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Das Werk, mit dem Eduard
und von dem die in der Beilage der „
stücke
daß es enthusiastische Anhänger und wüthende Gegner in der
Kritik finden und einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte der Aesthetik dieser
Kunst bilden dürfte. Wer die ersten Seiten des
der wird ebensowenig leugnen, daß ein tiefer Kenner der Musik und ihrer Theorie
zu ihm spricht, als es ihm entgehen kann, daß hier keine Schlacht auf gewonne
nem Gebiet geschlagen, sondern das Terrain selbst der Gegenstand des Kampfes
ward. Das
nicht diese oder jene Meinung soll bestritten, nicht eine irrige Ansicht aufgeklärt,
ein zweifelhafter Punkt in’s rechte Licht gesetzt werden, nein, sogenannte Resultate
der Aesthetik der Tonkunst, Grundsätze und Begriffsbestimmungen durch viele, mit
unter würdige Namen in der Wissenschaft, durch die Tradition von Decennien
und die allgemeine Geschmacksrichtung des Publikums sanctionirt, sollen in ihr
Nichts aufgelöst und ihre unberechtigten, dem innersten Wesen dieser Kunst ent
gegengesetzten Prämissen und Consequenzen gezeigt werden. Richard
Bilderstürmerei findet in dem vorliegenden
und es war auch Zeit, jenem wüsten, wenn auch genialen Theoretiker und Produ
centen in einer Person mit aller Energie an den Leib zu rücken. Weil dies aber
dadurch geschah, daß man den Kreis der Tonkunst neuerdings abgemessen und ihre
Aesthetik revidirte, ohne von dem verrückten Ingenieur weiter Notiz zu nehmen,
der darin Raum für ein Pantheon, einen Circus, ein Spital und eine Festung
entdeckte, so ist die Wirkung eine um so reinere und schlagendere, da die Sache
ihrer selbst willen einer Prüfung unterzogen erscheint.
Das
zweite und letzte, welche die Begriffe Zweck und Inhalt der Musik bestimmen und
die Herrschaft der Gefühle aus dem Centrum der Musik hinausweisen, die wichtig
sten sind. Wie die Aesthetik der Kunst im Allgemeinen erst in den letzten Decen
nien dieser einen Selbstzweck vindicirte und deren Aufgabe, auf Staats- und
Völkerleben, auf Humanität und Sittlichkeit zu wirken, in zweite Linie rückte,
wie sie selbst das reinste, d. h. das unabsichtlichste Utilitätsprinzip als mit der
Heiligkeit und Größe der Kunst unverträglich erklärte, ebenso brachte
diese specielle Sphäre der Kunst Verstand und Ordnung und entkleidete die
Musik ihres falschen Helmschmuckes, beraubt sie ihrer Piken und Fähnlein, auf
welche Dinge bis jetzt grade der einzige Nachdruck gelegt worden war. Man hatte
sich gewöhnt, eine bemalte, mit der Farbenpracht des Colibri künstlich ausgestattete
Nachtigall in der Musik zu sehen und man wird von Profanation, Verstandes-
Construction u. s. w. sprechen, wenn man hört, daß „
sei. Die Musik, als die einzig begrifflose Kunst — mit Ausschluß der Architectur
— mußte, da man ihr keine Ideen im philosophischen Sinn unterschieben konnte,
nothwendig von der Masse als das beste Ausdrucksmittel der Gefühle betrachtet
werden; aber man vergaß, daß auch diese erst durch Begriffe aus einer allgemei
nen farblosen Empfindung sich zu Gefühlen verdichten und dann in bestimmt
begrenzte sich zertheilen. Die Gefühle, welche die Musik zum Ausdruck brächte,
könnten überirdische, doch nimmer menschliche Wesen durchzittern, in denen ein
Endliches angeregt werden muß, das nur durch einschränkende Begriffe im Reiche
der Vernunft wie der Anschauung möglich ist. Aber die Musik weiß nichts von
einschränkenden Begriffen, sie kennt bloß eine allgemein-traurige, eine allgemein
heitere Stimmung, und ihr Zweck und ihr Inhalt, welchen letzteren
auf Gehalt reducirt, liegt in ihrem eigensten Kreise und ist nicht allgemein
menschlicher, sondern specifisch-musikalischer Natur.
