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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Abwechslungsreiche Programme mit glück
licher Mischung von Altem und Neuem hat uns Director
Hellmesberger bis jetzt geboten. Diesmal
Jenen willig den Ehrenplatz gönnt.
(dem Andenken Nikolaus
sätzig und von großer Ausdehnung. Auf ein Allegro
patetico in E-moll folgt in gleicher Tonart ein sehr rasches
Scherzo in Drei-Achtel-Tact, ein Larghetto amoroso in
C-dur, an dessen verhallenden Schluß sich ein munteres
Rondo in E-dur heftet. Eine eigentliche „Cadenz“ alten
Brauches fehlt in
Eine große Bravour-Cadenz nennen könnte. Das äußerst
brillante Stück wird überall interessiren und gefallen, wo
sich Jemand findet, der es spielen kann.
treffliche Virtuosität hat im Philharmonischen Concert einen
neuen großen Triumph gefeiert. Es war des Beifalles
kein Ende.
Es fügt sich hübsch, daß gerade jetzt, gleichzeitig mit
seinem neuen Concerte,
der berühmte Virtuose den noch unbekannten Schriftsteller
dem Publicum vorstellt. „ Meine Welt“ betitelt sich
Aufs Gerathewohl schlagen wir das Buch auf, am
Schlusse der Einleitung — da hat der Verfasser schon unser
Herz gewonnen. Durch die Worte über seine
„Mein ganzes Leben,“ schreibt er, „stand unter dem ver
edelnden Einflusse meiner
mütterliche Fürsorge haben als leuchtender Stern mich
auf all meinen Wegen begleitet! Man wird mich
daher nicht der Ueberschwänglichkeit zeihen, wenn mein
dankerfüllter Blick oft und lange an diesem theuren
Bilde haften bleibt. Denn es lebt ja nicht nur in meiner
Seele; der Gnade
Besitz, an dem ich mit jeder Faser meines Herzens hänge.
Komm’, meine
durch dieses Buch Arm in Arm weiterwandern!“ Die
eine der besten Pianistinnen, widmete sich bald dem Unter
richte ihres Söhnchens, dem das Ueben eine Qual, das
Clavierzimmer „eine Folterkammer“ war. Wie so manchem
später berühmt gewordenen Virtuosen und Componisten!
Mußte doch der junge
Eselein“ zum Clavier gezerrt werden! Was die brave
Frau anfangs zum Vergnügen (wie wir gesehen, nur zu
ihrem Vergnügen) gethan, Clavierunterricht geben, das
mußte sie bald in bitterem Ernst, aus Noth.
bankerott. Der Hausstand mußte auf das Noth
wendigste beschränkt, das schöne eigene Haus mit einer
kleinen Miethwohnung vertauscht werden. Da greift die
zu geben, und wird bald eine der gesuchtesten Lehrerinnen.
Capelle eines
— gegen den Sold von jährlich 52 Thalern! Immerhin
noch besser, als der junge
seiner musikalischen Gleichgiltigkeit wird
wie durch ein Wunder aufgerüttelt. In einer größeren
Abendgesellschaft, und bald nachher in einem öffentlichen
Wohlthätigkeits-Concert muß er sich zum erstenmale produ
ciren. Der rauschende Beifall, der beglückende Widerhall
seines Spieles in den Herzen der Zuhörer macht ihn be
herzt und glücklich. Von nun an kennt sein Eifer, sein
Fleiß keine Grenzen.
Eine ernüchternde Abkühlung bleibt nicht lange aus.
Sein Gymnasialzeugniß mit der Specialnote: „Das
öffentliche Auftreten
der Ober-Schulbehörde nicht gestattet.“ Die nächsten
Sommerferien benützten Mutter und Sohn trotzdem zu einer
improvisirten Tournée durch verschiedene Badeorte. Aber
sowol in den Ostseebädern, wie in den beliebtesten Sommer
frischen des
spärliche Ernte deckte kaum die Reisekosten. Dieses Miß
geschick, das ihn noch jahrelang unter allen Himmels
strichen verfolgt hat, entlockt dem jungen Künstler kein
Wort der Verwunderung oder Empörung. Er findet es
begreiflich, daß unbekannten Größen überall mit Miß
trauen begegnet wird. „Aus Mitleid besucht Niemand
Concerte, am allerwenigsten ein Badepublicum, und der
Verdacht, daß Jemand seine Kunst übt, weil er es nöthig
hat, ist schon genügend, dasselbe zu verscheuchen.“ In
hörern. „Wenigstens,“ schließt er mit gutem Humor, „hatte
dieses Trauerspiel das Gute, mich heute noch dieser Pro
duction vor 14 Köpfen rühmen zu können. Tiefer bin
ich nicht mehr gesunken!“ Und dennoch möchte er die Er
innerung an jene Zeit trüber Erfahrungen und bitterer
Enttäuschungen um keinen Preis missen!
Das Jahr
punkt in Rubinstein concertirt
an meinen Bruder in
Alles lernen, was überhaupt gelernt werden kann.
Genial muß er dann später durch sich selbst werden.“
Also auf nach
Musik zu widmen. Des Latein und Griechisch war er ohnehin
längst übersatt.
