Musik.
(Siebentes Philharmonisches Concert. — Der neu scenirte „
Tristan“.)
Ed. H. Verschieden in Form, Inhalt und Klangfarbe
präsentirten sich die drei Programmnummern des letzten
Philharmonie-Concerts — eine weit glücklichere Anordnung
als jene des vorletzten Concerts, welches zwei lange Sym
phonien ohne jede Zwischennummer aneinanderreihte. Die
beiden größeren Werke, Tschaikowsky’sE-moll-
Symphonie und Brahms’Violinconcert, sind sattsam
bekannt und seinerzeit hier eingehend besprochen worden.
Tschaikowsky’s Fünfte Symphonie, durch das stärkere Licht
der „Pathetischen“ etwas verdunkelt, theilt mit dieser den
zwischen Melancholie und wilder Verzweiflung wechselnden
düster leidenschaftlichen Charakter. Auch hier lauert wie dort
ein verschwiegenes Programm im Hintergrunde. Zu manchem
befremdenden Vor- und Rückblick fehlt uns der poetische
Schlüssel; der musikalische allein schließt da nicht auf. Die
„Pathétique“ steht gegen die E-moll-Symphonie im Vortheil
reichlich quellender Erfindung und gedrängter Form. Doch wirkt
die letztere stark genug durch ihre melodiöse Frische und Klarheit.
Ihre beiden ersten Sätze haben am meisten überzeugende
Logik, relativ auch den reichsten musikalischen Gehalt. Das
„Walzer“ betitelte Scherzo wirkt freundlich abspannend
nach der Schwermuth der früheren Sätze und macht es
uns leichter, den allzu lärmenden Verzweiflungsausbruch
des Finale zu ertragen. Die E-moll-Symphonie fand
diesmal eine viel wärmere Aufnahme und herzlicheren
Beifall, als bei ihrer ersten Aufführung. ... Es folgte
das Violinconcert von Brahms. Wir verdanken ihm
das Vergnügen, einen der verdienstvollsten classischen
Geiger wieder zu begrüßen: Herrn Leopold Auer.
In Ungarn geboren (1845), am Wiener Conservatorium
dann von Joachim ausgebildet, wirkt Auer seit mehr als
30 Jahren als Concertmeister an der Petersburger kaiser
lichen Capelle und Violin-Professor am dortigen Con
servatorium. Er hat nicht nur aus jungen Jahren die
schöne edle Tonbildung und warme Empfindung sich be
wahrt, die Wahl des überaus schwierigen Brahms-Con
certes beweist, daß er auch mit der Zeit rüstig,
wenngleich nicht ganz ohne technische Einbuße, vor
geschritten. Als dieses Violinconcert in Wien zuerst unter
Joachim’s Bogen erklang (1879), da hätte man
dem kraftvoll männlichen, aber etwas spröden Werke bei
aller Bewunderung kaum eine starke Popularität voraus
gesagt. Neben den beiden Violinconcerten von Beethoven
und Mendelssohn, diesen blumenbekränzten festen Säulen
der Geigen-Virtuosität, hat sich in letzter Zeit das
Brahms’sche als drittes angereiht; mit weit größerem
Recht als das Max Bruch’sche Concert, welches durch
lange Zeit diesen dritten Platz im Concertleben einge
nommen, ihn aber jetzt so ziemlich wieder geräumt hat. ...
Zum Schluß hörten wir eine „Ekkehart“ betitelte neue
symphonische Ouvertüre von F. Schrecker. Der junge
Tonsetzer stammt aus der Schule unseres Robert Fuchs
von dessen zartem, sinnigem Wesen etwas auf die
Musik des Jüngeren übergegangen scheint. Das
Wiener Publicum hat Herrn Schrecker zuerst vor
zwei Jahren kennen gelernt als Componisten des
„116. Psalms“ für dreistimmigen Frauenchor und Orchester.
