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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Ausnahmsweise will heute das Unterste zu
oberst gekehrt sein: zuerst die Ausstattung und die Coulissen-
Mechanik, sodann die Sänger und zuletzt die Oper selbst.
Denn was die Neugierde des Publicums am meisten gereizt
hat bei der gestrigen Aufführung der
das ist die sogenannte „Drehbühne“, eine Erfindung des
ingeniösen Herrn
Drehung des Bühnenhintergrundes im Halbkreis soll das
Verschieben oder Herabsenken der Coulissen beim Scenen
wechsel vermieden und eine größere Ruhe und Einheit der
Handlung erzielt werden. Wir hatten anfangs allzu san
guinisch uns die „Drehbühne“ als ein Rettungsmittel für jene
großen Schauspiele mit häufigem Scenenwechsel gedacht, welche,
wie „
in der Praxis erst bühnenfähig werden durch Umstellung und Weg
lassung zahlreicher Scenen. Desgleichen für jene großen Opern,
deren veraltete zweiactige Form in jedem Act häufigen Scenen
wechsel nothwendig macht, wie
flöte
kleinen Spieloper vorbehalten, welche doch keine großen Zu
rüstungen beansprucht. In der gestrigen Aufführung der
neuscenirten
sich als zweckmäßig bewährt und tadellos functionirt; ob es
nothwendig gewesen für diese Oper, wagen wir nicht zu
entscheiden.
Fahren wir fort in unserem Bericht. Also nach den
Coulissen die Sänger, nach den leblosen Factoren die
lebendigen. Auch hier dieselbe umgekehrte Ordnung; die
kleinste der Solopartien will zuerst genannt sein:
das Kammermädchen Charton-Demeur, dann
Die Oper erzielte in ihrer neuen Ausstattung und
Besetzung den glänzendsten Erfolg. Im Publicum herrschte
jene glücklich zufriedene Stimmung, die sich selbst genügt;
nicht denkt, nicht grübelt, nicht zweifelt. Hoffen wir, daß
das von
holungen erleben werde, als in früheren Jahrzehnten.
Vor etwa 30 Jahren berührte ich in diesem Blatte
die zeitweilig immer wieder in Musikzeitungen auftauchende
Frage: Warum gibt man nicht mehr „
Alle zehn oder fünfzehn Jahre fühlen denn auch die Opern-
Directionen ein classisch Rühren und wagen wieder einmal
den Versuch mit der Weibertreue. Bei der ersten Vor
stellung geht Alles gut; es wird applaudirt, gerufen, gelobt,
und im Zwischenacte versichert ein Nachbar den andern
seines Entzückens über diese herrliche Musik. Aber selten
geschieht es, daß einer dieser Lobredner das Bedürfniß fühlt,
sich „
zuhören. Nach wenigen Vorstellungen spielt dann die Oper
vor leeren Bänken. Wir sind schuld, oder die Zeit ist es,
daß viele, ehedem wirksame Partien in „
uns heute veraltet und formalistisch klingen. Aber eine
andere tiefliegende Schuld ruht in dem Werke selbst und
wurde gleich bei dessen Erscheinen, also vor 110 Jahren,
aufs bestimmteste empfunden und ausgesprochen. In
der That, gibt es einen dürftigeren Stoff für eine
den Abend füllende Oper, als die Wette zweier Offi
ciere, die Treue ihrer Bräute verkleidet zu erproben? Gibt
es eine abgeschmacktere Zumuthung an den Köhlerglauben
der Zuschauer, als die fortdauernde Blindheit der beiden
Heldinnen, welche ihre Liebhaber, mit denen sie eine Viertel
stunde zuvor noch gekost, nicht erkennen, ja ihr eigenes
Kammermädchen unter einer Allongeperrücke ohneweiters für
den Arzt, dann für den Notar halten? Da
Libretto ist geistlos und impertinent, weil es den beiden
Männern gelingt, ihre Geliebten zu täuschen und binnen
wenigen Stunden treulos zu machen. Um dem abzuhelfen,
hat man später das Libretto dahin umgearbeitet, daß die
beiden Schwestern rechtzeitig die Falle entdecken und, um ihre
Liebhaber zu strafen, sich blos stellen, als ließen sie sich von
den Fremdlingen berücken. Diese (von L.
herrührende) Bearbeitung wurde früher auch in
benützt. Auf den ersten Blick bestechend, ist sie nichtsdesto
weniger verfehlt, weil sie zu der musikalischen Charakteristik
des zweiten Actes nicht paßt. Die Mädchen müssen jetzt nur
affectiren, nur zum Scheine äußern, was
in vollem Ernste meint. Director
Originaltext in sein Recht eingesetzt. War nun
mehr als irgend Einer der Mann dazu, aus einer poetischen
Wüste einen musikalischen Garten zu zaubern, so ist doch die
Qualität des Librettos von unleugbarem Einfluß auf ihn
gewesen. Unstreitig hat in „
Gemeinschaft mit dem Flachen, Unwitzigen und Herzlosen
der Dichtung seine musikalische Schöpferkraft und Schaffens
lust beeinflußt und unter ihre normale Höhe herabgerückt.
Das betont doch selbst Otto
Schönheit einzelner Nummern in dieser Oper etwas ge
nommen werden, noch dem unvergleichlichen Hauch von An
muth, der auf dem Ganzen ruht. Daß „
von einem Ende zum anderen von Wohllaut und Grazie
leuchtet, heißt nur mit anderen Worten sagen, daß sie
nicht in der höchsten Steigerung) in den größeren Ensembles.
Namentlich das erste Finale ist ein Gebilde von Meister
hand, reizend in der Melodie, bescheiden und geistreich in der
Begleitung, von treibender Lebendigkeit des Ausdrucks.
Das kleine Quintett in F-dur und das Terzett „Soave sia
il vente“ sind musikalische Blüthen von frühlingsmäßigem
Duft und Schmelz. Neben den größeren Ensembles
bilden die Arien und Duette den schwächeren
Theil; viele davon sind conventionelle, concertmäßige
Ausfüllung stereotyper Formen, sowol im pathetischen wie
im Buffostyl. Der Erfolg von „
heute noch gesichert, wenn der zweite Act sich nur auf der
Höhe des ersten erhielte. Leider fällt er dramatisch wie
musikalisch ab; wir erwarten nicht ohne Ungeduld den
Schluß. In mancher Hinsicht läßt sich von der Musik zu „
fan tutte
segreto
wasser taucht. Wie köstlich müßten die oben genannten
Gesangsstücke wirken, wenn sie von einer kräftig contrastirenden
Nachbarschaft sich abhüben! Das Textbuch nöthigt aber die
Musik, allzulange im Süßen, Weichlichen, anmuthig
Spielenden zu verweilen; für Gegenstücke der Kraft und
Größe hatte der Dichter in keiner Weise gesorgt.