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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es mag an dreißig Jahre her sein, daß ich
Liszt unweit der Augustinerkirche begegnete, wo eben
zwischen ihr und seinem Gebetbuche. Er denkt an keine
Kritik. Tondichtern von künstlerischem Ehrgeiz wird dieser
stumme Erfolg selten genügen. Sie wollen aufmerksam,
mit musikalischer, nicht blos mit kirchlicher Andacht gehört
sein. Aus der Kirche streben sie hinüber nach dem
Concertsaal. So ließen in unseren Tagen Rossini und
Wir gelangen endlich an unser Thema:
„
wir vorher eine Reihe von Oratorien genannt, die, un
beschadet ihres religiösen Stoffes, nach dem weltlichen
Concertsaal verlangen, weil ihr Ueberschuß an ästhetischer
Bedeutung, an rein musikalischer Größe und Schönheit ein
Auditorium von Musikfreunden anruft. In
Concertsaal in Anspruch, während es in die Kirche gehört.
Herr
wie unbekannt geblieben, erfreut sich in
richtiger Hochschätzung als Lehrer, Dirigent und Kirchen
componist. Auch das „
Zeugniß für
nung. Weit schwächer dünkt uns seine productive Kraft,
seine musikalische Erfindung. Diese scheint ihm vielleicht
selbst etwas zweifelhaft, sonst griffe er nicht so emsig nach
verschiedenen äußeren Hilfsmitteln. Wir meinen damit
nicht blos die starke Benützung geistlicher Volksmelodien,
sondern noch mehr, Herrn
nach Art der alten Mysterien dramatisch zu gestalten. Er
plante dafür (wie sein Vorwort berichtet) „in einander
gehende lebende Bilder: die Ankündigung des Engels
pantomimischer Behandlung die Hirten auf dem Felde, die
Lichterscheinung, die Verkündigung des Engels, die Hirten
nach
eigentliches „Oratorium“ wollte er das Textbuch ausgestalten.
Daß Herr
können wir nur bedauern. Als lediglich erläuternde, colori
rende Musik würde seine Composition einen harmonischen
Eindruck erzielt haben, den sie für sich allein, als „Gnade
ohne Bild“ nimmermehr erreicht. Der ursprünglichen Ab
sicht des Componisten stellten sich, wie er uns mittheilt,
praktische Bedenken entgegen. Wir hören also sein
Mysteriumohne die geplanten belebenden Illustrationen.
Lediglich auf die musikalische Erfindung gestellt, wirkt es
jedoch abspannend. Fromm, aber musikalisch eintönig und
reizlos, weist dieses Werk mehr nach der Kirche als nach
dem Concertsaal. Den classischen Ausspruch des Abbé
Liszt möchte ich durchaus nicht ungemildert auf
Kaum lohnt es sich, die einzelnen Stücke der Partitur
der Reihe nach zu charakterisiren: sie sehen einander alle
zu ähnlich. Schon in dem „Vorspiel“ fällt die rhythmische
Monotonie auf: immer die gleichen vier oder fünf Viertel
noten ein ganzes Stück hindurch. Wo eine lebhaftere Be
gleitung hinzutritt, bringt sie fast ausnahmslos auf- und
abrollende Tonleitern in Sechzehnteln oder Zweiund
dreißigsteln oder (wie in dem G-dur-Chor „Fröhlich“)
gleichmäßige Triolengänge. Einfach, aber ganz unbedeutend
klingt die Ankündigung des
aufschwingende Melodie; diese Hoffnung wird hier
ebenso getäuscht wie an einer zweiten Stelle, die gleich
falls eine wärmere Erfindung heischt:
Ihr theatralisch declamirender, sprunghafter Gesang dünkt
uns die Worte „Still die Erde, still der Himmel“ eher
zu verneinen, als zu erklären. Mit den heranziehenden
Hirten tritt natürlich die typische, billige Schalmeifigur im
Sechsachtel-Tact in Permanenz. Man vergleiche damit
die liebliche Hirtenmusik in
torium Händel’s „
Also im Ganzen eine achtbare solide Arbeit. Aber
es fehlt das Letzte, das Beste: der Zauber des Unwider
stehlichen. Wir begegnen in
Tausenden von schulgerechten Tacten, aber nicht einem
einzigen originellen. Durch dieses umfangreiche Werk
schleppt sich eine trostlose Armuth an origineller Erfindung.
Dazu überall gleicher Tact und gleiches Tempo, ein lahmer
Rhythmus, der nach Belebung dürstet. Da hilft es wenig,
daß der Componist, etwa zur letzten Strophe eines er
barmungslos in Viertelnoten marschirenden Chors, schließ
lich eine lebhafter figurirte Begleitung setzt. Auch ein
anderes Reizmittel will nicht verfangen: die unerwartet
kühnen
der zweiten Abtheilung, den einförmigen Gesang zu würzen
trachtet. Daß solche musikalische Blutarmuth nicht noth
wendig zu geistlicher Musik gehört, zeigen uns
„
Das protestantische
dings strenger in seinen Ansprüchen, ist doch andererseits
wieder leichter zu befriedigen. Streng gegen weltliche
Sonnenblicke, zeigt es sich um so toleranter gegen den
dichtesten Frömmigkeitsnebel. So mag es denn richtig
sein, wenn der Concertzettel auf die große Verbreitung und
Beliebtheit von
weist. Ich glaube aber nicht, daß
protestantischen Heilsstätten anreihen und je eine Wieder
holung des
Die Aufführung im Gesellschaftsconcert ist nicht schuld
daran. Das Orchester und der Chor (in welchem nur die
Männerstimmen zu schwach besetzt sind) hielten sich tapfer
unter der Führung des Directors Löwe. Die Solo