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Maschinenlesbares Transkript von Dokumenten und Materialien zu Eduard Hanslicks Ästhetik-Traktat „Vom Musikalisch-Schönen“.
Das Verhältniß zur Natur ist für jedes Ding das
Erste, darum das Ehrwürdigste und das Einfluß
reichste. Wer auch nur flüchtig an den Puls der
Zeit gefühlt, der weiß wie die Herrschaft dieser Er
kenntniß in mächtigem Anwachsen begriffen ist. Durch
die moderne Forschung geht ein so starker Zug nach
der Naturseite aller Erscheinungen, daß selbst die
abstraktesten Untersuchungen merklich gegen die Me
thode der Naturwissenschaften gravitieren. Auch die
Aesthetik, will sie kein bloßes Scheinleben füh
ren, muß die knorrige Wurzel kennen wie die zarte
Faser, an welcher jede einzelne Kunst mit dem Na
turgrund zusammenhängt. Hat in dieser Kenntniß
die Wissenschaft des Schönen für Maler und Poeten
Fragmentarisches geliefert, so schuldet sie dem Mu
siker nicht viel weniger als Alles.
Man, pflegte die Naturbeziehungen der Musik haupt
sächlich nur aus physikalischem Standpunkte zu be
trachten und ist über Schallwellen, Klangfiguren,
Monochord u. s. w. wenig hinausgekommen. Ge
schah irgend ein Schritt zu großartigerer Untersu
chung, so gerieth er alsbald ins Stocken, weil er
vor seinen eigenen Resultaten erschrack oder doch vor
dem allzuheftigen Konflikt mit der herrschenden Lehre.
Und doch erschließt das Verhaltniß der Tonkunst zur
Natur die wichtigsten Folgerungen für die musika
lische Aesthetik. Die Stellung ihrer schwierigsten Ma
terien, die Lösung ihrer kontroversesten Fragen hängt
von der richtigen Würdigung dieses Zusammen
hangs ab.
Die Künste — vorerst als empfangend, noch nicht
als rückwirkend betrachtend, — stehen zu der umge
benden Natur in einer doppelten Beziehung. Erstens
durch das rohe körperliche Material, aus welchem sie
schaffen, dann durch den schönen Inhalt, den sie für
künstlerische Behandlung vorfinden. In beiden Punk
ten verhält sich die Natur zu den Künsten als müt
terliche Spenderin der ersten und wichtigsten Mitgift.
Es gilt den Versuch, diese Ausstattung im Interesse
der musikalischen Aesthetik rasch zu besichtigen und
zu prüfen, was die vernünftig und darum ungleich
schenkende Natur für die Tonkunst gethan hat.
Untersucht man, in wiefern die Natur Stoff für
die Musik biete, so ergibt sich, daß sie dies nur in
dem untersten Sinn des rohen Materials thut, wel
ches der Mensch zum Tönen zwingt. Das stumme
Erz der Berge, das Holz des Waldes, der Thiere
Fell und Gedärm sind Alles was wir vorfinden, um
den eigentlichen Baustoff für die Musik: den rei
nen Ton zu bereiten. Wir erhalten also vorerst nur
Eben so wenig wie Melodie kennt die Natur, diese
großartige Harmonie aller Erscheinungen, Harmo
nie im musikalischen Sinn, als Zusammenklingen
Die Griechen kannten keine Harmonie, sondern san
gen in der Oktave oder im Einklang, wie noch heut
zu Tage jene
überhaupt Gesang angetroffen wird. Der Gebrauch
der Dissonanzen, wozu auch Terz und Sext
gehörten, begann allmälig vom zwölften Jahrhundert
an, und bis ins fünfzehnte beschränkte man sich bei
Ausweichungen auf die Oktave. Jedes der Intervalle,
die jetzt unserer Harmonie dienstbar sind, mußte ein
zeln gewonnen werden, und oft reichte ein Jahrhun
dert nicht hin für solch kleine Errungenschaft. Das
kunstgebildetste Volk des Alterthums, sowie die ge
lehrtesten Tonsetzer des früheren Mittelalters konnten
nicht, was unsere Hirtinnen auf der entlegensten Alpe:
in Terzen singen. Durch die Harmonie aber ist der
Tonkunst nicht etwa ein neues Licht aufgegangen,
sondern zum ersten Mal Tag geworden. „Die ganze
Tonschöpfung wurde von dieser Zeit an erst ausge
boren.“ (
Harmonie und Melodie fehlen also in der Natur.