(Fortsetzung folgt.)
die Musik nicht nur keine bestimmte Freude, keinen bestimmten Schmerz darstellen
kann, sondern daß es ihr auch unmöglich ist, mehr als eine Stimmung von
Schmerz, eine Stimmung von Freude anzuregen. Er überzeugte uns, daß die
Musik weder die Wuth einer
schildern, noch durch Töne auszudrücken vermag, daß wir es überhaupt mit
Wuth, nicht etwa mit Zorn, Haß, Liebesraserei, Glaubensfanatismus u. dgl. zu
thun haben. Wo aber eine solche Individualisirung ersten Grades nicht einmal
möglich, wie soll da noch weiter von einer künstlerischen Manifestation der Ge
fühle die Rede sein! Dies ist klar. Wenn
ästhetisch Gebildeten stellt, sich an der reinen Form dieser Kunst, ohne Neben
wünsche und Beziehungen zu erfreuen und den Genuß blos in ihrem Specifischen
zu suchen, so verlangt er da nicht das, was jeder Künstler in jeder Kunst ver
langen muß, nein, er verlangt, meiner Ansicht nach, etwas den Bedingungen der
menschlichen Natur und der Kunst Widerstrebendes. Hier ist für mich der Punkt,
wo ich
lick
Idee in dunkler, untrennbarer Einheit verschmolzen“ und er bemerkt ganz richtig,
daß „dieser Eigenthümlichkeit der Tonkunst, Form und Inhalt ungetrennt zu be
sitzen, die dichtenden und bildenden Künste schroff gegenüberstehen.“ Dieser un
leugbare Mangel der Tonkunst kann nun doch nie und nimmer einen Mangel
in der Seele des Genießenden zu seinem Bundesgenossen begehren, um so weni
ger, als eine Allianz solchen Schlages die ganze Tonkunst selber zu einem inhalt
losen Spiel, in ästhetischer wie in ethischer Bedeutung herabdrücken müßte, die
Malerei, die Plastik, namentlich die Poesie haben grade darin ihre künstlerische
Aufgabe zu lösen, „Form“ und „Inhalt“ ineinander zu schmelzen, und dieser ge
heimnißvolle Act, den man den schöpferischen Prozeß nennt, gebiert erst das Wun
der jener Form, die als beseelter Leib das Eigentliche, Ewige der Kunst darstellt.
„
Szene, in jener Charakterwendung am leichtesten betasten läßt, und er fordert es
mit Recht; ebenso
hervorzaubert; ebenso der Grieche, der die Majestät des olympischen Gottes aus
dem Marmor entbindet.
begehrt, der Hörer seiner Symphonie soll die „klingend bewegten Formen“ ge
nießen, kann dies nicht in dem absoluten Maße begehren, wie es den früher ge
nannten Künstlern zusteht. Dort sollten wir den Inhalt der Welt, alles was den
Menschengeist und das Menschenherz erfüllt, aus einem Becher edlen Weines trinken
und hier uns plötzlich mit der Glut und Flüßigkeit des Weines allein begnügen?!
Die Musik hat ihre spezifische Schönheit in den „klingend bewegten For
men“ und nach dieser muß zuerst gefragt werden, Gefühle sind nicht ihr Zweck
und nicht ihr Inhalt, aber sie muß Bilder, Gefühle und Gedanken im ästhe
tischsten, „musikalischsten“ Zuhörer erwecken und sie thut es auch. Hundert
Menschen, wenn sie aus einer
würden, das von der Musik Erregte zu Papier zu bringen, müßten, wie
mit Recht behauptet, jeder etwas Anderes zu notiren haben. Wohl, doch jeder
würde etwas zu notiren haben, keiner setzte sich von den Tönen unbefruchtet an
das Pult. Das Materiale dieser Kunst ist eben der Art, daß der Genießende
nicht gebunden wird, daß er im Gegentheil umherschwärmen kann, wie es ihm
gefällt.
stößt im Umkreise von Natur und Kunst in der Musik zum ersten und letzten Mal
auf eine Ausnahme. Dieser Kerker ist mit Fenstern versehen, wenigstens mit Luft
löchern und das Leben strömt wechselseitig, zerstörend und erzeugend, aus und ein.
