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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Im Jahre
gereist, um einem Concert des berühmten
beizuwohnen. Damals eine noch recht beschwerliche, zwei
Tage lange Fahrt mit der alten Postkutsche. Heute fährt
man die Strecke in vier Stunden auf der Eisenbahn. So
war’s mir denn leicht gemacht, meiner Pietät für
genugzuthun und von
und
blühenden
welche zu ihren berühmten Maschinenbau-Anstalten, Fabriken
und reichen Steinkohlenlagern nun auch die künstlerische
Glorie des ersten
Mein erster Weg galt dem einstöckigen bescheidenen
Hause „Am Markt Nr. 5“, in welchem Robert
am 8. Juni
ist ein großes Porträtmedaillon, von Lorbeerkränzen um
geben, von denen einer aus
er schon in früher Jugend bedeutende literarische Anregungen
durch seinen
schriftstellerisch entschieden begabt war und durch Herausgabe
größerer Sammelwerke und zweier Journale verdienstlich
gewirkt hat. Das Wesen des
lässiger, wohlwollender, dabei stiller, verschlossener Mann
geschildert wird, scheint eigenthümlich gemischt mit der
schwärmerischen Ueberspanntheit der
übergegangen zu sein. Wenn
satze über Sterndale-Bennett
im väterlichen Hause „mit der Milch Musik einsogen und
beim ersten erwachenden Bewußtsein sich Glieder der
großen Familie der Künstler fühlten, in die Andere sich
oft erst mit Opfern einkaufen müssen“, so macht er offen
bar einen Seitenblick auf sein eigenes Los, das sich keines
wegs so günstig gestaltete. Der Clavierunterricht, den er
erhielt, war so mangelhaft, wie man ihn vor 80 Jahren
in einem kleinen Städtchen haben konnte; dennoch löste
er zuerst das gebundene Geistesleben des Knaben, das
sich fortan mit größter Innigkeit der Musik erschloß.
Eine besonders frühe Entwicklung kann man es übrigens
nicht nennen, wenn ein Talent von der Intensität
mann
erfand. Den ersten Eindruck wahrer Künstlerschaft empfing
dem Spiel
Meister zeitlebens eine ungeschwächte Verehrung bewahrt.
Die auffallenden musikalischen Fortschritte
sogar kleine Orchester-Aufführungen mit seinen Mitschülern
zusammenstoppelte, brachten seinen
Ueberzeugung, daß sein
sei. Diese Ansicht fand jedoch den heftigsten Widerstand
bei der
„Brotstudium“ sah und noch lange Jahre nachher in ihrer
Abneigung festhielt gegen einen ihr mit „Verhungern“ gleich
bedeutenden Beruf. Also nicht zu C. M.
es gewünscht, kam
widerwillig in das langgestreckte graue Haus, vor dem
wir uns jetzt befinden: das alte Gymnasium von
besser, nicht schlechter als die Mehrzahl seiner Mitschüler.
Vorherrschend blieb seine Neigung und Beschäftigung
Musik und Poesie. Mit
alter traf ein schmerzliches Ereigniß zusammen, das den
tiefsten Eindruck auf sein Gemüth hervorbrachte: der Tod
seines
empfing er durch eine vorübergehend in
weilende Dilettantin (
mit Jean
und musikalischen Schwärmerei, der sich
bis zur Exaltation hingab, schon die befruchtenden und
bestimmenden Elemente seiner späteren Kunst. Nach dem
Wunsche seiner
dann an die
Zwei ungleichartigere Dinge als
wissenschaft haben sich wol selten zusammengefunden. Letztere
scheint auch nicht das oberflächlichste Interesse in ihm er
weckt zu haben. Es ist nicht Aufgabe dieser Zeilen, einen
Abriß von
zu geben; nur soweit sie noch mit dem Festort
enge zusammenhängt, kann sie uns hier beschäftigen. Aber
zahlreiche Briefe des
gehörigen in
bei allem sentimentalen Ueberschwang eine frische Lebendig
keit, die man dem später so verschlossenen Meister kaum
zugemuthet hätte. Zu Ostern
berg
beenden. Da wird er sich über seinen wahren Beruf klar;
er legt das Resultat seines Nachdenkens in einem sehr
merkwürdigen Brief seiner
Ganz jung-
Morgen, Mama! Wie soll ich dir nur meine Seligkeit in
diesem Augenblicke beschreiben! Der Spiritus kocht und
platzt an der Kaffeemaschine, und ein Himmel ist zum
Küssen rein und golden, und der ganze Geist des Mor
gens durchdringt frisch und nüchtern. Noch dazu liegt dein
Brief vor mir, in dem eine ganze Schatzkammer von Ge
fühl, Verstand und Tugend aufgedeckt ist — die Cigarre
schmeckt auch vortrefflich — kurz, die Welt ist zu Stunden
sehr schön, das heißt der Mensch, wenn er nur immer
früh aufstünde.“
Bald jedoch wird der Ton sehr ernst: „Mein ganzes
Leben war ein zwanzigjähriger Kampf zwischen Poesie und
Prosa, oder nenn’ es Musik und Jus.“ Er hofft „bei
Fleiß und Geduld und unter einem tüchtigen Lehrer binnen
sechs Jahren mit jedem Clavierspieler wetteifern zu können“
— auch habe er „vielleicht (!) Anlage zum eigenen Schaffen“.
