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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die dritte Oper, die wir von
zu hören bekommen. Zuerst erschien „ Eugen Onegin“,
Classikern ferngehalten — geschah es aus Pietät oder aus
Klugheit? Wol aus einer Verschmelzung von beiden. An
die „
„
„
Operncomponist gerührt. (
Volksbuch anlehnend, hat mit der
nichts gemein als die beiden Figuren
Im Gegensatz zu uns zeigten die Italiener stets einen be
sonderen Appetit nach
„
bern
„
liches faßte
Die Handlung von
in Kürze folgende:
einige seiner Kameraden erzählen, die gemeinhin „Pique-
Dame“ genannte alte
drei unfehlbaren Karten. In
in ihrem Zimmer zu erringen. Anstatt aber dahin zu
gehen, dringt er sofort in das anstoßende Schlafgemach der
eben vom Ball heimkehrenden alten
bittet er sie um die Mittheilung des Geheimnisses der drei
Karten. Als die
bleibt, bedroht
tödtet die alte Frau. Sie erscheint ihm in der folgenden
Nacht als Gespenst und nennt ihm die geheimnißvollen
Karten: Drei, Sieben und Aß. Er eilt zu
angstvoll erwartet, verläßt sie aber schnell und ungestüm,
um am Spieltisch sein Glück zu erproben.
verzweifelnd in die Newa.
zwei ersten Karten riesige Summen. Bei dem dritten
Einsatze verwandelt sich aber vor seinen Augen das Coeur-
Aß in die Pique-Dame, und das Gespenst der Alten steht
hohnlächelnd vor ihm.
hat, ersticht sich am Spieltisch.
Hält man diesen farbenreichen Operntext ver
gleichend an die äußerst dürftige
muß man die praktische Gestaltung des ersteren hoch an
schlagen. Aus
actige Oper zu schaffen, erscheint dem ersten Blick fast
unmöglich. Dort handeln eigentlich nur zwei Personen, die
eine beinahe so widerwärtig wie die andere: die alte
und
tyrannisch gegen ihre Umgebung und ihre arme Pflege
tochter
Geist;
einzigen Passion, durch Hazardspiel reich zu werden, nicht
etwa um die ihm ziemlich gleichgiltige
sondern — wie es im Original heißt — „um seinen Ab
schied zu nehmen, Reisen zu machen und in den
sälen Fortuna ihren Schatz zu entreißen.“ Nicht um
umlauert er unermüdlich das Haus, sondern um zur
einzudringen und ihr das Geheimniß der drei Karten ab
zulocken. Auch der Ausgang der Geschichte ist bei
nicht so tragisch, wie in der
liebenswürdigen jungen Staatsbeamten:
als Irrsinniger in einem Spital. Der Operntext bringt
diese abstoßenden Charaktere uns merklich näher.
ist von allem Anfang rasend verliebt in
Comtesse und Verlobte eines Fürsten
nahbar erscheint. Der
Charakter, ist von dem Librettisten frei hinzugedichtet.
Desgleichen der leider überhastete schrille Ausklang der
Handlung:
Spiel. — Daß der Librettist, Modest, nicht allzu modest gewesen in seiner Bearbeitung,
Die Musik zur „
Stücken eigenartig und interessant; mehr für musikalische
Feinschmecker als für das große Publicum, das ein gutes
Recht hat, in der Oper stärker bewegt zu werden. Die
Oper verlangt kräftige Farben, mitunter Frescomalerei,
während in der „
stift gezeichnet scheint, bestenfalls mit Wasserfarben. Daß
die Glanzpunkte nur vereinzelt aufragen, bedrängt und
umwuchert von episodischem Beiwerk, verschuldet der Text,
der, wie gesagt, den Erfolg der Composition verrammelt.
