Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Den
interessante Novität: Der „
von einem unter tumultuarischem Zischen rasch begrabenen
Jugendversuch „
die einzige komische Oper, die wir von
Keineswegs zu seinen blühendsten Schöpfungen gehörend,
wird dieses Spätwerk des Achtzigjährigen doch wohltuend
erfrischen nach
Melodienblümchen samt den Textworten unter dem banalen
Tumult einer ungeschickt
begleitung hilflos veratmen. Unser Opernpublikum, das sich
nicht von einer Handvoll junger Wölflinge terrorisieren
läßt, blieb nach der dritten Aufführung weg, und früher
noch, als man gedacht, war der „
blicke der leeren Sitzreihen kraftlos zusammengebrochen, um
schwerlich je wieder aufzustehen.
So wie „
seine letzte, der „
jeher folgte
bewährten älteren oder modernen Schauspielen zu ent
nehmen, deren starke Bühnenwirkung ihm vertraut war.
So hat er außer dem „
„ Shakespeare, „
HugoDumas
endlich „
und „ Schiller musikalisch be
Auf eine dringende Anfrage des Marchese
erwiderte
sagen? Es sind vierzig Jahre, daß ich eine komische Oper
zu schreiben wünsche, und fünfzig Jahre, daß ich
speares
gewohnten „Aber“, die sich überall einstellen, haben sich
stets meinem Wunsche widersetzt. Nun hat Boito alle
Unter den berühmten
lien Bellini und
Komische unzugänglich und ungeschaffen.
gestorben;
wähnten verunglückten Jugendversuch) als Achtzigjähriger
dem überraschten Publikum seine erste komische Oper.
Welch unerwartet schöne, bedeutsame Wendung, daß der
Greis an der Neige seines Lebens sich der Tragik ent
windet und mit der Weisheit eines glücklichen Alters noch
den Blick auf der sonnigen, heiteren Seite des Daseins
ausruhen läßt!
Bald nachdem die
Klage abgepreßt, daß
hervorbringe, überraschte uns die Nachricht,
einen „
der allerersten Aufführung dieser Oper in
konnte. Nicht um Musik zu hören, sondern um sie ab
zuschütteln, war ich aus dem konzertbelagerten
flohen. Der Wunsch, meiner
zeigen, wo ich zuletzt im Jahre
zog mich jetzt dahin. Gerne verschob ich meine Abreise von
alten
zu hören. Diese neueste Oper des Achtzigjährigen war ein
Stück Musikgeschichte und ihre Première in
denkwürdiges Ereignis.
mieden. Ruhebedürftig und ruhmgesättigt, scheute er neue
Ovationen und den Empfang bei Hofe. Selbst nach seiner
Ernennung zum Senator unterließ er es, sich persönlich
beim
Aufführung seines „
Im Frühjahr
erlaubte ich mir nun in
besuchen dürfe. Er erfreute mich mit der liebenswürdigsten
Aufnahme in seinem Absteigquartier, dem prachtvollen
„Hotel Quirinal“. Die schlichte Herzlichkeit, mit welcher
mich empfing und begrüßte, hat mich, der ich manche
Jugendsünde gegen ihn auf dem Gewissen hatte, tief bewegt.
Es leuchtete etwas unendlich Mildes, Bescheidenes, in der
Bescheidenheit Vornehmes aus dem Wesen dieses Mannes,
den der Ruhm nicht eitel, die Würde nicht hochfahrend,
das Alter nicht launisch gemacht hat. Tief gefurcht war sein
Gesicht, das schwarze Auge tiefliegend, der Bart weiß —
dennoch ließ die aufrechte Haltung und die wohltönende
Stimme ihn nicht so alt erscheinen.
Als ich am Tage der
führung ihm die allgemeine Verwunderung über das
Erscheinen seines „
es sei zeitlebens sein Lieblingswunsch gewesen, eine
komische Oper zu schreiben. „Und warum haben Sie es
nicht getan?“ — „Weil man nichts davon wissen wollte
(parceque l’on n’en voulait pas).“ Den „
er eigentlich zu seiner eigenen Unterhaltung komponiert.