(Schluß folgt.)
Wenn
Idee zum Schaffen anrege, sondern daß er eine Melodie, ein Thema klingen höre,
so erleidet das keinen Widerspruch; auch der Dichter sieht eine Gestalt, vernimmt
eine Stimme, dem bildenden Künstler geht eine Erscheinung auf, und dann com
poniren, dichten und malen die Leute. Aber jeder unter ihnen, mit Einschluß des
Componisten, wird von der Zeit und ihren Schicksalen, von den Ideen und Con
flicten der Welt berührt, und bei der Produktion eines jeden influenziren ganz
gewaltig die individuellen Leiden und Freuden, und das Alles theilt sich nun
unbewußt dem künstlerischen Gebilde mit. Die Musik ist dem Feuer vergleichbar.
Dieses verzehrt Kronen und Papierstreifen, Blumen und Metall, und diese Gegen
stände werden Feuer und nur Feuer, bald rothstrahlend, bald bläulich züngelnd,
bald in Flammen emporschlagend, bald als Glut sich zusammenpressend, doch das
Feuer hat Kronen und Papierstreifen, Blumen und Metall gefressen.
gang und
schmerzlichsten Art, wenn sie auch den Componisten im Innersten durchzittern,
sie sind nur Klänge, Tonfiguren, Schallwellen, harmonisch verknüpft, zur Melodie
crystallisirt, sobald sie uns als Musik entgegentreten; alle bestimmten Linien er
bleichen, jede Grenze verschwindet, das Individuelle, Concrete des Gedankens und
Gefühls wird zum allgemeinen Feuer, aber im Genießenden wandeln die Schatten
sich in lebendige Individuen um, und Gefühle und Gestalten, wenn auch schein
bar mit ungezügelter Willkühr, steigen in ihm auf. Daß die Musik nun ein
solcher Conductor des Menschengeistes ist, daß sie ebenfalls an den „großen Be
wegungen im Weltall“ participirt, dafür liefert uns die „reine Kunst,” als welche
Vocalmusik, oder die Musik überhaupt, sobald sie mit den übrigen Künsten und
mit dem empirischen Leben sich verbindet, sobald sie mit einem Wort einen dienen
den Charakter annimmt, wie wir dies an jedem vortrefflichen Liede täglich
erfahren können.
Das sechste Capitel des
der Tonkunst zur Natur“ handelt, erläutert uns das merkwürdige Phänomen der
Musik: Inhalt und Form ungetrennt zu besitzen und gibt uns einen Erklärungs
grund für das mysteriöse Gesetz, das in dieser sinnlichsten aller Künste waltet,
welches in uns dennoch einen übersinnlichen Eindruck hervorruft, indem
auf eben so gelehrte als anschauliche Weise die Nichtexistenz eines
Naturschönen für die Mustk darthut. Die Musik ist ausschließlich ein Pro
Das ganze Buch zeichnet sich durch schärfste Analyse und klarste Darstellung
vor den meisten wissenschaftlichen Arbeiten, die in
und namentlich ward, was schon einige Kritiker hervorhoben, die merkwürdige
Ehe zwischen unerbittlicher Dialektik und poetischer Anschauung darin vollzogen.
Man wird auch auf keinem Kunstgebiet etwas Ersprießliches fördern, wenn nicht
in einem und demselben Aesthetiker jene beiden Eigenschaften zusammenfallen,
denn es existiren Punkte in der Kunst, und das sind leider die wichtigsten, wo
man durchaus nur mit der Anschauung den Dingen an den Leib zu rücken ver
mag, wo man nur mit einem Bilde dem Bilde nahe kommt; Glas kann bloß
mit Diamanten geschnitten werden.
Die Ausstattung des Buches von Rudolph
gefällige und dürfte zur größeren Verbreitung desselben beitragen, obgleich es an
und für sich gute Beine hat.