--- name: nichtpraeferenzieller-ursprung-ofac-sdn-post description: "Nichtpraeferenzieller Ursprung nach UZK Art. 59-61 und UZK-DA Art. 31-36: Bestimmung durch wesentliche Be- oder Verarbeitung, Listenregeln für HS-Wechsel, Wertschwellen und Letzte-wesentliche-Bearbeitung-Kriterium. Bedeutung für Made-in-Bezeichnung im Handelsrecht, Antidumping-Umgehungspruefung u..." --- # Nichtpraeferenzieller Ursprung und Made-in-Bezeichnung: Berechnung und Nachweis ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: AWG, AWV, EU-Dual-Use-VO 2021/821, EU-Sanktionsverordnungen, ZollkodexUnion, IranEmbargoVO, RusslandSanktionenVO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Mandantenfall - Maschinenbauer assembliert in Deutschland Teile aus China; 'Made in Germany' korrekt verwendbar? - Antidumping-Massnahmen auf Ware aus China; Ursprung nach Zusammenbau in Polen wird geprueft. - Exporteur verwendet 'Made in EU' Kennzeichnung; Ursprungsberechnung für UZK-Zwecke geprueft. ## Erste Schritte 1. HS-Code der Fertigware bestimmen. 2. Ursprungsregel für den HS-Code nach UZK-DA Anhang 22-01 ermitteln (HS-Wechsel oder Wertschwell). 3. Wertschwell-Berechnung wenn Wertkriterium anwendbar (Nicht-Ursprungsmaterialienanteil am EXW-Preis). 4. Letzte wesentliche Bearbeitung oder Verarbeitung feststellen. 5. 'Made in Germany' Zulassigkeit pruefen: Kernprozess und wesentliche Teile in Deutschland. 6. Ursprungsgutachten mit HS-Code-Wechsel-Dokumentation oder Wertschwell-Berechnung erstellen. ## Rechtsrahmen - **UZK Art. 59-61**: Nichtpraeferenzieller Ursprung, Definition und Kriterien. - **UZK-DA Art. 31-36**: Bearbeitungs- und Verarbeitungsregeln für nichtpraeferenziellen Ursprung. - **UZK-DA Anhang 22-01**: Listenregeln HS-Code-Wechsel für nichtpraeferenziellen Ursprung. - **VO (EG) 1215/2009**: Antidumping-Ursprungsregeln (Referenz). - **UWG § 5**: Irrefuehrende 'Made in'-Angaben als Wettbewerbsverstoß.** ## Pruef-Raster - [ ] HS-Code der Fertigware eindeutig bestimmt? - [ ] Ursprungsregel nach UZK-DA Anhang 22-01 für HS-Code abgerufen? - [ ] HS-Wechsel-Anforderung bei allen Nicht-Ursprungsmaterialien geprueft? - [ ] Wertschwell-Berechnung mit EXW-Preis und Nicht-Ursprungsmaterialienwert? - [ ] 'Made in'-Bezeichnung wettbewerbsrechtlich zulassig? - [ ] Ursprungsgutachten vollstaendig und archiviert? ## Typische Fallstricke - Einfaches Assemblieren von Fertigteilen (Minimal Operations) verleiht keinen Ursprung. - HS-Wechsel muss für ALLE Nicht-Ursprungsmaterialien erfolgen, nicht nur die wichtigsten. - 'Made in Germany' ist gesetzlich nicht definiert; Irrefuehrungs-Risiko nach UWG. - Antidumping-Umgehung durch Ursprungsverlagerung loest erhoehte Zollpruefung aus. ## Schnittstellen zu anderen Skills Dieser Skill kann mit thematisch benachbarten Skills kombiniert werden, insbesondere: - Sanktionsscreening und Listenpruefung: `aussenwirtschaft-sanktionsscreening-fuzzy-match` - Exportkontrollklassifizierung: `aussenwirtschaft-gueterlisten-klassifizierung` - Freiwillige Offenlegung gegenueber BAFA oder Hauptzollamt: `aussenwirtschaft-freiwillige-offenlegung-bafa-zoll` - Interne Compliance-Programme: `aussenwirtschaft-icp-kontrollsystem` ## Qualitaetsanforderungen - Sachverhalt vollstaendig: Alle Beteiligten inklusive UBO/Eigentum/Kontrolle erfasst? - Normverweise konkret: Artikel und Absatz zitiert, nicht nur Verordnungsnummer? - Quellenstand datiert: Sanktionslisten, TARIC, Gueltigkeitsdaten dokumentiert? - Sofortmassnahmen klar: Stop-Ship, Hold, Eskalation explizit benannt wenn Risiko rot? - Audit-Trail vollstaendig: Entscheidung, Begruendung, Verantwortlicher, Frist? - Output mandantentauglich: Kein Fachwort ohne Erlaeuterung für Compliance und Business? - Vertraulichkeit: Mandatsgeheimnisse nicht in ungesicherte externe Systeme eingeben. ## Quellen - [UZK auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32013R0952) - [UZK-DA Anhang 22-01](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32015R2446) - [Zoll.de Ursprung](https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Zoelle/Ursprung-Praeferenzen/ursprung-praeferenzen_node.html) - [AWV auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/awv_2013/index.html)