--- name: betrieb-vertraege-und-personal-koordinieren description: "Ordnet laufende Verträge, Betriebsfortführung und Personalschnittstellen nach Leistungszeit, Befugnis und Entscheidung. Erstellt handlungsfähige Vertrags- und Übergabevorlagen ohne eigenmächtige Wahlrechte oder Kündigungen." --- # Betrieb, Verträge und Personalschnittstellen koordinieren ## 1. Zweck und Anwendungsfall Dieser Skill strukturiert laufende betriebliche Vorgänge für die Insolvenzverwaltung. Er erstellt die konkret benötigte Vertragsübersicht, Entscheidungsnotiz, Anfrage oder Personalübergabe. Der Schwerpunkt liegt auf dem richtigen nächsten Arbeitsschritt und seiner fachlichen Zuständigkeit; eine vollständige arbeitsrechtliche oder steuerliche Beratung wird nicht ohne Auftrag fingiert. Fortführung, Stilllegung, Erfüllungswahl und Kündigung können weitreichende Wirkungen haben. Sachbearbeitung bereitet diese Entscheidungen anhand der Akte vor. Sie kann ohne gesonderte Erklärung der zuständigen Person keine Verträge erfüllen lassen, Rechte aufgeben oder Beschäftigte kündigen. Auch eine scheinbar einfache Lieferbestätigung kann eine rechtlich relevante Verpflichtung enthalten. ## 2. Eingaben Lesen Sie Verträge samt Nachträgen, Leistungs- und Bestellübersichten, Beschlüsse, laufende Abrechnungen, Personalstammdaten im erforderlichen Umfang, Lohnlisten, Insolvenzgeldunterlagen und bestehende Fortführungsentscheidungen. Benötigt werden jeweils Vertragspartner, Leistung, Zeitraum, Kündigungs- oder Wahlfrist, wirtschaftliche Bedeutung und verfügbare Belege. Fragen Sie nur nach entscheidenden Unterlagen, beispielsweise dem Kündigungsnachtrag oder der gerichtlichen Einzelermächtigung. Personenbezogene Daten werden nach Aufgabe beschränkt. Eine allgemeine Personaldatei wird nicht ungeprüft an Lieferanten, Gläubiger oder andere Verfahren weitergereicht. ## 3. Ablauf und Checkliste ### 3.1 Betriebsrelevante Verträge priorisieren Ordnen Sie Energie, Räume, IT, Versicherungen, Leasing, Lieferbeziehungen und Personal nach tatsächlicher Betriebsbedeutung, Frist und finanzieller Wirkung. Eine drohende Abschaltung benötigt eine andere Priorität als die Archivierung eines erledigten Vertrags. Erfassen Sie bereits erfolgte Erklärungen und deren Zugang. Interne Absicht, Entwurf, versandte Erklärung und wirksame Vertragsänderung sind getrennte Zustände. Halten Sie offene Tatsachen so fest, dass die verantwortliche Person eine konkrete Entscheidung treffen kann. ### 3.2 Leistungszeit und insolvenzrechtliche Behandlung prüfen Trennen Sie vor und nach Eröffnung begründete Ansprüche sowie gegebenenfalls Vorgänge der vorläufigen Verwaltung. Für gegenseitige Verträge prüfen Sie Paragraf 103 InsO und einschlägige Sonderregeln. Miet-, Pacht- und Dienstverhältnisse erfordern insbesondere den Blick auf Paragraf 108 InsO; weitere Kündigungs- oder Verwertungsregeln sind auf den konkreten Vertrag anzuwenden. Eine monatliche Rechnungsstellung macht Energie- oder IT-Verträge nicht automatisch zu Dienstverhältnissen im gesetzlichen Sinn. Dokumentieren Sie die benötigte juristische Entscheidung. ### 3.3 Entscheidung wirtschaftlich und rechtlich vorbereiten Stellen Sie für die tatsächlich in Betracht kommenden Optionen Kosten, Nutzen, Fristen, Voraussetzungen und Beleglage gegenüber. Eine Fortführungsprognose verwendet belegte Zahlungen und belastbar bezeichnete Annahmen. Ein erwarteter Auftrag ist kein gesicherter Zahlungseingang. Formulieren Sie den konkreten Entscheidungsvorschlag und den erforderlichen Erklärungstext. Vertragliche Zustimmungsvorbehalte, gerichtliche Anordnungen und interne Freigaben bleiben sichtbar. Wenn eine Option ausscheidet, nennen Sie den Grund statt sie kommentarlos aus der Akte zu entfernen. ### 3.4 Personal und Insolvenzgeld abgleichen Erfassen Sie Anspruchsmonate, Beschäftigte, Brutto- und Nettobeträge, Zahlungen und behauptete Rechtsübergänge. Nach Paragraf 169 SGB III ist der Insolvenzgeldantrag für den gesetzlichen Übergang der erfassten Entgeltansprüche relevant; die bloße Auszahlung ist nicht der einzige zu betrachtende Zeitpunkt. Vorfinanzierung und Verfügungen nach Paragraf 170 SGB III sind gesondert zu prüfen. Beitragsansprüche werden nicht pauschal wie Entgeltansprüche auf die Bundesagentur übertragen. Verhindern Sie wirtschaftliche Doppelzählung zwischen Arbeitnehmer- und Agenturanmeldungen. ### 3.5 Fachliche Schnittstellen konkret übergeben An arbeitsrechtlich Verantwortliche gehen Vertrag, Beschäftigungsdauer, Zugangsnachweise, Frist und konkrete Fragestellung. An Buchhaltung gehen Leistungszeitraum, Freigabe und Zahlungsvorlage. An Forderungsprüfung gehen individualisierte Ansprüche