
früher nicht geahnter Weise gesteigert. Wenn man aber
heutzutage vorgibt, die reine Instrumental-Musik sei bereits
fähig, alles Mögliche auszudrücken, wozu dann die so
emsig erläuternden Programme?
Musiker, als daß ästhetische Experimente, Entdeckungs
fahrten nach den Grenzen der Kunst ihn zu reizen ver
möchten. Was ihn weggelockt haben mag aus dem Reich
der absoluten Musik, das er seit
Erster beherrscht, ist offenbar die Nachbildung der ver
schiedenen Naturstimmen. Darin schafft
vergleichliches, Wunderbares. Das Wellen- und Wogen
rauschen in seinem „
der „
Auch die „
durch ihren Klangzauber und realistische Züge, die bei
aller Kühnheit nie ans Häßliche streifen. Dankbar,
ja nur allzu sehr empfänglich für die Reize
seiner neuesten Richtung nicht verhehlen.
nicht nöthig, für seine Musik bei der Dichtkunst (und
welcher „Dichtkunst“!) betteln zu gehen. Seine reiche
musikalische Erfindung bedarf keiner Anleihe, keiner Krücke,
keiner Gebrauchsanweisung; drängt es ihn aber, zur Ab
wechslung, heraus aus der wortlosen Instrumental-Musik
zu realen Gestalten, dann steht ein weit offenes Thor ein
ladend vor ihm: die Oper.
Die „
nicht so enthusiastisch aufgenommen worden, wie die viel
ernstere und schwerer faßliche
Aufführung beider Werke war unübertrefflich. Das Con
cert schloß mit Beethoven’s großer Ouvertüre „