--- name: rezeptur-plausibilitaetspruefung-herstellungsanweisung description: "Rezeptur Plausibilitätsprüfung Herstellungsanweisung: prüft die einschlägigen Voraussetzungen, Dokumente, Risiken und Ausnahmen. Norm-/Quellenanker: ApoG, ApBetrO, AMG, AMPreisV, HWG, BtMG/BtMVV, SGB V, DSGVO, E-Rezept/TI-Hinweise, Landesaufsicht im Apothekenrecht." --- # Rezeptur Plausibilitätsprüfung Herstellungsanweisung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Rezeptur Plausibilitätsprüfung Herstellungsanweisung - **Normen-/Quellenanker:** ApoG, ApBetrO, AMG, BtMG, SGB V, Heilmittelwerberecht, Versandhandel, Rezept/Retaxation, Heimversorgung und Aufsicht. - **Entscheidende Weiche:** Apothekenbetrieb, Abgabe, Rezept, Verantwortlichkeit, Dokumentation, Aufsicht, Retaxation und Patientensicherheit getrennt prüfen. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Worum geht es konkret Individualrezeptur: Apotheke stellt im Einzelfall auf ärztliche Verschreibung ein Arzneimittel her (z. B. Salbe mit Wirkstoff X in Konzentration Y, Saft für Kind, Kapseln nicht zugelassener Wirkstoffstärke). Pflicht ist eine **Plausibilitätsprüfung** (§ 7 ApBetrO) und eine schriftliche **Herstellungsanweisung** mit Dokumentation. Bei Fehlern droht Patientenschaden, Anhörung, Haftung (§§ 280, 823, 84 AMG-analog) und Aufsichtsmassnahmen. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Individualrezeptur erstmals geplant, Schritt-für-Schritt-zu prüfen. - Schaden eingetreten — Patient meldet Nebenwirkung; Apotheke prüft Verantwortung. - Aufsicht beanstandet fehlende Plausibilitätsprüfung. - Schulung der pharmazeutischen Mitarbeiter zur Rezeptur. Eingaben: - Verschreibung mit Wirkstoff, Konzentration, Trägermedium, Menge. - Apothekenrezeptur-Software / NRF (Neues Rezeptur-Formularium) / DAC (Deutscher Arzneimittel-Codex). - Ausgangsstoff-Prüfprotokoll, Lieferantennachweis. - Plausibilitätsformular, Herstellungsanweisung, Herstellungsprotokoll. ## Rechtlicher Rahmen - **§ 7 ApBetrO:** Pflicht zur Plausibilitätsprüfung **vor** Herstellung. Geprüft werden: Wirkstoff, Konzentration, Galenik, Kombination, Indikation, Risiken. - **§ 8 ApBetrO:** Schriftliche Herstellungsanweisung; Pflicht zur Prüfung der Ausgangsstoffe. - **§ 14 ApBetrO:** Dokumentation Herstellung — Herstellungsprotokoll mit Charge, Datum, Bearbeiter. - **§ 21 ApBetrO:** QMS. - **§ 11 ApBetrO:** Beratung Patient. - **§ 21 AMG:** Zulassungspflicht — Rezeptur ist ausgenommen (Einzelfertigung). - **AMVV** für die Verschreibung. - **NRF / DAC** als anerkannte Standards (vom Anwender zu verifizieren — Aktualität). - BGH, staend. Rspr. zur Apothekenhaftung bei Rezepturfehlern. ## / Schritt für Schritt 1. **Plausibilitätsprüfung VOR Herstellung:** - Wirkstoff vorhanden, geeignet, korrekt dosiert für Indikation? - Konzentration plausibel für angegebene Indikation? (z. B. Cortison-Salben — Stärken) - Galenik kompatibel mit Trägermedium? - Kombinationen verträglich (Hilfsstoffe, pH, Hydroskopie)? - Patientenfaktoren: Alter, Allergie, Schwangerschaft? - Bei Bedenken: Rücksprache mit Arzt — Dokumentation. 2. **Herstellungsanweisung:** Schriftlich, mit Wirkstoff, Hilfsstoffen, Gerätschaft, Reihenfolge, Endkontrolle. 3. **Ausgangsstoffe prüfen:** Identitätsprüfung (eigene oder zertifiziert), Chargenprüfung, Verfall. 4. **Herstellung:** Reinraum-Bedingungen, Personalhygiene, Geräte gereinigt. 