Die
Clavierlehrers Friedrich
früher einige Lectionen genommen hatte) abhängig machen. Die
räth eigentlich nur einen schwachen Zusammenhang mit
seinem Geburtsorte. Mit dem Tode der
löst sich auch das letzte Band dieses Zusammenhanges.
in
Jugend nur selten zu gedenken. Um so erfreulicher die
Ueberraschung, daß
Meister mit seiner
ihm zu Ehren veranstalteten Musikfeste theilzunehmen. Er
dirigirte dort seine neue
das
sich schön, daß gerade diese beiden herrlichen Stücke jetzt,
vierundfünfzig Jahre später, für das Festconcert in
hat seiner nie vergessen, dies bezeugt das schöne Denkmal,
das sie ihm und sich zu Ehren errichtet und heute an
Das Monument, ein Werk des Bildhauers Johannes
Hartmann, zeigt uns
Ja, das ist das nachdenklich sinnige, wohlwollend lächelnde
Gesicht, in das ich vor 55 Jahren so gern, so vertrauens
voll geblickt! Ein jugendlich begeisterter Aufsatz über die
erste Aufführung von „
mir ein liebenswürdiges Briefchen von
getragen mit der Einladung, ihn einmal in
besuchen. Da war mir mit ihm manch gute Stunde ver
gönnt. Er schwieg mich freundlich an, und
mir seine neuesten Sachen vor. Im Winter darauf
kamen
mir ihr Concert, die herrliche Musik und die — sehr
kühle Aufnahme von
Dann nach dem Concert der Heimweg und
Worte über die Kälte und Undankbarkeit des Publicums.
Hierauf
liebe
hat Recht behalten. Zehn Jahre später gab es kaum mehr
einen Clavier-Virtuosen, der nicht
Programm gehabt, und kein Concert-Institut, das nicht
das hat der in seiner Zuversicht bescheidene Mann doch
nicht geahnt, daß fünfzig Jahre später in der gewerb
fleißigen Fabriks- und Handelsstadt
lebensgroßes Monument erheben werde! In einer ge
dankenreichen und schöngeformten Rede feiert Ober-Bürger
meister Keil die Bedeutung des Tages. Tief bewegt, erst
der Grundstein zum Denkmal gelegt wurde, dürfte man
noch hoffe, die Gegenwart Beider werde der Enthüllungs
feier die schönste Weihe verleihen. Sind doch kaum fünf
Jahre verflossen, seit wir
auf zwei verehrte Freunde und Kunstgenossen
Joseph Joachim und Karl
Von
enthüllung bei: die jüngste Tochter Eugenie (in
Nicht weniger als drei Festconcerte folgten auf ein
ander. Das Programm, glücklich zusammengestellt, re
präsentirte
im Liede und der Claviermusik. Nur als Kirchencomponist
blieb er unvertreten; in diesem Fache haben wir von ihm,
dem Protestanten, merkwürdigerweise nur — eine
und ein
kann sagen über alle — habe ich als begeisterter Apostel
durch ein halbes Jahrhundert so viel geschrieben, daß
wiederholte Kritik mir heute weder nothwendig noch erlaubt
scheint.
Das erste Concert am Abend des 8. Juni brachte
„ Das Paradies und die Peri“. Der Saal (wie
welche die Altpartie klangschön und verständnißvoll vor
trug. Außerdem haben die Sängerinnen Frau Röhr-
aus
Das zweite Concert (am Sonntag Vormittags) brachte
zwei der herrlichsten Kammermusiken
derungswürdig gespielt von Joachim und seinen in
Noch war es uns vergönnt, in dem Abendconcert
vom Sonntag Joachim als Solisten zu bewundern.