Nur ein drittes Element in der Musik, dasjenige von
dem die beiden ersten getragen werden, existirt schon
vor und außer dem Menschen: der Rhytmus. Im
Galopp des Pferdes, dem Klappern der Mühle, dem
Gesang der Amsel und Wachtel äußert sich eine Ein
heit, zu welcher aufeinanderfolgende Zeittheilchen sich
zusammenfassen und ein anschauliches Ganze bilden.
Nicht alle, aber viele Lautäußerungen der Natur sind
rhytmisch. Und zwar herrscht in ihr das Gesetz des
zweitheiligen Rhytmus, als Hebung und Senkung,
Anlauf und Auslauf. Was diesen Naturrythmus
von der menschlichen Musik trennt, muß alsbald auf
fallen. In der Musik gibt es nämlich keinen isolir
ten Rythmus als solchen, sondern nur Melodie oder
Harmonie, welche rythmisch sich äußert. In der Natur
hingegen trägt der Rythmus weder Melodie noch
Harmonie, sondern nur unmeßbare Luftschwingungen.
Der Rythmus, das einzige musikalische Urelement in
der Natur ist auch das erste, so im Menschen erwacht,
im Kinde, im Wilden sich am frühesten entwickelt.
Wenn die Südsee-Insulaner mit Metallstücken und
Holzstäben rythmisch klappern und dazu ein unfaßli
ches Geheul ausstoßen, so ist das natürliche Mu
sik, denn es ist eben keine Musik. Was wir aber
einen
scheinend keine Spur von Kunst gedrungen, ist durch
aus künstliche Musik. Der Mann meint freilich,
er singe, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: aber
damit dies möglich wurde, mußte die Saat von Jahr
hunderten wachsen.
Wir hätten somit die nothwendigen Elementar
bestandtheile unserer Musik betrachtet und gefunden,
daß der Mensch von der ihn umgebenden Natur nicht
musiciren lernte. In welcher Art und Folge sich unser
heutiges Tonsystem ausgebildet hat, lehrt die Ge
schichte der Tonkunst. Wir haben diese Nachweisung
vorauszusetzen und nur ihr Ergebniß festzuhalten,
daß Melodie und Harmonie, daß unsere Intervallen-
Verhältnisse und Tonleiter, die Theilung von Dur
und Moll nach der verschiedenen Stellung des Halb
tons, endlich die schwebende Temperatur, ohne welche
unsere (
wäre, langsam und allmälig entstandene Schöpfungen
des menschlichen Geistes sind. Die Natur hat dem
Menschen nur die Organe und die Lust zum Singen
mitgegeben, dazu die Fähigkeit, sich auf Grundlage
der einfachsten Verhältnisse nach und nach ein
Tonsystem zu bilden. Man hüte sich vor der Ver
wechslung, als ob dieses (gegenwärtige) Ton
system selbst nothwendig in der Natur läge. Die
Wenn man unser Tonsystem ein „künstliches“
nennt, so gebraucht man dies Wort nicht in dem
raffinirten Sinn einer willkürlichen, konventionellen
Erfindung. Es bezeichnet blos ein Gewordenes
im Gegensatz zum Erschaffenen.
