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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Dem Tanzcomponisten flicht die Nachwelt
ebensowenig Kränze wie dem „Mimen“. Ja, in unserer
dankbaren Erinnerung leben unsere großen Bühnenkünstler,
die
immer noch länger, als die Walzer aus vormärzlicher Zeit.
Wir erinnern uns kaum der Anfangstacte der aller
berühmtesten, und ihrer Titel schon gar nicht. Und doch
— wie viel Köstliches schufen
nichts kennt, gar nichts mehr zu hören bekommt. Dem
passionirt Tanzenden, der mit einem geliebten Mädchen
den Saal durchfliegt, mag es gleich sein, was ihm dazu
aufgespielt wird, ob es „
heißt, oder sonst wie. Aber wir musikalisch Hörenden
kommen arg zu kurz dabei. Ich habe einmal die Scene
erzählt, wie
pellation an den jüngst verstorbenen Johann
teten, warum man nirgends mehr die reizenden Walzer
von
einmal die ältesten Tanzstücke von
Entschuldigend erklärte dieser, es seien die Verleger, welche
auf die Aufführung der massenhaft producirten Novitäten
dringen, und die Componisten erst recht. Mit dem Axiom
„das Publicum will nur Neues“ glaubt man das bessere
Alte todtschlagen zu dürfen. In dieser Behauptung ist
jedenfalls das „nur“ falsch.
Zu den einst gefeierten, mit
nannten Tanzcomponisten zählte bekanntlich Joseph La
. Seine Musik erklang so ziemlich in der ganzen
Joseph
im
classischen Heim der „
er von dem dortigen Schullehrer Unterricht im Clavier-
und Violinspiel. Mit zwölf Jahren verwaist, mußte er
fortan für sich selbst sorgen. Also die nämlichen armseligen
Anfänge, dieselbe trübe Jugend wie bei
Diese, die Schöpfer des
zwei „Lehrbuben“ aus der ärmeren
der eine zum Buchbinder, der andere zum Handschuhmacher
bestimmt. Ohne regelmäßigen Unterricht, trieben Beide
heimlich auf dem Dachboden ihre verpönten Violinübungen.
Gleich ihnen, versuchte sich auch
Tanzstücken, bis er, achtzehnjährig, seine erste Anstellung
als Geiger bei der
Curcapelle erhielt. Hier in
selbstständige künstlerische Thätigkeit, hier hebt er sie zu
ihrem Gipfel, hier beschließt er sie, ein Greis von achtzig
Jahren. Selten begegnen wir einer so anhaltenden, un
unterbrochenen Seßhaftigkeit eines Componisten und Diri
genten. Nimmer hätte
wäre die kleine Stadt
teste Badeort
nehmer, musikliebender Gäste aus allen Welttheilen
gewesen. Von
einige
Winter in
später folgte er einer ähnlichen dringenden Ein
ladung nach
selnd mit
Dedicationen an die glänzendsten Vertreter der
und
reisen
wirkte er ausschließlich in
trat er nach 48jähriger Thätigkeit von der Direction der
Curcapelle ab, deren Leitung nunmehr sein Sohn
übernahm. Es war ihm noch vergönnt, sein 50jähriges
Dienstjubiläum und seine goldene Hochzeit zu feiern, bevor
er
42. Jahre gestorben,
hat die Beiden fast um ein halbes Jahrhundert über
lebt. Ihm war eine erfolgreiche, lohnende Künstler
laufbahn und ein glückliches Familienleben beschieden.