Daß er bereits einen „
er in Abrede. „Ich bin nicht zwanzig Jahre alt,“ meinte
er mit einem mehr schalkhaften als schmerzlichen Lächeln,
„sondern viermal zwanzig!“
Der Mittagstisch für vier Personen war bereits
gedeckt. Es erschienen
Sängerin Mascheroni. Mit dem geistreichen Schmunzeln, wie
Abends lauschte ich dem „
der Neugierde, das mich neuen Kunstwerken gegenüber
stets durchschauert. Welch ein Theaterabend! Ein Fest
der Nation, eine Herzensangelegenheit des ganzen Volkes!
Von diesem Enthusiasmus beim Erscheinen
Bühne macht man sich in
stellung. Und noch stürmischer erbrauste der Jubel, als
desselben Platz nahm. Einen hochbejahrten, hochberühmten
Künstler also gefeiert zu sehen, hat etwas unendlich Er
hebendes und Rührendes auch für den Fremden. Mit der
fortreißenden Gewalt dieser Stimmung verband sich die
Begeisterung sämtlicher Künstler. Eine berauschendere
Wirkung wird man wohl niemals vom „
als an jenem 15. April
Teatro Costanza.
In unserm ungestört behaglichen Gespräch hatte ich
mir eine Frage nach vielleicht
„
„Der Gesang und die Melodie müssen doch immer die
Hauptsache bleiben.“ In jenem absoluten Sinn der früheren
mehr. Im Vergleich zu der zweiten Periode
sind sie es noch immer. Nirgends wird im „
Singstimme vom Orchester unterdrückt oder überflutet, nir
gends das Gedächtnis durch Leitmotive gegängelt, noch die
Empfindung von klügelnder Reflexion durchkältet. Hingegen
hat die Musik zu „
belebten Konversation und Deklamation, als den einer ausge
prägten, durch selbständige Schönheit wirkenden Melodie. Daß
er Musik von letzterer Art auch mit fließendem Lustspielton vor
trefflich zu verschmelzen verstand, beweist
seines „
weiterem Sinn und liberalster Auslegung — von
Einfluß auf „
Methode für geistreiche Komponisten, welche langjährige
Erfahrung und Technik, aber nicht mehr die reiche blüten
treibende Phantasie der Jugend besitzen. Die ganze An
lage des „
Textbücher mit ihrer dem recitierenden Schauspiel fast
gleichkommenden Ausführlichkeit der Diktion hat eine neue,
verschiedene Methode des Komponierens zur Folge. Ehe
dem definierte man das Gedicht als „die Zeichnung,
welche der Komponist zu kolorieren habe“. Das paßt
nun und nimmermehr auf die Musik der früheren Opern.
Die Melodien
etwas ganz anderes, als das bloße Ueberfärben einer
fertigen Zeichnung; sie sind ein Neues, Selbständiges, das
von dem Text zwar die Richtung und Stimmung empfängt,
seine Zeichnung sich aber selbst schafft. Man könnte
eher sagen, die älteren Gesangstexte liefern dem Kom
ponisten nur größere oder kleinere Rahmen mit
einer Aufschrift: „Liebe, Zorn, Frohsinn“ — in diesem Rahmen
schuf der Komponist als musikalischer Selbstherrscher Zeich
nung und Farbe zugleich. Der Text zu den Arien
acht Verszeilen allgemeinen Inhalts; damit konnte der
Komponist frei schalten. Man vergleiche damit das Libretto
zu „
wörtliche Uebersetzung aus
irre, mit etlichen noch weiter detaillierenden Zusätzen. Da
vermag der Komponist musikalisch Neues, Selbständiges
nicht zu schaffen; er kann nur Wort für Wort nachfolgen
und diese bis ins Kleinste vom Dichter ausgeführte Zeich
nung „kolorieren“. Der große Erfolg dieses „
staff
speares
die Musik hat wenig hinzuzutun, und ich kann
nicht sagen, daß die Wirkung dieses Monologs im Burg
theater ohne Musik eine erheblich geringere sei. Aehnliches
gilt von dem langen Monolog des eifersüchtigen Mr.