Das warm empfundene, fein geformte, wenngleich nicht
besonders originelle Stück hat damals lebhaften Beifall
errungen. Ein Jahr später hörten wir von Schrecker ein
kurzes „Intermezzo“ für Streichorchester, das günstig
wirkte durch seinen satten Streicherklang und die weiche,
schwärmerische Stimmung. Nun tritt uns der Componist
mit einem neuen größeren Orchesterwerk entgegen, einer
Ouvertüre zu Victor Scheffel’s „Ekkehart“. Die sinnige,
warmherzige Erzählung, die aber starke dramatische
Wirkungen weder erreicht noch erstrebt, hatte bald nach
ihrem Erscheinen zwei deutsche Tondichter zur Dramati
sirung verleitet: den Stuttgarter Hofcapellmeister J. J. Abert
(1878) und M. Jaffé in Bremen. Beide Opern sind
ziemlich rasch und klanglos wieder verschwunden. Ihr
Schicksal mag Herrn Schrecker bewogen haben, seinen
frommen Helden nur in einem Orchesterstück zu feiern.
Wie dessen früher genannte Compositionen zeichnet sich
auch die „Ekkehart“-Ouvertüre durch schönen Klang und
musterhafte Form aus, ohne starke Originalität zu ver
rathen. Sie hat sehr freundliche Aufnahme gefunden, trotz
dem sie als letzte Nummer nach zwei langen mehrsätzigen
Orchester-Compositionen ein bereits ermüdetes Auditorium
vorfand. Herr Director Hellmesberger, der nach
seiner Krankheit zum erstenmal wieder dirigirte, wurde mit
herzlichem Beifall begrüßt.
Jüngst brachte das Hofoperntheater eine festlich voraus
verkündete Aufführung von Wagner’s „Tristan und
Isolde“. Was daran neu war, die Decorationen und
etliche Neubesetzung, hat mein geehrter College Dr. Korn
gold gleich nach der Vorstellung, also nach Mitternacht,
in einer fein stylisirten Notiz zum Druck befördert. Das
kann ich ihm nicht nachmachen. Zwar habe ich seinerzeit
in der Pariser Opéra Comique am selben Abend „Fra
Diavolo“ und den „Postillon von Lonjumeau“, also sechs
Acte mit Vergnügen angehört, auch im Théâtre Français
nach Molière’s „Geizigem“ noch Scribe’s „Damenkrieg“,
zusammen zehn Acte — allein für die Aufnahmsfähigkeit
des Zuhörers entscheidet nicht blos die Quantität, sondern
fast noch mehr die Qualität der Kost. „Tristan und
Isolde“, dieses durch volle fünf Stunden in stockender
Handlung und schwerblütiger Musik uns niederdrückende
Tondrama stellt andächtigen Hörern und sogar sanft ein
nickenden Mode-Wagnerianern eine starke Zumuthung.
„Unjung und nicht mehr ganz gesund, wie ich es bin zu
dieser Stund’,“ mußte ich, fern vom Opernhause, mich
damit begnügen, in verjährten „Tristan“-Erinnerungen zu
blättern. Einiges davon dürfte älteren Lesern als Reminiscenz,
den jüngeren als Neuigkeit vielleicht willkommen sein. Seltsam
genug klingt es, daß Wagner’s „Tristan“ an 25 Jahre lang
warten mußte auf seine erste Aufführung in Wien. War
doch die Partitur schon 1858 vollendet, 1860 in Druck
erschienen. Ein interessantes Vor- und Seitenstück hat
dieser lang verzögerte „Tristan“ in dem späten Erscheinen
des „Tannhäuser“ im Wiener Hofoperntheater. Vierzehn
Jahre waren seit der ersten Aufführung des „Tannhäuser“
(in Dresden1845) verflossen; fast alle deutschen Bühnen
— von österreichischen unter anderen Prag und Graz —
hatten ihn bereits mit Erfolg gegeben, und noch immer
durfte der arme „Tannhäuser“ sich nicht blicken lassen
„nächst dem Kärntnerthor“. Die Hoftheater-Censur war
unerbittlich; und als sie endlich 1859 ihre Erlaub
niß ertheilte, durfte doch bei der Aufführung weder
vom Heiligen Vater noch von Rom die Rede
sein. Mit dankbarer Heiterkeit gedenken wir jenes
Moments im dritten Acte, da Wolfram den rückgekehrten
Pilger fragt: „Warst du denn nicht — „dort“?“ und
dieser ihm antwortet: „Schweig mir von — „dort“!“ —
Was hingegen Tristan und Isolde betrifft, so stellte man
diesen Liebesleuten in Wien keine Censurbedenken entgegen.