Dies übersieht M. Hauptmann, wenn er den
Aus diesem Prozeß ergibt sich, daß auch unser
Tonsystem im Zeitverlauf neue Bereicherungen und
Veränderungen erfahren wird. Doch sind innerhalb
des gegenwärtigen Systems noch zu große und viel
fache Evolutionen möglich, als das eine Aenderung
im Wesen des Systems anders als sehr fernliegend
erscheinen dürfte. Bestände diese Bereicherung z. B.
in der „Emancipation der Vierteltöne,“ wovon eine
moderne Schriftstellerin schon Andeutungen im Cho
finden will,
Unserem Anspruch, es gebe keine Musik in
der Natur, wird man den Reichthum mannigfal
tiger Stimmen einwenden, welche die Natur so
wundervoll beleben. Sollte das Rieseln des Bachs,
das Klatschen der Meereswellen, der Donner der La
winen, das Stürmen der Windsbraut nicht Anlaß
und Vorbild der menschlichen Musik gewesen sein?
Hatten all die lispelnden, pfeifenden, schmetternden
Laute mit unserm Musikwesen nichts zu schaffen?
Wir müssen in der That mit Nein antworten. Alle
diese Aeußerungen der Natur sind lediglich Schall
und Klang, d. h. in ungleichen Zeittheilen aufein
anderfolgende Luftschwingungen. Höchst selten und
dann nur isolirt bringt die Natur einen Ton her
vor, d. i. einen Klang von bestimmter, meßbarer Höhe
und Tiefe. Töne sind aber die Grundbedingung
aller Musik. Mögen diese Klangäußerungen der Na
tur noch so mächtig oder reizend das Gemüth anre
gen, sie sind keine Stufe zur menschlichen Musik,
sondern lediglich elementarische Andeutungen
einer solchen. Selbst die reinste Erscheinung des na
türlichen Tonlebens, der Vogelgesang, steht zur
menschlichen Musik in keinem Bezug, da er unserer
Skala nicht angepaßt werden kann. Auch das Phä
nomen der Naturharmonie ist auf seine rich
tige Bedeutung zurückzuführen. Die harmonische Pro
gression erzeugt sich auf der gleichbesaiteten Aeols
harfe von selbst, gründet also auf einem Naturgesetz,
allein das Phänomen selbst hört man nirgend von der
Natur unmittelbar erzeugt. Sobald nicht auf einem
musikalischen Instrument ein bestimmter, meßbarer
Grundton angeschlagen wird, erscheinen auch keine
sympathischen Nebentöne, keine harmonische Progres
sion. Der Mensch muß also fragen, damit die
Natur Antwort gebe. Die Erscheinung des Echo
erklärt sich noch einfacher. Es ist merkwürdig, wie
selbst tüchtige Schriftsteller sich von dem Gedanken
einer eigentlichen (nur unvollkommenen) „Musik“ in
der Natur nicht losmachen können. Selbst Hand,
— Die „Musik“ der Natur und die Tonkunst des
Menschen sind zwei verschiedene Gebiete. Der Ueber
gang von der ersten zur zweiten geht durch die Ma
thematik. Ein wichtiger, folgenreicher Satz. Frei
Dadurch, daß in der Musik alles kommensurabel
sein muß, in den Naturlauten aber Nichts kommen
surabel ist, stehen diese beiden Schallreiche unvermit
telt neben einander. Die Natur gibt uns nicht das
künstlerische Material eines fertigen, vorgebildeten
Tonsystems, sondern nur den rohen Stoff der Kör
per, die wir der Musik dienstbar machen. Nicht die
Stimmen der Thiere, sondern ihre Gedärme sind uns
wichtig, und das Thier dem die Musik am meisten
verdankt, ist nicht die Nachtigall, sondern das
Schaf.—
Nach dieser Untersuchung, welche für das Verhält
niß des musikalisch Schönen nur ein Unterbau,
aber ein nothwendiger war, heben wir uns eine Stufe
höher, auf eigentlich ästhetisches Gebiet.
Der meßbare Ton und das geordnete Tonsystem
sind erst womit der Komponist schafft, nicht was
er schafft. Wie Holz und Erz nur „Stoff“ waren
für den Ton, so ist der Ton nur „Stoff“ (Material)
für die Musik. Es gibt noch eine dritte und höhere
Bedeutung von „Stoff,“ Stoff im Sinn des behan
delten Gegenstandes, der dargestellten Idee, des Su
jets. Woher nimmt der Komponist diesen Stoff?
