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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die versprochene Eröffnungsnummer, C. M.
umgetauft), war plötzlich abgesetzt. Schade. Wer hatte auf
diese hier unbekannt gebliebene Composition
nicht gefreut! Beinahe hundert Jahre alt, wird sie gerade
jetzt wieder jung: ein Stück actuellster Politik in den
sisch
Ankündigung einer wunderlich monotonen
Melodie von vierzehn Tacten, musikalisches Zopfwiegen und
Zopfschütteln. Hierauf Triangel, Becken, große Trommel,
die ein lustig siegesfrohes Spectakel vollführen. Passionirte
Zeitungsleser — und wer wäre dies heute nicht? —
hätten da leibhaftig unsere Truppen in
rücken gesehen, an ihrer Spitze hoch zu Roß den
Grafen
nicht zu verkennen. Aber die kurze
mußte fallen, damit die sehr corpulente
von
wir der wilden Komik dieser
noch im Concertsaale, bevor
also dem Programm nach
abgesäbelt war, rückte
Symphonie
schöne Tondichtung wurde entzückend vorgetragen: nur die
Einleitung „Andante con moto“ (!) erschien mir
entschieden zu langsam. Doch ist über ein Tempo nachträg
lich schwer zu richten und zu streiten. Musikalische Ge
schwornengerichte müßten da aus dem Gedächtniß entscheiden.
Das fehlte uns gerade noch! Bekanntlich verlangte
sohn
gleich aufeinander folgen sollen, ohne die gewöhnliche längere
Unterbrechung. Offenbar war er seinerzeit durch allzu lange
Pausen und allzu eifriges Schwätzen auf dieses Heilmittel
verfallen, das leider auch seine Gefahr einschließt. Der Hörer
hält an der Gewohnheit und dem Anspruch, zwischen den
einzelnen Sätzen einer großen Symphonie sich zu sammeln,
nachfühlend, nachsinnend; er empfindet das eilige „Attacca“
als eine unnöthige Anspannung.
Vorschrift auch weder bei seinen früheren Symphonien, noch
bei der späteren in
Was die große Novität des Concertes,
einiger Befangenheit sie erwartet habe.
daß die Wahl desselben Stoffes mich gegen den jüngeren
Componisten mit einer Regung von Eifersucht erfüllte. Wie
Schritt begleitet, so folgt auch
ihm in gleicher Ordnung. Der erste Satz
entspricht in seiner düsteren Verzweiflungsstimmung voll
kommen der kürzer, tiefer und mächtiger gefaßten Ouvertüre
auch
scher Schönheit widmet. Dem „
entspricht bei
das idyllische Vorspiel in F-dur.
schildert wie bei
und
Aber so wenig
Vergleich mit
schen. Dieser packt uns mit einer Seelengewalt, die stark
und geheimnißvoll nachzittert, so oft wir nur an ihn denken.
Und nicht einmal der lebendig scenischen Darstellung bedarf
diese Musik. Zuerst im Concertsaale bekam
Lewinsky sprach,
Nur scheinbar bin ich von
gewichen; es ist unmöglich, an
zukommen; unmöglich, nicht zu vergleichen. Kein Zweifel,
daß
hat, als er an denselben Stoff herantrat. Aber er war
nicht der Mann, vor einer Rivalität mit
zutreten, über welchen er ja nach dem Zeugniß seines Freundes
nicht Berlioz, dessen
logisch überreizte Musik. Unersättlich in dem Bestreben,
schildern, bewirkt der Componist schließlich, daß wir Zuhörer
uns noch unglücklicher fühlen als sein Held. Nur selten
huscht in diesem Nachtbild eine freundliche Gestalt auf, um
rasch wieder zu verschwinden und den grauen Unholden
wieder das Feld zu überlassen. Das aufmerksame und fein
fühlige Publicum unserer Philharmonie-Concerte schenkte
der lieblichen „Alpensee“ dankbaren Beifall, blieb aber kalt
bei den übrigen Sätzen. In dem unaushaltbar langen
Finale, mit seiner Schilderung des Höllenbacchanales sehen
