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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Als Direktor
Entdeckungsreise zurückgekehrt, dringend interpelliert wurde,
welche von den beiden
oder die
Zitat geantwortet haben: „Mich will’s bedünken, daß sie
alle beide stinken.“ Neben seinem berühmt feinen Ohr
bewies er damit eine ebenso wunderbare Nase. Trotzdem
hat er
last nach seinem Vorgänger Jahn. Kurz vorher hatten
wieder Neues. So wählt denn
Sympathien kaum über die „
aus den Novitäten diejenigen, welche sich bereits an anderen
Bühnen durchgesetzt haben. So brachte er uns die in
Louise“, deren
Von den beiden einander bekämpfenden „
Komponisten, dem Rabbiner
seine Oper die weitaus bessere. Da die Mehrzahl unserer
Leser sich schwerlich des Inhalts der Novität noch erinnert,
darf ich ihn wohl in Kürze rekapitulieren; jene Szenen
zumal, die bei
Schon mit dem ersten Akt setzt sich
schiedenen Vorteil gegen
Stück gleich im Café Momus, wo sich der ganze erste
Akt mit unerträglicher Schwerfälligkeit und Prätension
abspielt. Bei
heiter in dem Dachstübchen, das der Maler
dem Poeten
beiden Freunde frieren in dem kalten Zimmerchen, welches
der Dichter schließlich mit seinem neuesten Trauerspiel heizt.
Da bringt der Dritte im Bunde unserer Kunstzigeuner,
der Komponist
denen sie alle im Café Momus sich gütlich tun wollen.
Vorher werden sie noch von ihrem Hausherrn, Mr.
nard
und dafür zur Tür hinausgeworfen wird. Drei von den
Freunden begeben sich hierauf ins Kaffeehaus, während
es an seiner Tür; die junge hübsche Nachbarin
bittet, ihre vom Zugwind ausgeblasene Kerze bei ihm an
zünden zu dürfen. Auch seine Kerze verlischt, und im
Dunkel finden sich ihre Hände, ihre Lippen. Eine hübsche,
auch musikalisch zart empfundene Szene. Nach einer kurzen
Liebeserklärung läßt sich
führen. Dort treffen sie, zu Anfang des zweiten Aktes, die Freunde,
umschwirrt von Kaffeehausgästen, Ausrufern und Ver
käufern. Die zweite Heldin des Stückes, die schöne eitle
ihn bald listig zu entfernen, um ihrem früheren, zeitweilig
immer neu zu Gnaden aufgenommenen Geliebten
um den Hals zu fallen. Unter den grellen Klängen einer
vorbeiziehenden Musikbande und dem Gejohle der Straßen
jugend fällt der Vorhang. Der dritte Akt spielt vor
einer ärmlichen Kneipe an der Linie, bei Morgengrauen.
Versteck, wie ihr geliebter
äußert, sich von ihr zu trennen, da
dem Tode verfallen sei. Weinend nimmt sie von
während gleichzeitig eine heftige Zank- und Entzweiungs
szene zwischen
Vorhang hebt sich zum vierten- und letztenmale über dem
bekannten Dachstübchen, in welchem
Staffelei,
zu arbeiten; ihre Gedanken weilen ferne bei
haben.
frugales Abendmal herbei, das die Freunde mit wider
wärtigem Galgenhumor und schließlich mit einer impro
visierten tollen Quadrille würzen. Da stürzt atemlos
der Treppe hingesunken. Man trägt die Arme herein und
legt sie auf das Bett, wo sie, von
nehmend, verscheidet.
Ein langes, peinliches Sterben, recht grausam aus
gedehnt und ausgestattet mit allem pathologischen Jammer.
Dazu noch die nackte Armut und Hilflosigkeit dieser das
Sterbelager umstehenden Kunstproletarier. Daß unmittelbar
an ihre possenhafte Quadrille der Todeskampf
sich anschließt, ist bezeichnend für das Textbuch, welches
hauptsächlich durch enges Aneinanderrücken der grellsten
Kontraste wirkt. Hat eine Szene mit ihrer brutalen Lustig
keit uns ins Gesicht geschlagen, so bohrt die folgende mit
ihren Seelenqualen und Todesschauern sich langsam
schmerzhaft in unser Herz. Finden die Zuschauer wirklich
Freude und Erhebung in Opern dieses Schlages, um so
besser für sie und den Theaterdirektor.
Die Musik spielt in dieser Oper eigentlich eine sekun
däre Rolle, mag sie an einzelnen Stellen auch noch so
anspruchsvoll und lärmend sich vordrängen. Liest man vor
der Aufführung die vier bis fünf ersten Seiten des eng
gedruckten Textbuches, so zweifelt man, ob das wirklich
ein Opernlibretto und nicht vielmehr eine Komödie sei.
Dieser unersättlich geschwätzige Dialog, der sich witzlos,
gemütlos um die allergewöhnlichsten Dinge dreht — der
soll Musik hervorlocken, soll einen Tondichter begeistern?
Unmöglich kann die Musik hier als gleichberechtigte, selbst
ständig formende Kunst wirken; nur als Untermalung,
Grundierung alltäglicher Konversation. Also die vorletzte
Stufe der im Herabsteigen begriffenen Musik: die nächste,
letzte, ist das unverhüllte Melodram. Eigentlich vernehmen
wir schon in der „
Sprechen dieser Personen über charakteristischen Orchester
klängen. Obendrein bei dem raschen Tempo so enormer
Wortmassen ein undeutliches, unverständliches Sprechen.