die Vergrößerung und Vervollkommnung seines Orchesters,
sondern auch den gemeinsam mit Dr. Rudolph
begründeten städtischen Musikverein und die damit ver
bundene Gesangschule. Seine beiden talentvollen Söhne
schickte er zur musikalischen Ausbildung an das
Conservatorium, dann auch zu den
Ferdinand David und Moriz
Joseph
Soll ich die Titel seiner Tänze nennen? Wer könnte sich
dabei etwas denken! Staunen muß ich nur stets von neuem,
daß den Walzercomponisten noch immer unverbrauchte
Namen einfallen für ihre zahlreichen Kindlein. Dazu ge
hört fast ebensoviel Erfindungsgeist, wie für ein neues
Walzerthema. Am häufigsten erscheinen die Frauennamen:
die Sophien-, Louisen- und Marienwalzer u. s. w. Sodann
die geographischen Titel:
spiegel
größte Verbreitung und Beliebtheit haben wol
„
galopp
Worten zu charakterisiren, scheint mir verlorene Mühe —
wer kennt sie denn heute? Im Walzer stand
dem sinnigen und singenden, melodisch weicheren Ton
näher als dem rhythmisch zuckenden Feuer
beste Eigenart steckt in der Polka, dann im Galopp. Wie
der Walzer eine
die sich in verlängerten Rhythmen, pikanterer Harmoni
sirung, reicherer Orchestration kundgeben, treten in
späteren Werken ebenso merklich hervor wie bei
und vollends bei
tactigen Walzerthemen erweitern sich später bei
häufig auf 24 bis 26 Tacte, und die Harmonisirung über
rascht uns nicht selten durch kleine Pikanterien, Disso
nanzen, Gegenbewegungen. Immer jedoch bleibt
melodienreich, anmuthig, natürlich. Im Walzer weniger
blendend und erfindungsreich als
doch
naiv. Seine Tanzmusik bestand die Probe jeder guten
Musik: sie war gesättigt von der anzuregenden Empfindung,
sie versetzte unmittelbar in die beabsichtigte Stimmung,
erwies sich unwiderstehlich in ihrer Wirkung.
band in seine Sträußchen meist fünf bis sechs Blumen,
umgab sie mit einem Blätterwerk von Introduction und
Finale, aus denen recht hübsch die Knospen der Haupt
motive hervorgucken. Mehr als diesen leichten Fluß und
die elektrische Wärme der Melodie gab sein Talent nicht
her — im Anlauf zu höherem Styl (in manchen Intro
ductionen) wurde er, wie Johann
und phrasenhaft.
Heute scheint die Tanzmusik dem Tanze selbst über
den Kopf gewachsen. Sie hat sich vervollkommt, sucht nach
allen möglichen Pointen und Effecten und will etwas für
sich darstellen, während die Tänze selbst entschieden ver
kommen und verflachen. Namentlich die Quadrille scheint
in noble Lümmelhaftigkeit umschlagen zu wollen. Durch
unseren ganzen Bildungsgang zieht ein gewisses nivelliren
des Wesen, das alle Originalität darniederhält, das selbst
auf das Tanzen zurückwirkt und besonders die National
tänze in ihrer sanguinischen Ungebundenheit allmälig
dahinsiechen macht. Diese Tänze verschwinden selbst im
Volke immer mehr oder sie verlieren Zug um Zug ihr
charakteristisches Gepräge, und parallel damit geht die Auf
lösung der Nationaltrachten und Volkslieder. Um so höher
steigt der Werth von Tanzmusiken, welche, wie die
Reiz und die Kraft des echt Volksthümlichen sich erhalten haben.
Vom rein künstlerischen Standpunkte erscheint die Tanz
musik jedenfalls untergeordneten Ranges, indem sie, blos
unterstützende und beigesellte Kunst, zunächst einem fremden
Zwecke dient, nämlich den Tanzschritt mit Tact und
Rhythmus zu begleiten. Wenn die Tanzmusik nicht höher
hinaus will, so thun Castagnetten denselben Dienst. Der Werth
jeder Kunstgattung steigt oder fällt jedoch mit den An
forderungen, die man ihr stellt. Vor mehr als 50 Jahren
schrieb ich darüber ungefähr Folgendes: Unsere Anforde
rung an die Tanzmusik geht dahin, daß sie nicht blos
das Stampfen der Tänzer im Tacte erhalte, sondern deren
Seelenleben verstehe, ihre Stimmung und Leidenschaft
interpretire, steigere, veredle. Der unterste Grad der Tanz
musik hat nur mit den Füßen zu thun, auf höherer Stufe
spricht sie zur Phantasie, zum Gefühl, zum Geist. Um
diese höhere Stufe zu behaupten, wird freilich nöthig sein,
daß sich der Componist von einer blos gymnastischen An
schauung des Tanzes zu dessen geselliger und idealer Be
deutung erhebe. In unserer gebildeten Gesellschaft ist der
Tanz von seiner ursprünglichen Bedeutung längst zu einer
höheren gediehen. Wollte man in demselben nur körperliche
Uebung sehen, so würde man ihn in Turnschulen pflegen.
