--- name: aussenwirtschaft-exportkontrollklauseln-vertrag description: "Gestaltung exportkontrollrechtlicher Vertragsklauseln in Liefer-, Lizenz- und Kooperationsvertraegen: No-Russia-Clause nach Art. 12g VO (EU) 833/2014, Endverwendungsklauseln, Re-Export-Verbote, Ruecktrittsrechte bei Genehmigungsversagung, Vertragsstrafen bei Verstoss. Output: Klauselbausteine und..." --- # Exportkontrollklauseln im Vertrag: Gestaltung und Pruefung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: AWG, AWV, EU-Dual-Use-VO 2021/821, EU-Sanktionsverordnungen, ZollkodexUnion, IranEmbargoVO, RusslandSanktionenVO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Mandantenfall - Liefervertrag mit tuerkischem Abnehmer enthaelt keine Re-Export-Beschraenkung; Russland-Sanktionsrisiko. - Lizenzvertrag mit US-Technologie-Lizenzgeber verlangt ITAR-Flowdown-Klauseln. - Kaufvertrag ueber Dual-Use-Maschine ohne Ruecktrittsrecht bei Genehmigungsversagung abgeschlossen. ## Erste Schritte 1. Gueter und Technologie klassifizieren und Genehmigungspflicht feststellen. 2. Relevante Rechtsregime identifizieren: EU-Sanktionen (No-Russia-Clause), US EAR/ITAR, nationale Genehmigungen. 3. Bestehenden Vertrag auf exportkontrollrechtliche Klauseln pruefen. 4. Erforderliche Klauseln identifizieren: No-Russia, Endverwendung, Re-Export-Verbot, Ruecktrittsrecht. 5. Klauselbausteine formulieren oder US-Musterklauseln adaptieren. 6. Vertragsstrafenregime für Verstoss gegen Exportkontrollklauseln einbauen. ## Rechtsrahmen - **Art. 12g VO (EU) 833/2014**: Pflicht zur No-Russia-Clause für Anhaenge-XI/XX/XXXV-Gueter. - **Art. 9 VO (EU) 833/2014**: Bereitstellungsverbot und vertragliche Absicherung. - **§ 18 AWG**: Strafbarkeit; vertragliche Mitverantwortung. - **§ 280 BGB**: Schadensersatz bei Verletzung vertraglicher Exportkontrollpflichten. - **§ 119 BGB**: Anfechtung bei Irrtum ueber Genehmigungspflicht. ## Pruef-Raster - [ ] No-Russia-Clause nach Art. 12g VO 833/2014 erforderlich und enthalten? - [ ] Endverwendungsklausel mit konkreten Verboten formuliert? - [ ] Ruecktrittsrecht bei Genehmigungsversagung vereinbart? - [ ] Re-Export-Verbot in relevante Drittlaender enthalten? - [ ] Vertragsstrafe bei Verstoss bestimmt und durchsetzbar? - [ ] US-Recht-Flowdown-Anforderungen des Lizenzgebers beachtet? ## Typische Fallstricke - No-Russia-Clause nur auf Papier ohne Monitoring ist kein Schutz; Vertragsstrafe muss Abschreckungswirkung haben. - Ruecktrittsrecht muss Genehmigungsversagung als Schicksal der Lieferpflicht regeln. - ITAR-Flowdown durch US-Lizenzgeber kann unbemerkt weitgehende Pflichten auferlegten. - Formulierung 'geltende Exportkontrollvorschriften' ist zu unbestimmt; konkrete Normen nennen. ## Schnittstellen zu anderen Skills Dieser Skill kann mit thematisch benachbarten Skills kombiniert werden, insbesondere: - Sanktionsscreening und Listenpruefung: `aussenwirtschaft-sanktionsscreening-fuzzy-match` - Exportkontrollklassifizierung: `aussenwirtschaft-gueterlisten-klassifizierung` - Freiwillige Offenlegung gegenueber BAFA oder Hauptzollamt: `aussenwirtschaft-freiwillige-offenlegung-bafa-zoll` - Interne Compliance-Programme: `aussenwirtschaft-icp-kontrollsystem` ## Qualitaetsanforderungen - Sachverhalt vollstaendig: Alle Beteiligten inklusive UBO/Eigentum/Kontrolle erfasst? - Normverweise konkret: Artikel und Absatz zitiert, nicht nur Verordnungsnummer? - Quellenstand datiert: Sanktionslisten, TARIC, Gueltigkeitsdaten dokumentiert? - Sofortmassnahmen klar: Stop-Ship, Hold, Eskalation explizit benannt wenn Risiko rot? - Audit-Trail vollstaendig: Entscheidung, Begruendung, Verantwortlicher, Frist? - Output mandantentauglich: Kein Fachwort ohne Erlaeuterung für Compliance und Business? - Vertraulichkeit: Mandatsgeheimnisse nicht in ungesicherte externe Systeme eingeben. ## Quellen - [VO (EU) 833/2014 auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0833) - [EU-Kommission No-Russia-Clause Muster](https://finance.ec.europa.eu/eu-and-world/sanctions-restrictive-measures/sanctions-policy-and-legal-framework_en) - [AWG auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/awg_2013/index.html) - [BAFA Exportkontrolle allgemein](https://www.bafa.de/DE/Aussenwirtschaft/Ausfuhrkontrolle/ausfuhrkontrolle_node.html)