und von den meisten Duetten, die lustspielmäßig aus
geführte Dialoge sind. So paßt merkwürdigerweise die
alte Lehre von „Zeichnung und Kolorit“ erst auf eine viel
spätere, nämlich die heutige Kompositionsweise. Nur wenige
Stücke im „
musikalische Form gedichtet: das Vokalquartett der Frauen
am Schlusse des ersten Aktes, die kleine Cavatine
und der fugierte Schlußgesang im dritten Akt. Alle diese
geformten Musikstücke machen gute Wirkung als Ruhe
punkte zwischen den dialogisch fortflutenden Konversations
szenen; sie erfreuen durch Wohlklang und übersichtliche
Form, entbehren auch nicht einer gewissen Wärme. Eine
besondere Kraft und Originalität der melodischen Er
findung vermochte ich daran nicht wahrzunehmen, höchstens
daß die kleine Cantilene
den sinnlichen Reiz des früheren
Der Gesamteindruck, den ich von dem Werke empfing,
ist der einer sorgfältig ausgearbeiteten, feinen und leb
haften Konversationsmusik, welche nirgends roh oder weich
lich wird, weder in possenhafte Trivialität noch in unge
höriges Pathos überschlägt. Die Charakteristik
ist von echt komischer Kraft, die der übrigen Personen
nicht hervorstechend. Das Ganze berührt uns wie die
fließende Unterhaltung eines geistreichen Weltmannes, der
nicht Anspruch erhebt, neue Wahrheiten oder tiefe Ge
danken auszuteilen. Also mehr Causerie als starke musi
kalische Schöpfung.
Augenblick gelangweilt oder abgestoßen, aber auch nur
selten durch musikalische Schönheiten entzückt. Wenn unser
geehrter Kollege Robert de
lied des Alters, ein fast übermütiges Spottlied auf das
„Senectus ipse morbus“ nannte, so muß man ihm voll
ständig beipflichten. Die Musikgeschichte kennt kein Beispiel
von einer solchen Bühnenschöpfung eines Achtzigjährigen.
Wir haben in
gehabt, die in hohem Alter noch gute Kirchenmusik schufen;
keine Nation darf sich aber eines Komponisten rühmen,
der im Alter
die anmutige Laune, die sichere Führung besessen hätte,
welche die Partitur des „
hören, Opern zu schreiben — ein Ausspruch, den er
freilich selbst widerlegt hat. Mußte man sechs Jahre vor
dem „
erstaunliches Ereignis begrüßen, so ist dieser als die noch
spätere und gewiß nicht farblosere Blüte eines Achtzig
jährigen ein halbes Wunder.
Anziehungskraft üben. Ob diese zu nachhaltigem Erfolg und
bleibender Eroberung des
werde, ist eine andere Frage. In
Einbürgerung von
von Otto
zu nehmen sein wird. Als Totalerscheinung spielt
gewiß eine sehr bescheidene Figur neben
experimentierend, schwankend zwischen
nisch
Erfolg entgegenzustellen: eben „
Windsor
sich die ganze Kraft seines Talents so bedeutend sowohl
nach der dramatischen wie nach der rein musikalischen
Seite hin, daß nur blinde Ungerechtigkeit sie geringschätzen
könnte. Gegenüber der modernen, einheitlicheren Form der
kalische Substanz. Nach meiner Empfindung sind die besten
Nummern aus den „
Szenen in
Der Junker
schen „O süße Anna!“ fehlt gänzlich in
Doktor
genommenen Figuren
keine individuelle Physiognomie, sie sind nur Füllstimmen
für das Ensemble. Boitos Textbuch läßt die Hand des