Ja, Wien war thatsächlich ausersehen und sehr nahe daran,
„Tristan und Isolde“ zuerst in die Welt einzuführen.
Dies ging also zu. An einem schönen Maitage 1861 er
scheint Wagner in Wien, unmittelbar nach seinem Pariser
„Tannhäuser“-Fiasco. Für das „Wüthen des entsetzlichsten
Mißerfolges“, wie er sich ausdrückte, findet er in den be
geisterten Ovationen des Wiener Publicums die glänzendste
Entschädigung. Wagner hört hier zum erstenmale seinen
„Lohengrin“ und lauscht entzückt dem poetischen Vortrage
Ander’s und der Dustmann, dem trefflichen Orchester
unter Esser’s Leitung. Mit diesem Eindrucke packt ihn
zugleich der Gedanke, Wien sei der prädestinirte Schauplatz
für seinen noch nirgends gegebenen „Tristan“. Ein kurz
vorausgegangener Versuch, das Werk in Karlsruhe zur
Aufführung zu bringen, war nach wenigen Proben erlahmt,
obwol die Großherzogin (der auch die Partitur gewidmet
ist) sich dessen eifrig annahm. Dann ward Wagner stark
verlockt von einer Einladung des Kaisers von Bra
silien, nach Rio-de-Janeiro zu kommen und dort „Alles
in Hülle und Fülle zu haben“. Wirklich faßte Wagner die aben
teuerliche Idee, „Tristan und Isolde“ ins Italienische übersetzen
zu lassen und dem Theater in Rio „als italienisches Opus
zur ersten Repräsentation“ anzubieten. Seltsam genug hält
er den „Tristan“ für „ein durchaus prakticables Opus, das
ihm bald und schnell gute Revenüen abwerfen werde“.
Vernünftigerweise ließ er diesen Plan doch bald wieder
fallen. Er kehrt in sein Züricher Exil zurück und reist
dann nach Paris, von wo er am 15. Juni 1861Liszt
seinen Wunsch mittheilt, „Tristan“ in Deutschland aufzu
führen. „Ich habe Wien im Auge, das noch immer die
besten Sänger besitzt und — als einziges Phänomen dieser
Art — von einem sachverständigen Musiker dirigirt wird,
mit dem man sich verständigen kann.“ Wagner’s Urtheil
war immer unberechenbar; hatte er doch kurz zuvor Liszt
vor dessen Abreise zum Wiener Mozartfest zugerufen:
„Ich gratulire zum Wiener Schmutz!“ (Und in einem
andern Briefe: „Mir graut vor dieser asiatischen Stadt.“)
In Wien wurde „Tristan“ sofort zur Aufführung
angenommen, und die Sänger machten sich mit hin
gebendem Eifer an das Studium ihrer Rollen. Vier
Jahre später erzählt Wagner in einem Briefe an Friedrich
Uhl vom 18. April 1865: „Im Herbst 1861 sollten die
Proben beginnen. Eine andauernde Stimmkrankheit machte
Ander für diesen ganzen Winter zu einer anstrengenden
Beschäftigung unfähig; ein anderer Sänger war um diese
Zeit nicht zu gewinnen. Im Sommer 1862 verzweifelte
ich bereits an der Möglichkeit einer Wiederaufnahme des
Werkes in Wien, als die Direction zu meiner Ueberraschung
mir anzeigte, Herr Ander fühle sich vollkommen wieder
hergestellt. Meine Wiener Sänger machten mir endlich,
durch Esser’s ungemein intelligenten Fleiß und Eifer angeleitet,
die große Freude, die ganze Oper mir fehlerfrei und wirklich
ergreifend am Clavier vorzusingen. Wie es ihnen später
beikommen konnte, wiederum zu behaupten, sie hätten ihre
Partien nicht erlernen können — denn so ist mir berichtet
worden — bleibt mir ein Räthsel. ...“ Die Ferien (1863)
gingen vorüber und von „Tristan“ war nicht mehr die Rede.