Aber das Libretto ist keineswegs allein schuld. Müde und
erschöpft, von Heimweh verzehrt, schrieb
nieder, zwölf Jahre nach seinem „
Die enthusiastische Aufnahme, welche
ersten Aufführung der „
weniger dem Werk, als der Persönlichkeit des Com
ponisten, dessen fünfundzwanzigjähriges Künstler-Jubiläum
mit dieser Première zusammenfiel. Bald darauf verschwand
„
nur annähernd die Wirkung von „
Hier wie in allen seinen größeren Werken erscheint
ungleich; auf einfache, beinahe einfältige
Strophenlieder und Tanzstücke folgen einzelne Blitze seines
ganzen Talents. Ueberall bleibt er jedoch Er selbst,
entlehnt nicht, copirt nicht, „ihm ist der Schnabel hold
gewachsen“. Er citirt nicht
Vielmehr hält er sich unberührt vom
dem heute neun Zehntel unserer
zum Opfer fallen, indem sie, ihre bescheidene Eigenart
krampfhaft verdrängend, lieber
Die musikalisch hervorragenden Stücke der Oper sind
bald aufgezählt. Im ersten Act eine ziemlich ausführliche
Kinderbelustigung im Freien, munter, doch nicht originell;
dann
schlichten, gut erzählendem, zuletzt gesteigerten Balladen
ton. Wiederum folgen Scenen, die, mit der Handlung
kaum verknüpft, durch schlichte melodiöse Musik ansprechen:
das Frauenduett in G-dur, noch mehr der Chor von
Gespielinnen: „He, Maschenka komm’ zur Linde“ mit
seinem erfrischenden Volkston. Das nun folgende Liebes
duett zwischen
günstige Situation zum glänzenden Höhepunkt der Oper
wie geschaffen, findet leider den Componisten matt und
erfindungsarm. Im zweiten Act singt
tigam, der
Es-dur, mit welcher Herr Demuth den stärksten
zimmer der alten
Orchestervorspiel in Fis-moll, dessen unheimlich klopfende
Sechzehntel-Figur sich über hundert Tacte fortspinnt, leitet
den nur allzu redseligen Monolog der
ihre einstigen Triumphe zurückruft und mit einer zopfigen
Romanze von
Beschwörung „Haben Sie jemals die Liebe gekannt“
schmückt die aufregende Scene, die mit dem Tode der
Stube. Daß wir uns in der Kaserne befinden, sagt uns,
geistreich anspielend, ein wiederholtes Trompetensignal, das
sich von draußen in die düsteren Es-moll-Trauerklänge des
Orchesters mischt. In der folgenden Scene findet
ausdrucksvolle, leidenschaftliche Töne in ihrer Arie und
dem Duett mit
matisch zugespitzt als musikalisch neu oder bedeutend. Auch
von der Schlußscene am Spieltisch gilt dasselbe; ein
Strophenlied
sich unbedeutend, haben nur die Aufgabe, die schauerliche
Stimmung zu sänftigen, welche mit dem Eintritt des halb
wahnsinnigen
Was neben einzelnen wirksamen Scenen die „
Dame
aber stets charakteristische Instrumentirung. Weniger be
deutend und weniger reizvoll als „
doch die „
interessante Gabe inmitten der gegenwärtigen Opernnoth.
Director Mahler hat die Novität, die er selbst dirigirt,
leidenschaftlicher Handlung und individueller Charakteristik.
Lächerlicheres in einer ernsten Oper haben wir selten gesehen,
als die Erscheinung der jungen
gepuderten Frisur und dem Riesenfaß von Reifrock. Die
Wirkung des Costüms färbt natürlich noch weiter ab, auf
den Charakter der Musik. Bei der Lectüre des Text
buches, wer freute sich nicht auf die Ballscenen des zweiten
Actes, welche Leben und Fröhlichkeit in die düstere
Schicksalstragödie hauchen würden! Was bekamen wir
aber zu sehen und zu hören? Lauter langsame feierliche
Tänze. Zuerst eine traurige Sarabande in D-dur, dann
noch ein Menuett in E und ein endloses Intermezzo. „Die
aufrichtige Schäferin“ von aufrichtigster Langweiligkeit.
Chloë beginnt mit einem Larghetto „Ich habe Daphnis
gern“; dieser antwortet ebenso feierlich; dann kommt Pluto
in gravitätischem Menuettschritt hereinstolzirt, worauf das
schäferliche Liebespaar, abermals im tempo larghetto, ver
kündet: „Wir haben uns gefunden.“ Der Chor bestätigt
in gleicher Gelassenheit: „Sie haben sich gefunden.“ So
ist in der Oper leider die einzige Gelegenheit verpaßt,
uns durch eine Tanzscene von lebendigem Rhythmus aus
dem tragischen Lamento herauszuretten. Spät, aber
um so lieber kehren wir von den Tänzern zu den Sängern
zurück. Die Darsteller der Hauptrollen Frau Förster-
, Fräulein
Auch die heutige Wiederholung der „
erfreute sich zahlreichen Besuches und lebhaften Beifalls.
Neubesetzt war die Rolle Slezak,