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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Das alljährliche „Nicolai-Concert“
der Philharmoniker bescheert uns jederzeit Neues und
Interessantes. Im vollen Sonnenlicht des Schönen, nicht
blos Interessanten, strahlte
„
und der Hochzeitsmarsch entfesselten, unter
Leitung wundervoll gespielt, einen Beifallssturm, der, falls
wir richtig gesehen, nicht blos von alten Herren ausging.
Einige Wortführer der musikalischen Secession, für welche
die lebendige und lebenswürdige Musik erst etwa von
Schweigen verharren und ihren Applaus für den „
WildfangHochzeitsmarsch folgte, klang zugleich wie ein Huldi
gungsgruß für die neuvermälte
Gespannte Erwartung harrte der zwei Stücke („Ouver
türe“ und „Walzer“) aus Siegfried Wagner’s
sei? Von den zwei Orchesterstücken fühlte ich mich wenig
erbaut. Aufschluß über den Inhalt der Oper gibt uns ein
lobtriefender Artikel, welcher in dem Concertprogramm
merkwürdigerweise „auf ausdrücklichen Wunsch des Ton
dichters“ abgedruckt ist. Darin wird uns gesagt, daß „die
Ouvertüre, eigentlich eine symphonische Dichtung, nur
die Eine Seite des Dramas, die politische, wieder
gibt“! Wie der geschwätzige Verfasser uns weiter belehrt,
beginnt die Ouvertüre „mit dem Thema des Königthums
von
Stämmen ausgebildeten und festgewurzelten Vorstellung
von einer nicht durch Menschenhand errichteten, sondern
durch göttlichen Willen eingesetzten Gewalt auf Erden.“
In ähnlichem Schwulst wird uns die Ouvertüre weiter
ausgelegt, bis zu der von
Entrücktheit" des Helden. „In
die Gedanken, die Joseph den Zweiten und
Die Erfolge Siegfried
seltsam als ermuthigend. Wie heißhungrig haben nicht alle
Oper gegriffen! Dem „
National-Neugierde entgegen. Aber nach wenigen Auf
führungen hatte der „
wie überall. Mit dem „
schon Zeit; er erregte nur mäßige Neugierde, obgleich die Berichte
über die
schritt nach dem „
ich vom „
der jüngsten Concert-Aufführung, kann ich an einen wesent
lichen Fortschritt kaum glauben, denn dieser müßte nicht
blos im rein Technischen liegen, das der Componist sich ja
merkwürdig schnell und tüchtig angeeignet, sondern im
Reichthum und der Originalität der Erfindung. Diese
erscheint mir noch immer so dürftig und gequält,
daß mir
einflößt. Gerne will ich von der Zukunft mich eines
Besseren belehren lassen und dann ehrlich Pater peccavi
sagen. Eigentlich ziemte dieses „Pater peccavi“ zuerst Herrn
Sache verstand und die Fähigkeiten seines Sohnes am
besten kannte, hat ihn ja ursprünglich zum Architekten be
stimmt. Der Sohn hätte folgen sollen; selbst wenn er
wirklich Erbe des väterlichen Talentes geworden wäre.
Denn überragen, nicht blos erreichen, mußte er den Vater,
wollte er nicht durch den Vergleich zu Schaden kommen.
Aber ein Talent erbt sich überhaupt nicht wie ein Haus
oder ein Vermögen. Diese Meinung eines Einzelnen wird
Siegfried
stürme im letzten Concert, die endlosen Hervorrufe, die
riesigen Lorbeerkränze, womit man den Componisten des
„
Richtung nur bestärkt haben. Allzu großen Werth
wird er freilich Huldigungen nicht beimessen, die doch vor
nehmlich einer schönen, wohlgegründeten Pietät entstammen.
An ihrem letzten Kammermusikabend hat Frau
Soldat-Röger allein gegeigt. Ist doch ihr Damen
führte wie die allerdings spärlich gesäten Gesangstellen.