Sehr begreiflich, daß bei dieser Ueberflutung mit redseli
gem Dialog ganze Seiten der Partitur — um ein Wort
aus der Akustik zu entlehnen — aus lauter „toten Punkten“
bestehen müssen und auch wirklich bestehen. Aus diesen
toten Punkten befreien sich von Zeit zu Zeit flüchtige
melodische Gedanken; es beginnt mitten im Sprechgesang
zu klingen und zu singen — aber wie lange dauert das?
Solche Oasen, wo sich die Empfindung konzentriert, die
Melodie Gestalt annimmt und sich ausbreitet, finden sich
noch am reinsten und häufigsten in der Rolle der
Im ganzen ist die melodische Erfindung recht gering.
Reichlicher in der Partitur verstreut blinkt allerlei feines
instrumentales Detail und geistreich anspielender Witz.
Diese ein musikalisches Schaffen und Gestalten beinahe
verdrängenden Reizmittel gehören ja ganz eigentlich unserer
neuesten Schule an, sogar der neuesten
Schilderungen so anziehend macht: der Humor. Die Szenen in
Aktes sind trocken, gequält und langweilig, trotz oder wegen
der großen Anstrengung des Komponisten, humoristisch zu
wirken. Dasselbe gilt vom zweiten Akt, der zur Illustra
tion des fröhlichen
Effekte aneinanderreiht, ohne einen wirklichen Effekt zu
erreichen. Alles zersplittert sich in kleinste Stücke und
Stückchen, es fehlt die überschauende und zusammenfassende
Kraft, ohne welche es in der Musik keine echte Wirkung
gibt. Die Musik vor dem Café Momus ist trotz Militär
kapelle, Glöckchenspiel, Holz- und Strohharmonika und
sonstigen Spektakels nicht heiter und lebensfroh, sondern
nur wirr und lärmend. Mit einem Gesangswalzer (selbst
mit einem „langsamen“) wie der
darf man sich gerade in
dieser zweite Akt trivial und langweilig, so ist der dritte
sentimental und langweilig. Das erste Bild (Zollwächter und
Marktleute an der Barriere) entbehrt jeden Zusammenhanges
mit den folgenden. Unwillkürlich denkt man an die analoge
Szene an der
träger
Dramas vorbereitet. Auf einige zart empfundene, nur
durch allzu heftige Aufschreie und derbe Unisonoschlüsse
verunzierte Stellen zwischen
das Schlußquartett. Es mußte den Komponisten reizen, den
sentimentalen Abschied
hitzigen Zankduett zwischen
harmonischen Musikstück zu vereinigen. Will man an einem
Gegenstück ermessen, wie wenig
so vergleiche man damit das Quartett am Schluß von
„
klagenden gegenüber; wie formschön und klangvoll vereinigt
er sie zu musikalischer Einheit! Bei
die beiden Hälften des Quartetts wie Oel vom
Wasser; man könnte jede von ihnen streichen, ohne
daß die andere wesentlich dadurch verlieren oder gewinnen
würde.
Wie schnell hat doch der junge Mascagni Schule
Häßlichkeit — am liebsten „marcantissimo“ von Trompeten
geblasen! — daß man sich vergebens fragt, was denn der
Komponist mit diesen ungezogenen Scheusälchen bezwecken
mochte? Der Text bietet dafür nicht die entfernteste
Motivierung, denn mit diesen gräßlichen Quintenspießruten
behandelt
im Atelier, die Volksszene vor dem Kaffeehause, sogar die
Manipulation der Zollwächter an der Linie. Für einen
„witzigen“ Protest gegen die Harmonielehre unserer großen
Meister können wir diese raffinierte Züchtung des Häß
lichen doch unmöglich halten; sie ist nichts weiter als eine
rohe musikalische Beleidigung. Die unmotivierte Anwendung
des Häßlichen, bloß weil es häßlich ist, sowie die anmaßende
Vorherrschaft des banalsten Dialoges sind eine Konsequenz des
nunmehr auch in die Oper eingedrungenen nackten Realismus.
Mit der „
letzten Schritt zur nackten prosaischen Liederlichkeit unserer
Tage; die Helden in großkarrierten Beinkleidern, schreienden
Kravatten und zerknüllten Filzhüten, den Zigarrenstummel
im Mund; ihre Gefährtinnen in Häubchen und ärmlichen
Umhängtüchern. Das ist neu im lyrischen Drama; ein
sensationeller Bruch mit den letzten romantischen und male
rischen Traditionen der Oper. Darum der atemlose Wett
eifer zweier bereits namhafter Tondichter nach diesem noch
unversuchten pikanten Lockmittel! Die Kritik bleibt ohn
mächtig gegen solche Strömungen. Sie dürfen eine Zeit
lang fortdauern, wohl auch noch anschwellen. Je prosaischer,
je unsauberer, desto besser. Die Musik ist heute auf das
alles bestens eingerichtet.
Die sehr günstige Aufnahme der Oper, die effektvolle
Szenierung und die treffliche Besetzung der Hauptrollen
mit Frau Gutheil-Schoder, Fräulein