In diesem Briefe führt Wagner auch einige Seitenhiebe
auf „die musikalische Presse, die sich mit besonderer Vor
liebe der Aufgabe hingegeben, zu beweisen, kein Sänger
könne die Noten treffen, noch behalten“. Das konnten die
Journalisten jedenfalls nur von den Sängern selbst er
fahren haben. Und das haben sie auch. Auf meine
Frage, wie es mit dem „Tristan“ vorwärts
gehe, antwortete mir eines Tages Ander: „Den
zweiten Act können wir beinahe schon auswendig, aber
inzwischen haben wir den ersten wieder vergessen.“ Ander
wäre in der That selbst bei vollständiger geistiger Be
herrschung damals physisch nicht mehr im Stande gewesen,
die Tristan-Rolle zu bewältigen. Diese Ueberzeugung klingt
ja auch vernehmlich aus Wagner’s eigenen Worten.
Wagner sah überall, wo es sich um seine Interessen
handelte, durch gefärbte Brillen; leidenschaftlich, parteiisch,
im Haß wie in der Liebe. Ein merkwürdiges Beispiel ist
seine eifrige Parteinahme für den damaligen Director des
Hofoperntheaters Salvi, in dessen Hand er eben das
Schicksal seines „Tristan“ wähnte. Wie ein von Wagner
herrührender Aufsatz über das Wiener Hofoperntheater be
weist, erblickte er damals in Salvi einen trefflichen
deutschen Operndirector, obwol wir Alle wußten,
daß er einer der unfähigsten war. Der Gedanke,
es habe Matteo Salvi, der italienische Gesanglehrer
und Verdi-Schwärmer, sich durch wirkliches Ver
ständniß des „Tristan“ ausgezeichnet, hat etwas Komisches.
Allerdings hatte er als „vernünftiger Theater-Director“
gerne nach einer Novität desselben Componisten gegriffen,
dessen „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ volle Häuser
machten. Sobald er aber inne ward, daß dieser Tristan
ein von jenen himmelweit verschiedener, undankbarer Patron
sei, gab er ihn ohne Zaudern auf. Zudem sah er durch
die zahllosen anstrengenden Proben sein wichtigsten Mit
glieder geradezu lahmgelegt.
Die sorgfältig geführten Bücher des Hofoperntheaters aus
den Jahren 1862 und 1863 verzeichnen wohlgezählte 54 Proben,
welche von „Tristan und Isolde“ unter Esser’s Leitung abge
halten wurden mit Frau Dustmann, Fräulein Destinn, den
Herren Ander, Beck, Hrabanek, Lay und Campe. Die
erste Probe hat am 29. November 1862, die letzte am 24. März
1863 stattgefunden. Von diesem Tage an scheint das Studium von
„Tristan und Isolde“ abgebrochen worden zu sein.
Hierauf änderte sich natür
lich auch Wagner’s Urtheil über Salvi so gründlich, daß
er am 22. März 1870 ohneweiters an Herbeck schreibt:
„Der Personalzustand des Hofoperntheaters ist gerade so
tief herabgekommen, als ich dies zu jener Zeit voraus
setzen mußte, da dieses Theater der Direction eines Herrn
Salvi — völlig wie mit der Absicht der Verwahrlosung
— übergeben wurde.“
Das Nichtzustandekommen der „Tristan“-Aufführungen
in den Jahren 1861 bis 1863 darf man bedauern, ohne
deßhalb die Künstler der Hofoper anzuklagen. Heute freilich
sieht jeder Opernbesucher in der Aufführung von „Tristan
und Isolde“ nur eine verfluchte Schuldigkeit der
Direction. Er versetze sich aber, um nicht ungerecht zu
urtheilen, in die musikalischen Zustände vor 40 Jahren.