Woher erwächst einer bestimmten Tondichtung der
Inhalt, der Gegenstand, welcher sie als Individuum
hinstellt und von andern unterscheidet?
Die Poesie, die Malerei, die Skulptur
haben ihren unerschöpflichen Quell von Stoffen in
der uns umgebenden Natur. Der Künstler findet sich
durch irgend ein Naturschönes angeregt, es wird
ihm Stoff zu eigener Hervorbringung.
In den bildenden Künsten ist das Vorschaffen
der Natur am auffallendsten. Der Maler könnte kei
nen Baum, keine Blume zeichnen, wenn sie nicht schon
in der äußern Natur vorgebildet wären; der Bild
hauer keine Statue, ohne die wirkliche Menschenge
stalt zu kennen und zum Muster zu nehmen. Das
selbe gilt von erfundenen Stoffen. Sie können nie
im strengen Sinn „erfunden“ sein. Besteht nicht
die „ideale“ Landschaft aus Felsen, Bäumen, Wasser
und Wolkenzügen, lauter Dingen die in der Natur
vorgebildet sind? Der Maler kann nichts malen, was
er nicht gesehen und genau beobachtet hat. Gleich
viel ob er eine Landschaft malt, oder ein Genrebild,
ein Historiengemälde erfindet. Wenn uns Zeitgenossen
einen „
genstand nie wirklich gesehen, aber für jeden Bestandtheil
desselben müssen sie das Vorbild genau der Natur
entnommen haben. Der Maler muß nicht diesen
Mann, aber er muß viele Männer gesehen haben,
wie sie sich bewegen, gehen, stehen, beleuchtet werden,
Schatten werfen; der gröbste Vorwurf wäre gewiß
die Unmöglichkeit oder Naturwidrigkeit seiner
Figuren.
Dasselbe gilt von der Dichtkunst, welche ein
noch weit größeres Feld naturschöner Vorbilder hat.
Die Menschen und ihre Handlungen, Gefühle, Schick
sale, wie sie uns durch eigene Wahrnehmung
oder durch Tradition (— denn auch diese gehört
zu dem Vorgefundenen, dem Dichter Darge
botenen —) gebracht werden, sind Stoff für das
Stellen wir nun diesen Künsten die Musik ent
gegen, so erkennen wir, daß sie ein Vorbild, einen
Stoff für ihre Werke nirgend vorfindet.
Es gibt kein Naturschönes für die Musik.
Dieser Unterschied zwischen der Musik und den üb
rigen Künsten (— nur die Baukunst findet gleich
falls kein Vorbild in der Natur —) ist tiefgehend
und folgerungsreich.
Das Schaffen des Malers, des Dichters ist ein
stetes (inneres oder wirkliches) Nachzeichnen, Nach
formen, — etwas Nachzumusiziren gibt es in
der Natur nicht. Die Natur kennt kein Rondo, keine
Sonate, keine Ouverture. Wohl aber Landschaften,
Genrebilder, Idyllen, Trauerspiele. Der
Satz von der Naturnachahmung in der Kunst, wel
cher noch bei den Philosophen des vorigen Jahrhun
derts gang und gäbe war, ist längst berichtigt, und
bedarf, bis zum Ueberdruß abgedroschen, hier keiner
weiteren Erörterung. Nicht sklavisch nachbilden soll
die Kunst die Natur, sie hat sie umzubilden.
Der Ausdruck zeigt schon, daß vor der Kunst etwas
da sein mußte, was umgebildet wird. Dies ist eben
das von der Natur dargebotene Vorbild, das Natur
schöne. Der Maler findet sich von einer reizenden
Landschaft, einer Gruppe, einem Gedicht, der Dichter
von einer historischen Begebenheit, einem Erlebniß,
zur künstlerischen Darstellung dieses Vorgefundenen
veranlaßt. Bei welcher Naturbetrachtung könnte aber
der Tonsetzer jemals ausrufen: das ist ein präch
tiges Vorbild für eine Ouverture, eine Symphonie!
