--- name: aussenwirtschaft-post-merger-icp-integration description: "Integration des Internal Compliance Programme nach M&A: Harmonisierung von ICP-Standards zwischen Kaeufer und Zielunternehmen, Risikolucken-Schliessen, Schulungsrollout für neue Mitarbeiter, BAFA-Mitteilung bei Inhaberwechsel exportkontrollrelevanter Genehmigungen. Output: ICP-Integrationsplan un..." --- # Post-Merger ICP-Integration: Harmonisierung und Lueckenschliessung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: AWG, AWV, EU-Dual-Use-VO 2021/821, EU-Sanktionsverordnungen, ZollkodexUnion, IranEmbargoVO, RusslandSanktionenVO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Mandantenfall - Kaeufer hat starkes ICP; Zielunternehmen hat nur rudimentaere Exportkontroll-Prozesse; 6-Monate-Plan. - Genehmigungen des Zielunternehmens (BAFA-Genehmigungen) laufen auf alten Rechtstraeger; Uebertragung? - Konzernweite ICP-Vereinheitlichung nach Auslandsaqkuisition in Drittland. ## Erste Schritte 1. ICP-Gap-Analyse zwischen Kaeufer-Standard und Zielunternehmen durchfuehren. 2. Kritische Luecken identifizieren: fehlende Gueterklassifizierungen, kein Sanktionsscreening, kein Ausfuhrverantwortlicher. 3. BAFA ueber relevante Aenderungen (Inhaberwechsel, Umstrukturierung) informieren; Genehmigungsuebertragung pruefen. 4. Integrationsplan mit Meilensteinen: sofortige Massnahmen, 3 Monate, 6 Monate. 5. Schulungsrollout für alle exportkontrollrelevanten Mitarbeiter des Zielunternehmens planen. 6. Gemeinsames ICP-Handbuch verabschieden und System-Integration (ERP, Screening-Tool) vorantreiben. ## Rechtsrahmen - **Art. 12 VO (EU) 2021/821**: ICP als Bedingung für Globalgenehmigungen. - **AWG § 18**: Fortlaufende Strafbarkeit des Rechtsnachfolgers bei Verstossen. - **AWV §§ 68 ff.**: Aufzeichnungspflichten unveraendert nach Inhaberwechsel. - **§ 25 UmwG**: Gesamtrechtsnachfolge und Haftungswirkung. - **§ 130 OWiG**: Aufsichtspflichtverletzung als Bussgeltatbestand.** ## Pruef-Raster - [ ] ICP-Gap-Analyse vollstaendig durchgefuehrt? - [ ] BAFA ueber Inhaberwechsel und Genehmigungsaenderungen informiert? - [ ] Kritische Sofortmassnahmen innerhalb erster 30 Tage eingeleitet? - [ ] Schulungsplan für neue Mitarbeiter konkret terminiert? - [ ] Integrationsplan mit Meilensteinen und Verantwortlichen verabschiedet? - [ ] Gemeinsames ICP-Handbuch erstellt? ## Typische Fallstricke - BAFA-Genehmigungen erlischen bei Inhaberwechsel; neue Genehmigung erforderlich. - Mitarbeiter des Zielunternehmens kennen Exportkontrollpflichten nicht; hohes Risiko in Uebergangsphase. - ICP-Luecken aus Zielunternehmen werden unsichtbar weiter gelebt. - US-ITAR-Daten im Zielunternehmen erfordern US-DDTC-Genehmigung bei Uebertragung an EU-Erwerber. ## Schnittstellen zu anderen Skills Dieser Skill kann mit thematisch benachbarten Skills kombiniert werden, insbesondere: - Sanktionsscreening und Listenpruefung: `aussenwirtschaft-sanktionsscreening-fuzzy-match` - Exportkontrollklassifizierung: `aussenwirtschaft-gueterlisten-klassifizierung` - Freiwillige Offenlegung gegenueber BAFA oder Hauptzollamt: `aussenwirtschaft-freiwillige-offenlegung-bafa-zoll` - Interne Compliance-Programme: `aussenwirtschaft-icp-kontrollsystem` ## Qualitaetsanforderungen - Sachverhalt vollstaendig: Alle Beteiligten inklusive UBO/Eigentum/Kontrolle erfasst? - Normverweise konkret: Artikel und Absatz zitiert, nicht nur Verordnungsnummer? - Quellenstand datiert: Sanktionslisten, TARIC, Gueltigkeitsdaten dokumentiert? - Sofortmassnahmen klar: Stop-Ship, Hold, Eskalation explizit benannt wenn Risiko rot? - Audit-Trail vollstaendig: Entscheidung, Begruendung, Verantwortlicher, Frist? - Output mandantentauglich: Kein Fachwort ohne Erlaeuterung für Compliance und Business? - Vertraulichkeit: Mandatsgeheimnisse nicht in ungesicherte externe Systeme eingeben. ## Quellen - [BAFA ICP-Merkblatt](https://www.bafa.de/DE/Aussenwirtschaft/Ausfuhrkontrolle/Interne_Compliance/interne_compliance_node.html) - [AWG auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/awg_2013/index.html) - [UmwG auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/umwg_1994/index.html) - [AWV auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/awv_2013/index.html)