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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Eigentlich eine einactige komische Oper mit
unverhältnißmäßig großem Apparat und großen Absichten.
Ein Ereigniß, für das die
im Dienste der modernsten musikalisch-dramatischen Er
scheinungen auch schon die Formel gefunden haben: wir
stehen tiefbewegt vor der Allianz zwischen musikalischer
und literarischer Moderne. Bereits flammen in den ver
einten Heerlagern kleine Freudenfeuerchen auf, die sich an
dem Sonnwendfeuer des „Singgedichtes“ entzündet haben.
Dieses selbst ist einer
Sie erzählt von einer spröden Schönen, welche den wer
benden Liebhaber in einem Hängekorb dem Spotte preis
gibt. Dem Gekränkten schafft ein alter Zauberer Genug
thuung. Auf sein Geheiß erlischt alles Feuer in der Stadt
und jeder Insasse muß sich seine Fackel an dem entblößten
Rücken des Mädchens anzünden. Vielleicht hätte der
groteske Märchenstoff mit seinem alten Motiv der be
straften Sprödigkeit gerade ausgereicht für einen herz
haft naiven Schwank. In „
barmherzig gedehnt und „vertieft“. Zunächst übersiedeln
wir aus dem
Auch begeht man da „das schöne Fest Johannistag“ mit
loderndem Sonnwendfeuer. Das Volk durchzieht festlich die
Straßen der Stadt.
da bekrittelt, unverstanden. Er besitzt Zaubergewalt, wie es
heißt. Eine herumziehende Kinderschaar, die Holz für das
„Subendfeuer“ sammelt, pocht den Träumer aus dem
Haus. Er gibt gleich zum Verbrennen sein ganzes Hexen
haus her, das er von seinem Meister geerbt. Da erblickt
lein; sie ihn! Sie verschauen sich in einander wie
und der
manchem Andern auch den modern vertieften Renaissance-
Menschen, den schrankenlosen Individualisten zu verkörpern
hat. Er stürzt vor aller Welt auf
sie. Das nehmen die alten rückständigen Münchener übel.
Auch
eigentlich Münchener „süßes Mädel“. Als das
Sonnwendfeuer aufflammt, naht
mit heißen Anträgen.
einem brünstigen Liebesduett; der Korb functionirt, der
den Geliebten zum Söller emporheben soll. Auf halbem
Wege läßt ihn
dringt spöttisches Geflüster, höhnisches Gelächter an das
Ohr des Enttäuschten. Da regt sich der Magier in
rad
nicht aus dem Korbe heraushelfen kann, die Macht, dem
Feuer zu gebieten. Unser Beleuchtungstechniker stellt die
gute Stadt
Wehklage, Verwünschungen. Die ärgste Strafe folgt aber
noch.
lange Bußpredigt. „Warum ich’s gethan, künd’ ich euch
frei. — Denkt euch die Deutung dabei“ — schickt
voraus und beginnt nun „ernst und groß“. Ein paar seiner
artigen Verse muß man hersetzen:
Wagner aus dem Thor —Strauß.Wolzogen mannige wackere Leut’,
Wie die alten Maler auf manchem Bilde ihre eigenen
Züge, haben hier Dichter und Componist neben dem
heiligen Namen
ihrem Werke angebracht. Zu Ende seiner Standrede
appellirt
Weibliche. „Das lautere Feuerelement minnige Mädlein
sind.“
„des Meisters echter Sproß“ bewähren, wenn sich ihm
das begehrte Weibliche in freier Liebe hingibt. „Aus heiß
jungfraulichem Leibe einzig das Feuer euch neu entflammt!“
Die Rede
Münchener bekehren sich zur freien Liebe. Jung und Alt,
Männlein und Weiblein. —
Beispiel väterlicher Toleranz mit drunter — dringen in
die Spröde, sich dem Volkswohl zu opfern. Die gut
gelaunten Autoren von „
Volk — Vater
im Zuschauerraum, der rettenden That harren, der
sich
mezzo à la „
gebetet wird. Schwüle, ausdrucksüchtige Musik malt, was da
hinter den Coulissen in der Kammer
Im entscheidenden Moment, „als die Steigerung im
Orchester ihren Höhepunkt erreicht hat“, flammen mit
einem Schlage sämmtliche Lichter auf. Denkt euch die
Deutung dabei! „Die Männer lachen verschmitzt, und die
Frauen verstecken verschämt ihre Gesichter in Händen und
Gewanden“, lautet die dazu gehörige scenische Anweisung.
Sagen wir es kurz: diese Vorgänge haben nichts von
freier lachender Sinnlichkeit — sie sind einfach obscön.