wir schließlich die Symphonie zu einer Höhe des Ungeschmacks
gedeihen, welcher die aufrichtigsten Freunde
Musik kaum Stand halten können. Was uns allein in dieser
trostlosen Musik wach und dankbar erhält, ist der Reiz der
genialen Instrumentirung. Aber wie so oft bei den gleichen
Zauberkünsten Berlioz’ drängt sich uns die Frage auf:
verstehen, wenn man der seltsamen Erlebnisse sich erinnert,
welche an der von Haus aus melancholischen Seele des
Componisten rüttelten. Die Geschichte seiner so wunderlichen
kurzen Ehe ist bei uns wenig bekannt und darf deßhalb
einem ihm befreundeten englischen Schriftsteller wol nach
erzählt werden. Im Jahre
mit einem Fräulein, das er sechzehn oder siebzehn Jahre
früher bei ihren Verwandten kennen gelernt hatte. Von
dieser Heirat wußten nur sehr Wenige. Wie überrascht war
die musikalische Welt nach
Testament eine „Gattin
Sustentation bedacht zu finden! Man kannte
als schüchtern, von fast krankhafter Abneigung gegen die
Weiber. Seine Freunde riethen ihm, zu heiraten, allein er
blieb nervös und zaghaft, selbst als
theilte, daß sie als Schülerin ins Conservatorium eintreten
wolle. „Es wäre doch besser, wenn Sie heirateten!“ meinte
heimlich geliebt hatte, entschloß sich, nach ausgiebigem
Kirchenbesuch und Beichten, ihm zu schreiben und ihre
Hand anzubieten. Er antwortete, und es schien
dies seit ihrer Bekanntschaft seine glücklichste Zeit.
Doch machte er bald wieder Schwierigkeiten und wies auf
sein Alter von fünfzig Jahren. Sie antwortete, daß neben
ihm zu sitzen, ihn sprechen oder spielen zu hören, Alles sei,
was sie wünsche. Wieder zögerte er und bat um einen Tag
Aufschub. Dann erklärte er ihr, er habe nie geliebt; indessen,
da sie das erste Mädchen sei, das ihm überhaupt gefallen,
wolle er einen Vorschlag wagen. Wenn brüderliche Liebe und
rein geschwisterliches Zusammenleben ihrem Ideal ent
spräche, möge sie ihn heiraten. Nachdem dieser sonderbare
Vorschlag in vollkommen ruhiger Weise durchsprochen war,
schied er mit der Frage: „Also?“ Sie schlug ihre Arme
um seinen Nacken, und er floh eiligst. Bei seinen Besuchen
an den nächsten Nachmittagen vermied er aber jede Zärtlich
keit; er küßte nur ihre Hand und verblieb bei dem gewohnten
„Sie“. Nach einer Woche nahm er für einen Monat Urlaub,
um seine Oper „
kowsky
alles früher oder später von ihm Componirte kalt. Die
Vermälung fand am 27. Juli
wunderlichen Heirat waren vorauszusehen.
krankhafte Nervosität nahm überhand, damit auch eine tiefe
Abneigung gegen seine Frau. Was immer sie that, mißfiel
ihm. Nach sechs Wochen war er des ehelichen Lebens über
drüssig. Unter dem Vorwande, eine Wassercur im
zu brauchen, reiste er zu seiner Schwester, welche ohne
Zweifel ihm empfahl, zu seiner Frau zurückzukehren. Aber drei
Wochen später, mitten im November, schützt er eine Ge
schäftsreise vor. Ahnungslos begleitet seine Frau ihn zur
Bahnstation. Hier verläßt ihn fast der Muth. Zitternd wie
ein Trunkener nimmt er Abschied von ihr, umarmt sie
wiederholt und stößt sie endlich mit dem Ausrufe „
fohlen!“ von sich. Er hat sie nie wiedergesehen. Dem ehe
lichen Leben abgeneigt, leichtgläubig wie ein Kind und äußerst
reizbar, hatte er (vielleicht unter fremdem Zuthun) die
Ueberzeugung gefaßt, es müsse die Ehe verhängnißvoll werden
für seine künstlerische Laufbahn.
ein beklagenswerthes, unschuldiges Opfer; aber sie verstand
das eigenthümliche Wesen ihres Gatten und hat sich niemals
darüber beklagt.