Der Komponist kann gar nichts umbilden, er muß
alles neu erschaffen. Was der Maler, der Dich
ter in Betrachtung des Naturschönen findet, das muß
der Komponist durch Konzentration seines Innern
herausarbeiten. Er muß der guten Stunde warten,
wo es in ihm anfängt zu singen und zu klingen:
da wird er sich versenken und aus sich heraus etwas
schaffen, was in der Natur nicht seines Gleichen hat
und daher auch, ungleich den andern Künsten, gera
dezu nicht von dieser Welt ist.
Es unterliegt keineswegs eine parteiische Begriffs
bestimmung, wenn wir zu dem „Naturschönen“ für
den Maler und Dichter den Menschen hinzu rech
neten, für den Musiker hingegen den kunstlos aus
der Menschenbrust quellenden Gesang verschwiegen.
Der singende Hirte ist nicht Objekt sondern schon
Subjekt der Kunst. Besteht sein Lied aus meßbaren,
geordneten, wenn noch so einfachen Tonfolgen, so
ists ein Produkt des Menschengeistes, ob es nun ein
Hirtenjunge erfunden hat, oder
Wenn, daher ein Komponist wirkliche Nationalme
lodien benützt, so ist dies kein Naturschönes, denn
man muß bis zu Einem zurückgehen, der sie erfun
den hat, — woher hatte sie dieser? Fand er ein
Vorbild dafür in der Natur? Dies ist die berechtigte
Frage. Die Antwort kann nur verneinend lauten.
Der Volksgesang ist kein Vorgefundenes, kein Na
turschönes, sondern die erste Stufe wirklicher Kunst,
naive Kunst. Er ist für die Tonkunst eben so
wenig ein von der Natur erzeugtes Vorbild als die
mit Kohle an Wachtstuben und Schüttböden geschmier
ten Blumen oder Soldaten natürliche Vorbilder für
die Malerei sind. Beides ist menschliches Kunstpro
dukt. Für die Kohlenfiguren lassen die Vorbilder in
der Natur sich nachweisen, für den Volksgesang nicht;
man kann nicht hinter ihn zurückgehen.
Zu einer sehr gangbaren Verwirrung gelangt man,
wenn man den Begriff des „Stoffs“ für die Musik
in einem angewandten höheren Sinn nimmt und
darauf hinweist, daß
ture zu
nicht an dramatische Zwecke mahne, — eine Musik
„ Egmont“ geschrieben hat,
Man darf dann vielleicht sagen:
vertüre „ Prometheus“ sei zu wenig großartig
Man erräth, wie eng das Verhältniß der Musik
zum Naturschönen mit der ganzen Frage von ihrem
Inhalt zusammenhängt.
Noch einen Einwand wird man aus der musikalischen
Literatur herholen, um der Musik ein Naturschönes
zu vindiziren. Beispiele nämlich, daß Tonsetzer aus
der Natur nicht blos den poetischen Anlaß geschöpft
(wie in obgenannten Historien), sondern wirklich
hörbare Aeußerungen ihres Tonlebens nachgebildet
haben: der Hahnenruf in
Kuckuk, Nachtigall und Wachtelschlag in
„
Symphonie
mungen hören und in einem musikalischen
Kunstwerk hören, so haben sie doch darin keine mu
sikalische Bedeutung, sondern eine poetische. Es soll
uns der Hahnenschrei nicht als schöne Musik oder
überhaupt als Musik vorgeführt werden, sondern
nur der Eindruck zurückgerufen, welcher mit jener Natur
erscheinung zusammenhängt. Allgemein bekannte Stich
wörter, Citate, sind es, welche uns erinnern: Es ist früher
Morgen, laue Sommernacht, Frühling. Ohne diese be
schreibende Tendenz hat nie ein Komponist Natur
stimmen zu wirklich musikalischen Zwecken verwenden
können. Ein Thema können alle Naturstimmen
der Erde zusammen nicht hervorbringen, eben weil
sie keine Musik sind, und sehr bedeutungs
voll erscheint es, daß die Tonkunst von der Na
tur nur Gebrauch machen kann, wenn sie in die Ma
lerei pfuscht.