Bruder
Aber nun drohten neue Schwierigkeiten! Woher die Mittel
für die Reise nach
des Lebensunterhaltes erlangen? Eine in
güterte Freundin von Frau
Freistelle am
Ausrüstung und nothwendigsten ersten Bedürfnisse sorgte
ein Consortium von Wohlthätern in
Hochburg der werkthätigen Menschenliebe“!
Die Mittheilungen über Nikolaus Rubinstein,
armen Jungen gegenüber das weiche empfindende Herz des
Meisters leuchtend zu Tage. Er erkundigt sich genau nach
dem Vorleben und den Verhältnissen
Bestand seiner Börse, welcher auf knappe 40 Rubel, kaum
ausreichend für die Bedürfnisse des ersten Monats, zu
sammengeschmolzen war. Auch
vor Rührung nämlich, als ihm
Portemonnaie zur Verfügung stellte.
Jeden Wochentag von 2 bis 4 Uhr ließ der Meister
seine Schüler antreten. Nach einem zweiten, besser ge
glückten Examen wurde
genommen, unter der ausdrücklichen Clausel, beim ersten
selbstverschuldeten Anlaß wieder an die Luft gesetzt zu
werden. Nur wenige Schüler fanden Aufnahme. Von etwa
400 Conservatoristen durften blos 15 sich rühmen, Rubin
steinianer zu heißen. Diese mußten täglich von 2 bis
4 Uhr sich einfinden, jeder darauf gefaßt, an die Reihe
zu kommen. Sie Alle konnten durch Zuhören profitiren
und dabei die ganze Clavier-Literatur kennen lernen.
Jedes Clavierstück pflegte der Meister einmal selbst
vorzutragen. Seine Beherrschung des in diesen Lehr
stunden verarbeiteten Materials war geradezu fabel
haft: der große
zwanzig historischen Concerten damit fristen können.
ist überzeugt, daß Nikolaus
gleichen nicht gehabt — auch schwerlich so bald finden werde.
Nicht etwa eine bestimmte, von ihm erdachte Methode war
es, sondern die magnetisirende Macht seiner Persönlichkeit,
die Gabe, sein tiefgehendes Wissen auf Andere erfolgreich
zu übertragen. Jedes Talent erfuhr bei ihm eine völlig
individuelle Behandlung. Gleichwie die Fingersätze, je nach
Beschaffenheit der Hand, total verschiedenartig von ihm
notirt waren, so richtete sich auch seine Unterweisung immer
nach dem technischen oder geistigen Vermögen des Be
treffenden. N.
Anbeginn auf die wichtige Fährte zielbewußten Stu
diums zu bringen, in der Ueberzeugung, daß man in vier
denkend verbrachten Stunden mehr lernen könne, als
Andere in ebenso viel Tagen. „Qualität, nicht Quan
tität des Uebens entscheidet,“ pflegte er zu ermahnen
„vier Stunden täglich, gleichmäßig auf Vor- und Nach
mittag vertheilt, genügen vollauf. Mit maschinenmäßiger
Fingerarbeit wird nichts erreicht, höchstens riskiren Sie
dabei, das bischen Geist und Verstand, das allenfalls noch
in Ihnen steckt, gänzlich zu tödten.“ Nikolaus
ward von seinen Schülern aufrichtig verehrt, so hart, ja
barbarisch er sie mitunter behandelte. Auch der junge
dem trachtet er nach Möglichkeit, den Despotismus seines
Meisters zu entschuldigen und pathologisch zu erklären.
Wein, Weib und Kartenspiel hatten dessen Riesennatur
allmälig untergraben. Wenn er die Nächte am Karten
tisch verbracht, Tausende und Abertausende von Rubeln
der Spielwuth geopfert hatte, dann entlud anderen Tags
sein Grimm sich nur zu oft gegen seine Schüler. Dann
war ihm nichts mehr heilig, selbst nicht der herrliche,
meterlange Haarzopf der jungen Pianistin
er einmal bei einem fehlerhaften Vortrage so lange als
Glockenzug benützte, bis die Arme in Thränen ausbrach.
Nach Neujahr
Aussehen. In gebückter Haltung, aschfahl und verschleierten
Blickes trat er in seine Classe. Man erzählte, er sei nach
einem galanten Abenteuer das Opfer eines rächenden Ueber
falles geworden. Dennoch hofften seine Freunde, völlige
Abgeschiedenheit an einem sonnigen Ort der
dem Schwerkranken Heilung bringen. Auf langsamer, wieder
holt unterbrochener Reise gelangte
Bei
länger verweilen zu dürfen, weil sie, musikalisch besonders
inhaltsreich, für Clavierspieler einen reichen Schatz von
Beobachtungen birgt. Viele Leser dürften die zweite
größere Hälfte des
farbenreicher finden: seine Kunstreisen in
reich
Leuten in der
rika
und hohen Aristokratie. Rühmenswerth erscheint mir, daß
als seine Erfolge sich steigern, sein Ansehen wächst. Was
er beobachtet und erlebt, wird ihm fortan wichtiger, als
was er selbst leistet.