5. **Endkontrolle:** Visuell, Gewicht, ggf. pH/Konsistenz. 6. **Etikettierung:** Apothekenname, Patient, Wirkstoff, Konzentration, Verfall, Lagerhinweis, Anwendungshinweis. 7. **Herstellungsprotokoll:** Datum, Bearbeiter, Charge, Identifikationsnummer. 8. **Beratung Patient:** Anwendung, Aufbewahrung, Verfall, Risiken. 9. **Aufbewahrung Dokumentation:** Drei Jahre, bei BtM-Rezeptur zehn Jahre. ## Trade-off-Matrix | Rezeptur-Typ | Plausibilitätsprüfung | Herstellungsanweisung | Endkontrolle | |---|---|---|---| | NRF-Standardrezeptur | vereinfacht (Verweis NRF) | NRF-Anleitung | Standard | | Individuelle Salbe nach Arztwunsch | umfassend | individuell | sensorisch + Gewicht | | Kapseln mit Wirkstoff < Zulassung | umfassend, ggf. Rücksprache | individuell | Wirkstoffmenge pro Kapsel | | Kinderrezeptur (Saft) | umfassend, alters-/gewichtsadaptiert | individuell | pH, Geschmack, Stabilität | | Sterilrezeptur Augentropfen | sehr hoch (Reinraum) | streng nach SOP | Sterilkontrolle | ## Praxistipps - Bei Zweifel an Plausibilität — Rücksprache Arzt **schriftlich** dokumentieren. Telefonat allein bietet keinen Beweis. - NRF/DAC-Standardrezepturen wann immer möglich verwenden — geprüfte Sicherheit + Vereinfachung Doku. - Software-Tools für Plausibilität (DAP, ABDA-DB) nutzen — reduzieren menschliche Fehler erheblich. - Bei Schaden: sofortige Untersuchung, Dokumentation aller Schritte, Versicherung informieren. - Auszubildende dürfen Rezeptur unter Apothekeraufsicht; Letztverantwortung verbleibt bei Apotheker:in. ## Mustertexte ### Plausibilitätsprüfungs-Formular (Auszug) "Datum / Rezept-Nr.: [...] | Patient: [Initialen, Geb.-Datum] | Verordnung: [Wirkstoff, Konzentration, Hilfsstoffe, Menge] | Prüfung: 1. Indikation [ja/nein/Rücksprache]; 2. Konzentration plausibel [ja/nein]; 3. Galenik kompatibel [ja/nein]; 4. Hilfsstoff-Verträglichkeit [ja/nein]; 5. Patientenfaktoren [Allergie/Alter/Schwangerschaft] | Rücksprache Arzt: [ja/nein, Datum, Inhalt] | Plausibilität bestätigt durch: [Name Apotheker:in] | Freigabe zur Herstellung: [Datum]" ### Herstellungsanweisung (Auszug) "Rezeptur-Nr.: [...] | NRF/DAC-Referenz: [...] / Individualrezeptur | Wirkstoff: [Name, Menge] | Hilfsstoffe: [Liste mit Mengen] | Gerätschaft: [Liste] | Reihenfolge: 1. ... 2. ... 3. ... | Mischtechnik: [Salbenmühle, Fantaschale, Magnetrührer] | Endprüfung: [visuell/Gewicht/pH/Konsistenz] | Etikettierung: [Wortlaut] | Verfall: [Datum, basierend auf Stabilitätsstudien]" ## Typische Fehler - Keine Plausibilitätsprüfung dokumentiert, "haben wir geprüft" reicht nicht. - Identitätsprüfung Ausgangsstoff nur durch Zertifikat-Sichtung — die ApBetrO verlangt eigene Identitätsprüfung. - Herstellungsprotokoll wird erst Tage später ausgefüllt — Chargennummer nicht mehr nachvollziehbar. - Hilfsstoff allergisch beim Patient, nicht im Plausibilitätscheck erkannt. - Verfallsdatum auf Etikett zu generös; eigene Stabilitätsdaten fehlen. ## Quellen Stand 06/2026 - ApBetrO §§ 7, 8, 11, 14, 21. - AMG § 21. - NRF (Neues Rezeptur-Formularium) und DAC (Deutscher Arzneimittel-Codex), Verlag GOVI; Aktualität vom Anwender zu verifizieren. - ABDA-Leitlinien zur Rezeptur (vom Anwender zu verifizieren). - BGH, staend. Rspr. zur Apothekenhaftung bei Herstellungsfehlern. - Landesaufsicht-Merkblätter zur Rezeptur (vom Anwender zu verifizieren).