Am ergreifendsten wirkte das Adagio in Cis-moll, eine
Ciaconne mit fünfzehnmaliger Wiederholung des Baß
themas, über welchem die sinnreichsten Combinationen
sich zwischen Clavier und Violine ablösen. Noch un
mittelbarer, weil moderner, hat Hermann
selten gelangen die Compositionen dieses sehr begabten,
gründlich gebildeten, nur überbescheidenen Künstlers vor
die Oeffentlichkeit. Von reicher harmonischer und contra
punktischer Kunst und charaktervoller, mitunter nur zu
herber Eigenart, verlangen
mehr als blos oberflächliches Aufmerken. Wie sehr solch
thätiger Antheil dem musikalischen Hörer sich lohnt, bewies
die überaus warme Aufnahme, welche
Sonate
ohne Scherzo) zeigt uns den Componisten auf der Höhe
seines künstlerischen Vermögens. Gleich der Anfang wirkt
mit zwingender Kraft; das packende, gestaltungsfähige Thema
gehört zu den glücklichsten Einfällen. Auch leidet dieser
Satz (wie die ganze Sonate) nicht an allzu großer Länge,
wie sie andere Werke
ist das Adagio mit seinen überraschenden Modulationen
von bedeutender Wirkung. Der sich lange sträubende Com
ponist mußte schließlich doch mit Frau
Pianisten Herrn Borwick wiederholtem Hervorruf folgen.
Dem wohlthätigen Verein „Settlement“ (Volksheim)
galt das Concert, welches Frau Olga
am letzten Freitag veranstaltet hat. Die Sängerin war dem
heiratung bekannt, als treffliche — Clavier-Virtuosin. Dem
überquellenden Gefühlsleben der schönen jungen Russin
scheint das Clavier nicht nachhaltig genügt zu haben; es
mochte nicht länger durch Elfenbeintasten und Stahlsaiten,
sondern unmittelbar aus dem Innersten der Seele sich
kundgeben. Wäre nur in der Kunst nicht jeder neue Vor
theil zugleich an eine Einbuße gebunden! Die Pianistin
konnte sich ein Clavier von stärkerem oder schwächerem
Schall, von hellerer oder dunklerer Klangfarbe auswählen;
die Sängerin muß mit dem Instrument auslangen, das
die Natur ihr verliehen. Und diese zarte, überzarte
Stimme der Frau Olga
tragfähig genug für den Concertsaal. Im virtuosen
Coloraturgesang vermag eine Filigranstimme immerhin
durch den Glanz der Passagen, Sprünge, Trillerketten zu
wirken. Nicht diese Specialität jedoch, sondern den Lieder
vortrag hat Frau Olga
müssen die Tonschwingungen jedenfalls stark genug
sein, um die Gemüthssaiten im Hörer in Mit
schwingung zu versetzen. Im Familienkreis und im Salon
wird die von ihrem Namensvetter Gustav
anmuthige Sängerin ohne Zweifel einen größeren Erfolg
erzielen als im Concertsaal. Frau Olga
ihr Concert mit der G-moll-Arie der
„
sch
pathetischen Vortrag, war also im vorliegenden Falle keine
besonders glückliche Wahl. Ebensowenig
„
lebendig in der Empfindung und Intelligenz der Sängerin,
aber die Resonanz im Zuhörer bleibt aus. Dieser empfängt
als seine zarte Bleistiftzeichnung, was der Componist —
und mit ihm gewiß auch die Sängerin — in kräftig
hellen Farben empfunden hat. So wirkte denn Frau Olga
sinniges Gemüth und geistvolles Verständniß angewiesenen
Liedern, wie Mendelssohn’s „
Schließlich haben wir noch einige Worte über das
zweite Gesellschaftsconcert nachzutragen. Da herrschte aus
schließlich die Trias: Bach,
gesungen, stellen
Intonation und stylistische Schulung die höchsten Anfor
derungen; ganz besonders das jetzt zum erstenmal
gebrachte Stück: „
Chorkörper, der sich an das Werk wagt. Ohne Halt und
Unterbrechung rollt es in einem einzigen langen Satze
dahin; ein athembeklemmender contrapunktischer Wettlauf
der Singstimmen, die oft selbstverleugnend sich als instru
mentale Orgelstimmen fühlen müssen. Solche Unerbitt
lichkeit des polyphonen Princips macht oft den eigenthüm
lichen Eindruck: diese hundert Sänger scheinen mehr
singen zu müssen, als singen zu wollen. Ein Strom ohne
Dämme reißt sie mit. Wunderbar ist der Aufbau des
Werkes: der doppelchörige Satz mündet in die
Lieblingsform der Chorphantasie; über drei fugirenden
Unterstimmen schwebt im Sopran die innige Weise des
Chorals; und diese vier Stimmen des Schlußabschnittes
erweisen sich stärker, gewaltiger als die acht des Anfanges.
Die hingebungsvolle Andacht des von Herr
dirigirten „Singvereins“ schien nur sehr theilweise sich auf
die Hörer übertragen zu wollen. Wärmeren Antheil
weckten drei Chorstücke von Brahms. Eines davon,