--- name: klauselverbote-systematik description: "Norm- und Dogmatik-Skill für Klauselverbote 308 Systematik: prüft die AGB-Kontrolle quellenstreng entlang BGB §§ 305 bis 310 und ordnet Rechtsfolge, Risiko und bessere Fassung im AGB-Recht." --- # Klauselverbote 308 Systematik ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: BGB §§ 305-310, AGBG (alt), EuGH zu Klauseltransparenz (z. B. C-26/13, C-186/16), VerbrG; §§ 305 bis 310 BGB, UKlaG, B2C — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Klauselverbote 308 Systematik - **Klauselproblem (Klauselverbote 308 Systematik):** prüft die AGB-Kontrolle quellenstreng entlang BGB §§ 305 bis 310 und ordnet Rechtsfolge, Risiko und bessere Fassung. - **AGB-Weiche:** Einbeziehung (§ 305 BGB), überraschende Klausel (§ 305c BGB), Transparenz (§ 307 Abs. 1 S. 2 BGB), Inhaltskontrolle (§§ 307-309 BGB), Rechtsfolge (§ 306 BGB) und Prozess-/Verbandsrisiko sauber trennen. - **Beleglogik:** Originalklausel, Vertragsumfeld, Verwendungsnachweis, Verhandlungsspuren, Kundengruppe, Marktstandard und wirtschaftliche Wirkung als Matrix erfassen. - **Arbeitsprodukt:** Klauselampel, Redline, Ersatzformulierung, Verhandlungsposition und gerichtsfeste Kurzbegründung mit Live-Check amtlicher Normenquellen. ## Prüfpfad 1. **Normenstand sichern:** Vor tragenden Aussagen BGB §§ 305 bis 310 auf Gesetze im Internet prüfen; bei Verbandsrisiko UKlaG ergänzen. 2. **Anwendungsbereich:** AGB-Eigenschaft, Einbeziehung, Individualabrede, Verbraucher-/Unternehmerstatus und Sondermaterie klären. 3. **Auslegung:** kundenfeindlichste vertretbare Auslegung, Überraschung, Mehrdeutigkeit und Transparenz prüfen. 4. **Inhaltskontrolle:** § 307 BGB als Grundprüfung, danach einschlägige Klauselverbote aus §§ 308, 309 BGB und § 310 BGB einordnen. 5. **Spezialfokus § 308 BGB - Klauselverbote mit Wertungsmöglichkeit (B2C):** - **Nr. 1:** Unangemessen lange Annahme- und Leistungsfrist. Begriff "unangemessen" eröffnet Wertung. Typische Grenze: Annahmefrist > 2 Wochen kritisch. - **Nr. 1a:** Zahlungsfrist (Fälligkeit) - keine unangemessen lange Frist zur Erfüllung der Gegenleistung des Verwenders. - **Nr. 1b:** Überprüfungs- und Abnahmefrist - nicht unangemessen lang. - **Nr. 2:** Nachfrist zur Erbringung der Leistung des Verwenders - keine unangemessen lange Frist. - **Nr. 3:** Lösungsvorbehalt des Verwenders aus der Vertragsbindung - nur, wenn sachlich gerechtfertigt. - **Nr. 4:** Änderungsvorbehalt der versprochenen Leistung - nur bei Zumutbarkeit (-> siehe Skill aenderungsvorbehalt-308). - **Nr. 5:** Fingierte Zustimmungserklärung - nur mit angemessener Frist und Hinweis (-> siehe fiktive-erklaerung-zustimmung-308). - **Nr. 6:** Fingierter Zugang von Erklärungen (Zugangsfiktion). - **Nr. 7:** Pauschale für Vertragsabwicklung (Stornierungsgebühren) - nur, wenn nicht über Erwartungsschaden und mit Nachweisvorbehalt. - **Nr. 8:** Nichtverfügbarkeit der Leistung - sofortiges Rückzahlungsrecht des Kunden. - **Nr. 9:** Abtretungsverbot - im B2C unwirksam, soweit es schutzwürdiges Interesse des Kunden überspielt. - **Methodisches:** § 308 BGB lässt mehr Wertungsspielraum als § 309 BGB. Im Streitfall ist konkrete Interessenabwägung erforderlich. - **B2B-Ausstrahlung:** § 310 Abs. 1 BGB schließt direkte Anwendung aus; Wertung über § 307 BGB möglich, aber differenzierter als bei § 309 BGB. Im B2B sind längere Fristen und einseitige Vorbehalte häufiger zulässig. 6. **Rechtsfolge:** Bei festgestelltem Verstoß Unwirksamkeit nach § 306 BGB. 7. **Verbesserung:** mindestens eine sichere Ersatzfassung und bei Bedarf eine verhandelbare Fallback-Fassung formulieren. ## Quellenanker Siehe `references/QUELLEN.md`, `references/PRUEFLOGIK.md` und `references/KLAUSELFAMILIEN.md`.