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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Zwanzig Jahre sind verflossen, seit
bach
in
Feuerbestattung im Ringtheater erinnern, welche die Première
und Dernière der
meer begrub. So überwältigend verharrte der Eindruck
dieser Schreckensnacht, daß seither kein
den Muth fand, „
Und doch hatte die Novität im Publicum den lebhaftesten
Beifall errungen, in der Kritik eine fast überraschende
Anerkennung. Die meisten
Bühnen stellten „
in ihr Repertoire — nur in
bis heute verfehmt, ein armes Brandopfer, ver
urtheilt als Brandstifter. Mit Unrecht. Ein Ende mit
Schrecken darf sich nicht ausdehnen zum Schrecken ohne
Ende.
denn von den Wenigen, die vor 20 Jahren dieser einzigen
Aufführung beigewohnt, sind heute wol nur Wenige am
Leben. Wir können Director
brauchen wir nicht einmal die Klage über den andauernden
Mißwachs in der Opern-Production neuerdings zu er
wecken. Ebensowenig die Erinnerung an das armselige
Novitäten-Erträgniß der vorigen Saison unserer Hofoper.
Welchen Eindruck
Jedenfalls ist er ein höchst eigenartiges, interessantes Werk,
dem überdies keine andere Bühne eine so glänzende Besetzung
der Hauptrollen zu bieten vermag, wie gerade jetzt die
Die Handlung der
zu verstehen und noch schwerer nachzuerzählen. Ich will es
mit Hilfe eines früheren, im Rauch des Ringtheaters er
stickten Feuilletons versuchen und Einiges über die Musik
beifügen, zur vorläufigen Orientirung der Opernbesucher.
Also die Handlung! Jules Barbier, der Librettist
ist. Das Lied, in dessen krachende Reime die Studenten
verstärkend einfallen, ist von jener verwegenen Originalität
und satanisch angefachten Lustigkeit, welche
aus dem Punschglase zu holen pflegte. Mit spöttischem Ge
lächter interpelliren ihn seine Zechbrüder, ob er verliebt
sei? „Nicht doch,“ erwidert
unglückliche Liebschaften durchgemacht, von deren Heldinnen
ich euch erzählen will.“ Alles rückt erwartungsvoll im Kreise
näher, und
digste Actschluß, der uns je vorgekommen, bizarr und
spannend wie das ganze Werk.
Die folgenden Acte führen nun scenisch aus, was
uns zu Anfang des zweiten Actes in einem glänzenden
Empfangssaal. Eine große Gesellschaft in drolligen Rococo-
Costümen tritt mit einem hübschen, ebenso rococo klingenden
Chor ein; der berühmte Dr.
seine Tochter
verfertigter Automat, der nicht blos Kopf und Arme be
wegen, sondern sogar tanzen und singen kann.
hält die reizende
verliebt sich augenblicklich. Seine Romanze („Ah, vivre
deux“), eine monoton begleitete, anfangs mehr declamirte
als gesungene Musik, jedoch zu vollaustönendem Schluß
sich steigernd, hat etwas ungemein Anziehendes in ihrer
ans Krankhafte streifenden Sensibilität.
Begleiter
graziösen Strophenlied; dem einzigen Musikstück vielleicht das
an frühere
von Trapezunt
Die Bravour-Arie, mit welcher nun
ducirt, wirkt mit ihren ruckweis herausgestoßenen Tönen
und spieldosenartigen Passagen sehr charakteristisch, ohne
irgendwie ins Ungraziöse zu fallen. Die Gäste stellen sich
hierauf zu einem gemächlichen, ländlerartigen Walzer an,
dessen anmuthig wiegende Melodie durch einige kühne
Harmonisirungen gewürzt wird. Die ganze Sieg- und
Tanzscene
feinsten Sorte.
wird von ihr, deren Räderwerk nicht stillstehen will, fast
zu Tode getanzt. Athemlos sinkt er in einen Sessel, wäh
rend sie solo zur Thür hinauswirbelt. Da hört man von
draußen einen furchtbaren Krach —
trümmert. Der boshafte alte Optiker
nicht erhalten, rächt sich an
kostbare Puppe zerbricht. Die Geschichte mit dem schönen
Automaten (auch in
stammt aus
Bei dem wüthenden Handgemenge der beiden alten Me
chaniker am Schluß dieses Actes scheint dem Librettisten
das noch seltsamere Duell zwischen den Physikern
hoek
gegen einander losgehen.
Der folgende Act versinnlicht uns die zweite Liebes
geschichte. Sie spielt in
Sängerin
hat. Er liebt sie und will sie heiraten. Mit schmerzlicher
Resignation willigt sie in seine Werbung, hat sie doch
eben ihrem Vater (
singen und jeden Gedanken an die Bühne für immer auf
zugeben.
eine gewisse äußere Eleganz; ihr Duett mit
enthält neben einigen gezwungenen Phrasen auch manche
sehr ausdrucksvolle. Da taucht plötzlich die gespenstische
Gestalt des Doctors
kreuzt. Bei dem Terzett der drei Männer gleitet uns eine
kalte Schlangenhaut über den Rücken. Die Musik ist von
einer phantastischen Aufgeregtheit und dämonischer Gewalt,
welche man
der (wie
riesigen schwarzen Gespenst zu wachsen und wild umher
zuflattern scheint, verführt
Er streicht wüthend seine Geige, belebt endlich gar das lebens
große Porträt von
nun mitsingend, das dämonische Duett zu einem Terzett
macht, das immer stärker, immer leidenschaftlicher anschwillt,
bis endlich
spät dringen Vater
sie an
Ueber diese Scene des Grauens breitet sich mildernd, ver
söhnend ein ungemein zartes Orchester-Ritornell, die
Wiederholung der Barcarole: „Belle nuit, belle nuit
d’amour“, welche — zweistimmig mit Chor hinter der
Scene gesungen — den Act lieblich eingeleitet hatte.
