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Unter dem Titel: „ Vom Musicalisch-Schönen.
Ein Beitrag zur Revision der Aesthetik der
Tonkunst von Dr. Eduard Hanslick“ (
Ihren vollen Werth erhalten aber diese formellen Vor
züge freilich erst durch den materiellen Gehalt, welchem sie
dienen. Der wesentliche Haupt-Inhalt unseres Büchleins ist,
in wenige Sätze zusammengedrängt, dieser: Die Gefühle
sind weder Inhalt noch Zweck der Musik, vielmehr hat sie
keinen anderen wesentlichen Inhalt, als sich selbst, und
an diesem Inhalte besitzt sie zugleich ihren Selbstzweck;
nicht das Gefühl in seiner abstracten Einseitigkeit und dun
kelen Verworrenheit ist der eigentliche treibende Nerv im
Componisten, sondern die Phantasie in ihrer alle vereinzel
ten Seelen- und Geisteskräfte concentrirenden Thätigkeit;
eben so soll es sich beim Empfangenden verhalten. Das
ästhetische Verhalten ist in der Musik von dem rein patho
logischen wohl zu unterscheiden. Man sieht, dass diese Sätze
eine Kriegserklärung gegen althergebrachte, vielfach in
Schwung befindliche Anschauungen enthalten, die Vielen
von vorn herein wie eine ketzerische Proclamation erschei
nen wird. Man sehe sich aber das Büchlein nur selbst an,
und wer über dem Fühlen das Denken nicht ganz abge
schworen, wird sich gegen dessen leuchtende Wahrheiten
nicht verschliessen können. Wohl mag es sein, dass der
Verfasser hin und wieder eine Linie zu tief schneidet; aber
bei einem ersten Kampfe gegen ein eingerostetes Uebel ist
nichts natürlicher als das. Auch ist es wahr, dass das Büch
lein, wie der Autor im Vorworte selbst gesteht, noch man
che Lücken hat, dass es noch nicht alle Zweifel und Be
denklichkeiten hebt, seinen Gegenstand noch nicht nach al
len Beziehungen hin durcharbeitet, dass es mehr erst Unter
bau und Haupt-Mauerwerk einer künftigen Festung ist.
Wer aber der Erste Hand anlegt an eine so grosse Arbeit,
noch überdies mit so viel Muth und Geschicklichkeit, dem
gebührt auch Ehre und Dank vor allen Nachfolgenden. Der
Nachfolger, welchen wir Herrn Dr.
begonnenen Werke am liebsten setzen möchten, wäre doch
am Ende wieder er selbst. In eine weitere Inhalts-Specifi
cirung seines trefflichen Buches können wir uns nicht ein
lassen, da wir mit demselben fast so identisch sind, dass
wir, um unsere Meinung darüber zu sagen, es geradezu ab
schreiben müssten. Man informire sich daher selbst, und man
wird es nicht bereuen. Hätten wir hin und wieder Manches
im Einzelnen noch anders gewünscht, so ist dies ein Mini
mum gegen die Vortrefflichkeit des Ganzen, und wird sol
che Erweiterung und Berichtigung der Autor seinem Werke
hoffentlich noch späterhin selbst angedeihen lassen. Denje
nigen aber, welche etwa nach den obigen Andeutungen in
dem
wittern sollten, können wir nur entgegnen, dass man von
der Musik als Kunst keine grössere und würdigere An
schauung haben kann, als sie unser Autor, richtig verstan
den, überall documentirt. Und so möge denn seine Arbeit
überall hin weiteste Verbreitung finden! Die guten Wir
kungen werden nicht ausbleiben.