Die Bühne hat auch ihre ungeschriebene Lex Heinze. Den
Freiherrn vom Ueberbrett kümmert sie wenig. Herr
v.
artistischem Wortgebimmel und stammelndem
schwulst seinen Mann. Kurz, Stimmung bis zur Ver
stimmung neben dem forcirten Humor des „bunten Theaters“.
Ueber die Musik will ich mich nur kurz aussprechen;
kurz, aber nicht gut. Bei aller Hochschätzung der blenden
den technischen Kunst und der geistreichen, liebenswürdigen
Persönlichkeit des Componisten, muß ich doch unumwunden
meinen Totaleindruck von seiner Oper bekennen: quälende
Langweile. Nicht die arglose milde Langweile, die uns
sanft einnicken macht, sondern jene schlimmere, auf
reizende, insultative Langweile, welche den zeitweilig Ein
nickenden sofort aufgepeitscht, wie dies als eine beliebte
Folterqual früherer Jahrhunderte in Uebung gewesen. Ich
erinnere mich keiner Oper, die mit solcher melancholischer
Schwere mich bedrückt und gleichzeitig mit so nerven
peinigender Unruhe gestachelt hätte. In älteren lang
weiligen Opern gab es doch immer ein Lied, ein Duett
oder Terzett, woran man sich entschädigen und erquicken
konnte. In „
wir gnadenlos ohne Ruhepunkt durch einen unnatürlichen,
von tausend Orchester-Effecten übertäubten formlosen Sprech
gesang weitergeschleppt. Taucht hin und wieder ein freund
liches Melodienköpfchen auf, so wird es nach zwei oder
drei Tacten unbarmherzig abgeschlagen und in der Fluth
der Modulationen und Orchester-Combinationen ertränkt.
Die kritischen Feuernothhelfer verweisen uns zwar auf
dieses oder jenes winzige Melodiechen, das wir als
Leser gewiß nicht übersehen haben, das aber das
Publicum bei der Aufführung überhört. Unser Ohr ist eben
kein Magnet und die Melodiechen keine Eisenfeilspäne.
Die neuesten
die Melodie, ungefähr wie gebrechliche Greise das Jungsein
verachten. Sie stehen allgesammt nicht etwa unter dem
Einflusse von
kann, sondern unter dem tödtlichen Drucke der sklavischen
und genial war, das können sie nicht nachmachen, also
verlegen sie sich auf das Copiren des Nebensächlichen,
mitunter Manierirten und Ermüdenden. Richard
zählt zu den unbedingten Wagnerianern; in „
begegnet er sich, schon im Stoffe, vielfach mit den „
singern
entferntesten die einheitliche Form, den selbstständig
melodiösen Reiz aufwiese, der uns in
den Volksscenen des dritten entzückt? Solch freigewachsene
duftige Blumen lassen sich eben nicht durch Reflexion nach
schaffen, nicht einmal in Leder und Papier. Einer Oper,
welcher die singende Seele fehlt, ist nicht zu helfen. Auch
nicht durch all die subtilen oder grandiosen Orchesterkünste,
welche Richard
Eine einactige komische Oper wie „
diesem schweren, schleppend-feierlichen Styl gleicht einer
Hütte aus Marmor. Und der stylistische Grundfehler ist bei
Sucht nach Ueberladung und Complication. Tact für Tact
gibt es saure motivische Arbeit, Häufung von unruhigen
gewaltsamen Modulationen, jähen Klangfarbenwechsel, ge
suchte Ausdeutungen des Textwortes. „Unter den ge
fährlichen Nachwirkungen Lebendigmachenwollen um jeden Preis eine
der gefährlichsten; denn blitzschnell wird es Manier, Hand
griff“, heißt es in einem Briefe Nietzsche’s. R.
aufzählen, die hier unterschiedlos in der Monotonie der
Einen sauren Milchstraße aufgehen?
Dramatiker von Geburt. Der breite epische Schilderer, der
sich gerne in Seitenpfade verliert, schlägt vor.
kein eminenter Theatraliker wie
selber agirte mit und in seinen Personen. Er erscheint uns
mehr wie ein Vorleser mit
letzten Sinn für dramatische Maße vermissen wir. Welch
maßlose Zerdehnung dieses einen Opernacts! Ja, bei
sehen wir den neudeutschen dramatischen Styl beinahe schon
ad absurdum geführt. Die Tyrannei des Orchesters beginnt
bereits auch das dramatische Princip zu bedrohen.
Von der Aufführung der Novität, welche den Sängern
und Instrumentalisten die schwierigsten Aufgaben stellt,
kann man nur mit Bewunderung sprechen. Das Orchester
vollbringt da, unter Director Mahler’s Commando,