Nach kurzer Pause hebt sich zum letztenmal der Vor
hang: wir befinden uns wieder in Lutter’s Weinstube,
ganz wie am Schlusse des ersten Actes.
ringt von seinen Zuhörern, hat auserzählt, die Studenten
intoniren noch einmal ihren Trinkchor. Die kokette Sängerin
hafter Mensch, kommen mit einander aus dem Theater.
schmeichelnd an diesen, der sie aber zurückstößt und „dem
bleibend, wird
von einer auftauchenden Muse getröstet und zu unsterb
lichem poetischen Schaffen aufgemuntert. Ende.
Eigentlich war uns, wie ich erwähnte, die Erzählung
von drei Liebschaften
zweiten Act mit dem Automaten
mit der Sängerin
bach
spielt und von der schönen Sünderin
Dieser vierte Act wird wie in
weggelassen. Seltsam, wie das ganze Stück, ist gewiß der
Umstand, daß der Ausfall eines Actes den dramatischen
Zusammenhang keineswegs alterirt; es könnten ebenso gut
zwei Acte hinzugefügt, als einer weggenommen werden.
Die Grundlage dieser Oper bildet nicht sowol eine
organisch entwickelte Handlung, als ein Potpourri aus
um einige Scenen verlängern oder kürzen. Keine Frage,
daß gerade das Sprunghafte, Willkürliche in diesem
Libretto, sein traumhaftes Durcheinander von wirklichen
Personen und gespenstischen Erscheinungen die Stimmung
beklemmende Nebel in diesem dritten Act ist ganz derselbe,
welcher bei der Lectüre
dichter und dichter um uns schlingt, bis wir schließlich
nicht mehr unterscheiden können, was Wirklichkeit und was
Hexenspuk sei. Auf den ersten Blick glaubte ich, der dritte
Act mit dem unbegreiflichen Dr.
Porträt und der sterbenden
hätte verständlicher motivirt werden sollen — nachträglich
gewann ich die Ueberzeugung, daß Absicht war, was ich
für Unvermögen gehalten, und daß die Autoren wirklich
dasjenige erzielen gewollt, was sie erreicht haben: das
wilde, berückende Traumgetümmel der
Phantasiestücke.
Von der Musik
sein, überrascht in günstigem Sinne. Sie streift selbst in
ihren schwächeren Nummern weder an den nachlässig schleu
dernden noch an den ausgelassenen frechen Vaudevilleton,
welchen
anschlägt. In ihren besten Momenten erreichen „
d’Hoffmann
und dramatische Verve, wie wir sie früher nur vereinzelt
und ausnahmsweise bei ihm fanden. Daß sich
gerade diesem Stoff leidenschaftlich hingab, erscheint seinen
Freunden nicht so unerklärlich.
hat stets einen starken Reiz auf
letzten Jahren sah der Arme selber aus wie irgend ein
durchsichtig blasser, schwermüthig lächelnder Geist aus den
„
Werthvolleres zu hinterlassen, was den verbleichenden
Glanz seiner „Bouffes“ überdauern, von ernsterem
Können und Wollen Zeugniß geben sollte, hatte
ihn auch gegen das Ende seiner Laufbahn er
griffen und immer heftiger bedrängt. Während er seine
Operetten in kürzester Zeit mit fabelhafter Leichtigkeit hinwarf
und, gedrängt von den unersättlichen Theater-Directoren,
den ersten Act einer Novität schon auf der Bühne probiren
mußte, bevor er den letzten zu componiren angefangen,
gönnte er seinen „
auszureifen. Er widmete dieser Partitur seine besten Muße
stunden, feilte und besserte immer wieder daran, bis ihm
der Tod das Notenpapier unter der Feder wegzog. Das
Werk lag, bis auf einige Lücken in der Instrumentirung
fertig da und wurde im Februar
der Opéra Comique mit großem Erfolge aufgeführt.
bach
befangener als ehedem begannen nun die
unter denen
urtheilen. Es ist bemerkenswerth, daß einer der angesehensten,
strengsten Musikkritiker
von
seinen Bericht über „
des Débats
— schrieb ich vor einigen Jahren — daß jemals ein be
deutendes Werk aus der Feder hervorgehen werde, welche
die Excentricitäten des „
geschrieben hat. Ich sehe nun, daß ich mich ge
täuscht habe.“
Ist nun dieses letzte Werk
bestes? Ja und Nein. Sein bestes in dem Sinne, wie —
um einen höheren Vergleich zu Hilfe zu nehmen — „
helm Tell
ist doch noch besser. Musikalisch bedeutender und reiner
sind „
gänzlich diejenigen Elemente, in welchen sein eigenartiges
Talent unumschränkt waltete: Komik, parodirender Witz
und ausgelassene Fröhlichkeit. Wenn zum Meister macht,
was Keiner uns nachmachen kann, was ganz unser Eigen
ist, so ist
spiele und Possen, durch die „
„
zessin von Trapezunt
Melodie, diese unwiderstehliche Heiterkeit und Komik, dieser
nur
auf einen den zweiten Act leicht erhellenden Schimmer in
den dämonischen „
andere, ohne Frage ernstere Vorzüge, welche uns in
bach
originell, geistreich mit einem Stich ins Bizarre, der aber
hier nicht fehlen durfte; der dramatische Ausdruck wahr
und stark, die Instrumentirung bei großer Einfachheit von
bezauberndem Wohlklang. Im Ganzen also ein merkwür
diges, in seiner Art alleinstehendes Werk, das uns bald
erfreut, bald aufregt, immer interessirt, niemals langweilt.