je Person und Zeitraum. Eine Sammelanmeldung muss die einzelnen Forderungen bestimmbar machen; Sonderwissen der Verwaltung ersetzt fehlenden Anmeldeinhalt nicht. Steuerfragen werden mit tatsächlichem Vorgang und Zeitraum übergeben, statt über bloße Schlagworte wie „Masse“ gelöst zu werden. ### 3.6 Erklärungen und Rückläufe fortführen Entwerfen Sie die beauftragte Mitteilung vollständig und kontrollieren Sie, ob sie eine Erfüllungswahl, Zusage, Kündigung oder sonstige bindende Erklärung enthält. Markieren Sie die konkrete fachliche Freigabe. Nach dokumentiertem Versand überwachen Sie Zugang und Antwort, ohne einen nicht vorhandenen Zustellnachweis zu behaupten. Antworten werden in denselben Vertragseintrag eingearbeitet und auf Auswirkungen für Betrieb, Masseplanung und Forderungen geprüft. Ein erledigter Teilauftrag wird mit fertigem Produkt und verbleibender Zuständigkeit abgeschlossen; zusätzliche Prozesse werden nicht allein wegen verfügbarer Skills eröffnet. ## 4. Quellenpflicht Prüfen Sie insbesondere Paragrafen 55, 103, 107 bis 113 InsO und Paragrafen 169, 170, 175 SGB III. BAG, Urteil vom 20.02.2025 – 6 AZR 32/24, amtlicher Volltext, Randnummern 22 bis 34, verlangt für übergeleitete Entgeltforderungen eine hinreichende Individualisierung, insbesondere Arbeitnehmer, Beträge und Zeiträume. Trägt nicht: Jede Sammelanmeldung sei unzulässig. Nachträgliche Konkretisierung nach Prüfung ersetzt nicht ohne Weiteres die erforderliche erneute Prüfung. Arbeitsrechtliche Kündigungsfragen und Insolvenzgeldanspruch selbst bleiben nach ihren eigenen Voraussetzungen zu untersuchen. Die [Rechtsquellenreferenz](../../references/rechtsquellen.md) dokumentiert Originalquelle, gelesenen Bereich, Aussage und Grenze. Befolgen Sie die [Zitierweise](../../references/zitierweise.md). Vor Verwendung im konkreten Auftrag prüfen Sie Normfassung, zeitlichen Anwendungsbereich und tatsächliche Vergleichbarkeit. Zitieren Sie Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und gelesene Randnummer oder Seite. Keine Literaturfundstellen aus Modellwissen und keine allgemeine Bindung anderer Gerichte aus einem Präzedenzfall ableiten. Ist ein tragender Originaltext nicht zugänglich, benennen Sie die konkret offene Rechtsfrage. Ein Suchtreffer oder eine frühere KI-Antwort belegt keine Originallektüre. Bearbeiten Sie unabhängige Teile weiter und legen Sie eine bedingte Bewertung offen, wenn der Auftrag dies erlaubt. Quellenstatus und Rechenkontrolle bleiben im internen Vermerk; der Empfängertext erhält nur die für seine Aufgabe erforderlichen Nachweise. ## 5. Ausgabeformat Das beauftragte Dokument steht zuerst. Fügen Sie danach eine kurze interne Übergabenotiz mit Verfahrens- und Vorgangskennung, Bearbeitungsstichtag, führender Fassung, entscheidenden Belegen, offenen Punkten, Frist und konkret nächster Handlung bei. Tabellen sind zulässig, wenn sie Zuordnungen oder Berechnungen verständlicher machen; sie ersetzen nicht den bestellten ausformulierten Vermerk oder Brief. Wesentliche Gegenargumente bleiben sichtbar und werden nicht allein aus Platzgründen entfernt. Es gilt die Ausformulierungspflicht: Alle Endprodukte werden in vollständigen, grammatikalisch sauberen Sätzen geliefert. Skelette, Halbsätze, leere Klauselrümpfe und reine Aufzählungs-Auswürfe sind als Endprodukt verboten. Fehlende Einzelangaben erhalten klare Platzhalter, während der umgebende Satz vollständig bleibt. Verwerfen Sie ein bloßes Gerüst und schreiben Sie es vollständig aus. Formatierte Dokumente verwenden soweit technisch möglich Times New Roman, 11 pt und ausschließlich dezimale Gliederung. Bei Markdown oder Chat steht der Formatwunsch in einem getrennten Exporthinweis. Prüfen Sie vor Abschluss Namen, Beträge, Rechtsgrund, Anlagen und Fassung auf Übereinstimmung. Interne Sichtung, Berechnung und Entwurfsarbeit laufen innerhalb des Auftrags weiter. Versand, Einreichung, Auszahlung, Herausgabe, Anerkenntnis und Verzicht benötigen die konkrete Freigabe der zuständigen Person. Behaupten Sie keine erzeugte Datei, erfolgte Übermittlung oder gerichtliche Entscheidung ohne tatsächlichen Nachweis. ## 6. Beispiele Die Werkzeugkiste benötigt eine geleaste Maschine zur Fortführung. Der Skill liest Vertrag, Besitzlage und Beschluss, ermittelt anstehende Zahlungen und bereitet eine konkrete Entscheidung vor. Eine formlose Anfrage des Leasinggebers wird nicht automatisch mit einer Erfüllungszusage beantwortet. Für drei Beschäftigte liegen Agentur- und Arbeitnehmeranmeldungen vor. Die Übergabe individualisiert Beschäftigte, Zeiträume und Beträge und kennzeichnet mögliche Überschneidungen, bevor die Forderungsroute die Ansprüche bewertet.