Unsere Sänger kannten von Wagner nur den Tannhäuser,
Holländer und Lohengrin — Partien, deren hohe An
forderungen doch bescheiden dastehen gegen die Aufgaben
von Tristan und Isolde. Wagner selbst betont in einem
Brief an Uhl „die großen und durchaus ungewohnten
Schwierigkeiten der im Tristan den Sängern gestellten
Aufgaben“ und bewundert Bülow, „welcher das Un
mögliche leistete, indem er einen spielbaren Clavierauszug
zu Stande brachte, von dem noch Keiner begreift, wie er
dies angefangen hat“. Ueber die „Spielbarkeit“ des
Bülow’schen Clavierauszuges lauten die Urtheile freilich
sehr verschieden; Esser sah sich durch dessen Unspielbarkeit
veranlaßt, sich selber einen neuen Clavierauszug zu machen.
Wagner gesteht selbst, daß es geradezu des „schöpfe
rischen Willens eines Königs“ bedurfte, um die würdige
Aufführung von „Tristan und Isolde“ zu ermöglichen.
Dieselbe fand auf Geheiß Ludwig’s II.1865 in München
statt. Die Münchener Aufführungen sind es übrigens allein
gewesen, welche ein Jahrzehnt hindurch den „Tristan“ auf
der Bühne gehalten haben. Der Grund ist (nach dem
Zeugniß des bekannten Wagnerianers Richard Pohl)
„zunächst in dem durchaus neuen Style zu suchen, in
welchem sogar Wagner’s Verehrer sich erst einarbeiten
mußten; sodann in der Schwierigkeit, für die Titelrollen
Künstler zu finden, die ihre großen Aufgaben erschöpfend
lösen konnten“. (Der athletische Tenorist Schott, der erste
Tristan in München, ist bekanntlich nach der vierten Auf
führung den Anstrengungen erlegen.) Es dauerte in der
That noch lange, bevor die übrigen Bühnen mit „Tristan
und Isolde“ nachfolgten — Weimar erst im Jahre 1874,
Berlin1875, ganz zuletzt Hamburg — während doch die
viel späteren „Meistersinger“ trotz ihres weit complicirteren
musikalischen und scenischen Apparates sich rasch die meisten
Bühnen erobert haben. Ein deutlicher Wink, daß es keines
falls blos an den technischen Schwierigkeiten, sondern ebenso
sehr an dem Charakter des Werkes selbst lag, warum
„Tristan“ sich so langsam und spärlich verbreitet hat und
noch heute viel seltener als die übrigen Wagner-Opern zur
Wiederholung gelangt.
Indessen war das „Tristan“-Project der Wiener Hof
oper keineswegs verstorben, nur gründlich eingeschlafen.
Unter Salvi’s Nachfolgern hat zuerst Herbeck es wieder
erweckt. In einem umfangreichen Bericht hatte Herbeck
1874 seinem obersten Chef vier Opernnovitäten vorge
schlagen, darunter „Tristan und Isolde“. Alle vier wurden
kurzweg verworfen. Auch Director Jauner, der die
Nibelungen-Trilogie so glänzend in Wien eingeführt hatte,
dachte wieder an „Tristan“ und wollte zur Schonung der
einheimischen Sänger das Ehepaar Vogl aus München
dazu berufen. An der Weigerung dieses Künstlerpaares
scheiterte abermals das Project. So hat denn die „Tristan“-
Frage in Wien sich schwerfällig und unerlöst von einer
Direction zur andern fortgeschleppt, bis endlich unter Direc
tor Jahn (1883) das Engagement Winkelmann’s (des
bewährten Hamburger Tristan) und die Bayreuther
Triumphe der Materna den letzten entscheidenden Anlaß
gaben. So erhob sich denn endlich das Gebäude, zu welchem
hier vor mehr als 40 Jahren der erste Spatenstich so
mühevoll und fruchtlos geführt worden. Und heute sehen
wir dieses Gebäude, neuerdings durch Director Mahler
kräftig gestützt und herrlich geschmückt, die Schaar der Ver
ehrer und der Neugierigen heranlocken.