Unsere heutigen Tanzunterhaltungen, so oft sie auch zur
Caricatur herabsinken, sind und bleiben die Asyle zärt
licher Bedürfnisse und Bestrebungen. Die Musik nun, wie
sie die äußere Bewegung der Tanzenden aneifert, begleitet
auch ununterbrochen all das innere Leben, das sich still
und heimlich in ihnen zuträgt. Gelingt es einer Tanz
melodie, einen Moment dieses inneren Lebens mit jener
Göttermacht zu erfassen, deren die Tonkunst fähig ist, und
singt sie es laut und rauschend aus, was inmitten des
Festes still geblieben, dann hat sie eine schöne Mission er
füllt und kann tief und unvergeßlich in das Herz eines
Menschen hineinwachsen. So wie ein Marsch, ein Gelegen
heitslied oder andere aus äußeren Beziehungen hervor
getretene Kunstformen Gewalt erlangen können über ein
ganzes Volk, wenn sie das Geistige dieser äußeren Be
ziehung stark und wahr wiedergeben, so kann in kleineren
Kreisen ein Tanzstück mit einer physischen Gewalt wirken,
die weit über seinem blos musikalischen Inhalt liegt. Es
bedeutet eine Musik nicht lediglich das, was sie ist, sondern
oft auch das Höhere, wozu sie ist.
Dem älteren Triumvirat
war noch eine glänzende Fortsetzung beschieden in unserem
genialen Johann
ruhmvolle, fruchtbare Aera der Tanzmusik vorläufig
beschlossen, jener Tanzmusik, die nicht blos die Füße im
Tacte erhält, sondern das musikalische Ohr fesselt. Jede
Kunst erlebt solche Perioden zeitweiliger Erstarrung; in
der Musik dämmert sie heute allenthalben. Blicken wir auf
die Oper. Sie fristet sich, von dem einzigen
fast nur mit dem alten Repertoire. Wie wenig ist seit dem
tiges, Bleibendes erschienen! Vergleichen wir damit das
Repertoire der Dreißiger- und Vierziger-Jahre, da
beer
Ambroise
Neuem versorgten. Und in der Instrumental-Musik:
uns denn vorläufig an den Trost, daß gleichzeitig mit dem
Versiegen des schöpferischen Genies die reproducirenden
Kräfte, vor Allem die Orchester, sich erstaunlich vervoll
kommt haben. Auch die Tanzmusiken, die Garten- und
Curorchester wissen davon zu erzählen. Wie kindisch klein
haben
Orchester von fünf bis sechs Mann! Aber der Glanz ihrer
Einfälle siegte über die Dürftigkeit ihrer Mittel. Auch
Jahren mit einem höchst bescheidenen Orchester. Ich selbst
habe ihm noch gelauscht, als ich, ein junger Gymnasiast,
meine Mutter nach
jetzt verlassenen Tempelchen oberhalb des Mühlbrunns;
Nachmittags in dem längst verschollenen „
„
erklangen mir, der ich bei
meilenfern von jeder Tanzmusik aufgewachsen war, als ein
absolut Neues, dem ich mit neugierigem Entzücken lauschte.
Mit der Tanzmusik ließ das Brunnen-Orchester damals
einige wenige ältere Ouvertüren und Opern-Potpourris ab
wechseln. Um den ungeheuren Umschwung zu ermessen,
braucht man heute nur eine der Orchester-Productionen
August
„Posthof“ ein dichtgedrängtes Publicum versammeln. Da
haben wir in diesem Frühjahr nicht blos
hört, sondern auch die schwierigsten modernen Orchester
stücke von
manchem allerneuesten, in
ponisten. Die anderen Curorte des brunnengesegneten
nach:
haben sich längst über die alten mageren Tanz- und Pot
pourri-Programme hinausgeschwungen. In
durfte ich einem Morgenständchen lauschen, das den kunst
sinnigen Bewohnerinnen der Villa des kaiserlichen Rathes
Dr. Fellner dargebracht wurde.
Kehren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt. Die
Stadt
ihres Ehrenbürgers und Ehrenkünstlers, würdig zu feiern.
Ein Porträtmedaillon desselben (von dem
hauer Max
von
um Jare
bringt in der Pfarrkirche eine